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Ski-Alpin-Superstar: Lindsey Vonns Kampf gegen die Tyrannen

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 19.02.2018 berliner-zeitung
Vonn_Olympia1: AP © AP AP

Die Attacken, die Lindsey Vonn im Internet einstecken muss, sind verletzend. „Wir hoffen, dass du wieder scheiterst“, gehört zu den freundlicheren Kommentaren, die nach ihrem sechsten Platz im Super-G auf die 33-Jährige einprasseln. „Es gibt Leute, die mich hassen und hoffen, dass ich eine Klippe runterfahre und sterbe. Aber das werde ich nicht tun“, entgegnet Vonn. Stattdessen will die US-Amerikanerin bei der Olympia-Abfahrt am Mittwoch (3 Uhr MEZ) mit der Goldmedaille „ein Ausrufezeichen“ hinter ihre Karriere setzen. Was ihr dabei hilft? „Ich habe jemanden, der auf mich aufpasst“, sagt sie.

Es sind Vonns vierte Olympische Spiele. Bei den ersten (Salt Lake City 2002) war sie erst 17 Jahre alt, bei den zweiten (Turin 2006) hielt sie den Erwartungen nicht stand. Erst bei den dritten (Vancouver 2010) wusste sie, wie sie mit dem Druck umzugehen hat und gewann Gold. Vor den Spielen in Sotschi riss sie sich das Kreuzband. Entsprechend lange hat sie auf die Gelegenheit gewartet, ihre Laufbahn zu krönen. Doch der sportliche Druck ist nichts gegen das, was sie nun aushalten muss.

Kritik an Donald Trump

Seit Vonn den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump öffentlich kritisiert hat, sieht sie sich Anfeindungen ausgesetzt, die bei weitem das übersteigen, was Sportler normalerweise aushalten müssen. Jeder Fehler wird von Trump-Fans im Internet ausgeschlachtet, jede Schwäche für Beleidigungen genutzt und jeder Anlass für Drohungen. Nach außen gibt sich die beste Skifahrerin  aller Zeiten – 81 Weltcupsiege – gelassen. „Die Tyrannen wollen einen fertig machen, aber ich bin nicht fertig, ich halte an meinen Werten fest, werde nicht nachgeben“, sagt sie. „Stärker“ sei sie als bei ihrem Olympiasieg vor acht Jahren, nicht physisch, aber mental.

Vonn_Olympia2 © AP Vonn_Olympia2

Es ist vor allem eine Person, die nicht mehr bei ihr ist, die ihr die Sicherheit gibt, dass irgendwie schon alles gut werden wird. „Ich weiß, dass mir mein Opa zuschaut und dass er mir helfen wird“, sagt sie. „Ich will für ihn gewinnen.“ Die Beziehung zu ihrem Großvater war eine besondere. Er war Vorbild, Inspiration  und Lehrmeister des Lebens. Vonn überlegte bereits, wie sie den 88-Jährigen zu  Olympischen Spielen hätte bringen können, in das Land, in dem er während des Koreakriegs als Ingenieur der US-Armee im Einsatz war. Am ersten November des vergangenen Jahres verstarb er. Nun möchte sie mit der Kraft ihres Großvaters den  Kritikern eine sportliche Antwort geben, und die Abfahrtsstrecke ist wie gemacht für die Frau, die medienwirksam darum kämpft, gegen Männer anzutreten und die Skimodelle des anderen Geschlechts fährt.

Sofia Goggia eine starke Konkurrentin

Nun darf sie immerhin auf der gleichen Piste um die Medaillen fahren, auf der sich die Männer ein paar Tage zuvor gemessen haben. Das ist eine olympische Premiere. Vonn „liebt die Piste, mit ihren weiten Schwüngen“, sie sagt: „Es gibt taktische Passagen und eine Kurve, die in einen Sprung führt. Das ist selten.“ Und was selten ist gefällt ihr ebenso wie alles, was groß ist. In diesem Fall die Sprünge. Einzig die Italienerin Sofia Goggia konnte in der laufenden Saison mit der Dominatorin   mithalten. „Sie ist so verrückt wie ich“, erklärt Vonn, warum sie ihre Konkurrentin mag und die Rivalität genießt. Vor einem Jahr beim Testlauf für Olympia war Goggia zweimal knapp vorne, in Garmisch-Partenkirchen bei der Generalprobe vor dem Abflug gewann die Amerikanerin beide Abfahrten – einmal mit zwei Hundertstelsekunden Vorsprung, einmal mit elf. Wimpernschläge, aber: „Das war das Sahnehäubchen, ich habe viel Selbstvertrauen“, sagt Vonn. Die Sensationssiegerin im Super-G, die Tschechin Ester Ledecka, wird ihr nicht dazwischenfunken, sie verzichtet auf die Abfahrt und konzentriert sich auf ihr Snowboardrennen.

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