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Mercedes-Maybach S-Klasse (2021) im Test: Voll auf die 12

motor1.com-Logo motor1.com 15.06.2021 Stefan Wagner

Mercedes-Maybach S 680 4MATIC (2021) im Test © Motor1.com Hersteller Mercedes-Maybach S 680 4MATIC (2021) im Test

Was ist das?

Die schwäbische Definition des puren, ultimativen Luxus im Jahr 2021. Nachdem die erste (ein wenig arg opulente und kostspielige) Neuinterpretation des edlen Doppel-M zwischen 2002 und 2012 eher mittelprächtig lief, war die letzte Generation ein voller Erfolg. Der etwas pragmatischere, modernere, deutlich günstigere Luxus-Ansatz auf Basis der herkömmlichen S-Klasse verkaufte sich seit 2015 über 60.000-mal. Gut 80 Prozent davon gingen nach China. 

Der neue Maybach auf Basis der aktuellen, technologisch führenden S-Klasse W223 soll jetzt nochmal zeigen, was man den oberen Ein Prozent bieten kann, wenn man darf. Oder noch darf. Das "noch" bezieht sich in erster Linie auf die Antriebe. Sie werden es vielleicht mitbekommen haben - im Mercedes-Maybach S 680 verwöhnt zum allerletzten Mal ein Zwölfzylinder die Sinne der Insassen. Das finale V12-Hurra bringt es auf sechs Liter Hubraum, zwei Turbolader und 612 PS/900 Nm Drehmoment. 

Daneben gibt es einen 4,0-Liter-Biturbo-V8 mit 503 PS und 700 Nm im S 580. Nur für China wird man - aufgrund deren horrender Luxus-Steuer - auch noch einen Sechszylinder im S 480 anbieten. Das klingt in diesem Zusammenhang irgendwie ein bisschen ulkig, aber seien wir ehrlich: Über kurz oder lang wird auch eine 5,47 Meter lange Chauffeurs-Limousine für die besonders Schönen und Reichen nicht an kleineren Hubräumen und Elektrifizierung vorbei kommen. 

Mercedes-Maybach S 680 4MATIC (2021) im Test © Motor1.com Deutschland Mercedes-Maybach S 680 4MATIC (2021) im Test Mercedes-Maybach S 680 4MATIC (2021) im Test © Motor1.com Deutschland Mercedes-Maybach S 680 4MATIC (2021) im Test Mercedes-Maybach S 680 4MATIC (2021) im Test © Motor1.com Deutschland Mercedes-Maybach S 680 4MATIC (2021) im Test

Allrad ist in allen Maybachs Serie. Daneben hat der Kunde die Wahl aus zwei Hinterachslenkungen - einer mit 4,5 Grad und einer mit 10 Grad Lenkwinkel. Für sänftengleichen Komfort soll die bekannte Airmatic Luftfederung mit adaptiver Dämpfung und Active Body Control (scannt die Straße auf Unebenheiten und bereitet das Fahrwerk darauf vor) sorgen. Antrieb, Stabilitätskontrolle, Federung und Lenkung sind selbstverständlich einstellbar.

Besonders etepetete ist der sogenannte Maybach Mode, der sich mit (noch mehr) Haut und Haaren dem Fahrkomfort verschreibt. Die Dämpfung geht hier in den maximalen Kuschel-Modus, die Gasannahme wird abgemildert und das Auto fährt im zweiten Gang los. So wird es unwahrscheinlicher, dass Sie Champagner verschütten. Und ja, natürlich gibt es im Fond einen Kühlschrank (Verstellbereich zwischen +1 und +7 Grad) sowie spezifische Edel-Kelche.

Der neueste Maybach ist im Übrigen 18 Zentimeter länger als die S-Klasse mit langem Radstand. Weil der komplette Längenzuwachs zwischen die Räder gestopft wurde, kommt dieser durchweg den Fondpassagieren zugute. 3,40 Meter Radstand sind eine ziemliche Ansage.

