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Endlich wieder Live-Sport! Die wichtigsten Fakten zur digitalen Tour de Suisse

watson.ch-Logo watson.ch 22.04.2020 Ralf Meile
Draussen das schönste Wetter – doch Michael Albasini fährt in der Stube Velo. © GIAN EHRENZELLER/keystone-sda.ch Draussen das schönste Wetter – doch Michael Albasini fährt in der Stube Velo. Seit rund einem Monat ruht die schönste Nebensache der Welt. Das Coronavirus hat den Spitzensport zum Erliegen gebracht. Doch heute geht es weiter – mit «The Digital Swiss 5», einer Rennserie für Veloprofis.

Was ist The Digital Swiss 5?

Eine Rennserie für Veloprofis; einige der weltbesten sind dabei. Aber die Rennen unterscheiden sich wesentlich von Paris – Roubaix, der Tour de Suisse oder der legendären Hatz hinauf zur Alpe d'Huez.

Wie funktioniert es?

57 Fahrer sind am Start. Jeder fährt für sich, an einem Ort seiner Wahl. Das Velo ist in einen Smarttrainer eingespannt, welcher das Hinterrad ersetzt. Mittels Computer wird der Widerstand erhöht, den der Fahrer bewältigen muss: Ein höherer, wenn es bergauf geht, ein geringerer, wenn es flach ist oder eine Abfahrt ansteht. Auf einem Bildschirm vor sich sieht der Fahrer seinen Avatar und auch jene der Gegner, so dass er jederzeit sieht, an welcher Position er liegt. Wichtig ist, dass die Internetverbindung sauber läuft – sonst ist ein Athlet genauso aufgeschmissen wie bei einem Platten in der echten Welt.

Als vor zwei Wochen die Flandern-Rundfahrt virtuell durchgeführt wurde, war dies für die Zuschauer kein Genuss. Das Design war schlecht, die Bilder ruckelten, das Rennen war mässig spannend. Die Hoffnung ist, dass es nun besser klappt. Der Software-Partner der Tour de Suisse ist die Strecken mit dem Auto abgefahren und hat sie gefilmt, so dass die Rennen in der originalen Umgebung absolviert werden. Das dürfte attraktiver sein als eine computergenerierte Fantasiewelt.

Wo wird gefahren?

In der Stube, in der Garage oder auf dem Balkon – wo auch immer der Profi seinen Smarttrainer installiert hat. Diese Rennen stehen auf dem Programm:

Jedes Rennen wird einzeln gewertet. Eine Gesamtwertung wird es nicht geben.

Die Tour de Suisse im vergangenen Jahr am Nufenenpass. © GIAN EHRENZELLER/KEYSTONE Die Tour de Suisse im vergangenen Jahr am Nufenenpass.

Wer macht mit?

16 Teams der World Tour haben sich verpflichtet, dazu gingen Wild Cards an drei weitere Equipen. Von jedem Team starten täglich drei Fahrer, aber nicht immer dieselben. Einige Schweizer Fahrer werden sowohl für ihren Arbeitgeber im Einsatz stehen wie auch für die Nationalmannschaft.

Gemeldet sind Weltmeister Mads Pedersen und sein Teamkollege Vincenzo Nibali, der schon alle drei Grand Tours gewonnen hat. Primoz Roglic, im letzten Herbst Sieger der Vuelta, ist ebenso am Start wie Julian Alaphilippe, der an der vergangenen Tour de France für Furore sorgte, und das belgische Ausnahmetalent Remco Evenepoel. Olympiasieger Greg van Avermaet wäre mit der Referenz des Sieges bei der virtuellen Flandern-Rundfahrt vor zwei Wochen angetreten. Doch der Belgier muss passen: In der echten Welt hat er Knieprobleme nach einer Mountainbike-Tour, bei der seine Sitzposition wohl nicht optimal war.

Was sagen die Fahrer?

Nicht sehen wird man Peter Sagan. Der dreifache Weltmeister hielt dieser Tage fest: «Ich bin ein echter Fahrer, kein virtueller.»

Auch bei vielen anderen Profis schwingt eine gehörige Portion Skepsis mit. Rennen im Feld, wo es hektisch ist und man von Windschatten profitieren kann, sind etwas anderes als Rennen auf einer Rolle, wo jeder für sich fährt und man weder in kurvigen Abfahrten aufpassen muss noch bei schlechtem Strassenbelag. Taktische Elemente fehlen weitgehend. Michael Schär vermutet, dass die Rennen einem einstündigen Zeitfahren ähneln: «Ich bin zwar nicht der ausgewiesene Spezialist auf der Rolle, aber ich werde mein Bestes geben.» Er sieht die Rennen wie viele Kollegen als Abwechslung im Alltag, in dem niemand weiss, wofür er eigentlich gerade trainiert.

«Ein Etappensieg wäre für mich gleichbedeutend mit dem WM-Titel», sagt Silvan Dillier, aber natürlich meint der Aargauer das im Scherz. Ein Triumph wäre für ihn schön, «er gehört aber nicht zu meinen obersten Saisonzielen.» Der Ostschweizer Stefan Küng verspricht «Vollgas, solange es geht.»

Wo sehe ich die Rennen?

Das Schweizer Fernsehen überträgt sie mit grossem Brimborium. Der Sender ist froh, kann er seine Leute einsetzen und dem Zuschauer Live-Sport bieten. Claude Jaggi kommentiert gemeinsam mit Ex-Profi Sven Montgomery, weitere Reporter stehen für Interviews im Einsatz. Einer der Radprofis – mutmasslich jeweils ein Schweizer – fährt sein Rennen im TV-Studio, 15 der 56 anderen Fahrer können per Webcam zugeschaltet werden.

Die Übertragungen finden täglich zwischen 17.00 und 18.30 Uhr auf SRF 2 statt. Die Rennen dauern jeweils rund eine Stunde und werden somit von A bis Z gezeigt.

Wie kann ich mitmachen?

Immer mehr «Gümmeler» besitzen einen Smarttrainer, um sich in der kalten Jahreszeit fit zu halten. Wer auf den gleichen Software-Anbieter setzt (Rouvy), kann im Anschluss an die Profi-Rennen auf der gleichen Strecke seine Fähigkeiten testen. Jeweils um 19 Uhr finden Hobby-Rennen statt, für die man sich online anmelden kann.

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