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Die Pfadi oder der Zoo kommen nach Hause: 14 Einfälle für Kinder und Eltern gegen den Lagerkoller

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 16.04.2020 Johanna Wedl, Katja Baigger

Die Kindergärten und Schulen öffnen am 11. Mai wieder. Wie beschäftigen Eltern ihre Töchter und Söhne in den verbleibenden Wochen? Und wie lässt sich dem Nachwuchs Covid-19 erklären?

Beim gemeinsamen Frühlingsputz kann man die Fenster reinigen – um sie mit den Kindern dann gleich wieder neu zu gestalten. Annick Ramp / NZZ © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Beim gemeinsamen Frühlingsputz kann man die Fenster reinigen – um sie mit den Kindern dann gleich wieder neu zu gestalten. Annick Ramp / NZZ

Die Bildungseinrichtungen in der ganzen Schweiz sind noch bis mindestens am 11. Mai geschlossen. Auch im Kanton Zürich bleiben Kindergärten, Schulen und Universitäten vorerst zu. Was anfangs für Kinder und Jugendliche vielleicht noch wie unerwartete Ferien gewirkt haben mag, kann in einer Familie auf Dauer Spannungen und Streit auslösen. Grundsätzlich lässt sich feststellen: Je älter die Kinder sind, desto leichter fällt es, den neuen Alltag zu bewältigen. Eine Mutter berichtet, ihr 9-jähriger Sohn brauche deutlich mehr Unterstützung als ihre 12 Jahre alte Tochter.

Experten empfehlen, weiterhin möglichst einen strukturierten Alltag zu pflegen und zum Beispiel feste Zeiten für Mahlzeiten einzuplanen. Hilfreich kann es auch sein, sich mit anderen Familien auszutauschen. Nachfolgend einige Ideen und Tipps, wie sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene die verbleibenden Wochen im Lockdown zu Hause beschäftigen können.

1. Wie man dem Nachwuchs das Virus erklären kann

Der dreieinhalbjährige Sohn stürzt sich auf alle Abbildungen des Coronavirus. Er findet es interessant, wie dieser «Käfer» aussieht, und hofft, dass die Jäger ihn jagen können. Alle reden über das Coronavirus. Logischerweise interessiert auch die Kinder, was es mit der Lungenkrankheit auf sich hat.

Doch wie erklärt man Covid-19 dem Nachwuchs? Es lohnt sich, in den neusten Podcast Familienbande hineinzuhören – ein Gemeinschaftsprojekt der Pro Juventute, des Kinderspitals Zürich sowie des Verbands Elternbildung. Dort rät der Kinderarzt und Entwicklungspädiater Sepp Holtz, dass man kleine Kinder fragen könne, was sie denn schon wüssten über das Coronavirus und was sie gerne wissen möchten. Vielleicht erinnert sich der Sohn oder die Tochter an die letzte Erkältung, und so müsse man sich auch die Corona-bedingte Krankheit bei Kindern vorstellen. Ältere Personen würden stärker krank.

Auch den Grund für das häufige Händewaschen mit Seife könne man erläutern: Das Virus entferne sich auf diese Weise. Mindestens so wichtig wie das Erklären sei in der Erziehung ja stets das Vorleben, was auch hier gelte.

2. Backen

«Ein ganz klein wenig Süsses kann viel Bitteres verschwinden lassen», meinte der italienische Dichter Francesco Petrarca schon im 14. Jahrhundert. Warum also nicht einen Kuchen backen? Hier gibt es ein einfaches Rezept für eine simple Tarte au Chocolat. Kinder lieben auch allerlei Muffins, die sie selbst verzieren können. Aus aktuellem Anlass verweisen wir auch auf den «Coronabänz», die Inspiration dazu haben wir auf Twitter gefunden.

3. Basteln

Ein Teig lässt sich auch für Bastelwaren herstellen, zum Beispiel, um Tiere aus Salzteig zu formen. Mit Schere und Papier lassen sich Flugzeuge oder Schiffe gestalten, die durch die Wohnung fliegen oder in der Badewanne (alternativ: im Wäschekorb) zum Segeltörn starten. Mit leicht abwaschbaren Farben bemalt man Fenster farbig; eine Gelegenheit, um auch gleich den Frühlingsputz in Angriff zu nehmen.

Das Gemeinschaftszentrum Riesbach bietet jeden Freitag ein neues Überlebens-Bastelset. Kinder finden es in der grossen Holzkiste beim alten Stall, wie es auf der Website heisst. Darin eingepackt sind unterschiedliche Materialien, um die beigelegte Idee zum Selbermachen umzusetzen – solange der Vorrat reicht. Für das Fotoalbum auf der Website kann man die Bilder seines Werks einsenden.

