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Kulturtipps für Corona-Zeiten: Was machen wir heute? Streaming-Vorschläge für den Montag

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel vor 2 Tagen

Theater, Konzerthäuser, alles zu? Kulturtipps für Online-Flaneure:eine Diskussion über die Internationale Bauausstellung 1984/87 in Berlin und ein Besuch in Griegs Villa in Norwegen.

Auch ein Ergebnis der IBA: das Wohnhaus Schlesische Straße 7 in Kreuzberg. © Foto: Mike Wolff Auch ein Ergebnis der IBA: das Wohnhaus Schlesische Straße 7 in Kreuzberg.

Streaming-Tipps für Montag, 25. Mai

Architektur-Tipp

Die Internationale Bauausstellung von 1984 bis 1987 hat das Gesicht Berlins an vielen Stellen geprägt. Leider ist der Weg, der damals eingeschlagen wurde, später kaum weiter verfolgt worden: Historische Grundrisse und Parzellen zu respektieren und auf ihrer Grundlage Neubauviertel zu errichten sowie Altstadtquartiere behutsam zu restaurieren. Heute klotzt man lieber austauschbare Quader in die Landschaft, die gerne mal einen ganzen Straßenblock einnehmen. Über das, was in den 80er Jahren entstand und inwiefern es ein Vorbild für die Gegenwart sein kann, diskutieren Fachleute, unter ihnen Mittes Stadtrat für Stadtentwicklung Ephraim Gothe, am Montag Abend ab 20 Uhr live gestreamt in der Urania. Mit einer Einführung von Landeskonservator Christoph Rauhut.

Opern-Tipp 1

Warum nicht die viele Zeit zuhause (wer sie hat) nutzen, um ein bisschen mehr zu lernen übers Musiktheater-Repertoire? Auf www.deutscheoperberlin.de erklärt Dramaturgin Dorothea Hartmann in einem 18-minütigen Video den Doppelcharakter von Verdis "Aida": einerseits intimes Kammerspiel, andererseits ein bombastisches Kriegsstück. In der Inszenierung von Benedikt von Peter agieren die Protagonistinnen und Protagonisten auf der Bühne, während der Chor im Saal singt (leider unvorstellbar in der aktuellen Situation). "Der Regisseur überträgt damit die Idee, die dem Stück auch zugrunde liegt, auf die Architektur des Zuschauerraums", so Hartmann. "Aida" ist das zweite Stück aus dem Repertoire der Deutschen Oper nach Zemlinskys "Der Zwerg", für das eine Online-Einführung bereitsteht.

Festival-Tipp

Für das Bergen International Festival reisen immer wieder Spitzenmusiker in die norwegische Hafenstadt. In normalen Jahren. 2020 findet das Festival, auf dem auch regelmäßig Lokalheld Edvard Grieg gefeiert wird, komplett im Internet statt: Reinschauen lohnt sich: Über 50 Ereignisse sind angekündigt, alle gratis. An diesem Montag um 21 Uhr zum Beispiel gibt's ein Kammerkonzert im Wohnzimmer von Griegs Wohnhaus in der idyllisschen Villa Troldhaugen bei Bergen mit Mozarts Streichquartett B-Dur KV 458 und dem dritten Streichquartett von Jörg Widmann. Von Widmann spielt Pianist Leif Ove Andsnes auch das Solostück "Idylle und Abgrund", ein musikalisches Porträt Franz Schuberts. Dessen Scherzo D 591 wird den Abend eröffnen. (www.fib.no)

Opern-Tipp 2

Kaum jemand, sicher nicht außerhalb Russlands, würde heute noch Zar Boris Godunow (1552–1605) kennen, hätte Puschkin nicht ein Drama über ihn geschrieben, das Modest Mussorgsky zur Vorlage seiner Oper heranzog. Es ist ein schroffes, verstörendes, eigenartig fremd schillernde, glockenumtostes Wunderwerk über den "russischen Macbeth" geworden. 2017 hat Richard Jones das Werk an der Deutschen Oper inszeniert, mit dem tief beeindruckenden Bass Ain Anger in der Titelrolle. "Der Este, der diese Rolle zum ersten Mal singt, hat mit seinen langen geglätteten Haaren etwas Christusartiges, sein tiefgelagerter, eindringlicher Bass ist von ehrlich empfundenen Emotionen durchdrungen, poetisch, verzweifelt, aber auch machtbewusst", schrieb der Tagesspiegel. Auch in Paris hat Anger die Rolle übernommen, die Opéra de Paris zeigt ab diesem Montag 19.30 Uhr bis 31. Mai einen Mitschnitt der Inszenierung von Ivo van Hove. Am Pult: Vladimir Jurowski.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Sonntag, 24. Mai

Performance-Tipp

„Wenn der Körper streikt“: Mit dem Performancesolo „Im Loop II“ über Arbeit und Selbstoptimierung, choreografiert am Schreibtisch zwischen Stuhl und Laptop, endet das viertägige Performing Arts Festival Berlin@home. Viola Köster und Ren Saibara haben ihre ursprünglich geplante Performance eigens für die Digitalversion adaptiert. Im Livestream ab 18 Uhr ist Haruka Tomatsu zu sehen, mit der Laptop-Kamera als Begleiter und Kontrolleur der einsamen Arbeiterin. Dabei werden die Zuschauer in die Perspektive der Kamera versetzt, um den Kampf der Solistin mit sich selbst zu verfolgen. Im Anschluss sind die Zuschauenden eingeladen, die Performance in einem Telefongespräch, spazierend mit einer (noch) unbekannten Person nachwirken zu lassen. Dafür bitte vorher auf der Webseite anmelden. Vorher gibt’s um 12 und um 14 Uhr Live-Talks über Handlungsspielräume in Zeiten der extremen Offenheit und über die Kulturlandschaft nach Corona, unter anderem mit dem Politikwissenschaftler Raul Zelik, der Performerin Melanie Jame Wolf, Franziska Werner vom Rat für die Künste und dem Berliner Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert.

Klassik-Tipp 1

Schön, dass das Beethoven-Jahr noch lange nicht zu Ende ist. Kurz vor der Halbzeit lädt das Armida Quartett zur dreiteiligen Livestream-Serie Beethoven On!. Je eine halbe Stunde Beethoven auf den Facebook-Seiten des Quartetts und des Theaters im Delphi in Berlin-Weißensee, wo das Ensemble heute um 21 Uhr mit dem F-Dur Streichquartett Nr. 1 op 18/1 startet. Episode 2 folgt eine Woche später, am Pfingstsonntag, mit der Großen Fuge B-Dur op. 133. Wieder eine Woche später, am 7. Juni ebenfalls um 21 Uhr, wird das eher selten aufgeführte Streichquintett op. 29. zu hören sein, mit Verstärkung der Bratschistin Tabea Zimmermann. Zimmermann hat gerade den Ernst-von-Siemens-Musikpreis gewonnen, den Nobelpreis für die Welt der Klassik. Die Online-Konzerte sind kostenfrei, das Quartett freut sich über eine Spende an den Nothilfefonds der Orchesterstiftung.

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Klassik-Tipp 2

Zum Gedenken an die Toten der Pandemie spielt der Star-Cellist Yo-Yo Ma alle sechs Solo-Cellosuiten von Bach an diesem Sonntag in den Studios des Bostoner Radiosenders WGBH und präsentiert das mit nur einem Tontechniker und von Roboterkameras aufgenommene Solo-Konzert auch auf seinem Youtube-Kanal. Um 15 Uhr Ortszeit geht’s los, das ist 21 Uhr unserer Zeit: zweiweinhalb Stunden Bach, live und ohne Pause. Eigentlich wollte Yo-Yo Ma in diesen Wochen sein 2018 gestartetes „Bach Project“ beschließen. Das Finale seiner weltumspannenden Solo-Suiten-Welttournee mit 36 Stationen auf sechs Kontinenten musste wegen der Pandemie verschoben werden. Die vier letzten Konzerte in Paris, Okinawa, Rio de Janeiro und Istanbul sind nun vorerst ab September bis in den Winter hinein terminiert.

Theater-Tipp

Am 11. März wollten sie anfangen zu proben, just an dem Tag wurde der Spiel- und Probenbetrieb an der Münchner Theaterakademie August Everding auf behördliche Anweisung eingestellt. Regisseur Marcel Kohler, Ensemblemitglied des Deutschen Theaters Berlin, fing sofort an, über eine Online-Version von Thornton Wilders „Wir sind noch einmal davongekommen“ nachzudenken, die Proben auf Skype begannen dann drei Tage später. Die Abschlussinszenierung des Schauspieljahrgangs findet nun in den Wohnungen der Studierenden statt, isoliert voneinander. Dramaturg Peter Sampel schreibt im Blog zur Produktion, dass die Figuren in Wilders Weltuntergangs-Stück aus dem Jahr 1942 von „einer Katastrophe nach der anderen geplagt“ werden, etliche davon seien menschengemacht. Vor der Coronakrise hätten sie dabei „an die Klimakatastrophe gedacht, an den Rechtsruck und die Infragestellung von Demokratien, an Kriege und Spannungen überall in der Welt“. Die Assoziationen mit der eigenen Realität seien eher entfernte gewesen, räumlich oder zeitlich. Durch Corona erfuhr das Projekt „auf eine gespenstische Art und Weise eine ganz neue und eigene Aktualität“. Der Abend, live gestreamt auf nachtkritik.de, startet um 19.25 Uhr mit einer kurzen Stückeinführung.

(Zusammenstellung: chp)

Streaming-Tipps für Samstag, 23. Mai

Klassik-Tipp 1

Das mit nur 15 Musikerinnen und Musikern auf dem Podium coronakonforme und live gestreamte Europakonzert der Berliner Philharmoniker am 1. Mai geriet so überzeugend - fürs digitale Publikum wie für die Philharmoniker selbst -, dass Kirill Petrenko jetzt schon das nächste Ereignis im gleichen Format angesetzt hat. An diesem Samstag um 19 Uhr dirigiert er erneut in der leeren Philharmonie (7-Tages-Ticket für die Digital Concert Hall 9,99 €, 14-Tages-Ticket 14,90 €). Auf dem Programm: Debussys klangfarbensattes Impressionistenmeisterwerk "Prélude à l’après-midi d’un faune", die temperamentvolle Kammermusik Nr. 1 von Paul Hindemith und Arnold Schönbergs "Verklärte Nacht" in der Fassung für Streichorchester, die so gar nicht zwölftönig, vielmehr spätromantisch-schwelgerisch daherkommt.