Von außen identifizieren Sie den Maybach an den längeren Fond-Türen, poliertem Aluminium an den B-Säulen, einer eigenen Motorhaube mit silbernem Steg und einem monumentalen Grill, der von der opulenten 2016er-Studie Vision 6 Concept abgeleitet ist. Das Maybach-Logo in den C-Säulen ist beleuchtet. Den V12 erkennen Sie an den verchromten Gittern in den Frontschürzen-Lufteinlässen (der V8 trägt hier Schwarz). Außerdem gibt es ein eigenständiges Räder-Programm mit 20- und 21-Zoll-Felgen.

Dazu gibt es auf Wunsch entsetzlich aufwendige Zweifarb-Lackierungen, die bis zu einer Woche in Anspruch nehmen und einen von Hand gemalten Trennstrich beinhalten. Dieser - man möge es mir in England verzeihen - ist deutlich sauberer gezogen als bei Rolls-Royce. Insgesamt unterscheidet sich dieses Auto wesentlich stärker von einer normalen S-Klasse als das bei der Vorgänger-Generation der Fall war. Die Kundschaft wird darüber nicht unglücklich sein. 

Mercedes-Maybach S 580 4MATIC (2021) im Test © Motor1.com Deutschland Mercedes-Maybach S 580 4MATIC (2021) im Test

Technologisch profitiert die neue Über-Limousine von all den irren Errungenschaften der aktuellen S-Klasse, geht aber hier und da noch einen ganzen Schritt weiter. Etwa mit der Active Road Noise Compensation, die das Burmester 4D Surround Sound System einspannt, um gegenphasige Audiosignale zu erzeugen, die lästigen Straßenlärm unterdrücken sollen. In drei Millisekunden müssen die Signale am Ohr sein, um den vom Abrollen des Fahrzeugs verursachten Schall zu kompensieren. 

Ein absolutes Highlight sind zudem die neuen Tür-Funktionen, die eine Handvoll seeehr verspielter Ingenieure entwickelt haben muss. Falls Sie es ebenfalls für völlig unzumutbar halten, Türen selbst zu öffnen/schließen, dann dürfen Sie sich über gleich sieben verschiedene Arten freuen, auf die das künftig für Sie erledigt wird. Inklusive Gestensteuerung. Ein kleiner Wisch und die Tür fällt wie von Zauberhand zu. Gleiches können Sie übrigens auch mit dem Rollo des riesigen Glasschiebedachs veranstalten. Ein Muss für jeden halbwegs ernstgemeinten TikTok-/Instagram-Kanal.

"Abrollverhalten und Federungskomfort - eine Klasse für sich. Ja klar ist es weich hier drin. Und es federt über Längswellen auch spürbar nach, aber all das mit einer Exzellenz und Stimmigkeit, die zu völliger Entspannung beiträgt."

Natürlich kann das Maybach-Interieur noch tausende andere unglaubliche Dinge, aber dazu kommen wir gleich. Denn wenn Sie wissen wollen, ob Sie ihr hart verdientes Vermögen lieber für einen Rolls-Royce Ghost oder eine Mercedes-Maybach S-Klasse ausgeben sollen, dann müssen Sie auch wissen, wie das noble Gefährt sich bewegt. Ein großer Pluspunkt für den schwäbischen Schmeichler ist schon mal sein Preis: Der beginnt selbst mit Zwölfzylinder bei gut 216.000 Euro, für den Roller müssen Sie dagegen mindestens 330.000 Steine auf den Tisch legen. 

Wie fährt er?

Los geht's mit dem S 580 (man muss sich ja noch steigern können). Es scheint den Maybach gar nicht zu stören, dass ich vorne links statt hinten rechts einsteige. Wer die neue S-Klasse kennt, wird hier keine Probleme haben. Zumindest in Reihe Eins sind die Unterschiede quasi nicht vorhanden. Grämen muss sich deswegen niemand, viel schöner und hochwertiger kannst du so ein Cockpit nämlich kaum bauen. 

Wie erwartet sänftet der XXL-Benz gediegen und nahezu lautlos von dannen. Auf Gasbefehle reagiert der V8 elegant, aber beherzt. Ein sanftes Grollen dringt ans Ohr. Potenz ist zweifelsfrei vorhanden, aber mehr soll man davon auch gar nicht mitkriegen. 


