Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz: Regional begrenzt drohen Unwetter

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 23.07.2021 Birte Bredow

In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen können regional begrenzt Starkregen und Gewitter auftreten. Der Deutsche Wetterdienst empfiehlt, die Situation »weder zu verharmlosen noch zu dramatisieren«.

© Christoph Hardt / imago images/Future Image

In den Hochwassergebieten im Westen Deutschlands können regional begrenzt am Wochenende erneut zu Unwetter auftreten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet für Samstag erneut mit Gewittern.

Allerdings bleibe die Regenmenge wohl meist unterhalb der Warnschwelle, so der DWD. Für präzisere Aussagen über betroffene Orte und die Intensität sei es noch zu früh.

Klar sei, dass es in der Südwesthälfte zu Schauern und Gewittern kommen könne, »die auch Unwetterpotenzial haben«, sagte Martin Jonas aus der Wettervorhersagezentrale in Offenbach. Auch die vom Hochwasser verwüsteten Gebiete könnten erneut betroffen sein. Es gelte, die Situation »weder zu verharmlosen noch zu dramatisieren.«

»Meist handelt es sich um nicht warnwürdige Niederschlagsmengen«

Zwar hätten die Gewitter bezüglich Starkregens Unwetterpotenzial, »aber Regenmengen bis in den Unwetterbereich werden allenfalls regional eng begrenzt auftreten – meist handelt es sich um nicht warnwürdige Niederschlagsmengen.« Heftiger als im Westen könnte es in Bayern werden. Lokal könnten Sturmböen und Hagel dabei sein.

Die Helfer in der betroffenen Region in Rheinland-Pfalz bereiteten sich auf die Situation vor. Auch wenn aus derzeitiger Sicht die Wetterprognose nicht als bedrohlich für den Eifelkreis Bitburg-Prüm eingeschätzt werde, könnte es infolge des zurückliegenden Hochwassers vereinzelt kritische Situationen geben, teilte die Kreisverwaltung mit. Der Katastrophenschutz des Kreises treffe daher in Abstimmung mit den Feuerwehren Vorkehrungen, insbesondere würden Sandsäcke vorbereitet. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, sich über »zuverlässige Quellen« in Radio, Fernsehen und Internet oder entsprechende Warn-Apps auf dem Laufenden zu halten.

Nach Einschätzung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) könnte es an der Ahr bei Starkregen wegen verstopfter Kanalisation zu »erneuten Wasseranstauungen in einigen Bereichen« kommen. Die Fachleute arbeiteten aktuell an einer entsprechenden Einsatzplanung, teilte die Behörde mit. Der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes in Rheinland-Pfalz, Frank Hachemer, sagte im Radioprogramm SWR Aktuell: »Im Moment wird gerade massiv schweres Gerät ins Einsatzgebiet geschickt und auch dort vorgehalten, um alles passierbar zu machen.«

Die Städteregion Aachen in Nordrhein-Westfalen erwartet keine weiteren Überflutungen. Der Wasserverband habe durch eine erhöhte Wasserabgabe in den Talsperren Platz für den zusätzlich erwarteten Regen geschaffen, teilte die Städteregion mit.

Einige Gegenden noch immer ohne Strom und Wasser

Vorige Woche hatte ein Unwetter mit Starkregen eine verheerende Flut in Rheinland-Pfalz und NRW ausgelöst. Bei der Hochwasserkatastrophe kamen mindestens 179 Menschen ums Leben.

Einige Gegenden sind immer noch ohne Strom und Trinkwasser. Wegen Trinkwasserknappheit hat etwa der Zweckverband Eifel-Ahr jegliche Wasserverschwendung auch für nicht von der Flut betroffene Gebiete untersagt. Die Entsorgung von ölverschmutztem Wasser ist ein weiteres Problem. Das schilderte der Geschäftsführer einer Entsorgungsfirma aus Wesel in NRW, Guido Schmidt, im »Morgenecho« auf WDR 5. Heizöl müsse etwa aus vollgelaufenen Kellern abgepumpt oder gewaltige ölbehaftete Wassermengen aus Tiefgaragen geholt werden. Die Nachfrage sei enorm.

Das nordrhein-westfälische Umweltministerium unterstützt die von Unwetter betroffenen Kommunen und Krisenstäbe bei der Organisation der Abfallentsorgung. Dazu sei jetzt eine eigene Koordinierungsstelle eingerichtet worden, teilte die Staatskanzlei in Düsseldorf mit. Das Bundesamt für Güterverkehr in Köln entschied, Lastwagen mit Sachspenden für die Hochwassergebiete unter bestimmten Bedingungen von der Lkw-Maut zu befreien.

Das Deutsche Psychotherapeuten-Netzwerk (DPNW) stellt zudem 100 Therapieplätze für die Akutbehandlung von Betroffenen der Flutkatastrophe zur Verfügung. »Wir rechnen mit einer Welle traumatisierter Menschen«, teilte der Vorsitzende Dieter Adler mit. »Diese wird kommen, wenn das Adrenalin gesunken ist und die Betroffenen sich der mittelbaren Schäden bewusst werden.«

Fridays For Future demonstrieren

Die Klimabewegung Fridays for Future rief unter anderem in Hamburg zu einer Solidaritätsdemonstration auf. Der Polizei zufolge wurden rund 500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen angemeldet. Auch die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer war in der Hansestadt dabei. Die Bewegung wollte mehr Entschlossenheit im Kampf gegen die Klimakrise einfordern und gleichzeitig der Opfer der Fluten gedenken. Zudem sollten Spenden für die Hochwasseropfer gesammelt werden.

Die Deutsche Bahn ist zuversichtlich, dass bis Ende des Jahres die größten Schäden in den von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten behoben werden können und der Verkehr wieder weitgehend normal läuft. In manchen Regionen, vor allem in Rheinland-Pfalz, könnte es hingegen länger dauern. Die Bahn schätzt die Schäden an Strecken, Bahnhöfen und Fahrzeugen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auf insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro. 600 Kilometer Gleise seien betroffen sowie 50 Brücken und Dutzende Stationen und Haltepunkte.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von DER SPIEGEL

image beaconimage beaconimage beacon