Theater-Tipp

An diesem Samstag endet Ramadan - in der arabischen Welt eine Zeit, in der sich das Publikum üblicherweise unzählige neue Fernseh-Soaps reinzieht. Was die Hamburger Kulturfabrik Kampnagel zum Anlass genommen hat, seit Ende April eine 17-teilige digitale "experimentelle, multilinguale Selfmade-Soap-Opera" zu produzieren mit dem kongenialen Titel "RAMADRAM". Die Darstellerinnen und Darsteller heißen Yasmin, Leyla, Abu oder Mustapha und sind selbst migriert oder geflüchtet. Passend zum Ende des Fastenmonats geht die letzte Folge heute online. Ebenfalls in Hamburg geht am Thalia Theater mit "Kabale und Liebe" der letzte Teil von Antú Romero Nunes' "Ode an die Freiheit. Ein Triptychon nach Friedrich Schiller" online. "Entstanden ist ein bis dahin nicht dagewesenes Format", heißt es auf der Webseite. "Die Filme "Maria Stuart", "Wilhelm Tell" und "Kabale und Liebe" sind weder abgefilmtes Theater noch Probendokumentation oder Making Of, sondern eine hochaktuelle, künstlerische Auseinandersetzung mit Theater in Zeiten von Corona, die den sich ständig verändernden Status Quo spiegelt."

Klassik-Tipp 2

Kleiner Hoffnungsschimmer: Die Bühne der Staatsoper wird wieder bespielt, wenn auch natürlich noch ohne Publikum. Seit kurzem gibt es jeden Freitag ein Livestream-Konzert mit Mitgliedern der Staatskapelle Berlin, dem alle Beteiligten in ausreichend Abstand auftreten, das gestrige Konzert kann auf Youtube verfolgt werden. Auf dem Programm zwei Werke von Ludwig van Beethoven: Das Sextett op. 81b für zwei Hörner und Streicher und drei schottische Lieder für Tenor (Stephan Rügamer) und Klaviertrio.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Freitag, 22. Mai

Orgel-Tipp

Jeden Freitag lädt das Berliner Stadtmuseum unter dem Motto "zuhören, entspannen, nachdenken" zu einem 30-minütigen Konzert auf der Jehmlich-Orgel in die Nikolaikirche, die bekanntlich nicht mehr als sakraler Raum, sondern als Museum fungiert. Manchmal wird die Orgel auch durch Sologesang oder Chor ergänzt. Ab diesem Freitag um 17 Uhr ziehen die Konzerte für zunächst vier Wochen ins Netz um, den Anfang macht Organist Martin L. Carl mit den Stücken in C-Dur (BWV 553), e-Moll (BWV 555) und g-Moll (BWV 558) aus den Kleinen Präludien und Fugen von Johann Sebastian Bach.

Theater-Tipp

"Hamlet" war nicht das einzige Drama von Shakespeare, dass Heiner Müller adaptierte (als "Die Hamletmaschine"). 1971 übersetzte er "Macbeth", wobei - wie das Berliner Ensemble schreibt - es sich um viel mehr als eine Überarbeitung handelt, nämlich um ein "originäres Drama über die Dialektik der Macht". Ab Freitag 18 Uhr streamt das BE für eine Woche den Mitschnitt einer Inszenierung von Michael Thalheimer mit Sascha Nathan als unglückseligem schottischem König und und Constanze Becker als Lady Macbeth. Zusätzlich gibt's am 26. Mai um 21 Uhr ein digitales Publikumsgespräch mit Dramaturg Bernd Stegemann, der Darstellerin Kathrin Wehlisch und mit Sascha Nathan. Fragen können live über einen Chat gestellt werden.

Barock-Tipp

Bekanntlich nannte Hans von Bülow Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ das Alte und die 32 Klaviersonaten Beethovens das Neue Testament der Klavierliteratur. "Bachs sechs Sonaten und Partiten für Violine solo sind für Geigerinnen und Geiger Altes und Neues Testament zugleich – eine unerschöpfliche künstlerische Inspirationsquelle, deren technische und geistige Bewältigung eine Lebensaufgabe darstellt", schreibt das Konzerthaus. An sechs Donnerstagen jeweils um 21 Uhr werden die Stücke von Berliner Musikerinnen wie Viviane Hagner, Veronika Eberle, Midori Seiler oder Suyoen Kim im Stream vorgestellt, sie bleiben auch danach online. Die erste Sonate (Viviane Hagner) und die erste Partita (Sayako Kusaka) sind bereits verfügbar, seit dem gestrigen Donnerstag ist Carolin Widmann dazugekommen - mit der Sonate Nr. 2 a-Moll und ihrem "zauberhaft lyrischen Andante, sicher ein Höhepunkt des ganzen Werkzyklus" (Konzerthaus).

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Ballett-Tipp

Tägliche "Kleine Gesten" im Netz sollen quasi ein digitales Echo der abgesagten Wiener Festwochen bildet. An diesem Freitag wird ein Ausschnitt aus Histoire(s) du Théâtre II gezeigt. "Das Stück des international gefeierten Choreografen Faustin Linyekula widmet sich dem 1974 von Diktator Mobutu Sese Seko gegründeten kongolesischen Nationalballett und hinterfragt mit den Erzählungen von drei ehemaligen Ensemblemitgliedern die Geschichte dieser Institution", so die Festwochen.

Theater-Tipp

Immer freitags gibts was Neues in der Reihe "Geist mit Humor", mit der Dieter Hallervordens Schlosspark Theater auch in Corona-Zeiten beim Publikum präsent bleiben will. Der Livestream um 19.30 Uhr widmet sich dieses Mal dem "Berliner Witz" - und bietet dazu Angelika Mann und Wolfgang Bahro auf, zwei "waschechte Berliner Pflanzen". 2019 standen sie zusammen in der Komödie "Ruhe! Wir drehen!" auf der Steglitzer Bühne, Bahro ist auch als TV-Bösewicht Jo Gerner in "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" bekannt. Zu sehen auf Facebook und Youtube.

(Zusammenstellung: uba)

Streamingtipps für Donnerstag, 21. Mai

Opern-Tipp

Die Staatsoper Hamburg zeigt Herbert Fritschs Inszenierung von „Così fan tutte“ aus dem Jahr 2018. Ein auf Hochglanz polierter Abend der affektierten Überzeichnungen, mit klaren Konturen und knallig-bunten Kostümen: „Alles gaga, das aber in Perfektion“, hieß es auf „Zeit online“. Mit exzellenter Besetzung; stimmlich sei diese Version von Mozarts Tragikomödie um Liebe und (Un-)Treue „einer der besten, die in der Hamburger Oper seit langem zu hören waren“, so das Blatt. Es wirken mit: Kartal Karagedik als Guglielmo, Dovlet Nurgeldiyev als Fernando, Sylvia Schwartz als Despina, Pietro Spagnoli als Alfonso, Maria Bengtsson als Fiordiligi und Ida Aldrian als Dorabella. Die musikalische Leitung des gut zweieinhalbstündigen Abends hat Sébastien Rouland. Online noch bis 1. Juni.

Film-Tipp

Die international beste Arthouse-Plattform ist und bleibt bis auf weiteres Mubi.com. Wer davor zurückscheut, sich locker zu machen und wieder bedenkenlos hinaus in die Welt zu stürmen, der kann die Welt zu sich nach Hause einladen und die Plattform für Autorenfilm-Klassiker und -Newcomer mittels einwöchigem Probe-Abo einfach mal testen. Schon weil dort seit Anfang des Monats die großartigen frühen Filme von Jim Jarmusch („Permanent Vacation“, „Stranger than Paradise“, „Down By Law“) verfügbar sind, oder Produktionen des indischen Regiemeisters Satyajit Ray („Der Schachspieler“)? Heute geht das bosnische Debüt „Take Me Somewhere Nice“ online, eine Mischung aus Roadmovie und Coming-of-Age-Story. Am Freitag ist Jarmuschs „Night on Earth“ am Start, am Montag Tarkowskis „Nosthalgia“, Ende des Monats Marco Ferreris herrlich böse Bourgeoisie-Satire „Das große Fressen“. Für einen Erinnerungsabend an den vor wenigen Tagen gestorbenen Michel Piccoli finden sich Dutzende weitere Piccoli-Filme in der Leihbiblioth

[Aktuelle Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie finden Sie hier in unserem Newsblog. Die Entwicklungen speziell in Berlin an dieser Stelle.]

Hörspiel-Tipp

Das 11. Berliner Hörspielfestival der Akademie der Künste findet ab heute online statt, täglich von 18 bis 23 Uhr, bis 24. Mai. Für den Hauptwettbewerb sind 16 Produktionen nominiert, darunter vier „Corona-Stücke“. Der Dokumentarfilmer Thomas Heise („Heimat ist ein Raum aus Zeit“), der auch Direktor der Akademiesektion Film- und Medienkunst ist, eröffnet das Festival an diesem Donnerstag. Sämtliche nominierten Hörspiele werden live über die Websites und Youtube-Kanäle des Festivals, der Akademie der Künste sowie von Radio Eins gestreamt. Die Wettbewerbskategorien lauten (schräg, aber kein Witz): „Das lange brennende Mikro“ (Stücke von 20 bis 60 Min.), „Das kurze brennende Mikro (5 bis 20 Min.), „Das glühende Knopfmikro (1 bis 5 Min.) und für internationale Produktionen „The burning mic“ (1 bis 60 Min.). Hinzu kommen sogenannte MikroFlitzer, die maximal eine Minute lang sein dürfen und zwei Bedingungen erfüllen müssen: Der Satz „Erst mal nur alles“ muss vorkommen, ebenso das Geräusch einer taumelnden Weltkugel. Erstaunlich, dass die überhaupt ein Geräusch macht.