4. Haushalten

Kinder freuen sich, wenn sie im Alltag Aufgaben übernehmen dürfen – sie helfen gerne im Haushalt (ja, es gibt solche!). Es muss nicht gleich der alles umfassende Frühlingsputz sein, einmal mit dem Staubwedel über Simse und Regale zu wischen, reicht. Die vielen Socken können auf dem Boden zu einem Memory ausgelegt werden, und der Karton, der entsorgt gehört, dient als Baumaterial für ein Häuschen. Auf dem Balkon lassen sich Blumenbeete anlegen oder Kräuter setzen (wer eine rasche Ernte will, kann Kresse pflanzen). Auch auf den Dachboden zu steigen oder in den Keller zu gehen, lohnt sich, nicht nur zum Entrümpeln. Vergessenes Spielzeug findet neue Verwendung. Oder die Kinder finden in Mamis Sonnenhut oder Papis altem Anzug Inspiration für Rollenspiele. Lehrpersonen einer Stadtzürcher Primarklasse haben Eltern ein Merkblatt mit verschiedenen Ideen zukommen lassen. Darauf findet sich auch eine «Putzolympiade»: Pro erledigte Haushaltsaufgabe erhalten die Teilnehmer einen Punkt, wer gewinnt, darf am Abend das Fernsehprogramm aussuchen.

5. Experimentieren im Küchen-Labor

Das Technorama in Winterthur lädt unter dem Stichwort «Technorama @home – Experimente für zu Hause» alle paar Tage Youtube-Videos zum Tüfteln auf die Website. Mischt man zum Beispiel Essig mit Backpulver, kann man CO2 herstellen (und dieses gleich für das Land der tausend Vulkane bei «Jim Knopf» brauchen, siehe Punkt 9, Heimtheater). Erklärt wird auch, wie im Dunkeln farbenfrohe Lichtbilder fotografiert werden können. Die Tüftler sind aufgefordert, das Resultat ihrer Experimente mit Videos oder Fotos in den sozialen Netzwerken zu teilen, unter #mytechnorama. Das Museum verlost unter den «Forschern» eine Jahreskarte.

6. Geschichten lesen oder hören

Die vierzehn Pestalozzi-Bibliotheken sind geschlossen, aber es ist ein grosszügiges Online-Angebot von Comics bis zu Märchen zum Herunterladen verfügbar, auch für die Jüngsten. Unter dem Stichwort Onleihe Junior können Kinder und Jugendliche E-Books und E-Hörbücher ausleihen, Leseproben sind gratis verfügbar. Auf der Website heisst es zudem, alle Bibliotheksausweise seien bis am 5. Mai 2020 automatisch verlängert. Der Zürcher Kinderbuchladen bedient derweil, wie viele andere Buchhandlungen, seine Kunden online oder via Whatsapp.

Zambo-Hörspiel-Podcasts für Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren bietet SRF. Darunter befinden sich Mundart-Geschichten für Detektivinnen, Abenteurer und Fantasy-Fans mit Titeln wie «Mayas Handtäschli», «De Aladin i de Schatzhöhli», «De Coboi Klaus», «Klub der jungen Dichter 2019».

7. Pfadi im Netz

Bis am 30. April finden keine Treffen von Pfadfinderinnen und Pfadfindern statt, wie die Pfadibewegung Schweiz mitteilt. Für die jüngeren Mitglieder haben die Leiterinnen und Leiter die Pfadi ins Netz verlagert. Unter dem Begriff «Homescouting» bieten sie Aktivitäten an, bei denen die Kinder und Jugendlichen von zu Hause aus mitmachen können. Das kann eine Video-Backanleitung für Schlangenbrot sein, ein Bastelleitfaden für aufheiternde Dekorationen, ein sportlicher Parcours durch Haus und Garten, ein spannendes Hörspiel oder regelmässig erscheinende Teile einer Geschichte, gespickt mit Rätsel für die Kleinen. Die meisten Abteilungen veröffentlichen ihre Ideen über die Website oder über die sozialen Netzwerke, so dass auch Kinder, die nicht in der Pfadi sind, mitmachen können. Eine Zusammenstellung der laufenden Aktionen der Pfadigruppen ist zu finden unter www.pfadi.swiss/homescouting.

Die Pfadi Gryfenberg aus Zürich Nord fordert etwa dazu auf, lässige Hütten im Kinderzimmer oder im Wald zu bauen und ein Bild oder ein Filmchen davon einzusenden. Die Pfadi Wulp in Küsnacht und Erlenbach spornt Kinder derweil an, ein Video davon zu schicken, wie sie ein Lagerlied singen. Auch Musik-Clips mit witzigen Verkleidungen sind gefragt.

