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Maulwurf in Mafia-Clan eingeschleust

Der Bund-Logo Der Bund 23.07.2020

Bei einer Razzia gegen die ’Ndrangheta wurden 75 Personen festgenommen, eine Person wurde im Kanton Aargau festgenommen. Als unscheinbare Mafia-Drehscheibe gilt eine Pizzeria im aargauischen Muri.

Ein Polizeibeamter des Fedpol (links) sowie ein Beamter der italienischen Finanzpolizei in Catanzaro, die bei der Aktion im Einsatz standen. © Foto: Fedpol via Twitter Ein Polizeibeamter des Fedpol (links) sowie ein Beamter der italienischen Finanzpolizei in Catanzaro, die bei der Aktion im Einsatz standen.

Schweizerische und italienische Behörden haben am Dienstag in einer gemeinsamen Aktion gegen die kalabrische Mafia-Organisation ‹Ndrangheta 75 Personen festgenommen. In der Schweiz gab es Durchsuchungen in etlichen Kantonen und eine Verhaftung im Aargau.

Die Festgenommenen gehören gemäss den Angaben zu kalabrischen Familien, die im Bereich der organisierten Kriminalität tätig sein sollen.

Italienischen Medien zufolge konnten Ermittler einen Maulwurf in der Schweiz in den Mafia-Clan einschleusen. Dem Undercoverpolizisten soll es demnach gelungen sein, das Vertrauen der mutmasslichen Mafiosi aus dem Aargau zu gewinnen und damit wichtige Informationen den Ermittlern zu liefern.

Laut CH Media gilt eine Pizzeria in Muri AG als Drehscheibe. Das Restaurant gibt es bereits seit 20 Jahren. Der Wirt und Inhaber soll italienischer Staatsangehöriger sein und aus der Gemeinde Filadelfia in der kalabrischen Provinz Vibo Valentia stammen.

Er habe ein unauffälliges Leben im Dorf geführt, sagt eine Quelle gegenüber CH Media. Dass er einen Ferrari in der Garage hatte, habe niemanden verwundert, heisst es weiter. Auch die vielen «frisierten» Autos vor dem Restaurant brachte niemand in Verbindung mit der Mafia.

‹Ndrangheta nistet sich in der Schweiz seit Jahren ein

Die kalabresische Mafia-Organisation hat sich in der Schweiz seit über 40 Jahren festgesetzt. Sie bleibt meist unauffällig. Der bisher grösste Schlag gegen sie gelang 2016 mit der Verhaftung von Angehörigen ihrer Frauenfelder Zelle.

Die Schweizer Fälle im Zusammenhang mit der ‹Ndragheta im vergangenen Jahrzehnt:

  • 20. Januar 2020: Das Bundesgericht bestätigt das Urteil gegen einen 62-jährigen Italiener im Wesentlichen, der im November 2018 wegen Mitgliedschaft und Unterstützung der kalabresischen Mafia ‹Ndrangheta zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt wurde. Der Mann wohnte im Berner Seeland und schmuggelte Waffen nach Kalabrien.
  • 19. Dezember 2019: In einer Riesen-Razzia gehen der Polizei in Italien über 330 Mafiosi der ‹Ndrangheta ins Netz. Die Schweiz war an den Ermittlungen beteiligt.
  • 6. Dezember 2019: Der Bundesrat gibt bekannt, dass er mit einem Aktionsplan gegen die Mafia vorgehen will und die Bekämpfung dieser organisierten Kriminalität bis 2023 ein Schwerpunkt in der Kriminalitätsbekämpfung sein wird.
  • 2019: Das Verfahren gegen das letzte Frauenfelder ‹Ndrangheta-Mitglied, das nicht nach Italien ausgeliefert werden kann, muss mangels Beweisen eingestellt werden.
  • 13. Juli 2019: Ein Bericht zeigt auf, dass sich die ‹Ndrangheta in der Schweiz fest etabliert hat, allerdings meist unsichtbar bleibt. Erhärtet wird das durch die Verhaftungen im Zusammenhang mit der sogenannten Frauenfelder Zelle der kalabrischen Verbrecher.
  • 18. April 2018: Konten und Güter im Wert von 700'000 Euro, darunter ein Gemälde, das der Schule von Caravaggio zugeschrieben wird, stellen Carabinieri aus La Spezia, Ligurien, in der Schweiz sicher. Das Diebesgut wird der ‹Ndrangheta zugeschrieben.
  • 29. Dezember 2017: Das Bundesstrafgericht verurteilt zwei Tessiner ‹Ndrangheta-Zuträger zu Haftstrafen. Ein «Vertrauensmann» der Mailänder Zelle muss fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Mit einer teilbedingten dreijährigen Haftstrafe kam ein Tessiner Treuhänder und Ex-Stadtrat davon, der bei der Geldwäsche und anderen Machenschaften half.
  • 29. August 2016: Eine jahrelange Strafuntersuchung gegen fünf Männer, die ursprünglich wegen angeblicher Mitgliedschaft bei der ‹Ndrangheta ins Visier der Bundesanwaltschaft geraten waren, endet mit vier bedingten Strafen. Den Hauptangeklagten spricht das Bundesstrafgericht frei.
  • 8. März 2016: Zwölf Personen werden im Thurgau festgenommen, eine im Kanton Zürich. Diese 13 Männer gehören zur Frauenfelder Zelle der ‹Ndragheta, gegen die die Bundesanwaltschaft seit Jahren ermittelt. Bis auf zwei Schweizer Bürger und einen weiteren liefert die Schweiz alle an Italien aus. Die Zelle Frauenfeld besteht Ermittlungen zufolge seit über 40 Jahren. Am gleichen Tag nimmt die Polizei im Wallis zwei ‹Ndrangheta-Angehörige fest, die aber nicht zum Zirkel von Frauenfeld gehören. Diese beiden waren in Kalabrien zu Freiheitsstrafen von neun beziehungsweise sechs Jahren verurteilt worden.
  • 23. Oktober 2015: Ein Gericht in Reggio Calabria verurteilt zwei Italiener mit Wohnsitz im Kanton Thurgau zu 12 respektive 14 Jahren Haft wegen der Bildung einer mafiösen Vereinigung. Der Fall der Frauenfelder Mafia-Zelle war im August 2014 bekannt geworden. Damals waren die beiden nun Verurteilten in der süditalienischen Provinz Kalabrien verhaftet worden, zusammen mit weiteren 16 Verdächtigen.
  • 13. Dezember 2014: Die Bundesanwaltschaft stellt ein Verfahren gegen fünf Personen wegen angeblicher ‹Ndrangheta-Mitgliedschaft ein, gut sieben Monate nachdem das Bundesstrafgericht die Anklage zum zweiten Mal zurückgewiesen hatte. Insgesamt dauerte das Verfahren fast 13 Jahre. Den Beschuldigten wurde vorgeworfen, seit 1994 vor allem im Rauschgift- und Waffenschmuggel auf der Achse Zürich-Tessin-Italien tätig gewesen zu sein.
  • 1970-er Jahre: Mitglieder der ‹Ndrangheta wandern in den Kanton Thurgau ein und bilden die Mafia Zelle. Die Zelle ist nach Angaben der italienischen Polizei ein Ableger einer Verbrecherorganisation aus Fabrizia in der kalabrischen Region Vibo Valentia.

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