Video: Die Mercedes-Maybach S-Klasse - Das Exterieurdesign (AutoMotoTV)

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Das Fahrerlebnis selbst ähnelt doch sehr stark dem, was man von der neuen S-Klasse kennt. Und ja, das sind hervorragende Nachrichten. Die Lenkung ist leichtgängig und sehr stimmig. Abrollverhalten und Federungskomfort - eine Klasse für sich. Ja klar ist es weich hier drin. Und es federt über Längswellen auch spürbar nach, aber all das mit einer Exzellenz und Stimmigkeit, die zu völliger Entspannung beiträgt.

Chauffeurs-Urgesteine mögen die Unterschiede im Maybach-Modus womöglich bemerken, aber für meine unwürdige Wenigkeit fühlt sich das Auto hier nicht mehr oder weniger nach fliegendem Teppich an als im Comfort-Modus. 

"Sport" gibt es irritierenderweise auch noch. Also schnell "Hey Mercedes" geblökt, das Abspielen von Richard Wagners Walkürenritt befehligt (die Sprachbedienung von Apple Music in neueren Daimlern ist noch immer eine absolute Schau) und den Pin in den Boden gehauen. Kurze Scham über das völlig unkultivierte "Treten" eines Maybach weicht der Verblüffung, wie gut der Dicke meine grobschlächtigen Befehle umsetzt. 

Unzähliger Komfort-Firlefanz im Fond und ein massives Mehr an Dämmung (unter anderem in den Radkästen) bescheren dem Auto ein Plus von 175 Kilo gegenüber einem S 580 Lang. 2,3 Tonnen sind es hier insgesamt. Aber wendig ist dank der super effektiven 10-Grad-Hinterachslenkung auch dieser Riese. Und in schnellen Kurven hat er sich verblüffend gut im Griff. Klar, er stackst und wabert ein bisschen hindurch, aber der Grip ist famos und Untersteuern kaum ein Thema.

Mercedes-Maybach S 580 4MATIC (2021) im Test © Motor1.com Deutschland Mercedes-Maybach S 580 4MATIC (2021) im Test Mercedes-Maybach S 580 4MATIC (2021) im Test © Motor1.com Deutschland Mercedes-Maybach S 580 4MATIC (2021) im Test

Dieses gewaltige Trumm vermittelt auch bei ambitionierter Fahrt über enge Landstraßen nahezu unerschütterliches Vertrauen. Sollten Sie also Feinde haben und öfter mal auf der Flucht sein - am Auto sollte selbige nicht scheitern. 

Noch ein bisschen schneller - zumindest geradeaus - geht es freilich mit dem S 680. Mensch fein, noch ein letztes Mal zwölfzylindern. Allein deshalb sollte man ihn ja schon kaufen. War der Achtzylinder schon um Diskretion bemüht, wirkt er gegen diese seidige Verbeugung fast schon wie ein ungehobelter Haudrauf. 

Der Verbindung aus sämigster Laufkultur und unendlichen Reserven kann man sich tatsächlich nicht so leicht entziehen. Und sei es nur, weil man meint, die Aura einer so seltenen und bald verbotenen Frucht zu spüren. Der Sechsliter verfügt schon über einen hanebüchenen Punch. Das Momentum, wenn so viel Kraft so viel Gewicht anschiebt, ist respekteinflößend. Und sehr faszinierend. Vor allem, weil der S 680 seine Macht so diskret ausübt. Richtig laut wird er nie und höher als 5.500 Touren dreht er auch nicht. Wozu auch? Davor ist alles gesagt. 

Auch der V12 handhabt flotter gefahrene Kurven übrigens mit überraschend viel Haltung, trotz weiterer 60 Kilo mehr (2.350 sind es insgesamt) auf den Hüften. Alles in allem ein sehr spezielles Erlebnis ... das den meisten Kunden wohl komplett entgehen wird, denn seien wir ehrlich - der Place to be in diesem Auto ist ganz klar die Rückbank.  

Wie ist er innen?

