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So fragwürdig sind die Methoden der neuen GC-Besitzer

Der Bund-Logo Der Bund 10.04.2020

Die «Football Leaks» zeigen, wie eng die neue Führung der Grasshoppers mit Spielerberater Jorge Mendes verstrickt ist. Mit dem Kauf von Clubs können Vorschriften der Fifa umgangen werden.

Die «Football Leaks» zeigen, wie eng die neue Führung der Grasshoppers mit Spielerberater Jorge Mendes verstrickt ist. Mit dem Kauf von Clubs können Vorschriften der Fifa umgangen werden.

  • Die neue GC-Besitzerin Jenny Wang ist die Ehefrau von Guo Guangchang, dessen Firma Fosun die Wolverhampton Wanderers besitzt.
  • Fosun hält zudem über eine Tochtergesellschaft Anteile an der Firma des Spielerberaters Jorge Mendes.
  • Die Fifa verbietet seit 2015 Firmen oder Privatpersonen, Transferrechte an Spielern zu halten.
  • Bereits 2016 war Fosun auf der Suche nach einem Club, um diese Regel zu umgehen.
  • Ziel ist «ein weltweites System im Fussball».

Wenn man so will, dann wurde der Kauf der Grasshoppers bereits vor vier Jahren in China geplant. Gut, es hätte auch einen anderen Club in einer anderen europäischen Liga treffen können. Aber das Ziel, das Yang Zhang am 16. August 2016 formuliert, ist klar. Dem Analysten der chinesischen Fosun-Gruppe geht es darum, einen «TPO Club» zu kaufen. TPO steht im Fussball für «Third Party Ownership» und meint, dass jemand anderes als ein Fussballverein Anteile an den Transferrechten von Fussballspielern hält. Seit Mai 2015 ist das durch den Weltfussballverband Fifa verboten. Und das ist ein Problem für das Geschäftsmodell der Chinesen.

Zhangs Email ist Teil einer ganzen Korrespondenz, die von der Online-Plattform «Football Leaks» veröffentlicht und vom Journalisten-Netzwerk European Investigative Collaborations (EIC) ausgewertet worden ist. Die Mails reichen zwar nur bis Ende 2017. Aber sie ergeben ein ziemlich klares Bild darüber, welche Pläne die neuen Besitzer der Grasshoppers verfolgen dürften. GC ist Teil eines weltweiten Konstrukts geworden, das mit dem Kauf und Verkauf von Spielern Gewinn machen will. Und das dafür einen Weg sucht, um die strenger gewordenen Regeln der Fifa zu umgehen.

Der Deal mit dem König der Spielerberater

Alles beginnt damit, dass die chinesische Fosun-Gruppe 2014 beschliesst, mit Fussball Geld zu verdienen. Fosuns Mitgründer und Vorsitzender Guo Guangchang ist der Ehemann der neuen GC-Besitzerin Jenny Wang. Fosun wendet sich an den portugiesischen Spieleragenten Jorge Mendes, der zu den mächtigsten Playern auf dem Markt gehört. Er berät unter anderem Cristiano Ronaldo.

Im Oktober 2015 kommt ein interner Bericht der Fosun-Gruppe zum Schluss, dass es nur einen Bereich im Fussball gibt, mit dem Geld verdient werden kann: der Handel mit Transferrechten. Ende 2015 kauft Fosuns Tochtergesellschaft Foyo für 42 Millionen Euro 15 Prozent der Anteile an Gestifute, der Firma von Mendes. Dessen Neffe und Geschäftspartner Luis Correia schreibt in einem internen Mail: «Bingo!!!!!!!!»

Gestifute besitzt zu diesem Zeitpunkt Anteile an den Transferrechten von mindestens 50 Spielern. Das zeigt der Vertrag mit Foyo. Das ist bei Vertragsunterzeichnung auch kein Problem. Das wird es aber, als die Fifa im Mai 2015 ihre Regeln verschärft. Ab dann erlaubt es der Weltfussballverband nur noch Fussballclubs, Transferrechte an Spielern zu besitzen. Zwar behalten bestehende Verträge ihre Gültigkeit. Aber neue TPO sind verboten.

Das Geschäftsmodell von Gestifute und Fosun ist damit eigentlich kaputt.