Los geht es heute mit den MikroFlitzern. An jedem Abend wird einer der Wettbewerbe präsentiert, die Lang-Produktionen sind über alle vier Tage zu sehen. Insgesamt laufen 51 Beiträge. Wer will kann direkt im Anschluss mit abstimmen und Kommentare beisteuern. Die Preisverleihungen für die jeweilige Kategorie findet ebenfalls am gleichen Abend statt, und der komplette Stream bleibt bis zum 31. Mai online.

Reportage-Tipp

Surfen wir mal wieder zur Arte-Mediathek und zur dortigen Reportage-Serie „Viral“, dem „Wertjournal einer Pandemie“. Da die Korrespondenten aus aller Welt wegen der Pandemie vor Ort meist nicht mit einem Team zusammenarbeiten können, berichten sie seit Ende März in kurzen persönlichen Filmen vom Alltag in ihrem jeweiligen Land und filmen sich dabei selbst. Die Serie mit 10- bis 15-minütigen Beiträgen ist inzwischen bei Nummer 33 angekommen, jedes Journal versammelt Kurzberichte aus mehreren Ländern. So erfährt man zum Beispiel, dass die Menschen in Madagaskar gerade auf die antivirale Heilkraft eines Pflanzenextrakts schwören, die Brasilianer den hochprozentigen Cachaça als Hausmittel gegen Corona trinken und die Kolumbianer verstärkt mit Eukalyptus inhalieren. In Japan entwickelt ausgerechnet Fujifilm eine Anti-Covid-19-Tablette, und in Tel Aviv wurde eine Klinik in einem Parkhaus eingerichtet. Mit Video-Überwachung der provisorischen Krankenzimmer, zwecks Kontaktvermeidung.

(Zusammenstellung: chp)

Streaming-Tipps für Mittwoch, 20. Mai

Klassik-Tipp

Gleich mal das Thema verfehlen: Das hier ist KEIN Streamingtipp. Sondern ein Live-Tipp in Streamingzeiten, der sich guten Corona-Gewissens empfehlen lässt. Der Heimathafen Neukölln plant sein großes Analog-Comeback im Herbst, mit Abstand und Luft. Gleichzeitig hat er seinen schönen Saal ab diesem Mittwoch für das kleinste Konzertformat der Welt zur Verfügung gestellt: „1 Musiker*in, 1 Zuhörer*in, 2 Meter Abstand“ heißt es in der Projektbeschreibung der 1:1 CONCERTS. Es treten auf, auch an anderen Orten wie der Augustinuskirche in Prenzlauer Berg und in der Yuka-Remise in Neukölln: Mitglieder des Orchesters der Deutschen Oper Berlin, von anderen Berliner Orchestern und freien Ensembles. Konzert für eine Person, Slow Music, Werktitel und Komponist werden extra nicht angesagt, toll. Dauert 15 Minuten, welches Instrument man erwischt, ist Zufall. Termine gibt’s bis 22. Mai, weitere sollen folgen, falls alles schon ausgebucht sein sollte. „Eintritt“ frei, um eine Spende für den Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung wird gebeten. Die Stiftung organisiert solche Konzerte an allen möglichen Orten in Deutschland, privaten, kulturellen und Outdoor-Spaces, idese Woche in Berlin. Anmelden unter diesem Link.

Theater-Tipp 1

Mittwoch ist Gorki-Tag. Heute stellt das Berliner Maxim Gorki Theater wieder eine seiner Produktionen ins Netz, diesmal Hans Falladas „Kleiner Mann – was nun“ in der Inszenierung von Hakan Savaş Mican aus dem Jahr 2016. Er nennt sie „Lämmchen“, sie ihn „Junge“. Johannes Pinneberg verliebt sich in die Arbeitertochter Emma, sie wird schwanger, die beiden heiraten, sie ziehen an den Stadtrand, versuchen durchzukommen trotz Arbeitslosigkeit und Geldnot. „Untadeliges Volkstheater auf Augenhöhe mit der Roman-Vorlage“, schrieb Christine Wahl im Tagesspiegel, lobte Dimitrij Schaad als Titelheld mit Anflügen von Selbstironie und Anastasia Gubareva als Emma, die „trittsicher allen erdenklichen Klischeefallen ausweicht“. Das live aufspielende Musiker-Trio Valentin Butt, Lukas Fröhlich und Matthias Trippner, das zu Pinnebergs Überlebenssprints einen gnadenlosen Beschleunigungstakt schlägt, gefiel ihr auch. Ab 18 Uhr für 24 Stunden online.

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Theater-Tipp 2

Schauen wir mal wieder bei den Wiener Festwochen vorbei, die letzte Woche gestartet sind und noch bis 20. Juni ihr umprogrammiertes Festival online anbieten. Um 20.30 Uhr steht das 90-minütige Stück „Farm Fatale“ auf dem Programm, ein Theaterabend des französischen Künstlers und Bühnenbildners Philippe Quesne: „Fünf Vogelscheuchen vermissen die Vögel. Die gibt es nicht mehr. Arbeitslos geworden, beschäftigen sie sich mit Radiomachen und diskutieren gemeinsam über mögliche nächste Ausstrahlungen“, heißt es in der Ankündigung. Die Vogelstimmen kommen vom Band: Der Trailer des in der posthumanen Zukunft spielenden, magischen, auf Heuballen inszenierten Öko-Stücks sieht schön verspielt und verrückt aus.

Aufsteh-Tipp

Apropos Vogelstimmen. Die Menschen bleiben drin, die Natur kehrt zurück: Wegen der Pandemie ließ sich das vielerorts beobachten, selbst in Berlin sangen die Nachtigallen wie nie. Das macht sich das Citizen-Science-Projekt www.dawn-chorus.org zunutze, welches das Naturkundemuseum Bayern und der Stiftung Nantesbuch mit Sitz im Voralpenland Anfang Mai ins Leben gerufen hat. Das Projekt ist inspiriert von Bernie Krause, dem „Vater des Soundscaping“. Bei der Vogelstimmen-Sammelplattform kann jeder mitmachen, selber Morgendämmerungskonzerte der Natur aufnehmen und auf der Webseite uploaden – noch bis Ende des Monats. Das Tolle: Auf der bereits entstandenen Weltkarte kann man sich schon jetzt Vogelgesänge aus aller Welt anhören, zarte Lyrismen aus abendländischen Gefilden genauso wie scharf gewürztes Keckern aus Asien oder Entengeschnatter mit Straßenlärmbegleitung. Einfach auf eins der Fähnchen irgendwo auf der Welt klicken, man erfährt den Aufnahme-Tag, Uhrzeit, Wetter und Habitat und badet im Stimmenmeer.(Zusammenstellung: chp)

Streaming-Tipps für Dienstag, 19. Mai

Literatur-Tipp

Den vielleicht ersten Corona-Roman "So ist die Welt geworden" hat Marlene Streeruwitz verfasst. Das heißt, sie tut es noch, als Fortsetzungsgeschichte in der Tageszeitung "Der Standard". Jetzt wird die die österreichische Schriftstellerin mit dem Preis der Literaturhäuser ausgezeichnet. "Marlene Streeruwitz stellt mit ihrem vielseitigen Werk eine außerordentlich wichtige und politisch profilierte Stimme in der deutschsprachigen Literatur dar.  An ihren zwischen zornigen Befreiungsversuchen und Selbstverlust changierenden Frauenfiguren spielt sie verschiedenste Möglichkeiten durch, die mehr oder weniger subtilen Macht- und Gewaltstrukturen unserer Gesellschaften literarisch erfahrbar zu machen", so die Jury zur Begründung. An diesem Dienstag um 18 Uhr spricht Streeruwitz auf der Webseite des Berliner Literaturhauses mit der Kulturwissenschaftlerin Margarita Tsomou über ihren 2019 erschienenen Roman "Flammenwand" - und natürlich über Covid-19.

Theater-Tipp

"Gespenster", das Drama der Selbstzerstörung einer Familie, schrieb Henrik Ibsen 1881. "Dass die Vergangenheit die Gegenwart beherrscht, die Toten die Lebenden, das ist das Thema des Stücks", so das Deutsche Theater Berlin auf seiner Webseite."Jeder Versuch, dem Schatten des abwesenden, monströsen, namenlosen Vaters zu entkommen, bleibt für seine Witwe Helene Alving und ihren Sohn Osvald, einen Künstler, vergeblich und führt sie nur näher hin zum eigenen Unglück." Ab Dienstag, 18 Uhr bis Mittwoch 12 Uhr streamt das DT die Aufzeichnung einer Inszenierung von Thomas Langhoff aus dem Jahr 1983. Eine "Lach-Tragödie" zweier Generationen will Langhoff in dem Stück entdeckt haben.

Klassik-Tipp

Johannes von Damaskus (650-754) war ein bedeutender orthodoxer Kirchenvater an der Schwelle von Antike und Frühmittelalter, der sich im byzantinischen Bilderstreit für die Verehrung von Ikonen einsetzte, allerdings ihren Erkenntniswert betonte, nicht ihren praktischen Nutzen. Über tausend Jahre nach seinem Tod verfasste Alexei Tolstoi, Cousin von Leo, ein Gedicht auf Johannes, das als eine Art verspätete Abschiedsrede konzipiert ist. Dieses Gedicht wiederum vertonte der Tschaikowsky-Schüler Sergei Tanejew 1884 in seiner Kantate "Johannes Damascenus". "Tanejew nutzte für seine Vertonung alles, was die Geschichte der Chor-Oratorien ihm bot — vom intensiven Orchestervorspiel, das die Atmosphäre vorzeichnet, über choralartige Sätze bis zur höchst kunstvollen Fuge", schreibt Habakuk Traber. Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin hat die Kantate 2014 in der Philharmonie mit Tugan Sokhiev am Pult und dem Rias Kammerchor aufgeführt - der Konzert-Mittschnitt ist noch bis 22. Mai abrufbar. Ebenfalls an jenem Abend auf dem Programm: Michail Glinkas "Valse-fantaisie" und Hector Berlioz’ "Symphonie fantastique". 