8. Singen und mitmachen

Singen und Tanzen hebt die Laune. Die Zürcher Sängerin Nelly Gyimesi, deren Musigzwergli-Kurse und Mini-Discos aufgrund des Coronavirus abgesagt wurden, präsentiert online einen regelrechten Sing-und-Tanz-Stundenplan für Kinder zwischen zwei und acht Jahren gegen den Lagerkoller. Von Montag bis Freitag streamt sie um 10 Uhr auf Facebook und um 16 Uhr 30 auf Instagram live ihre Mitmachstunde, um 19 Uhr gibt es ein Bettmümpfeli. Ein Youtube-Channel existiert ebenfalls.

Der Kinderliedermacher Andrew Bond aus Wädenswil hat auf seiner Website die interaktive Mitmachgeschichte «Daheim mit dem Hamster» aufgeschaltet. Sie handelt davon, wie eine Familie mit der Krise umgeht. Jeden Werktag um 9 Uhr findet sich dort eine neue Episode, die man anhören oder lesen kann. Kinder können das Erzählte weiterschreiben, Zeichnungen oder Fotos von Gebasteltem einsenden.

9. Lebendige Historie der Games und der Schweiz

Schülerinnen und Schüler, welche die Ausstellung über Games im Landesmuseum in Zürich gerne gesehen hätten und sich nun gedulden müssen, können dies vorerst einmal online tun. Es gibt eine Video-Führung auf den Spuren dieses Phänomens bis zu den Anfängen in den 1970er Jahren. Zum Download stehen schön gestaltete Arbeitsblätter bereit, etwa zu den Themen «Ich game, also bin ich» oder «Von Level zu Level». Darüber hinaus kann man sich ausführlich über die Schweizer Geschichte oder die Grönland-Expedition des Schweizer Forschers Alfred de Quervain von 1912 informieren, ebenfalls mittels Videos und Arbeitsblättern. Mit der kostenlosen App lassen sich auch die Audioguides der Ausstellungen nachhören.

10. Heimtheater

Auch Theaterschaffende sind derzeit an ihr Heim gebunden. Viele von ihnen spornen im Netz mit einfachen Mitteln zu kreativer Tätigkeit an. Das Duo vom Minitheater Hannibal etwa bringt seit einigen Tagen «Jim Knopf» in einer witzigen, improvisierten Version via Youtube oder Facebook in die hiesigen Wohn- und Kinderzimmer. Von Montag bis Samstag, jeweils 18 Uhr, erzählen Andrea Fischer Schulthess, künstlerische Leiterin des Theaters Millers, und Adrian Schulthess aus ihrem «Dihei» einen neuen «Schnifel» aus dem Roman, frei nach Michael Ende. Die Figuren und Requisiten haben sie selber gebastelt. Am Ende jeder Geschichte gibt es eine Anleitung zum Nachmachen: Die Lokomotive Emma kann man aus Büchsen und Korken herstellen, der Scheinriese Turtur wird aus Papier wie eine Handorgel gefaltet. – Für diejenigen, die noch nicht genug haben: «Jim Knopf» ist ebenfalls im Repertoire der Augsburger Puppenkiste (siehe Youtube).

11. Sport treiben

Damit Bewegung auch ohne schulischen Sportunterricht nicht zu kurz kommt, stellt das Sportamt der Stadt Zürich einen Youtube-Kanal mit Videos für Schülerinnen und Schüler zum Turnen in den eigenen vier Wänden bereit. Ab sofort stehen 40 Videos zum Nachmachen zu Hause zur Verfügung. Das Angebot wird laufend erweitert, Trainerinnen und Sportler können Videos einsenden (es gibt sogar ein Tutorial, wie man am besten filmt). Ein Redaktionsteam sorge dafür, dass Kondition, Koordination und Beweglichkeit abgedeckt würden, heisst es in einem Communiqué. Zu finden sind Übungen für verschiedene Schulstufen. Unter dem Hashtag #loop_it können die Videos auch in den sozialen Netzwerken publiziert werden.

Aus Berlin erreicht uns eine tägliche Sportstunde, je eine für Kinder ab drei Jahren und eine für Primarschüler. Gemacht werden die Video-Lektionen vom Basketballteam Alba.

Einmal an die frische Luft zu gehen, bleibt trotzdem wichtig. In vielen Gemeinden gibt es Vitaparcours-Angebote. Auch Velofahren oder Skateboarden bietet Abwechslung. Zu beachten gilt es bei den Outdoor-Aktivitäten, dass man sich nur in kleinen Gruppen aufhält (maximal fünf Personen) und die Regeln des Bundesamtes für Gesundheit betreffend ausreichend Distanz zu anderen Menschen befolgt (Mindestabstand einhalten).

