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„Betonrausch“ auf Netflix: Das zahme deutsche „The Wolf of Wall Street“

Musikexpress-Logo Musikexpress 17.04.2020 Arabella Wintermayr

Mit den Drogenpartys, Sex-Eskapaden und Blender-Taktiken seiner Hauptfiguren erinnert der zweite deutsche Netflix-Film unweigerlich an Martin Scorseses Meisterwerk. Die bravere Version von „The Wolf of Wall Street“ mag kurzzeitig unterhalten, enttäuscht dann aber mit Ideenlosigkeit und fehlender Systemkritik.

Berauscht vor Glück: Frederick Lau, David Kross und Janina Uhse © Bereitgestellt von www.musikexpress.de Berauscht vor Glück: Frederick Lau, David Kross und Janina Uhse

Mit den Drogenpartys, Sex-Eskapaden und Blender-Taktiken seiner Hauptfiguren erinnert der zweite deutsche Netflix-Film unweigerlich an Martin Scorseses Meisterwerk. Die bravere Version von „The Wolf of Wall Street“ mag kurzzeitig unterhalten, enttäuscht dann aber mit Ideenlosigkeit und fehlender Systemkritik.

Eine exzessive Party geht zu Ende, berauschte Gäste liegen überall in der dekadenten Villa verteilt. Nur Viktor (David Kross) ist noch bei Bewusstsein, putzt sich das Blut von der vom Kokain zerfressenen Nase und sieht sich den Imagefilm seiner Immobilienfirma an: „Sicherheit, Kontinuität und Vertrauen ist, wofür  Victory & Falkland“ stehen, heißt es. Stolz wie ein Löwe wirkt er dabei. Verzückt von dem, was er mit Freund Gerry (Frederick Lau) geschaffen hat. Indessen bringt sich draußen schon das SEK in Stellung, um zuzuschlagen. Die Liste der Straftaten ist lang, der ganze Erfolg gründet allein auf einer Aneinanderreihung von Betrügereien. Die Immobilienblase ist – genau wie der Traum vom Selfmade-Millionär – geplatzt.

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Von Immobilienhaien mit Löwenherzen statt Finanzwölfen

Damit wäre der erste Exzess des Films eigentlich auch schon der letzte, würde nicht in Rückblenden erzählt werden. Die sorgen nämlich dafür, dass sich Montagen aus Besuchen im Edel-Puff, immer noch mehr Kokain und der daraus resultierende, infantile Ich-bin-der-König-der-Welt-Übermut durch den gerade mal 90 Minuten langen Film ziehen. Kommt einem irgendwie bekannt vor? Richtig, „Betonrausch“ erscheint wie die zahme deutsche Version von „The Wolf of Wall Street“. Als Dramedy wandelt sie ebenso zwischen Klamauk und Ernsthaftigkeit, entscheidet sich aber am Ende mehr für Heldengeschichte als Systemkritik. Schauplatz ist, statt der New Yorker Börse, der Berliner Immobilienmarkt. Statt mit Aktien wird mit Wohnungen gehandelt und die Protagonisten veranstalten nicht wie bei Martin Scorsese im Büro ein „Zwergenwerfen“ – nein, Viktor und Gerry zocken lieber ewig lange PlayStation auf der Arbeit. Viel Neues fügt der Film der bekannten Blender-Geschichte um Exzess und Rausch leider nicht hinzu.

Das heißt jedoch nicht, dass die beiden Hochstapler zimperlicher mit ihrer Umwelt verfahren, als das in der vermeintlichen Vorlage der Fall ist. Die Arroganz des just ergaunerten Reichtums führt auch bei Viktor und Gerry dazu, dass sie ihre Mitmenschen, insbesondere jene, die für sie arbeiten müssen, demütigen. Als sie ein Versicherungsunternehmen aufkaufen, müssen die Angestellten Weihnachtslieder für die neuen Chefs schmettern, um nicht gefeuert zu werden. Und die Buchhalterin hat beim Einstellungsgespräch eine Line Kokain zu nehmen, um den Job zu bekommen. Das Unangenehme daran ist, dass man das eben nicht nur lustig, sondern die beiden „Helden“ auch noch irgendwie sympathisch finden soll.

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