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Montag, 18. Mai

Literatur-Tipp

Paul Celans "Todesfuge" ist nicht nur auf inhaltlicher und formaler Ebene eindringlich und erschütternd, sondern auch auf der Ebene der Überlieferung: Das Gedicht entstand 1945, es gilt als eines der frühesten literarischen Zeugnisse des Holocaust überhaupt. Am Montag um 18 Uhr präsentiert das Literaturhaus Berlin einen Online-Abend zu Paul Celan, der dieses Jahr 100 geworden wäre. Der Literaturwissenschaftler und Suhrkamp-Geschäftsführer Thomas Sparr beschäftigt sich mit der Wirkungsgeschichte der "Todesfuge" bis heute, Autor Hans-Peter Kunisch mit dem Treffen zwischen Celan und Martin Heidegger 1967 in Todtnauberg. "Was ist von diesem Treffen überliefert und was hatten sie sich zu sagen, der Antisemit und der Holocaust-Überlebende, der Philosoph und der Dichter?", so die Webseite. Außerdem sprechen die beiden mit der Rabbinerin und Professorin für jüdische Religions- und Geistesgeschichte Eveline Goodman-Thau über Celan und sein Werk.

Festival-Tipp

Jubilar Ludwig van Beethoven in diesem Jahr bei den Wiener Festwochen? Hätte schön werden können. So plante Performance-Künstler Thomas Geiger zum Beispiel, im Rahmen der von ihm entwickelten Reihe "Bust Talks" ein Gespräch mit ihm zu führen. Also, nicht mit ihm selbst, natürlich, aber mit seinem Standbild auf dem Beethovenplatz im 1. Bezirk. Geiger unterhält sich öfter mit Denkmälern, er versteht sie also potentielle Gesprächspartner, entlockt ihnen Erfahrungen und Ansichten, die relevant sein können für die Gegenwart. Die Festwochen sind abgesagt, bieten aber täglich digitale Aktionen an, die Bezug nehmen auf das ursprünglich geplante Programm. So erzählt Geiger jetzt eben auf Youtube dem bekanntlich im Laufe seines Lebens ertaubten Komponisten, dass gerade eine Pandemie herrscht. Und was antwortet der? "Er sagt, ich solle ihm doch bitte nichts von sozialer Distanzierung erzählen."

Klassik-Tipp

Eigentlich leben Pianist Vladimir Stoupel und seine Frau, Geigerin Judith Ingolfsson, in Berlin. Jetzt sitzen sie aber seit Wochen in Baltimore fest. Und machen das Beste aus der Situation: Sie geben von dort aus zwei Mal die Woche sogenannte "Homeland Concerts" auf Youtube, ganz ohne Mätzchen, sehr ehrlich und auf den musikalischen Text konzentriert - aktuell etwa Schumanns Violinsonate Nr. 1 a-Moll op. 105. Wer reinhören will, muss schnell sein: Am Dienstag wechselt das Programm.

Theater-Tipp

Der chilenische Dramatiker Guillermo Calderón hat für sein namensgleiches Stück "La flauta mágica" Mozarts Zauberflöte als Schablone genommen - tatsächlich ist Pamina hier aber ein siebenjähriges Mädchen, das schwer unter der in Lateinamerika virulenten Polizeigewalt leidet, erzählt wird in drastischen Bilder von der Zerstörung einer Kindheit. Musikalisch ist das im Kontrast dazu ziemlich erheiternd: "Mozart-, aber auch Pop-Motive sind eingestreut in einen grundentspannt bis flamenco-feurigen, nur selten abreißenden Klangteppich, auf dem ein gutes Dutzend toller Songs Platz hat", schreibt Sabine Leucht auf Nachtkritik. Dort wird ab Montag 18 Uhr die Aufzeichung einer Inszenierung von Antú Romero Nunes gestreamt, die im Februar beim iberoamerikanischen Theaterfestival "¡Adelante!" in Heidelberg zu sehen war. Ab 20 Uhr Live-Chat mit dem Regisseur.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Sonntag, 17. Mai

Museums-Tipp

An diesem Wochenende hätten die neue Dauerausstellung und das Kindermuseum des Jüdischen Museums Berlin eröffnet werden sollen. Aus bekannten Gründen hat sich das jetzt alles in den Herbst verschoben. An diesem Sonntag, dem Internationalen Museumstag (der coronakonform unter dem Motto "Museen digital entdecken" steht), gibt es trotzdem einiges zu entdecken auf der Homepage, unter anderem erste Einblicke in den Aufbau der Dauerausstellung. Außerdem spricht Hetty Berg, die neue Direktorin und Nachfolgerin des vergangenes Jahr zurückgetretenen Peter Schäfer, um 14 Uhr mit radioeins-Moderator Knut Elstermann auf dem JMB-Youtube-Kanal über ihre Ankunft in Berlin, ihr Haus in Zeiten der Corona-Krise und ihre Pläne für die Zukunft.

Operetten-Tipp

Angela Merkel zum Trotz kennt die Geschichte nicht so viele Frauen an der Macht. Eine der berühmtesten: Cleopatra. Der Wiener Komponist Oscar Straus, 1954 in - uuhh - Bad Ischl gestorben, hat sie 1921 zur zentralen Figur seiner pointenseligen Operette "Die Perlen der Cleopatra" gemacht. Uraufführung war im Theater an der Wien, Berliner Erstaufführung im damaligen Theater am Nollendorfplatz. Die ägyptische Pharaonin hat hier alle Hände voll zu tun, droht doch nicht nur Dürre wegen ausbleibenden Nilwassers, sondern auch ein Aufstand im Volk - und die Heere Roms stehen auch vor der Tür. An der Komischen Oper hat Barrie Kosky das Stück voller Exotismusbegeisterung, Wiener Walzerseligkeit und Spätromantik inszeniert, mit Dagmar Manzel in der Titelrolle 2016 inszeniert. Die Aufzeichnung wird ab Sonntag 19 Uhr für einen Monat auf www.komische-oper-berlin.de abrufbar sein.

Theater-Tipp

Dieser Zug hat noch lang nicht den Endbahnhof erreicht: Seit 1986 steht Volker Ludwigs Kultmusical "Linie 1" auf dem Spielplan des Grips Theaters. Und heute Abend kommt es im Nachtkritikstream groß raus: Ab 18 Uhr wird eine Aufführung von 2006 mit der Musik von Birger Heymann und der Rockband "No Ticket" in der Regie von Wolfgang Koldneder gestreamt. Dazu gibt's einen Chatroom, moderiert von Nachtkritik-Redakteur Christian Radow. Alle, die gemeinsam gucken und chatten wollen, sind eingeladen, ab 20 Uhr auf Play zu drücken - der Chatroom ist ab 19.30 Uhr offen. Und Volker Ludwig sendet eine exklusive Grußbotschaft, in der er über die Entwicklung des Stücks in den 80er Jahren und die Tränen nach der vierstündigen Uraufführung spricht.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Samstag, 16. Mai

Kunst-Tipp

Einige Häuser in Berlin sind wieder geöffnet, aber nicht dieses: Die Neue Nationalgalerie am Kulturforum ist der Stadt schon seit 2015, als die Sanierung begann, abhanden gekommen. Verrammelt hinter Bretterwänden fristet sie seither als ihrer Bestimmung entleerte Hülle ein Dasein im Wartestand. In Erinnerung bringt sie an diesem Wochenende der Dokumentarfilm "Die Neue Nationalgalerie. Das Jahrhundertbauwerk des Architekten Ludwig Mies van der Rohe" von Ina Weisse. Sie ist die Tochter des Architekten Rolf Weisse, der im Büro von Mies van der Rohe in Chicago gearbeitet hat. Die Regisseurin spricht mit unter anderem mit ihrem Vater, mit Mies' Enkel Dirk Lohan und dem mit der Sanierung beauftragten David Chipperfield. Der Film ist für exakt 48 Stunden, ab Samstag 0 Uhr bis Sonntag 23.59 Uhr, bei Vimeo zu sehen - kostenfrei unter Eingabe eines Aktionscodes.

Psychoanalyse-Tipp

Die Webseite des Wissenschaftskollegs zu Berlin bietet so manche Fundstücke. So kann man sich aktuelle Vorträge der Fellows aus ihren jeweiligen Fachgebieten anhören, etwa Andreas Meyer vom Pariser Centre national de la recherche scientifique, der über "Freud und die Geschichte der Psychoanalye: Jenseits der biografischen Illusion" spricht. Auszug: "Freud stellt die Biografik als ein zutiefst trügerisches Genre in diametralen Gegensatz zum therapeutischen Projekt der Psychoanalyse... Im Fall der Biografik als Genre manifestiere sich, so Freud, die Illusion in der Fixierung der Biografen an ihre jeweiligen Helden und der damit einhergehenden Idealisierungsarbeit, die ihren Gegenstand entstellen muss."

Theater-Tipp

Das virtuelle Theatertreffen ist vorbei - die Zukunft der Bühnen in einer von Abstandsregeln geprägten Realität hat gerade erst begonnen. Drei Produktionen des Theatertreffens 2020 und 2019 - die als 3sat-Aufzeichnung vorliegen - sind unter dem Rubrum "Starke Stücke" noch bis Ende Juli online abrufbar: „Hamlet“ (Regie: Johan Simons), „Persona“ (Regie: Anna Bergmann) und „Tartuffe oder das Schwein der Weisen“ (Regie: Claudia Bauer). Zu "Hamlet" gibt's außerdem weiterhin das Nachgespräch, moderiert von Tagesspiegel-Kritikerin Christine Wahl.

