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Städte-Ranking: Ob Zug, Bern, Basel oder Genf – nirgends lebt es sich besser als in Zürich

Bilanz-Logo Bilanz 26.06.2020 Florence Vuichard
Zürich (Platz 1): Urbane Lässigkeit im Rooftop Restaurant an der ZürcherBahnhofstrasse. © Joseph Khakshouri für BILANZ Zürich (Platz 1): Urbane Lässigkeit im Rooftop Restaurant an der ZürcherBahnhofstrasse.

Dank dem Fokus auf Kultur und Sport kehrt Lausanne in dieTop 10 zurück. Doch urbane Lebensqualität hat ihren Preis – insbesondere beim Wohnen.

Parallel zu den Gleisen, wo einst das alte Depot der SBB stand, erstreckt sich ein neuer, markanter und scheinbar fenster­loser Betonbau. Unverrückbar und selbstbewusst. Das Musée cantonale des Beaux-Arts in Lausanne ist nicht nur ein neues Ausflugsziel aller Kunst- und Architekturfreunde, sondern markiert auch einen Aufbruch, ist es doch nur der Auftakt zu einem ganzen Reigen neuer Bauprojekte in der Waadtländer Hauptstadt: Dazu gehören etwa das Fotomuseum Elysée sowie das Designmuseum, die auf demselben Areal in Bau sind, das legendäre Kino ­Capitole aus dem Jahr 1928, das totalsaniert wird, oder das neue Sportzentrum mit der Patinoir­e de Malley, dem mit 9600 Plätzen grössten Eishockey­stadion in der Romandie. Und dann gibt es noch das neue Fussballstadion «La ­Tuilière», dessen Einweihung Corona-­bedingt auf den Herbst verschoben werden musste.

Kultur und Sport. Diese Kurzformel steht für Lausannes Entwicklungsstrategie. In beiden Bereichen setzt die Stadt neue Akzente, wobei sie gleichzeitig ver­suche, ihr Erbe zu erhalten, wie Stadt­präsident Grégoire Junod betont. Die Investitionen in Kultur und Sport lösten eine positive wirtschaftliche Dynamik aus, sie offerierten aber gleichzeitig den Menschen in der Stadt auch mehr Lebensqualität. Begleitet werden diese von weiteren städtebaulichen Massnahmen – etwa von der Neugestaltung des Bahnhofplatzes, vom Bau einer neuen Metrolinie und von der Erneuerung mehrere Quartiere. So entsteht in der Nähe des neuen Fussball­stadions ein neues «Öko-Quartier» mit 3500 neuen Miet- und Eigentumswoh­nungen für über 10 000 Einwohner. Sowie 4500 Arbeitsstellen.

Mehr Kultur, mehr Freizeit, mehr Wohnungen, mehr Jobs. Der Ausbau zahlt sich aus: Lausanne kehrt zurück in die Top 10 der besten Schweizer Städte – auf Kosten von St. Gallen. Das zeigen die Berechnungen der Immobilienexperten von Wüest Partner, die für BILANZ anhand von ins­gesamt 115 Indikatoren die Lebensqualität der vom Bundesamt für Statistik (BFS) ­definierten 162 Schweizer Städte gemessen haben (siehe «Die Methode» unten). So sollen möglichst viele Facetten der Lebensqualität erfasst werden.

Die Methode

Wüest Partner hat die Lebensqualität in den 162 Schweizer Städten anhand von elf Indikatorsets be­rechnet, die sich aus 115 Einzelvariablen zusammen­setzen. Die elf Indikatoren sind:

1. Arbeitsmarkt

2. Be­völkerung und Wohnen

3. Bildung und Erziehung

4. Kultur und Freizeit

5. Erholung

6. Einkaufsin­frastruktur

7. Gesundheit und Sicherheit

8. Soziales

9. Mobilität

10. Steuerat­traktivität, Kaufkraft und Krankenkassenprämien

11. Besonderheiten der Stadt

Beim Indikator Bevölkerung etwa fliessen unter anderem die Entwick­lung der Stadtbevölkerung, die Anzahl neuer Wohnun­gen und die Preisdynamik für den Eigenheimkauf ein.

Lausannes positive Entwicklung strahlt in die Region aus. Auch in den benachbarten Agglomerationsgemeinden sei eine positive Dynamik zu beobachten, sagt Grégoire Junod, insbesondere im Westen. Grösste Aufsteigerin im Städte-Ranking 2020 ist mit einem Plus von 10 Rängen denn auch Bussigny, andere Lausanner Vororte, Prilly und Crissier, legen je 6 Ränge zu, Pully macht 5 Plätze gut.

Zehnmal Gold für Zürich

Der erste Platz gebührt zum zehnten Mal in Folge Zürich. Nirgends lebt es sich besser, keine Stadt hat mehr zu bieten. Hier gibt es alles im Überfluss: eine grosse ­Auswahl an Bars und Restaurants, See- und Flussbäder, ein breites Kulturangebot, ­Designerboutiquen und Warenhäuser, gute Verkehrsinfrastruktur und obendrauf viele interessante Stellen sowie etliche schöne, wenn auch oft teure Wohnungen.