Also rein da. Per Fernbedienung, per Knopfdruck des Chauffeurs oder - urgh, wie profan - per Zug am Türgriff. Wer Mut und stets saubere Hosen hat, wählt die weiße Innenausstattung wie auf den Bildern. Die einzelnen Rücksitze lassen sich bis 43,5 Grad neigen und sind natürlich unendlich bequem. Vor allem das zusätzliche Kissen vor der Kopfstütze ist das Epizentrum der Weichheit. Die Sitzgurte fahren Ihnen automatisch entgegen und werden anschließend in beleuchteten Gurtschlößern verankert.

Der Blick nach vorne ist ebenfalls sehr schön. Die Rückenteile der Vordersitze sind mit Holz verkleidet, beinhalten große Screens und schicke Tischchen. Außerdem lässt sich der Beifahrersitz noch 23 Grad über die 90 Grad-Position hinaus nach vorne neigen, damit mehr Beinfreiheit entsteht. 

Sie haben also Platz in Hülle und Fülle (ich konnte mich mit meinen 1,85 Meter komplett ausstrecken) und schön schräg liegen können Sie auch. Umso mehr, da die Beinauflage nun 50 mm weiter ausfährt und neuerdings über eine Massagefunktion für müde Waden verfügt. Ebenfalls neu: Eine Heizung im Sitz, die sich nur um frierende Schultern und Nacken kümmert. Wäre es nicht so unendlich angenehm, müsste man sich für so viel Luxus wirklich schämen. 

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Und wie leise es hier doch ist. Die S-Klasse ist ja schon führend, was Noise, Vibration und Harshness (NVH) angeht, aber der Maybach legt nochmal nach. Unter anderem mit dickerem Glas und mehr Dämmschaum hinter den Radkästen.

Wie bereits erwähnt verfügt der Maybach ganz vorne über die gleichen Hightech-Features wie die reguläre S-Klasse. Das umfasst die neueste MBUX-Infotainment-Generation ebenso wie das formidable Augmented-Reality-Head-up-Display oder das nicht ganz so formidable 3D-Instrumentendisplay, das die Augen eher verrückt macht, als irgendwie zu helfen. 

Hervor zu heben sind auch hier das Digital Light, welches Hilfsmarkierungen oder

Warnsymbole auf die Fahrbahn projizieren kann. Dafür besitzt es in jedem Scheinwerfer ein Lichtmodul mit drei extrem lichtstarken LED, deren Licht mit Hilfe von 1,3 Millionen Mikrospiegeln gebrochen und gerichtet wird.

Echte Konkurrenz für Maybach?

Und natürlich soll der Maybach - so der Gestzgeber will - noch 2021 in ausgewiesenen Bereichen autonom nach Level 3 fahren können. Über kurz oder lang wird die ultimative Chauffeurs-Limousine also keinen Chauffeur mehr brauchen. 

Fazit: 9/10

Der neue Maybach nimmt die technologische Vorherrschaft der S-Klasse, ihren herausragenden Fahrkomfort und ihr grandioses Interieur und hievt all das nochmal ein Level nach oben. Ambiente, Verarbeitung und technischer Ideenreichtum im Fond dürften ihresgleichen suchen. Und das Riesen-Ding fährt noch nicht mal schlecht ums Eck. Zudem ist der allerletzte V12 in einem Daimler natürlich ein Ereignis. 

Kaum vorstellbar, dass man irgendwo luxuriöser reisen kann, auch wenn Konkurrenten teilweise fast das Doppelte kosten. Wer diese sehr kleine und spezielle Nische sucht, sollte den neuen Mercedes-Maybach in Betracht ziehen.  

 

Technische Daten und Preis Mercedes-Maybach S 680
MotorV12-Biturbo; 5.980 ccm
Getriebeart9-Gang-Automatik
AntriebAllradantrieb
Leistung450 kW (612 PS) bei 5.250-5.500 U/min
Max. Drehmoment900 Nm bei 2.000-4.000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h4,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit250 km/h (abgeregelt)
Leergewicht2.350 kg
Zuladung540 kg
Kofferraumvolumen490 Liter
VerbrauchNormverbrauch: 13,3-14,1 Liter
Emission305-322 Gramm/km CO2
Basispreis216.283 Euro
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