Urania-Tipp

Was macht eine Institution wie die Urania, deren Kernkompetenz das Anbieten von Vorträgen ist, in Corona-Zeiten? Sie verlegt alles ins Internet - als Podcast längerfristig abrufbar. Browsen auf www.urania.de/digital lohnt sich: So erklärt etwa Wildtierexperte Dirk Ehlert, wie der Lockdown das Leben der Tiere in der Großstadt verändert, Nora Imlau spricht über die Rückkehr überwunden geglaubter Rollenbilder in der Krise - und die Wirtschaftskorrespondentin der taz, Ulrike Herrmann, unterhält sich mit Cornelia Jentzsch über die Entstehung des Kapitalismus im England des 18. Jahrhunderts, über sein Wachstumsideal und seine Zukunftsaussichten. Die stehen auf einem Planeten, dessen Ressourcen nicht einfach mitwachsen, nämlich denkbar schlecht.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Freitag, 15. Mai

Festival-Tipp

Verwaiste Kinossessel in der Wüste Sinai: ein surreales Bild. Die Wiener Festwochen, die an diesem Freitag hätten eröffnet werden sollen, benützen es als Plakatmotiv. Das hier von einem französischen Unternehmer geplante Freiluftkino musste bereits in der ersten Nacht geschlossen werden, zurück bleibt eine apokalyptische Szenerie, eine vom Menschen aufgegebene Natur. Was ja auch hervorragend zu den abgesagten Festwochen passt. Statt des realen festivals sollen jetzt auf der Webseite www.festwochen.at. fünf Wochen lang Videobotschaften, Plakate, Bilder und Texte das Fehlen der Kunst spürbar machen und auf die Gesamtpartitur des Festivals verweisen, so Leiter Christophe Slagmuylder. Das von ihm und seinem Team erdachte Online-Konzept basiert auf vielen "kleinen Gesten", wie er es nennt. Heute, Freitag, senden um 21 Uhr einige Künstler vom Wiener Rathausplatz, wo sonst traditionell die Eröffnung stattfindet, musikalische Grüße, am Samstag um 10 Uhr wird eine Rede der indigenen Aktivistin Kay Sara und des Theatermachers Milo Rau veröffentlicht, die eigentlich im Burgtheater das Festival hätte eröffnen sollen.

Kino-Tipp

Heute beginnen Woche 9 & 10 im Arsenal 3, dem digitalen Kinosaal des Arsenal, und die bringen vor allem eines: "We MUST have music!" lautet das Motto. "Wir werden", so das Arsenal, "viel Zeit verbringen mit der Musik von Margarita Fernández, Blixa Bargeld, Ricky Shayne, dem Schlippenbach-Trio, Kreidler, The Invisible Hands, Throbbing Gristle, Leila Albayaty, bengalischen Bauls, Puccini, Lena Horne, mit musikalischen Traditionen Palästinas und der Emirate, brasilianischen Soundscapes oder einem melancholischen Volkslied aus Kuwait." Zum Beispiel im Programm: Leila Albayatys Film "Berlin Telegram" (2012), annonciert als musikalisches Roadmovie. Es führt die Protagonistin von ihrer Heimatstadt Brüssel, die sie wegen einer unglücklichen Liebe überhastet verlässt, in ein neues Leben nach Berlin, später nach Lissabon und Kairo.

Theater-Tipp

Wer an Helene Weigel denkt, denkt wahrscheinlich an Mutter Courage, eine Rolle, mit der Bertolt Brechts Gattin so untrennbar identifiziert werden dürfte wie Carrie Fisher mit der von Prinzessin Leia. Ab Freitag 15 Uhr streamt das Berliner Ensemble auf seiner Webseite die Aufzeichnung einer Vorstellung des Dramas von 1957. Der ein Jahr zuvor verstorbene Brecht hatte sein Stück 1949 inszeniert. "Daraus ging das sogenannte „Couragemodell“ hervor – ein Modelbuch mit Fotos und Anweisungen, das zum verbindlichen Muster für alle weiteren Inszenierungen der „Mutter Courage“ wurde", schreibt das BE. Der Mitschnitt ist eine Woche lang verfügbar.

Klassik-Tipp

Das diesjährige "Staatsoper für alle"-Konzert auf dem Bebelplatz ist für den 6. September geplant. Wer ein bisschen in Erinnerungen schwelgen und sich klarmachen möchte, was außerhalb einer Pandemie alles möglich ist, kann sich die Aufzeichnung von 2019 ansehen. Die Staatsoper stellt sie noch bis Samstag Mittag in ihrem Video-on-Demand-Programm auf Youtube bereit. Daniel Barenboim dirigiert die Staatskapelle (die dieses Jahr ihr 450. Jubiläum feiert) mit Brahms' 2. Symphonie, Jiyoon Lee ist Solistin im Violinkonzert von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Literatur-Tipp

"Weiter lesen" heißt die Reihe, mit der das Literarische Colloquium Berlin am Wannsee auch in Pandemiezeiten digital präsent bleibt. Aktuell liest etwa der chilenische Autor Benjamín Labatut aus seinem ersten auf Deutsch erschienenem Buch "Das blinde Licht" (Suhrkamp Verlag 2020). Ein bisschen in Daniel-Kehlmann-Manier erzählt Labatut hier Wissenschaftsgeschichte anhand der Biographien von vier Pionieren der Forschung. "Das Buch zeigt, dass sie auch einfach Menschen waren, die am Balanceakt zwischen Fortschritt und Zerstörung, zwischen Wahnsinn und Genie scheiter", so das LCB. Natascha Freundel moderiert den Podcast, Thomas Brovot kommentiert.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Donnerstag, 14. Mai

Theater-Tipp 1

Als András Dömötörs Inszenierung von "Die Pest" im November 2019 in der Box des Deutschen Theaters Premiere hatte, konnte wohl kaum einer ahnen, dass dies im Mai 2020 das Stück zur Stunde sein wird. Und zwar sowohl inhaltlich - Albert Camus' Roman fragt nach den Möglichkeiten menschlichen Handelns im Angesicht einer Pandemie - als auch formal: Mit Božidar Kocevski stand damals nur ein Darsteller auf der Bühne. Perfektes Theater für Corona-Zeiten: An diesem Donnerstag um 18 Uhr wird eine den aktuellen Umständen entsprechende Neufassung, eine so genannte Quarantäne-Variante, gestreamt (bis Freitag, 12 Uhr). Wer Kocevski schon am DT erlebt hat, etwa in Rosa von Praunheims "Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht", der weiß: Dieser enorm wandelbare Schauspieler ist eine Wucht. Die sich hoffentlich auch in der Kameraführung von Lorenz Haarmann übertragen wird.

Klassik-Tipp

Kaum gestartet, ist die kurze Online-Ausgabe des Kammermusikfestivals "Intonations" im Jüdischen Museum Berlin auch schon wieder vorbei. Zum Finale spielen heute Abend 20 Uhr zum Beispiel Festivalgründerin Elena Bashkirova und ihr Sohn Michael Barenboim Arnold Schönbergs Fantasie für Violine und Klavier. Denis Kozhukhin ist Pianist in Mozarts Klavierkonzert A-Dur KV 414, und als letztes Stück erklingt Brahms Klarinettentrio a-Moll op.114 mit Karl-Heinz Steffens (Klarinette), erneut Denis Kozhukhin (Klavier) und Eckart Runge, dem früheren Cellisten des Artemis Quartetts. Alles live und ohne Publikum. Wir freuen uns auf heute Abend - und nächstes Jahr.

Theater-Tipp 2

Nach drei Tagen voller Kindertheater kommen im Nachtkritikstream ab Donnerstag die Jugendlichen zur ihrem Recht. Um 16 Uhr läuft für 48 Stunden "So lonely" nach dem Roman des schwedischen Autors Per Nilsson (14+), inszeniert am Berliner Grips Theater von Franziska Steiof. Ein 16-Jähriger zerstört nach und nach alle Gegenstände, die ihn an die unglückliche Liebe zu einem Mädchen erinnern: eine Busfahrkarte, ein Buch, ein Bettlaken. "Das Theaterstück erzählt eine Geschichte voll seliger Erfahrungen und schmerzhafter Missverständnisse, eine Geschichte, so grundsätzlich und glücklich, so schmerzhaft und prägend, wie nur die Geschichte einer ersten Liebe sein kann", heißt es dazu auf der Webseite des Grips Theaters.

Literatur-Tipp

Mitte März eröffnete Alexander Kluge seine Ausstellung "Oper. Der Tempel der Ernsthaftigkeit" im Württembergischen Kunstverein, Ergebnis seiner jahrelangen Beschäftigung mit den Produktionen der Stuttgarter Staatsoper - und musste sie am nächsten Tag coronabedingt sofort wieder schließen. Jetzt hat er auf der Webseite des Berliner Literaturhauses einen über vierstündigen Abend gestaltet, betitelt "Kultur in Zeiten von Corona. Versuch einer Revue". Kluge unterhält sich mit Hans D. Christ vom Württembergischen Kunstverein über seine Ausstellung, den Unterschied von Texten im Buch und Texten im dreidimensionalen Raum, den Betrachter als Editor und Oper als Gefäß für Emotionen, wo das Poetische und Dramatische zusammenfinden können. Außerdem gibt's einen "Philosophischen Kettenbrief" mit Helge Schneider und Yoko Tawada, Kathrin Röggla, Armin Nassehi und Asmus Trautsch unterhalten sich über "Labormäuse auf dem Raumschiff Erde". Am besten einfach mal reinschauen.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Mittwoch, 13. Mai

Kunst-Tipp

Der internationale Luftverkehr ist zusammengebrochen, aber das British Museum ermöglicht eine kleine Weltreise vom Schreibtisch aus: Im Online-Projekt "The Museum of the World" kann man ausgewählte Exponate auf einem Zeitstrahl anklicken, der von vorgeschichtlicher Zeit bis in die 2020er Jahre reicht. Die Stücke sind nach Kontinenten und nach Kategorien wie Kunst, Handle, Religion oder Politik aufgeschlüsselt. Das Gemälde "Die Krähe unterrichtet die Tiere" (um 1600, Bild oben, die Krähe ist ganz oben auf dem Felsen zu sehen) stammt aus Indien und entstand während der Mughal-Dynastie im Auftrag Kaisers Akbar. Solche auf Fabeln basierenden Bilder waren ein beliebtes Mittel, um Prinzen zu unterrichten. Unbedingt auch die Audio-Spur neben dem Text anhören, dort erfährt man von Kuratorinnen und Kuratoren zusätzlich spannende Details.

Theater-Tipp 1

Seit Dienstag ist der Theaterpodcast #25 von Deutschlandfunk Kultur und Nachtkritik online - und er beschäftigt sich mit dem Thema, das jetzt alle umtreibt: "Was soll das für ein Corona-konformes Theater der Zukunft werden, für Publikum wie Akteure auf der Bühne? Im Ankündigungstext heißt es: Wird das nicht "ein Theater zum Abgewöhnen", wie der Intendant der Berliner Schaubühne, Thomas Ostermeier vermutet? Oder doch eine Chance, etwas Neues zu versuchen?" Susanne Burkhardt und Elena Philipp sprechen mit Kritikerin Cornelia Fiedler und Schauspieler Martin Wuttke - der bereits 2016 in "Stadion der Weltjugend" mit René Pollesch in Kornwestheim den Reiz des Autokinos entdeckt hatte.

