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Dicke Dinger ohne Diesel - IAA Nutzfahrzeuge Hannover 2022

auto motor und sport-Logo auto motor und sport 23.09.2022 Torsten Seibt

Die IAA Nutzfahrzeuge in Hannover zeigt die Zukunft im Transportgeschäft. Wasserstoff und Elektroantrieb dominieren auch bei den ganz großen Trucks. Das hinterlässt allerdings Fragen.

© MediaPortal Daimler Truck AG

Nach der Pkw-IAA in München, die mit ihrem unkonventionellen, über die halbe Stadt verteilten Event-Konzept ein wenig Ratlosigkeit bei Fachbesuchern und Publikum hinterließ, ist die Nutzfahrzeug-IAA in Hannover (noch bis zum 25. September) nach coronabedingten vier Jahren Pause wieder eine Fahrzeugmesse wie früher. Riesiges Gelände, dutzende Ausstellungshallen, Premierenfeiern, viele Menschen. Und doch ist bei näherer Betrachtung eine neue Zeit angebrochen. Wer durch die Hallen streift, die ausgestellte Technik und die zahllosen Fahrzeuge begutachtet, könnte leicht zu dem Schluss kommen: Der Dieselmotor ist tot.

Allerorten dominieren batterieelektrischer Antrieb, Brennstoffzellentechnik, auch der Wasserstoff-Verbrennermotor erlebt bei manchen Ausstellern seine unerwartete Wiederauferstehung. Das gilt nicht nur für die Fahrzeughersteller. Die auf der Nutzfahrzeug-IAA traditionell stark vertretenen Zulieferer und Komponentenhersteller setzen ebenfalls auf dieses Feld. Elektrische Achsen, Wasserstofftanks, Batterietechnik sind überall Thema der Stunde.

Wasserstoff bleibt auf der Agenda

Die Messepremieren verdeutlichen das in jeder Fahrzeugklasse. Bei Ford fährt der neue E-Transit Custom vor, bei VW spielt der ID Buzz in zahlreichen Spezialversionen die Hauptrolle. Mercedes bringt mit dem E-Actros Long Haul den ersten Langstrecken-Elektro-Truck und auf dem Iveco-Stand zieht der Nikola-CEO Michael Lohscheller das Tuch vom neuen Nikola Tre FCEV.

Ex-Opel-Chef Lohscheller setzte auf seiner Präsentation dann auch das eigentliche Motto der Messe: "Wasserstoff oder Elektroantrieb? Die Antwort ist relativ einfach: Beides", so der Manager bei der Pressekonferenz von Nikola.

Eine Aussage, der sich wohl viele Entscheider anderer Unternehmen anschließen dürften, zumindest ausweislich der ausgestellten Produkte. Denn der zuletzt immer öfter auf dem Abstellgleis verortete Wasserstoffantrieb, vor allem als Treibstoff für Brennstoffzellen, vereinzelt aber auch als alternativer Treibstoff in Gasmotoren, ist auf der Messe allgegenwärtig.

Die Infrastruktur muss ausgebaut werden

Die Hersteller scheinen also bereit zu sein und haben die Antriebstechnik der Zukunft startklar oder zumindest unmittelbar vor der Serienreife, so das eine Fazit der Messe. Anders sieht es jedoch beim Thema Infrastruktur aus, für das die IAA Nutzfahrzeuge mehr Fragen schuldig bleibt als Antworten zu geben. Denn weder ist derzeit Wasserstoffgas, zumal aus "grüner Erzeugung" in so großem Maßstab verfügbar, dass man damit eine nennenswerte Lkw-Flotte betreiben könnte. Noch ist die elektrische Infrastruktur, erst recht in Zeiten der aktuellen Energiekrise, überhaupt ansatzweise fit für die umfassende Elektrifizierung des Güterverkehrs.

Dementsprechend dürfte der Dieselmotor auch in näherer Zukunft noch einige Kilometer im Transportwesen vor sich haben, auch wenn die mit der Lupe zu suchenden Neuigkeiten aus diesem Bereich auf der Nutzfahrzeug-IAA nicht selten ganz hinten auf den Ständen zu finden waren. Doch es gibt auch hier Fortschritte zu vermelden, etwa mit der neuen D26-Motorenlinie von MAN, die auf der IAA präsentiert und unter anderem mit drei Prozent Kraftstoffersparnis beworben wurde. Bei Mercedes fand sich neben allerlei elektrisierendem Gerät auch der neue Mercedes-Benz Actros L mit optimiertem OM 471-Dieselmotor, bei DAF feierte eine komplett neue Generation des Verteiler-Lkw XD Premiere. Mit Diesel.

Kleine Elektrolieferfahrzeuge liegen im Trend

Neben den Großgeräten sind auf der Nutzfahrzeug-IAA aber auch die kleinen Lastenträger schwer angesagt. Vor allem die chinesischen Hersteller bemühen sich bei den Klein- und Minitransportern darum, einen Fuß in den deutschen Flottenmarkt zu bekommen. Speziell Lieferdienste und kommunale Betriebe sollen mit den elektrischen Winzlingen durch die Städte surfen und mit den teils nur einen Meter breiten Nutzfahrzeugen wenig Platz wegnehmen. So schlecht stehen die Chancen hierfür nicht, denn die überschaubare Reichweite und Leistung der meisten E-Minitransporter sorgt auch für überschaubare Anschaffungskosten.

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