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Ist es schon die letzte Chance in der NHL? Was du zum Trade von Denis Malgin wissen musst

watson.ch-Logo watson.ch 20.02.2020 Adrian Bürgler
Teaserbild © AP Teaserbild Vor wenigen Tagen spielte Denis Malgin noch mit Florida gegen seine jetzigen Teamkollegen. © Frank Gunn/keystone-sda.ch Vor wenigen Tagen spielte Denis Malgin noch mit Florida gegen seine jetzigen Teamkollegen. Denis Malgin hat seit gestern ein neues Zuhause. Der Schweizer NHL-Spieler wurde von den Florida Panthers zu den Toronto Maple Leafs geschickt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Trade.

Die Meldung kam gestern ziemlich überraschend: Denis Malgin wechselt im Austausch für Stürmer Mason Marchment (24) von den Florida Panthers zu den Toronto Maple Leafs. Unerwartet war nicht unbedingt der Trade – Malgin hat in Florida kaum mehr gespielt – sondern eher die Destination. Aber dazu später mehr.

Das Tauschgeschäft bedeutet nicht nur, dass sich der Zürcher wieder mit Winterkleidern eindecken muss (im Grossraum Miami gab es zuletzt zwischen 25 und 30 Grad, in Toronto herrschen Minustemperaturen), sondern auch, dass er wieder mit Auston Matthews vereint ist. Die beiden spielten 2015/16 gemeinsam bei den ZSC Lions.

Aber natürlich hat der Trade noch weitere Auswirkungen. Auf den Kampf um die Playoff-Plätze und auch auf Denis Malgins weitere Karriere. Wir fassen zusammen.

Warum wollten die Leafs Malgin?

Mit Andreas Johnsson und Ilja Michejew fallen zwei «Bottom-Six-Flügel» von Toronto, also Stürmer für die hinteren zwei Reihen, für den Rest der Saison aus. Es fehlt den Leafs deshalb etwas an der Kadertiefe im Sturm. Da kann Denis Malgin aushelfen.

Fällt nach einer Knieoperation langfristig aus: Toronto-Stürmer Andreas Johnsson. © Christopher Katsarov/keystone-sda.ch Fällt nach einer Knieoperation langfristig aus: Toronto-Stürmer Andreas Johnsson.

«Wir brauchen Spieler mit NHL-Niveau und jetzt haben wir einen mehr», erzählt Leafs-Trainer Sheldon Keefe und fährt fort: «Malgin ist nicht nur ein talentierter Spieler, er ist ein Wettkampftyp. Wenn man ihn mit guten Spielern aufstellt, kann er Erfolg haben.»

War Malgin unzufrieden in Florida?

Ja. Der frühere ZSC-Junior hat seit dem Jahreswechsel nur noch sieben von möglichen 21 Partien gespielt, obwohl er in diesen Spielen trotz wenig Eiszeit auch gepunktet hat. Es ging so weit, dass sein Agent Peter Svoboda bei Floridas General Manager Dale Tallon einen Trade verlangte. Nun erhält er bei Toronto die Chance auf einen Neustart.

Welche Rolle kann Malgin in Toronto übernehmen?

Wie bereits oben erwähnt, ist Malgin wohl für die dritte oder vierte Sturmlinie vorgesehen. Als klein gewachsener Athlet mit solidem Defensivspiel, wäre er für eine Position in der dritten Linie prädestiniert. Er spielt sicher in der eigenen Zone und ist stark darin, den Puck aus der Defensive in die gegnerische Zone zu tragen.

In Florida hatte der 23-Jährige diese Saison auch Pech. Seine Schusseffizienz lagt mit 8,5 Prozent deutlich unter dem Karriereschnitt von 10,8 Prozent. Andreas Johnsson, der letzte Saison 20 Tore und 23 Assists skorte, zu ersetzen, wird natürlich dennoch schwierig.

Der Zürcher kann flexibel eingesetzt werden, da er sowohl Center als auch Flügel spielen kann. Scott Wheeler, Leafs-Journalist bei «The Athletic», sieht bei Malgin auch das Potential, in den Special Teams eine Rolle zu spielen. Im Penalty Killing und in der zweiten Powerplay-Formation. Es bleibt aber auch die Möglichkeit, dass Malgin immer mal wieder auf der Tribüne Platz nehmen muss.

Was bedeutet der Trade für Malgins Karriere?