Theater-Tipp 2

Ohne dass sie etwas Böses getan hätte, wurde Elizaveta Bam eines Morgens verhaftet: "Elizaveta Bam" von Daniil Charms (1928) gilt laut Maxim Gorki Theater als ein Grundlagentext des absurden Theaters: "Die Situation gerät völlig aus den Fugen und die zu Beginn existentielle Gefahr schlägt in ein clowneskes Spiel um", heißt es auf der Webseite. An diesem Mittwoch um 18 Uhr ist Christian Weises Inszenierung des Stücks von 2018 mit dem Exil Ensemble für 24 Stunden als Stream zu sehen (Trailer bei Youtube). "Das Leben in einer Diktatur, und sei es die des Proletariats, lässt sich eigentlich nur mit absurdem Theater fassen", so leitet Georg Kasch seine Rezension auf Nachtkritik ein.

Klassik-Tipp

"Intonations", das Kammermusikfestival von Elena Bashkirova im Jüdischen Museum Berlin, endet traditionell mit dem wunderbaren Oktett Es-Dur op. 20 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Dieses Jahr ist alles anders. Nicht nur findet das verkürzte Festival ausschließlich in Form dreier live gestreamter Konzerte ohne Publikum statt - das Oktett fällt auch weg. Acht Musiker auf der Bühne, das ist unter aktuellen Abstandsregeln nicht realisierbar. Stattdessen erklingt heute, beim mittleren der drei Konzerte, ein anderes Mendelssohnsches Werk, das kompositorisch zum Oktett hinführt: sein Streichquintett B-Dur op. 87. Dazu der von Anton Webern arrangierte Schatz-Walzer von Johann Strauß, Mozarts "Kegelstatt"-Trio und der Klavierquartettsatz a-Moll von Gustav Mahler.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Dienstag, 12. Mai

Klassik-Tipp

Kaum noch zählbar sind die Konzerte und Festivals, die seit März abgesagt werden mussten, und jedes einzelne von ihnen tut weh - so auch "Intonations", das von Pianistin Elena Bashkirova gegründete Kammermusikfestival, das seit Jahren erfolgreich den Glashof des Jüdischen Museums Berlin verzaubert. 2020 war es ursprünglich vom 25.-30. April geplant. Ein Lichtblick: Jetzt gibt es immerhin drei gestreamte Live-Konzerte auf dem Youtube-Kanal des Jüdischen Museums, das erste am heutigen Dienstag um 20 Uhr, die anderen beiden jeweils zur gleichen Zeit am Mittwoch und Donnerstag. Ein Programmschwerpunkt konnte beibehalten werden: die von der Wiener Schule um Arnold Schönberg arrangierten Johann-Strauß-Walzer. Zur Eröffnung erklingt der "Rosen aus dem Süden"-Walzer für Geige, Bratsche, Cello und Harmonium, am Klavier sitzt Gastgeberin Bashkirova herself, außerdem Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 415 und das Klarinettenquintett h-Moll op. 115 von Johannes Brahms. Die Konzerte heute und am Mittwoch werden außerdem live im Deutschlandfunk übertragen.

Museums-Tipp

Eine Reihe von wichtigen Häusern der Staatlichen Museen zu Berlin wie Alte Nationalgalerie oder Gemäldegalerie öffnen ab Dienstag wieder, aber nicht alle - ein Besuch der Webseite lohnt sich weiterhin. Dort wird viel geboten, alle Sammlungen können virtuell erkundet werden. Außerdem liefert der Blog "Museum and the City" viele spannende Informationen, etwa zum Kriegsende vor 75 Jahren auf der Museumsinsel (mit einem Foto des schneebedeckten, wegen Bombentreffern unbedachten Pergamonaltars von 1945!) oder der Bedeutung zweier buddhistischer Kulthöhlen im Museum für Asiatische Kunst. Davon abgesehen kann man die realen Museen gerade jetzt wahrscheinlich so ruhig und ungestört besuchen wie nie zuvor.

Opern-Tipp

Neben den rührigen "Lieblingsstücken" von Ensemblemitgliedern präsentiert die Webseite der Deutschen Oper Berlin auch Videos, bei denen man richtig etwas lernen kann. So liefert aktuell Dramaturg Sebastian Hanusa Erläuterungen zum geschichtlichen Hintergrund der Oper "Der Zwerg" von Alexander Zemlinsky (1922), die im Haus an der Bismarckstraße in einer Inszenierung von Tobias Kratzer zu sehen ist, dirigiert von Donald Runnicles. Einfach auf die Webseite www.deutscheoperberlin.de klicken und auf dem Startbildschirm so lange den Pfeil nach rechts klicken, bis die Nummer 8/9 (acht von neun) erscheint. Ab Ende dieser Woche soll man dort dann mehr über Verdis "Aida" erfahren.

Theater-Tipp

Neben vielem anderen bietet die Webseite des Wiener Burgtheaters am Dienstag ab 18 Uhr auch ein weiteres Experiment mit dem digitalen Format: Den Twittertheaterabend. Gespielt wird mit der Doppelbedeutung des Begriffs "Vorstellung", die Ausgangsthese: Theater kann auch ausschließlich in den Köpfen stattfinden, das Publikum ist eingeladen, seine Vorstellung der Vorstellung per Twitter mitzuteilen. "Es besetzt die Rollen nach Belieben, erfindet Figuren und Handlungsstränge (hinzu), ersinnt Bühnenbild und Kostüme, imaginiert Inszenierungstricks und Pannen, Umwerfendes und Lächerliches. Es lacht und weint, ist hingerissen und hält kritische Distanz", so das Burgtheater. Wem das zu viel digitales Theater ist, kann auf die Webseite eines anderen Wiener Hauses flüchten: Das Volkstheater streamt am gleichen Abend um die gleiche Uhrzeit für 24 Stunden "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran", eine Bühnenfassung des Buches von Éric-Emmanuel Schmitt in der Regie von Jan Gehler.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipp für Montag, 11. Mai

Theater-Tipp 1

Ein Alptraum: den eigenen Vater, mit dem man schon lange gebrochen hat, als rechtsradikalen Reichsbürger-Troll im Internet wiederzufinden. "Was bedeutet es, den Vater an eine rechtsradikale Bewegung zu verlieren, die abstruse Verschwörungstheorien propagiert?" fragt das Deutsche Theater Berlin - und legt mit "Die härteste Tochter Deutschlands" (Regie: Sarah Kurze) seine erste ausschließlich fürs Internet entstandene Inszenierung vor, hier besprochen von Nachtkritik. Das Stück basiert auf einem autobiographischen Text von Katharina Köth. "Es findet nicht mehr auf der Bühne statt, sondern als Livestream im Internet – und nähert sich damit in seiner Form dem Inhalt an", so das DT. Premiere war am 7. Mai, an diesem Montag und am Mittwoch jeweils um 20 Uhr ist die Produktion noch einmal auf DT Heimspiel zu sehen, abrufbar jeweils nur an diesen Abenden.

Opern-Tipp

3e Scène heißt das Streamingbereich der Opéra de Paris, quasi die dritte Bühne neben dem Palais Garnier und dem modernen Haus an der Bastille. Ab diesem Montag um 19.30 bis 17. Mai wird dort Donizettis "Don Pasquale" zu sehen sein, eine Buffaoper um einen alternden Junggesellen, der sich doch noch verheiraten will. Das Stück wurde 1843 in Paris auch uraufgeführt, allerdings im Théâtre-Italien, das heute nicht mehr existiert. Evelino Pidò dirigiert, inszeniert wurde die Produktion von dem italienischen Damiano Michieletto. "Michielleto legt die Ernsthaftigkeit, das profunde Drama frei, das das Herz dieses vordergründig leichtbeschwingten Werks bildet", heißt es auf der Webseite der Pariser Oper.

Video-Tipp

Kunsthochschulen weltweit, in Berlin etwa die Musikhochschule "Hanns Eisler", sind verwaist. Die Studierenden kommen aus der ganzen Welt - und da sind sie jetzt auch überall verstreut. Der Juilliard School im von der Pandemie besonders brutal getroffenen New York ergeht es nicht anders. Also sucht sich die Kreativität neue Wege: Unter Anleitung von Choreograph Larry Keigwin haben über 100 Studierende - Tänzer, Instrumentalistinnen, Sängerinnen, Schauspieler - aus ihren Wohnzimmern heraus "Bolero Juilliard" geschaffen: Ravels berühmtestes (von ihm selbst allerdings, auch das muss man sagen, nicht besonders geschätztes) Stück wird in diesem neunminütigen Film, zu sehen auf Youtube, als faszinierendes Puzzlespiel inszeniert, das sich doch zu einer Einheit zusammenfügt und sogar eine Geschichte erzählt. Herzerwärmend und Zuversicht verströmend in einer Zeit, in der das Virus überall auf der Welt neue Grenzen entstehen lässt.

