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5 Bücher, die man diesen Mai lesen sollte

Harper's BAZAAR-Logo Harper's BAZAAR 16.05.2020 Ramona Nickl
Lesen Buch-Tipps Mai 2020 Getty Images © Getty Images Lesen Buch-Tipps Mai 2020 Getty Images

„Es ist wie eine Krankheit, aber ich möchte nicht von ihr geheilt werden“, sagte Karl Lagerfeld über seine Liebe zu Büchern, als ihn der FAZ-Journalist Uwe Ebbinghaus 2016 in Paris besuchte. Diese Aussage müsste für alle Liebhaber des geschriebenen Wortes mehr als nachvollziehbar sein. Denn selbst mit den besten Serien und Filmen, die moderne Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime anbieten, kommt nichts an das Gefühl des Lesens heran. Vor allem in Zeiten wie den gegenwärtigen, in denen die weltweite Situation Angst und Unsicherheiten begünstigt, kann das Lesen eine Art Therapie sein und der Seele wahrlich guttun. Fünf neue, lesenswerte Bücher, mit denen man im Mai 2020 in fiktive Welten flüchten und seinem Geist Entspannung gönnen kann, stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

Lesen Buch-Tipps Mai 2020 © Getty Images Lesen Buch-Tipps Mai 2020

5 Bücher, die Sie im Mai lesen sollten

1. „City of Girls“, Elizabeth Gilbert

Bekannt wurde die amerikanische Autorin Elizabeth Gilbert vor allem mit ihrem Roman „Eat, Pray, Love“, der mit Julia Roberts in der Hauptrolle bereits verfilmt wurde. Nun erzählt sie in ihrem neuen Werk eine Geschichte, die im Amerika der 40er-Jahre spielt. Vivian wirft ihr Studium an einem Ivy League College hin und wird daraufhin von ihrer enttäuschten Familie als „Strafe“ aus der Provinz nach New York geschickt. Dort angekommen, findet sich die 19-Jährige in einer turbulenten Welt wieder – mit Gangstern, Jazz und durchzechten Nächten in den Bars der Stadt. Gemeinsam mit ihrer Freundin Vivian eröffnet sie ein Atelier für Brautmoden, das schnell zur exklusivsten Adresse der Stadt wird. Tagsüber arbeiten die beiden jungen Frauen in ihrem Schneideratelier, abends tobt die Party auf ihrem Dach. Vivian taucht tief ein in eine bunte, laute und wilde Welt, die ihr ganz neue Perspektiven eröffnet.

Dabei ist das Buch mehr als eine fröhliche Darstellung des New Yorker Lebens vergangener Tage, sondern viel mehr eine Lektüre, die zeigt, dass jeder die Freiheit besitzen sollte zu werden, wer er wirklich sein möchte.

2. „Fleishman steckt in Schwierigkeiten“, Taffy Brodesser-Akner

Die Amerikanerin Taffy Brodesser-Akner ist für ihre tiefgründigen Porträts über prominente Persönlichkeiten wie Schauspielerin Gwyneth Paltrow, Gender-Aktivistin Jill Soloway oder den Schriftsteller Jonathan Franzen bekannt geworden, die sie für die New York Times verfasst. Nun hat sie ihr Wortkunst für eine fiktive Geschichte genutzt, ihren Debütroman „Fleishman steckt in Schwierigkeiten“. Darin kämpft die Hauptfigur Toby mit einen unerwarteten Lebenswandel: Gerade noch freut er sich nach der Trennung von seiner Frau über sein neues Leben als heißbegehrter Single, da lädt seine Ex Rachel die gemeinsamen Kinder an seiner Türschwelle ab – und verschwindet einfach. Sein bisheriges Leben entspricht dem Klischee der New Yorker Upper East Side: Toby liebt seinen Beruf als Arzt, hat jedoch nur wenig Chancen, beruflich aufzusteigen. Rachel, die mit ihrem Status Ansehen in ihrer jüdischen Community gewinnen will, macht hingegen Karriere und schickt die beiden Kinder auf eine überteuerte Privatschule, für die nach der Trennung plötzlich Toby aufkommen soll. Nun also muss Toby alleine mit all den Anforderungen des Alltagslebens zurechtkommen und flüchtet sich währenddessen in bedeutungslose Sex-Abenteuer und Affären. Dabei wären es eigentlich Trost und emotionale Wärme, die der Neu-Single tatsächlich gebrauchen könnte.

