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Maler? Nein, ein vergnügter Bildermacher

BZ Berner Zeitung-Logo BZ Berner Zeitung 17.04.2018 Helen Lagger
Maler? Nein, ein vergnügter Bildermacher © (Berner Zeitung) Maler? Nein, ein vergnügter Bildermacher

Eine umfangreiche Retrospektive würdigt das Werk des Malers Pole Lehmann. Farbenfroh erzählte er vom Weltgeschehen – und von der eigenen Zeugung.

Jackie Kennedy kniet im rosa Kleid auf der Motorhaube. Ihr Mann, der 35. Präsident der Vereinigten Staaten, wurde soeben erschossen. Ein Bild, das um die Welt ging.

Der Berner Maler Pole Lehmann hat davon inspiriert ein grossformatiges Gemälde geschaffen. Dabei erzählt er mit überbordender Fantasie von diesem tragischen Ereignis. Kennedy liegt tot im Auto, ist aber gleichzeitig als glamourös lachender Engel bereits im Himmel angekommen. Parallel stattfindende Handlungen und verschobene Grössenverhältnisse sind typisch für den eigensinnigen Künstler, der sich stilistisch kaum verorten lässt.

Der 2016 verstorbene Maler hat mehr als 2500 Werke hinterlassen. Seine Kinder Lukas Lehmann, Mädi Roth und Anna Barbara Lehmann präsentieren zurzeit im Tramdepot eine umfangreiche Retrospektive. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen, mit Texten von Peter Bichsel und Hans Christoph von Tavel. Pole Lehmann war zwischen 1951 und 1987 Lehrer an der Gesamtschule Schüpberg. Die Familie lebte im Schulhaus.

Im Dach hatte Lehmann sein Malatelier. Sein Sohn Lukas Lehmann erinnert sich an ein Elternhaus, in dem Künstler wie Bernhard Luginbühl, Jean Tinguely und Peter Bichsel ein und aus gingen. Sein Vater habe aufregende Gutenachtgeschichten erzählt, die er gänzlich frei erfunden habe.

Vergnügter Bildermacher

Ein Geschichtenerzähler war Lehmann auch auf der Leinwand. In seinem Frühwerk suchte der einstige Schüler von Max von Mühlenen ganz dem Zeitgeist entsprechend zwar noch nach abstrakten Formen. Doch diesen Weg verliess er rasch zugunsten eines ureigenen, figurativen Stils. «Ich bin kein Maler. Ich bin ein vergnügter Bildermacher, dem die ganze Malerei wurst ist», postulierte er.

1000 Bilder wollte er malen. Ein Versprechen, das er einhielt. Lehmann malte uner­müdlich bis zu seinem Tod. Trotz seines Aussenseitertums hatte er bereits zu Lebzeiten Anerkennung erfahren. Berns Starkurator Harald Szeemann (1933–2005) schätzte ihn ebenso wie Hans Christoph von Tavel, der einstige Direktor des Kunstmuseums Bern.

Regelmässig nahm Lehmann an Gruppenausstellungen in der Kunsthalle teil oder zeigte sein Werk in der Bieler Galerie Silvia Steiner. Die Retrospektive im Tramdepot ist nun die erste umfassende Gesamtschau. Noch nie gezeigte Ölbilder sowie die komplette Serie der eigenen Zeugung sind zu sehen. «Zeugung» ist ein skurriler Bilderreigen voller Gewalt und Pornografie.

Mit Jäger und Dachs

Jedes einzelne Bild ist mit einem Text versehen, sodass man den Reigen wie einen Comic lesen kann. Lehmann malte sich selbst als Ungeborenes im Bauch seiner Mutter oder als Kleinkind. Ein das Böse symbolisierender Jäger und ein Dachs gehören ebenso zu diesem Kosmos.

Ähnlich ging Lehmann in seinem autobio­grafischen Bilderroman «Popkornaden» aus den Siebziger­jahren vor. Er erzählt darin aus der Kindheit in Hindelbank. Dabei berichtet Lehmann vom ersten Schultag oder über den besten Bäcker im Dorf – in so psychedelisch wirkenden Bildern, dass man meint, in ein Kaleidoskop zu blicken.

Ausstellung: noch bis zum 29. 4. im Tramdepot Burgernziel, Bern. Infos: www.polelehmann.ch.

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