12. Postkarten schreiben

Ein Tipp für alle, die Freunde oder Grosseltern ganz arg vermissen: Die Schweizerische Post erhält ihren Betrieb nach wie vor aufrecht. Mittels Smartphone-App kann täglich eine digitale Gratispostkarte verschickt werden. Über eine sogar von Hand geschriebene Karte oder ein Couvert, in dem ausnahmsweise einmal keine Rechnung steckt, freut sich jede und jeder.

Drei Künstlerinnen aus einem Zürcher Atelier, genannt Neumarkt, haben einen besonderen Service angeboten. Sie gestalteten unentgeltlich und unkompliziert künstlerische Postkarten. Es galt, ein SMS mit Text «MARKE» an die Nummer 414 der Post zu senden. Daraufhin erhielt man einen Code, den man in ein Internet-Formular eintragen konnte. 400 kreative Souvenirs verliessen daraufhin das Atelier. Die Aktion ist nun beendet, wie die Künstlerinnen auf ihrer Website mitteilen. Man sei überwältigt von der grossen Nachfrage und freue sich sehr, heisst es dort.

13. Zootiere fürs «Dihei»

Vermisst Ihr Nachwuchs bereits den Zoo Zürich? Normalerweise wird die Anlage von Scharen von Kindern besucht. In diesen Wochen geht die für Familien unabdingbare Institution den umgekehrten Weg: «Wir kommen zu unseren Zoofans nach Hause», heisst es auf der Website. Mit tierischen Bastelanleitungen, Aufgabenblättern und Spielideen möchte der Zoo einen Beitrag leisten, damit die Zeit daheim kurzweilig und fröhlich vorübergeht. So lässt sich etwa das Dach des Elefantenhauses downloaden, ausschneiden und über einen Eierkarton kleben. Aus Knete oder Marzipan können nach Anleitung Elefanten geformt werden. Zudem gibt es auch einen Regenwald oder eine Savanne zum Herunterladen und Ausmalen.

Wimmelbilder mit Farbe versehen kann man auch beim Zoologischen Museum der Universität Zürich. Dieses datiert seinen Facebook-Auftritt regelmässig mit Ideen auf. Und das Naturhistorische Museum Bern bietet an, vom Sofa aus die Insekten-Sammlung zu erkunden.

14. Übriges

Auch kulturelle Programme bleiben in diesen Zeiten bestehen, obwohl die bekannten Häuser längst geschlossen sind. Es gibt virtuelle Museumstouren, auf Google Arts and Culture sind auch Schweizer Museen wie die Fondation Beyeler vertreten. Das Zürcher Literaturmuseum Strauhof zeigt derweil in einem Video, wie der Illustrator Hannes Binder seine Schabkartonzeichnungen erschafft.

Künstler, unter ihnen der Schriftsteller Thomas Meyer («Wolkenbruch»), lesen aus ihren Wohnzimmern. Hauskonzerte bietet zudem der bekannte russisch-deutsche Pianist Igor Levit.

Man muss nicht gleich Starpianist werden, aber die Zeit lässt sich auch nutzen, um ein neues Musikinstrument zu lernen. Firmen wie Musik Hug liefern zum Beispiel E-Pianos nach Hause, Applikationen auf dem Smartphone ersetzen den Lehrer. Bei Youtube findet man Anleitungen, wie man eine neue Sprache lernen kann, wie man den Einstieg in die Welt des Programmierens findet oder selbst ein Stofftier strickt – die Möglichkeiten sind schier grenzenlos. Bildung lässt sich zudem über den Bildschirm abholen. Das Schweizer Fernsehen SRF hat sein Angebot für Schülerinnen und Schüler stark ausgebaut. Teilweise fordern Lehrer dazu auf, täglich selbst ein Video zu drehen und dieses via das Smartphone mit den Klassenkameraden zu teilen.

Es ist wichtig, das Sozialleben auch in diesen Zeiten bewusst zu pflegen. Nur wie? Eine Möglichkeit ist, mobile Telefondienste wie Facetime oder Skype samt Videoübertragung in Echtzeit zu nutzen oder Fotos und Videos mit dem Mobiltelefon hin- und herzuschicken. Auch Aufenthalte auf dem Spielplatz sind noch erlaubt – sofern ausreichend Distanz vor allem zwischen den Erwachsenen eingehalten bleibt. Versuchen Sie, auch Kinder zu sensibilisieren. Sie lernen auch durch Beobachten, und das kann aus sicherer Entfernung ebenfalls spannend sein.

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