Für ihren Debütroman ist Brodesser-Akner bereits mit dem renommierten Man Booker Prize ausgezeichnet worden. Mit häufig wechselnder Perspektiven der Erzähler, Zeitsprüngen und ihrer gewohnt scharfsinnigen Schreibweise liefert die Autorin einen lesenswerten Roman, der authentisch von den Hürden und Problemen erzählt, die Menschen nach einer Scheidung bewegen. Und der auf interessante Weise das Leben einer jüdischen Gemeinde in der amerikanischen Großstadt mit all seinen Stereotypen und moralischen Anforderungen darstellt.

3. „1000 Serpentinen Angst“, Olivia Wenzel

Olivia Wenzel lebt in Berlin. Nun verfasste sie mit „1000 Serpentinen Angst“ die eigentliche Theaterautorin einen Roman, der zeitgemäßer kaum sein könnte – und von realen Ängsten handelt: Zu Beginn des Buches besucht eine junge Frau ein Theaterstück über die Wende als einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. In einer weiteren Episode sitzt sie mit ihrem Freund an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps in einem Hotelzimmer. In all diesen Erlebnissen blickt die Protagonistin auf die sich rasant verändernde Zeit und erzählt dabei zugleich ihre Familiengeschichte: von ihrer Mutter, die Punkerin in der DDR war und nie die Freiheit hatte, von der sie geträumt hat. Von ihrer Großmutter, deren linientreues Leben ihr Wohlstand und Sicherheit brachte. Und von ihrem Zwillingsbruder, der mit siebzehn ums Leben kam.

Mit der Wucht einer Dramatikerin und einer Genenerationengeschichte liefert Olivia Wenzel ein Buch, das nachhaltig zum Denken anregt und dabei mit viel Humor, Herz und Perspektive von Themen wie Herkunft, Einsamkeit und Verlust erzählt.

4. „Was wir sind“, Anna Hope

Wie sich unser individueller Lebensweg entwickelt, hängt nicht alleine von unseren Entscheidungen und Möglichkeiten ab, die uns offenstehen. Jede Begegnung kann prägend werden – und jede Person unser Leben bereichern oder negativ beeinflussen. Davon schreibt Anna Hope in ihrem Roman „Was wir sind“, das die drei Freundinnen Hannah, Cate und Lissa über mehrere Jahre hinweg und in den unterschiedlichsten Lebensphasen begleitet. Während sie in ihrer Schulzeit in Manchester noch Gemeinsamkeiten verbinden, könnten sie im Erwachsenenalter kaum unterschiedlicher sein. Hannah wünscht sich sehnlichst ein Kind und dass ihr dieser Wunsch nicht erfüllt werden soll, wirkt sich auf ihren gesamten Alltag aus. Währenddessen ist Cate seit Kurzem verheiratet, wurde ungeplant schwanger und ist mit ihren neuen Lebensumstände vollkommen überfordert. Sie droht, in die Depression abzurutschen. Lissa versucht sich als Schauspielerin und Single durchzuschlagen und einen Sinn für ihr Dasein zu finden. Trotz ihrer so gegensätzlichen Charaktere und Lebenswelten überdauert die Freundschaft der drei Frauen sämtliche Krisen und Ereignisse.

Ein authentischer Roman über die wesentlichen Fragen des irdischen Lebens, darüber, wie einzelne Menschen unseren gesamten Lebensweg beeinflussen können und über die intimsten Fragen, die man nur selten auszusprechen wagt.

5. „Stern 111“, Lutz Seiler

Schon jetzt ist das neueste Werk von Lutz Seiler ein Bestseller: Für „Stern 111“ erhielt der Autor die Auszeichnung der Leipziger Buchmesse 2020. Sein preisgekröntes Buch liefert anhand einer fiktiven Familiengeschichte einen Einblick, wie die Menschen die Nachkriegsjahre in Ost- und Westdeutschland erlebten. Die Handlung beginnt mit dem Ehepaar Inge und Walter Bischoff, das zwei Tage nach dem Mauerfall sein altes Leben aufgibt, um auf eine Reise rund um den Globus aufzubrechen. Dafür lassen sie alles zurück, was ihnen bislang wichtig war: ihre Arbeit, ihre Wohnung und das Land. Ihr Sohn Carl reist derweil nach Berlin. Dort angekommen, schließt er sich einer Gruppe Hausbesetzer an und verstrickt sich in deren teilweise kriminellen Machenschaften.

Anhand eines Familienschicksals zeigt Lutz Seiler auf, welchen Nachhall die Wiedervereinigung für ihre Bürger brachte und wie die Liebe sichtbare und unsichtbare Grenzen überwinden kann. Dabei verstrickt er die individuelle Geschichte der Bischoffs geschickt mit politischen Analysen und einer authentischen Darstellung des Zeitgeists. Eine lohnenswerte Lektüre, für die, die sich noch gut an die damaligen Ereignisse erinnern oder solche, denen all das so fremd erscheint.

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