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Pleitewelle im Herbst: Das grosse Beizensterben steht bevor

Blick-LogoBlick 26.07.2020 Iseli Marc (isr)
Das grosse Beizensterben steht bevor © keystone Das grosse Beizensterben steht bevor

Wenn die Gartenwirtschaft wieder schliesst, beginnt das grosse Beizensterben. Dann wird es zu kalt für die Sonnenterrassen. Die engen Gaststuben werden von vielen noch immer gemieden. Ausserdem bleiben zahlreiche Büroangestellte im Home Office. Das Business mit dem Business-Lunch bleibt aus.Schlimmer aber: Wegen der Krise sind viele Betriebe überschuldet. Das sagt Gastro-Berater Urs Grimm zur «NZZ am Sonntag». Er ist sich sicher: «Es wird zu einer Bereinigung kommen.» Das grösste Problem vieler Gastronomen sei die Liquidität, sagt Grimm. «Kurzfristig sind sie mit Krediten über die Runden gekommen. Aber dadurch haben sie sich überschuldet.» Diese Schulden zurückzuzahlen, würden viele nicht schaffen. Zahl der Gastro-Jobs bricht einGrimm sagt eine Bereinigung in der Branche voraus. «Vor allem Restaurants, die kein klares Profil und keine grosse Stammkundschaft haben, werden es im Herbst schwer haben.» Wer überleben will, muss sich den neuen Gegebenheiten anpassen. «Es ist nun Zeit, neue Konzepte auszuprobieren. Die Kunden sind bereit dafür», sagt Gastroberater Grimm. Euler Hermes erwartet Pleitewelle spätestens ab HerbstAber wenn ein weiterer Lockdown kommt, nützt auch das nur wenig. Die Unsicherheit bleibt. Sicher ist einzig: Die Zahl der Gastrojobs ist bereits eingebrochen. Im ersten Quartal 2020 registrierte das Bundesamt für Statistik umgerechnet rund 120’000 Vollzeitstellen. Im gleichen Zeitraum im Vorjahr generierte die Gastronomiebranche noch 125’000 Vollzeit-Jobs. Das heisst: bereits zu Beginn des Lockdowns fehlten 5000 Vollzeitstellen.Harter Schlag für RandregionenDie Statistik zeigt aber nur die halbe Wahrheit. Die Branche ist berüchtigt dafür, viele in Teilzeit arbeiten zu lassen. Deshalb ist die Gesamtzahl der Beschäftigten deutlich höher. Genauer: 173’000 Personen arbeiten derzeit in einer Bar, einem Restaurant oder einem anderen Gastro-Betrieb. Ohne Corona läge diese Zahl deutlich höher. «Von allen Branchen in der Schweiz ist das Gastgewerbe diejenige, die uns am meisten Sorgen macht», sagt denn auch Klaus Abberger, Ökonom an der Konjunkturfor­schungsstelle KOF der ETH Zürich.Er fürchtet vor allem einen Einbruch in ländlichen Regionen. «Das Gastgewerbe ist insbesondere in weniger dicht besiedeltem Gebiet ein wichtiger Arbeitgeber», sagt Abberger. In der Stadt würden die Betriebe auch leiden. «Aber dort gibt es noch viele andere Wirtschaftszweige.» (ise)

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