Auf den weiteren zwei Podestplätzen folgen wie im Vorjahr Zug und Bern. Basel und Genf ­verharren auf den Plätzen 6 und 7. Mit Lausannes Rückkehr sind nun alle grossen Städte mit über 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern in der Spitzengruppe versammelt.

Grösse gewinnt, das gilt auch bei Städten. In Grossstädten entfalte sich wieder eine hohe Entwicklungsdynamik, betont Patrick Schnorf von Wüest Partner. «Werden Wohnangebote, Geschäftsflächen sowie Bildungs- und Kulturangebote ausgebaut, dann zieht das Menschen und Firmen an.» Das setze in der Regel aber eine kritische Grösse voraus. «In kleinen Städten ist oft nur wenig Bewegung auszumachen», sagt Schnorf. Aber es gebe natürlich auch Beispiele von kleineren Städten, die sich innerhalb starker Wirtschaftsräume «sehr dynamisch» entwickelten.

Schnorf nennt zum Beispiel die drei Zürcher Gemeinden Kloten (Rang 12), Dübendorf (18) und Schlieren (20) sowie Baar ZG (21), die je einen Rang aufsteigen konnten. Diese Städte hätten auf eine beeindruckende Weise ihre «ungünstigen Prägungen der Vergangenheit» abgelegt. In Kloten etwa werde im September das Milliarden-Bauwerk «The Circle» eröffnet, in Dübendorf entstehe mit dem Jabee-Tower das höchste Hochhaus für Mietwohnungen, und in Schlieren habe sich ein Biotech-Hotspot mit Weltruf entwickelt.

Zu den Gewinnerinnen des Städte-­Rankings 2020 gehört mit einem Plus von 8  Rängen auch Männedorf ZH. Gland VD, auf dem halben Weg zwischen Lausanne und Genf, die Seeländer Gemeinde Lyss BE, die Neuenburger Uhrenstadt La Chaux-de-Fonds und Riehen, der Vorort von Basel sowie Heimat der Fondation ­Beyeler, legen je 6 Ränge zu. 5 Plätze gut­gemacht haben die Genfer Agglomerationsgemeinden Meyrin und Chêne-Bougeries.

«Von Zürich bis Steffisburg: Die Rangliste»

Die komplette Rangliste zum Download.

Wachsende Attraktivität heisst knapper Wohnraum

Auf der Verliererseite steht auch dieses Jahr wieder Belp. Die Berner Flughafen­gemeinde ist erneut die grösste Absteigerin, diesmal mit einem Minus von 8  Rängen. Ein Schicksal, das sie mit Wädenswil ZH teilt. Die Gemeinde Arth SZ, welche Tessin-Reisende als Umsteige-Bahnhof kennen, verliert 7 Ränge, Richterswil ZH deren 6. Je 5 Ränge abgegeben haben Bulle FR, die Tessiner Hauptstadt Bellinzona, der WEF-Veranstaltungsort Davos GR, die Tourismus-Ausgangsdestination Interlaken BE, die Berner Vorortsgemeinde Zollikofen ­sowie die Weinstadt Aigle VD im unteren Rhonetal.

Im Grundsatz bestätigen sich im Städte-Ranking der BILANZ die Trends der früheren Jahre: Die Absteiger steigen weiter ab, Aufsteiger weiter auf. Die Kehrseite wachsender Attraktivität ist die Knappheit beim Wohnraum – bei Mietwohnungen ebenso wie beim Wohneigentum. Der Ruf nach mehr und vor allem mehr bezahlbarem Wohnraum ist in den grossen Städten unüberhörbar. Eine entsprechende Volks­initiative des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbandes wurde zwar am 9. Februar 2020 mit rund 57 Prozent abgelehnt, die grossen Städte hingegen stimmten zu – weil sie politisch linker ticken als das Land, aber auch weil in den Zentren die Zahl der bezahlbaren Wohnungen in der Tat sehr klein ist.

Die Stadt Zürich mit ihrer fast inexistenten Leerwohnungsziffer sagte mit über 60 Prozent Ja zur Initiative, die Städte Basel, Bern und Genf stimmten mit Werten zwischen 62 und 69 Prozent zu, in Lausanne lag der Ja-Anteil sogar bei über 74 Prozent. Auch die Städte Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Winterthur oder Locarno nahmen die Initiative an.

Die Auswertung von Wüest Partner zeigt: Je höher die Lebensqualität, desto tiefer der Anteil preisgünstiger Mietwohnungen gemessen an der Bevölkerungszahl respektive desto höher die jährlichen Kosten für Wohneigentum. Oder in den Worten von Patrick Schnorf: «Lebensqualität hat ihren Preis, der wiederum anzeigt, dass dort Bedarf nach qualitativ hochstehendem Wohn-, Geschäfts- und In­frastrukturausbau besteht.» So belaufen sich in Zürich die jährlichen Wohnkosten für Hypotheken, Amortisation und Unterhalt für eine zu Marktpreisen ergatterte Eigentumswohnung von 110 Quadrat­metern auf rund 55 000 Franken. Teurer ist eine vergleichbare Eigentumswohnung nur noch in Genf – sowie in Zollikon und Küsnacht.