Theater-Tipp 2

Im Nachtkritikstream pausiert das Erwachsenentheater diese Woche. Denn jetzt sollen endlich mal Kinder- (Montag bis Mittwoch um 10 Uhr) und Jugendtheater (ab Donnerstag um 16 Uhr) den Raum bekommen, der ihnen gebührt. Den Anfang macht an diesem Montag um 10 Uhr "Am Hafen mit Vogel" (ab sieben Jahren), ein Stück der Wiener Nachwuchsautorin Anah Filou, eine Inszenierung des Hessischen Landestheaters Marburg. Nanina und Dodo lernen sich im Transitbereich eines Flughafens kennen, ein Zwischenraum, der als Startrampe für Träume fungiert - und seit man in der realen Welt nicht mehr fliegen kann, nur umso mehr. Alle Streams sind für jeweils 24 Stunden online.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Samstag, 9. Mai und Sonntag, 10. Mai

Klassik-Tipp 1

Bis Ende April war die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker kostenlos verfügbar, inzwischen kauft man sich sein Ticket wieder - wie es ja eigentlich normal sein sollte. In der "Berlin Phil Series" treten jeden Samstag um 19 Uhr Musiker des Orchesters in Livestreams auf, an diesem Samstag die beiden österreichischen Soloklarinettisten Andreas Ottensamer und Wenzel Fuchs unter dem Motto "Ein Abend in Wien". Die Klarinette steht im Mittelpunkt: Begleitet von Musikerkollegen in ausreichendem Abstand steht erst Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 auf dem Programm, eines von Mozarts letzten Werke überhaupt und das einzige, das er für dieses Instrument geschrieben hat. Danach Beethovens Klaviertrio op. 11 für Klarinette, Cello und Klavier mit dem populären Beinamen "Gassenhauer-Trio", den das Werk allerdings erst nachträglich verpasst bekam. Ebenfalls neu: Digitale Playlists, mit denen Musiker des Orchesters ihr persönlichen Lieblingsaufnahmen aus der Digital Concert Hall verraten. Den Anfang macht der Erste Konzertmeister Noah Bendix-Balgley.

Theater-Tipp

Die digitale Variante des Berliner Theatertreffens ist vorbei - also gibt es wieder mehr Raum für die "normalen" Archivstreams der Berliner Theater. Das Berliner Ensemble zeigt seit 8. und noch bis 14. Mai um Mitternacht einen ursprünglich als intern gedachten Mitschnitt der ersten Hauptrobe von "Nichts von mir" des norwegischen Autors Arne Lygre - ein Stück, das Mateja Koležnik 2017 für die Eröffnung des Kleinen Hauses inszeniert hat. In der Ankündigung heißt es: ",Nichts von mir' verhandelt die Liebe in ihrer Illusion und Wirklichkeit – legt Macht und Ohnmacht der Sprache offen. Ein Leben, aufgefächert auf sieben verschiedenen Zeitebenen, wird maximal ausgebreitet und zugleich auf die Grundfragen minimiert: Warum leben wir und wie lange? Wieviel halten wir aus und wofür?"

Klassik-Tipp 2

An diesem Wochenende hätte in Bonn das von Nils Mönkemeyer initiierte "Klassik für alle"-Festival in Bonn stattfinden sollen. "Zutiefst erschüttert" zeigt sich der Bratschist in einer kurzen Videobotschaft über die Auswirkungen des Corona-Virus auf Kunst und Kultur. Am Samstag um 20 Uhr soll zumindest ein Konzert live aus dem Kammermusiksaal des Deutschlandfunks in Köln gestreamt werden (am 17. Mai um 21.05 Uhr auch auf Deutschlandfunk zu hören). Mönkemeyer tritt gemeinsam mit Dorothee Oberlinger auf - die von der Blockflötistin geleiteten Musikfestspiele Potsdam Sanssouci sind 2020 ebenfalls dem Virus zum Opfer gefallen. Beide interpretieren unter anderem "Antiphon Oh Ecclesia" von Hildegard von Bingen, "Sequenza für Viola Solo" von Luciano Berio, Krebskanon über das „Thema regium“ aus dem „Musikalischen Opfer“ BWV 1079 von Johann Sebastian Bach oder zwei Duos von Béla Bartók. Der Abend firmiert, analog zu den Geisterspielen der Bundesliga, als "Geisterkonzert" - eine absolut passende Bezeichnung für die spukhafte, publikumslose Form, die klassische Musik seit Beginn der Pandemie anzunehmen gezwungen ist.

Klassik-Tipp 3

Und noch ein Konzert, das sowohl online als auch im Rundfunk verfolgt werden kann: Am Montag hätte Bratischistin Tabea Zimmermann den Ernst von Siemens Musikpreis 2020 erhalten sollen. Er ist mit 250.000 Euro dotiert und trägt den schönen Beinamen "Nobelpreis der Musik". Die Preisverleihung musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Trotzdem wird Zimmermann an diesem SONNTAG, 10. Mai, um 20.03 Uhr live für ein Solo-Konzert in der Jesus-Christus-Kirche in Dahlem auftreten. Auf dem Programm: Die Suite C-Dur BWV 1009 für Viola von Johann Sebastian Bach, die Sonate für Bratsche solo op. 25 Nr. 1 von Paul Hindemith, sechs Sätze für Viola solo aus "Signs, Games, Messages" von György Kurtág und noch ein Werk von Bach, die Suite Es-Dur BWV 1010 für Viola. Nur der Kirchenraum, eine Musikerin und ihre Bratsche - das verspricht ein sehr eindringliches Hör- und Seherlebnis zu werden. Übertragen im Deutschlandfunk Kultur und gestreamt auf www.deutschlandfunkkultur.de.

Klassik-Tipp 4

Und noch mehr digitale Klassik an diesem Wochenende: In der Villa Seligmann in Hannover treten am SONNTAG in der Reihe "QChamberstream" um 17 Uhr Alon Sariel (Mandoline und Laute), Ania Vegry (Sopran) und Boris Kusnezow (Klavier) auf. Sie spielen unter anderem "Drei Lieder ohne Worte" von Paul Ben-Haim, "Oblivion Soave" von Monteverdi oder Beethovens "Andante con Variazioni" WoO 44b. Weitere Infos und Tickets zu 25 Euro sind hier erhältlich. Außerdem am Sonntag: Seit einer Woche proben Chorsängerinnen und Chorsänger auf der ganzen Welt täglich von zu Hause aus mit Simon Halsey, dem früheren Leiter des Rundfunkchors Berlin, den vierten Satz aus Brahms' "Ein deutsches Requiem" mit dem Homeoffice-kompatiblen Titel "Wie lieblich sind deine Wohnungen". Das Ergebnis wird am Sonntag ab 19.50 Uhr als Online-Konzert auf dem Youtube-Kanal von Interkultur zu hören sein, dann sind auch Mitglieder des Rundfunkchors dabei. Weitere Informationen zum "Sing Along"-Projekt auf der Webseite des Chores.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Freitag, 8. Mai

Theater-Tipp 1

Letzter Tag beim virtuellen Berliner Theatertreffen: Mit "The Vacuum Cleaner" von Toshiki Okada wird ab Freitag 20 Uhr für 24 Stunden das sechste und letzte Stück der 10er-Auswahl gestreamt, als Mitschnitt vom 15. Dezember 2019 an den Münchner Kammerspielen. Das Sujet des japanischen Regisseurs schließt sich so nahtlos an Zeiten von Corona-Lockdown an, dass es schon fast unheimlich ist: Okada untersucht das in Japan verbreitete Phänomen des "Hikikomori", bei dem Menschen so starkem gesellschaftlichem und kapitalistischem Druck ausgesetzt sind, dass sie ihr Haus überhaupt nicht mehr verlassen. "Okada nimmt ein soziales Phänomen der heutigen japanischen Gesellschaft unter die Lupe und nutzt dazu seine besondere Bewegungssprache, die asynchron zum Text läuft und nicht nur faszinierend anzusehen ist, sondern auch die innere und die äußere Wirklichkeit der Figuren in ein merkwürdiges Verhältnis setzt", so die Berliner Festspiele. Im Anschluss gibt's ein Gespräch mit dem Regisseur und anderen Beteiligten, moderiert von Tagesspiegel-Kritikerin Christine Wahl. Übrigens kündigen die Festspiele an, dass möglicherweise drei Stücke der 10er-Auswahl im Herbst als Gastspiele in Berlin zu sehen sein werden - ganz real und physisch.

Klassik-Tipp

Musikalisch war Gustav Mahler nicht nur in Wien, sondern auch in Amsterdam zu Hause. Vom 8.-17. Mai hätte im Concertgebouw das Mahler Festival 2020 stattfinden sollen. Auch das zieht jetzt ins Internet. Anders als ursprünglich geplant werden nicht sechs verschiedene Orchester anreisen. Stattdessen sollen Streams aus dem Archiv gezeigt werden, in denen ausschließlich das Hausorchester - das weltberühmte Concertgebouw Orkest - alle Symphonien Gustav Mahlers einschließlich des "Liedes von der Erde" spielt, dirigiert von früheren Chefs wie Mariss Jansons oder Bernard Haitink. Auch zwei Live-Auftritte ohne Publikum sind geplant, von Bariton Thomas Oliemans und dem Alma Quartet mit Nino Gvetadze. Bis 17. Mai zu sehen auf der Webseite des Concergebouw Orkest, auf Facebook und Youtube.

Theater-Tipp 2

Schauspielerin Antje Rietz wollte Ende April am Steglitzer Schlosspark Theater einen Caterina Valente-Abend aufführen - daraus wurde genauso wenig wie ihr Auftritt als Hildegard Knef in "Für mich soll's rote Rosen regnen". Dafür unterhält und performt sie in der Streaming-Reihe "Geist mit Humor" an diesem Freitag um 19.30 Uhr gemeinsam mit Regisseur Frank Lorenz Engel (u.a. "Ein Mann fürs Grobe" 2013 mit Désirée Nick und Achim Wolff) und Musiker Harry Ermer, Keyboarder in "Ich bin nicht Mercury", das Anfang 2020 im Schlosspark-Theater lief. (www.facebook.com/SchlosspaarkTheaterBerlin/live/ und www.youtube.com/c/SchlossparkTheaterBerlin/live)

Kino-Tipp

Ein positiver Effekt der Corona-Pandemie ist bekanntlich, dass sie den Blick dafür schärft, welche Tätigkeiten für die Gesellschaft wirklich wichtig sind - und welche nicht. Leider werden Kassiererinnen deswegen trotzdem nicht automatisch besser bezahlt. Wäre dies 1971, würden sie wohl genau jetzt in den Streik treten. Zumindest tun sie das in Cristina Perinciolis 27-minütigem Film "Für Frauen - 1. Kapitel", der in jenem Jahr entstand: Verkäuferinnen eines West-Berliner Supermarktes streiken, um bei den Löhnen wenigstens mit dem einen männlichen Kollegen im Betrieb gleichgestellt zu werden. Zu sehen ist dieser und zwei Dutzend weiterer Filme aktuell noch in Woche 5 & 6 von Arsenal 3, dem digitalen Kinosaal des Arsenal, das sich zur Zeit dem Thema Arbeit widmet.

