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Tempo 30 sogar auf der Kantonsstrasse?

BZ Berner Zeitung-Logo BZ Berner Zeitung 03.07.2018 Tobias Granwehr
Tempo 30 sogar auf der Kantonsstrasse? © Bereitgestellt von Berner Zeitung Tempo 30 sogar auf der Kantonsstrasse?

Mit der aktuellen Ortsplanungsrevision strebt die Gemeinde ein moderates Wachstum gegen innen an. Noch mehr als die Siedlungs­ent­wicklung interessiert im Dorf aber ­ohnehin der Verkehr.

Lyssach ist ein nach wie vor ländlich geprägtes Dorf an hervorragender Lage. Autobahn und Einkaufsmöglichkeiten sind nah. Die Stadt Burgdorf als Nachbar hat zudem einiges zu bieten, und auch Bern ist dank des öffentlichen Verkehrs rasch erreichbar. Wie soll sich Lyssach also fortan entwickeln?

Diese Frage stellten sich die Behörden im Rahmen der Ortsplanungsrevision. Dafür wurde ein Ausschuss gebildet mit Vertretern der Politik, der Verwaltung und externen Fachleuten. Nun liegt das Ergebnis vor, und die revidierte Ortsplanung liegt öffentlich auf. Noch bis zum 9. Juli läuft dazu eine Mitwirkung.

Kein Druck für Landbesitzer

Gemäss dem Erläuterungsbericht ist in Lyssach in den kommenden 30 Jahren ein Bevölkerungswachstum von etwa 10 Prozent oder 200 Einwohnerinnen und Einwohnern vorgesehen. Lyssach strebe eine Siedlungsentwicklung nach innen an und wolle nur moderat nach aussen wachsen, heisst es im Bericht.

Andreas Eggimann, Gemeinderatspräsident und Mitglied des Ortsplanungsausschusses, erklärt allerdings: «Wir haben darauf verzichtet, in der baulichen Grundordnung festzulegen, dass einzelne oder mehrere Quartiere aufgezont werden, zum Beispiel von W2 zu W3.» Die Parameter im Baureglement sollen aber so angepasst werden, dass eine Verdichtung nach innen möglich sei. Zum Beispiel indem die Grenzabstände und Bauhöhen leicht angepasst würden, so Eggimann.

Die Gemeinde hätte durchaus die Möglichkeit zu wachsen. «Wir haben noch Baulandreserven», sagt der Gemeinderatspräsident. So viele sogar, dass gemäss den kantonalen Vorgaben keine Einzonungen mehr möglich sind. Die Reserven befinden sich im Besitz Privater. Sie seien zu ihren Zukunftsplänen befragt worden. Doch Eggimann stellt klar: «Wir werden keinen Druck auf Landbesitzer ausüben, ihre Reserven auszunutzen.»

Der Gemeinde sei es wichtig, ihren ländlichen Charakter zu behalten, sagt er. In Lyssachs Dorfkern gibt es einige stattliche Bauernhäuser, die nicht mehr als solche genutzt werden. Gemäss Eggimann können diese bereits jetzt wie auch nach dem neuen Baureglement um- und ausgebaut werden. Da sie aber zum geschützten Dorfbild gehören, schaue die Denkmalpflege jeweils genau hin.

Zu viel Durchgangsverkehr

Trotz ruralem Charakter ist Lyssach eine Gemeinde mit vielen Arbeitsplätzen. Es gibt fast gleich viele wie Einwohner, also etwa 1400. Dies dank einigen Industriebetrieben und der Shoppingmeile. Eggimann sieht in diesem Verhältnis kein Problem. «Die Gemeinde und die Betriebe haben ein gutes Einvernehmen, von dem beide Seiten profitieren.»

Ein Thema, dass die Lyssacher seit Jahren stark bewegt, ist der Verkehr. Im Rahmen der Ortsplanungsrevision wurde ein Richtplan Verkehr ausgearbeitet. Dabei wurde auch die Bevölkerung einbezogen. Viele Einwohner sind der Meinung, das Dorf müsse zu viel Durchgangsverkehr erdulden. Die Gemeinde kämpft schon seit langem darum, dass dieser auf der Schachenstrasse und somit ausserhalb des Siedlungsgebietes verkehrt.

Im Richtplan ist nun die Absicht festgehalten, auf verschiedenen Gemeindestrassen Tempo 30 einzuführen. Zudem soll auch auf einem Teil der Dorfstrasse – die entgegen ihrem Namen eine Kantonsstrasse ist – die Höchstgeschwindigkeit reduziert werden. Der Verkehr solle in Lyssach so gelenkt werden, dass alle Verkehrsteilnehmenden und ins­besondere die Schulwege sicher seien, sagt Eggimann.

Verkehr durchs Dorf könne nicht verhindert werden. Aber er solle verlangsamt werden, sodass alle sicher unterwegs seien. «Die Zusammenarbeit mit dem Kanton ist diesbezüglich gut. Wir spüren seine Bereitschaft, etwas zu unternehmen», sagt er.

In die richtige Richtung

Die Interessengemeinschaft (IG) Verkehr Lyssach unterstützt den Richtplan. Sie hätten konstruktiv mitgearbeitet, sagt Balz Weingand, Präsident der IG. Der Verkehrsrichtplan ziele in die rich­tige Richtung, «dürfte aber streckenweise durchaus noch weiter gehen».

Im Gegensatz zur Ortsplanungsrevision muss der Richtplan nicht von der Stimmbevölkerung gutgeheissen werden, sondern liegt in der Kompetenz des Gemeinderates. Würden Kredite zur Umsetzung von Verkehrsmassnahmen aber 100 000 Franken übersteigen, braucht es die Zustimmung des Souveräns.

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