Malgin hat für nächste Saison noch keinen neuen Vertrag. Mit guten Leistungen in Toronto könnte er sich auch bei anderen Mannschaften wieder ins Gespräch bringen. Insbesondere weil Toronto medial der grösste Markt der Liga ist. Gute Leistungen bei den Leafs werden überall registriert.

Das gleiche gilt aber auch für schlechte Leistungen. Deshalb steht der Stürmer auch unter Druck. Er erhält an einem neuen Ort eine Chance, sich zu beweisen, kann dort zeigen, dass er in die NHL gehört. Gelingt ihm das allerdings nicht, schwinden die Chancen, dass der Zürcher nochmals einen fairen Vertrag in Nordamerika erhält.

Welches Team hat den Trade gewonnen?

Abschliessend lässt sich das natürlich erst in ein paar Jahren beurteilen. Momentan sieht es aber so aus, als hätten die Leafs den besseren Deal gemacht. Malgin ist ein Spieler, der sich bereits drei Jahre in der NHL halten konnte. Mason Marchment ist fast zwei Jahre älter, hat aber erst vier NHL-Spiele auf dem Konto. Der Kanadier ist zwar grösser und schwerer als Malgin, hat aber sonst weniger zu bieten.

Warum helfen die Panthers einem direkten Konkurrenten?

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, kommt es tatsächlich überraschend, dass Malgin ausgerechnet zu den Leafs wechselt. Schliesslich sind die beiden Teams in der Atlantic Division in einen extrem spannenden Playoff-Kampf verwickelt. Florida liegt mit 70 Punkten auf Rang drei in der Division. Toronto hat gleich viele Zähler auf dem Konto, befindet sich damit aber nur auf dem vierten Rang im Wildcard-Rennen.

Da dazwischen und dahinter sich aber nur Teams aus der Metropolitan Division in Schlagdistanz befinden, liefern sich Panthers und Leafs einen Zweikampf um den dritten Platz in ihrer Division.

Floridas grosses Problem war, dass sie wirklich gar keinen Cap Space mehr zur Verfügung hatten. Selbst Spieler aus der AHL in die NHL zu holen, war schwierig. Neuzugang Marchment können die Floridianer nun ohne auf die Waiver-Liste zu setzen in die AHL schicken, weshalb sein Lohn keine Rolle spielt. Bei Malgin wäre das nicht der Fall gewesen. Er hätte auf die Waiver-Liste gemusst und andere Teams hätten ihn ohne selbst etwas abzugeben, auflesen können. So sind die Panthers Malgins Vertrag los und haben noch einen Gegenwert erhalten.

Ohne Malgin fallen zwar nur 750'000 Dollar aus der Bilanz, aber es gibt ihnen wieder etwas mehr Spielraum – für Berufungen aus der AHL oder auch für weitere Trades.

Wie reagierten die Toronto-Fans?

Die Fans sind in unterschiedliche Lager gespalten. Es gibt eine Fraktion, die Leafs-GM Kyle Dubas möglichst schnell zum Teufel schicken will. Sie werfen dem 34-Jährigen vor, sich nicht um die tatsächlichen Probleme der Mannschaft zu kümmern. Sie fordern Verstärkung für die Verteidigung und ein wenig mehr «Rumpelfestigkeit». Also grössere und stärkere Spieler. Da passt ihnen ein Denis Malgin natürlich nicht in den Kram.

Das andere Lager geht etwas differenzierter an die Sache heran. Sie finden zwar auch, dass das grösste Problem in Toronto die Verteidigung ist, freuen sich aber, dass Dubas einen AHL-Spieler gegen einen Akteur mit NHL-Talent getauscht hat.

Ist Malgin der erste Schweizer bei den Leafs?

Nein. Martin Gerber hat in der Saison 2008/09 bereits zwölf Spiele für Toronto absolviert. Malgin wird aber die Nummer zwei sein.

Der Kanadier Ken Baumgartner hatte zwar den Schweizer Pass, ausser einer Saison beim EHC Chur aber wenig Bezug zum Schweizer Eishockey. Paul DiPietro hatte während seiner Zeit bei den Maple Leafs die Schweizer Staatsbürgerschaft noch nicht. Luca Cereda wurde von der kanadischen Franchise zwar in der ersten Runde gedraftet, spielte aufgrund seiner Herzprobleme aber kein NHL-Spiel.

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