(Zusammenstellung: uba)

Streaming-Tipps für Donnerstag, 7. Mai

Theater-Tipp

Das virtuelle Theatertreffen pausiert heute, also lockt eine echte Premiere im Heimspiel-Streaming des Deutschen Theaters Berlin: „Die härteste Tochter Deutschlands“ heißt das einstündige Stück in der Regie von Sarah Kurze, das auf einem autobiografischen Text von Katharina Köth basiert und um 20 Uhr live gestreamt wird. „Zwischen Katzenvideos und Artikeln angesagter Online-Zeitschriften stößt eine Tochter im Internet auf eine Hassrede ihres Vaters – einen bekennenden Reichsbürger, der die Bundesrepublik Deutschland und die demokratische Grundordnung ablehnt,“ heißt es in der Ankündigung.

AfD und Pegida spalteten und spalten Familien und Freundeskreise; wird es mit Corona bald ähnlich sein, wenn die einen die staatlichen Maßnahmen autoritär-übertrieben finden und die anderen sich über Lockerungen ausgerechnet beim Fußball aufregen? Wie nah ist man sich noch, wenn die Gesellschaft auseinander driftet, was die eigenen Überzeugungen betrifft? Politische Entfremdung, Kontaktabruch, Kontaktsperre: Erfahrungen mit Distanz machen die Theater gerade auch selbst.

Museums-Tipp

Bald können wir wieder in die großen Museen, aber Hand auf’s Herz: Wann haben Sie dort das letzte Mal minutenlang vor einem Bild gestanden? Die National Gallery in London macht die Probe aufs Exempel und bietet Fünf-Minuten-Online-Bildmeditationen an. Ist nicht das Originalbild, klar, hat aber andere Vorteile. Man kann den Lärm der Welt ausschließen, es sich auf dem Sofa bequem machen, auf Full Screen klicken und sich zum Beispiel in William Turners Bild „Rain, Steam and Speed“ (1844) versenken. Länger geht natürlich auch, es gibt ja eine Stopptaste. Anschließend kann man sich per Zoom in den Bilddetails verlieren, Kunsthistorisches nachlesen und sich den Mitschnitt des Lunchtalks mit der Gallery-Mitarbeiterin und Kunsthistorikerin Christina Bradstreets anschauen (auf Englisch). Das Turner-Gemälde mit der Great Western Railway ist ihr absolutes Lieblingsbild im Museum.

Noch mehr Gallery? Auf einem anderen der zahlreichen intelligent-unterhaltsamen Videos lernt man, wie man Heilige identifiziert. How to spot your saints: Lehrreich nicht nur für Kinder.

[Unsere interaktive Karte mit allen Coronavirus-Zahlen in Deutschland finden Sie hier. Alle aktuellen Entwicklungen in Folge der Coronavirus-Pandemie finden Sie hier in unserem Newsblog. Über die Entwicklungen speziell in Berlin halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.]

Film- und Theater-Tipp

Bettina Böhlers auf der Berlinale zu Recht gefeierter Dokumentarfilm „Schlingensief – In das Schweigen Hineinschreien“ gehört zu den zahlreichen Filmen, deren Kinostart wegen Corona auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste. Nun ist er wieder zu sehen, zumindest einen Abend lang: Die Münchner Kammerspiele zeigen – zusammen mit dem DOK.Fest München - in ihrer Reihe „Kammer 4“ das ausschließlich aus Archivmaterial montierte und doch auf eigentümliche Weise intim-gegenwärtige Porträt des großartigen Gesamtkunstwerkers. Ab 20 Uhr, anschließend ist ein Online-Publikumsgespräch mit der Berliner Regisseurin und der Kammerspiele-Dramaturgin Katrina Mäntele angekündigt.

„Ich will das Leben überzeugen, dass es zum großen Teil inszeniert ist, und das Theater, dass es ohne das Leben überhaupt nicht auskommt“: Schon der in der Ankündigung zitierte Satz von Christoph Schlingensief sorgt dafür, dass man den vor bald zehn Jahren viel zu früh gestorbenen Künstler gleich wieder vermisst.

Klassik-Tipp

Programmwechsel im Pierre Boulez Saal. In der Reihe „Intermission“ ist ab heute um 18 Uhr Daniel Barenboims Schubert-Zyklus aus dem Jahr 2017 zu hören. Der erste Teil bis Samstag, der zweite dann ab Sonntagabend. „Jeder Ton der Melodiestimme hat Kern und Kontur und ist doch mit dem vorausgehenden und folgenden innig verbunden“, hieß es damals zum Auftaktkonzert im Tagesspiegel. Im ergreifenden Thema des Finales der A-Dur-Sonate und im Andantino mit seiner kargen Stimmführung „wird Barenboim seinem Ruf als großer Schubert-Interpret gerecht.“

(Zusammenstellung: chp)

Tipps für Mittwoch 6. Mai

Klassik-Tipp

Heute geht die Reise in den Louvre, nein, nicht um die Mona Lisa zu besuchen, sondern um exquisiter Kammermusik zu lauschen, im Auditorium des Pariser Museums. Lise de la Salle spielt Debussy, Ravel und Busoni; das Trio Tetzlaff – mit Lars Vogt am Klavier –  tritt mit Dvorák und Brahms auf; das Kammerensemble Le Concert de la Loge unter Leitung von Julien Chauvin präsentiert gemeinsam mit der Sopranistin Sandrine Piau einen spirituellen Abend, mit barocken Werken von Haydn, Guiseppe Sarti oder Johann Christian Bach. Der Applaus kommt nicht vom Band, die sehens- und hörenswerten Mitschnitte von Konzerten aus den letzten Jahren finden sich auf Youtube und der Louvre-Webseite. Auf letzterer kann man selbstverständlich auch die Mona Lisa in Augenschein nehmen, im Close-up etwa die Mundpartie studieren und sich von Kunsthistorikern (auf Englisch) erklären lassen, wie Leonardo das berühmteste geheimnisvolle Lächeln der Welt mit Pinsel und Farbe fabriziert hat.  

Kunst-Tipp

Die Museen öffnen langsam wieder, aber bei manchen Häusern dauert es noch, schon wegen der kniffligen Logistik mit Abstandsgeboten und Zeitfenster-Ticketing. Die Pinakotheken in München setzt ihre Live-Dialogführungen auf Instagram jedenfalls erstmal for. Sie finden immer Mittwochs und freitags statt. Heute stellt die Kunsthistorikerin Carolina Glardon von 13.30 Uhr bis 14 Uhr Fernand Khnopffs rätselhaftes Bild „I lock the door upon myself“ von 1891 vor. Ich schließe mich in mich selbst ein, klingt fast nach Corona. Das Gemälde des belgischen Symbolisten ist mit visuellen Chiffren wie Lilien (Reinheit) oder Mohn (Schlaf, Tod) nur so gespickt; das Museum macht zudem auf das Bild im Bild rechts aufmerksam, „das durch die Wand hindurch in eine Art Klosterhof blicken lässt“. Inspiriert wurde das Werk von Christina Georginas 1864 verfasstem Gedicht "Who shall deliver me?", dessen siebte Zeile zum Bildtitel wurde. Die Poetin war die Schwester des englischen Symbolisten Dante Gabriel Rossetti – man kannte sich in Künstlerkreisen. Am Freitag geht es dann um ein Werk von Bruce Nauman aus dem Museum Brandhorst. 

[Alle aktuellen Entwicklungen in Folge der Coronavirus-Pandemie finden Sie hier in unserem Newsblog. Über die Entwicklungen speziell in Berlin halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.]

Film-Tipp

Gegen die Gratismentalität und für die Wertschätzung der Kreativen: Der Festivalpass kostet 50 Euro für 18 Tage, ein einzelner Film ist für 4,50 Euro zu sehen (plus 1 Euro freiwillige Spende für die Partnerkinos): Das Münchner Dokumentarfilmfest wird heute um 2o Uhr auf www.dokfest-muenchen.de eröffnet – als erstes Online-Filmfest dieser Größe. Zum Start der Digital-Edition mit 121 Filmen aus 42 Ländern wird „The Euphoria of Being“ gezeigt: Die Auschwitz-Überlebende Éva Fahidi studiert mit der Regisseurin und Choreographin Réka Szabó und der Tänzerin Emese Cuhorka eine Tanzperformance ein. Erinnerungsarbeit, anders als sonst. Ein Saal voller Menschen ist durch nichts zu ersetzen, auch nicht der direkte Kontakt mit den Filmschaffenden, betonen die Organisatoren – und sind neugierig auf das Experiment. Drei Wettbewerbe werden präsentiert, ein internationaler, ein deutscher und DOK.horizonte, die Preisverleihungen sind am 16. Mai. Auf dem Programm stehen Ai Weiweis „Vivos“, Filme über die Demokratiebewegung in Hongkong, über jüdisches Leben in Deutschland oder Gefängnisinsassinnen im Iran. Am 22. Mai wird der Publikumspreis verleihen. Die Preisverleihungen sind kostenlos zugänglich, ebenso die über 80 teils live geführten, teils voraufgezeichneten Video-Filmgespräche mit Filmschaffenden. 

Opern-Tipp

Noch bis Freitag steht in Stuttgart Glucks „Iphigénie en Tauride“ auf dem Online-Opernspielplan. Die blutige Familiensaga aus der Artriden-Mythologie hat Krzysztof Warlikowski in Szene gesetzt, es singen Amand Majeski (Iphigenié), Jarrett Ott (Oreste) und Elmar Gilbertsson (Pylade): Die Titelheldin erinnert sich im Seniorenheim an ihr Schicksal, die Geister der Vergangenheit bevölkern die Bühne. Vor allem Stefano Montanari am Pult wurde nach der Premiere in der Staatsoper Stuttgart im April 2019 allseits gefeiert. Wobei Premiere nicht das richtige Wort ist, es handelt sich um die Übernahme einer älteren Pariser Inszenierung. Die „Stuttgarter Nachrichten“ lobten vor allem den so bedrückenden wie schlüssigen letzten Akt.

Die Streaming-Tipps der letzten Tage finden Sie hier.

(Zusammenstellung: chp)

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