/ © Bereitgestellt von Bilanz /

Die beiden Zürcher Goldküstengemeinden sind Sonderfälle. Ihre Kosten für Wohneigentum korrespondieren nicht mit ihrer Lebensqualität, belegen sie doch im Städte-Ranking «nur» die Plätze 40 ­respektive 43 und haben etwa in punkto Bildung, Kultur oder Jobs nur relativ wenig zu ­bieten. Ihre vergleichsweise hohen ­Wohnpreise verdanken sie ihren sehr ­attraktiven Steuersätzen und vor allem ihrer Nähe zu Zürich. Ebenfalls mehr als 50 000 Franken pro Jahr kostet die beschriebene Stan­­dard­-Eigentumswohnung in Meilen ZH (Rang  34), in den beiden Genfer Vororten Chêne-Bougeries (105) und Le Grand-Sacon­nex (95) sowie den Ferienorten St. Moritz und Zermatt, welche sich im Städte-Ranking mit den Plätzen 111 und gar 159 begnügen müssen.

Die «Zwillinge» Zürich und Winterthur

Es geht aber auch günstiger – und das auch im Einzugsradius von Zürich, begrenzt auf maximal 30 Minuten Fahrzeit mit dem öffentlichen Verkehr, ohne umzusteigen, und ohne allzu grosse Abstriche bei der Lebensqualität machen zu müssen. In Winterthur etwa. In der ehemaligen Industriestadt, im Städte-Ranking auf dem sehr guten Rang 4, verursacht eine vergleichbare Eigentumswohnung jährliche Kosten von «nur» gut 32 000 Franken. Und wie in Zürich gibt es auch in Winterthur für Schweizer Verhältnisse spannendes, ur­banes Leben, es gibt Jobs, Hochschulen, Bars, Shops und mehrere Kulturinstitutionen, die schweizweit bekannt sind – wie etwa das renommierte Fotomuseum oder Viktor Giacobbos Casinotheater.

Patrick Schnorf bezeichnet denn Zürich und Winterthur auch als eine Art «Zwillinge»: Sie liegen nahe beieinander, sind ähnlich gross und bieten eine hohe Lebensqualität, es bestehen jedoch beim Wohnungsmarkt grosse Unterschiede. Ein Phänomen, das auch bei kleineren «Zwillingen» zu beobachten ist, wie Schnorf ­ergänzt. Etwa bei den beiden Zürcher ­Gemeinden Schlieren und Dübendorf: «Die Lebensqualität ist sehr vergleichbar, aber die Wohnkosten in Dübendorf für typisches Wohneigentum sind fast ein Viertel höher.»

Berns «Zwilling» ist wohl am ehesten die zweisprachige Stadt Biel, die wie im Vorjahr auf Platz 33 rangiert. Biel hat aber in den Jahren zuvor etliche Plätze gutgemacht und hat sich stark verändert, auch wenn die zweisprachige Stadt ihr Image als Hochburg von Sozialhilfebezügern noch nicht ganz abschütteln konnte. Wohnen in den eigenen vier Wänden lässt sich in Biel aber noch immer deutlich günstiger als in Bern: Die jährlichen Kosten für die besagte Standard-Eigentumswohnung liegen mit 23 000 Franken gut ein Viertel tiefer.

Günstige Uhrenstädte

Der Umzug von Basel nach Liestal hingegen bringt verhältnismässig wenig, die Kosten sinken «nur» um 5000 auf knapp 33 000 Franken. Gleichzeitig fällt die gemessene Lebensqualität deutlich ab, rangiert doch Liestal nur auf Platz 55. Aber letztlich dürfte der Grenzübertritt von ­Basel-Stadt nach Basel-Landschaft das grösste Hindernis sein. Denn das Verhältnis der beiden Halbkantone bleibt von für Nicht-Basler unverständlichen Animositäten geprägt – und das seit 1832, als sich die Landgemeinden gegen die Dominanz der damals aristokratisch regierten Stadt auflehnten und sich abspalteten.

Am tiefsten sind die Wohnkosten für die beschriebene 110-Quadratmeter-Eigentumswohnung mit knapp 15 000 Franken übrigens in Le Locle NE, am zweitgünstigsten mit 18 000 Franken in La Chaux-de-Fonds, der rund 1000 Meter über Meer gelegenen Uhren­stadt, die 2009 wegen ihrer archi­tektonisch bemerkenswerten, schach­brett­artig angelegten Bebauung und der zahlreichen Jugendstilbauten zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde. La Chaux-de-Fonds hat sich in den letzten fünf ­Jahren um insgesamt rund 30 Ränge ­verbessert – und die Besenwagengruppe definitiv ­verlassen.

Anders als Steffisburg. Die Berner Gemeinde neben Thun, aber ohne See­anstoss, muss sich zum sechsten Mal in Folge mit dem letzten Platz begnügen. Aber eigentlich sieht sich Steffisburg trotz der rund 16 000 Einwohner gar nicht als Stadt, ­sondern als Dorf. Allzu viel Wachstum ist dort gar nicht gefragt.

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