«Jorge kann auf die Einnahmequelle zählen»

Doch Fosun will sich nicht aus dem Geschäft zurückziehen. Stattdessen wird ein Weg gesucht, um die Regeln der Fifa zu umgehen. Und er wird auch gefunden. Im Sommer 2016 kauft Fosun für rund 60 Millionen Franken die Wolverhampton Wanderers, die damals in der zweithöchsten englischen Liga spielen. Warum es gerade dieser Club ist, wird aus einem Mail klar, das Jeff Shi an einen Mitarbeiter von Gestifute schreib: «Du weisst, dass der Hauptgrund für das Investment in die Wolves unser Vertrauen in Jorge ist. (…) Jorge kann für lange, lange Zeit auf die Wolves als vertrauenswürdigsten Partner und Einnahmequelle für die Agentur zählen.»

Jeff Shi ist zum Zeitpunkt des Einstiegs der Chinesen bei Gestifute CEO von Foyo. Nach dem Kauf von Wolverhampton wird er Präsident der Wolves. Er hat auf Anfragen des EIC stets abgestritten, dass Mendes bei den Geschäften der Wolves mitredet.

Shi tut das mit gutem Grund: Die Regeln der English Football League (EFL) verbieten es, dass Spielervermittler Einfluss auf einen Fussballclub haben. Tatsächlich untersuchte die EFL die Verbindungen von Gestifute und den Wolves. Sie kam im April 2018 aber zum Schluss, Mendes spiele bei den Wolves «keine Rolle» und stellte ihre Untersuchungen ein.

Die Transfers von Wolverhampton allerdings lassen einen leicht anderen Eindruck aufkommen. Derzeit werden sechs der Wolves-Spieler von Mendes beraten. Und Trainer Nuno Espirito Santo war seinerzeit der erste Profi, der bei Mendes unter Vertrag war.

«Ein komplettes System im globalen Fussball»

Doch ein Club allein reicht nicht, um die Ziele von Fosun zu erreichen. Das macht Yang Zhangs Mail aus dem August 2016 klar. Der Fosun-Analyst schreibt an den Mendes-Partner Correia: «Unser Ziel ist es, mit euch ein weltweites System im Fussball aufzubauen. Mit verschiedenen Stufen an Clubs und Trainings-Einrichtungen. (…) Ich glaube, dass wir gemeinsam eine starke Präsenz in jeder grösseren Liga aufbauen können.»

Das Mail macht klar, worum es Fosun geht: Die Firma will ein Netzwerk errichten, in dem es den Wert von Fussballern steigern kann, ohne dabei die Regeln der Fifa zu brechen. Und das können die Chinesen, indem nicht sie selbst als Besitzer von Transferrechten auftreten, sondern die Clubs, die von ihnen kontrolliert werden.

Fosun ist 2016 stark am Kauf des portugiesischen Vereins Rio Ave interessiert, der bereits eng mit Gestifute zusammen arbeitet. Aber dann grätscht die chinesische Zentralregierung dazwischen. Sie verschärft die Regeln für chinesische Investitionen im Ausland. Der Deal kommt nicht zustande.

Aber jetzt scheinen die Zeichen für chinesische Zukäufe im Ausland wieder besser zu stehen. Und so sind es 2020 die Grasshoppers, die neben Wolverhampton zum zweiten Verein werden im geplanten weltweiten Netzwerk von Fosun und Gestifute.

Möglichst keine direkten Verbindungen

Wobei der Kauf so abgewickelt wird, dass möglichst keine direkten Verbindungen zwischen den verschiedenen Firmen bestehen. Als GC-Käuferin treten weder Fosun noch Foyo noch Gestifute auf. Sondern die eigens für den Kauf im Februar 2020 in Hongkong gegründete Firma Champion Union HK Holdings Limited. Diese wiederum ist nicht im Besitz von Fosun-Mitgründer Guo Guangchang, sondern von dessen Ehefrau Jenny Wang.

Mit diesem Konstrukt sollen auch die Regeln des europäischen Verbandes Uefa eingehalten werden. Diese verbietet es, dass zwei Clubs desselben Besitzers im gleichen Wettbewerb der Uefa teilnehmen. Was bedeutet, dass die chinesischen Besitzer zumindest damit liebäugeln, dass dereinst sowohl die Wolves als auch die Grasshoppers europäisch vertreten sein könnten.

Und warum sollte es auch nicht so weit kommen? Sportlich jedenfalls hat Wolverhampton vom Einstieg der Chinesen profitiert. Mit den Spielern und dem Trainer, die via Mendes kamen, stieg der Club auf. Er steht derzeit auf Rang sechs der Premier League und hat sogar Chancen auf einen Platz in der Champions League.

Man sollte sich einfach nicht verwundert die Augen reiben, wenn in den kommenden Transferperioden überraschend viele Spieler aus Portugal den Weg nach Niederhasli finden. Oder einige Leihspieler aus Wolverhampton.

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Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts 

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