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Netflix: "Eurovision - The Story of Fire Saga": Hamsterrad, Trickkleider und Europop-Hymnen – dieser ESC-Klamauk ist wunderbar

stern-Logo stern 29.06.2020 Jens Maier
Das Hamsterrad erinnert an den Auftritt der Ukraine 2014: Will Ferrell und Rachel McAdams (l.) als isländische ESC-Säner Lars und Sigrit. © Netflix/John Wilson Das Hamsterrad erinnert an den Auftritt der Ukraine 2014: Will Ferrell und Rachel McAdams (l.) als isländische ESC-Säner Lars und Sigrit.

Will Ferrell macht einen ESC-Film: Das Entsetzen war bei vielen Eurovisions-Fans groß, als sie zum ersten Mal von den Netflix-Plänen hörten. Doch es gibt Entwarnung: Heraus gekommen ist eine wunderbare Hommage, bei der kein Klischee ausgelassen wird.

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, der Eurovision Song Contest 2020 habe doch stattgefunden und das sind die geheimen Aufnahmen: Ein Mann schwebt im Hamsterrad und in einem silbernen Anzug auf die Bühne. Davor schmachtet eine blonde Sängerin die schmissige Europop-Hymne mit dem kitschigen Namen "Double Trouble". Drum herum tobt ein Mix aus Windmaschinen, Pyrotechnik und fragwürdig gekleideten Tänzern. Delfine springen auf einer LED-Leinwand im Kreis, bevor die Nummer ihren Höhepunkt in einem Lauf im Hamsterrad findet. Herrlich grotesk. Willkommen beim Netflix-ESC.

"Eurovision – The Story of Fire Saga" ist eine liebevolle Hommage an den europäischen Liederwettbewerb. Dabei war das Entsetzen bei vielen Fans groß, als sie zum ersten Mal von den Plänen hörten. Will Ferrell war von Anfang an als Hauptdarsteller und Co-Produzent gesetzt. Ausgerechnet ein US-Amerikaner, der bislang eher mit Klamauk-Filmen von sich reden machte. Doch die Sorge war unbegründet – zu großen Teilen zumindest. Zwar ist Ferrell nach wie vor nicht der größte Schauspieler aller Zeiten, doch er verkörpert die Rolle des gescheiterten isländischen Sängers Lars, der noch bei Papa wohnt und seit seiner Kindheit vom Sieg beim ESC träumt, glaubwürdig. Der Grund: Ferrell ist angefixt.

Will Ferrell ist großer ESC-Fan

Der 52-jährige Schauspieler ist mit einer Schwedin verheiratet. In Interviews erzählt er gerne davon, wie er bei einem Familienbesuch in der Heimat seiner Frau 1999 zum ersten Mal den ESC sah. Damals gewann die Schwedin Charlotte Nilsson mit "Take Me To Your Heaven" und Schweden stand Kopf. Das scheint einen bleibenden Eindruck auf Ferrell gemacht zu haben, der den Song Contest seitdem jedes Jahr verfolgt und die Idee zu einer Komödie entwickelte. In 20 Jahren am Bildschirm scheint sich einiges bei Ferrell angestaut zu haben. Denn es ist dem Film in jeder Minute anzumerken, dass ein echter Fan ihn gemacht hat.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Lars (Ferrell) und Sigrit (Rachel McAdams) stammen aus einem kleinen isländischen Dorf und träumen seit ihrer Kindheit davon, ihr Land beim ESC zu vertreten. Per Zufall dürfen sie als Duo "Fire Saga" am nationalen Vorentscheid teilnehmen. Obwohl ihr Auftritt katastrophal endet, werden sie durch einen noch größeren Zufall zum ESC nach Edinburgh geschickt. Keiner glaubt an sie, vor allem nicht Lars' Vater (gespielt von Pierce Brosnan), doch sie schaffen im Halbfinale die Sensation: die Qualifikation fürs große Finale.

"The Story of Fire Saga" mit hanebüchenem Plot, aber genialer Filmmusik

Der Plot ist zugegeben teilweise hanebüchen und zu klamaukig geraten: Oder haben Sie schon einmal von mordenden Elfen gehört? Auch Unkorrektheiten (wie der Punktevergabe in einem Halbfinale) haben sich zugunsten der Dramaturgie eingeschlichen. Doch das ist verzeihlich. Nervig hingegen wirkt die langatmig erzählte Liebesgeschichte zwischen Sigrit und Lars, die vom russischen Sänger Alexander Lemtov (Dan Stevens) gestört wird. Die einzelnen Liebesszenen haben deutlich Überlänge. So wie der ESC eben auch.

Doch das wird alles wett gemacht von liebevollen Details und Reminiszenzen an den Wettbewerb. Das Hamsterrad (Ukraine, 2014), die Delfine (Island 2009), die Peitsche (Ukraine, 2004) oder als Monster verkleidete Sänger (Finnland, 2006) - eigentlich fehlten nur die Butter stampfenden Polinnen (2014) und eine bärtige Sängerin. Doch halt, selbst die ist dabei: Conchita Wurst (Österreich, 2014) hat ebenso wie John Lundvik (Schweden, 2019), Salvador Sobral (Portugal, 2018), Bilal Hassani (Frankreich, 2019) und Alexander Rybak (Norwegen, 2009) einen Gastauftritt.

Highlight sind die für den Film geschriebenen Songs – allen voran "Double Trouble". "Hey baby, when you look at me, I know I'm in double trouble tonight", beginnt die erste Strophe der Europophymne. Eingängiger Refrain, kitschiger Text und dramatische Pause – der Song könnte tatsächlich ein ESC-Teilnehmer sein. Das Lied aus der Feder des niederländischen DJ Tiësto imitiert erfolgreiche Eurovisons-Hymnen perfekt.  Auch die vermeintlichen Lieder aus Russland ("Lion of Love) oder aus Schweden ("Coolin' With Da Homies") machen Spaß. Und spätestens wenn Demi Lovato "In The Mirror" trällert fragt man sich: Wann tritt die denn nun beim ESC an?

Auch wenn der Film zwischendurch Längen hat und Ferrell als Schauspieler teilweise zu hallervordesk wirkt: Für liebevolle Details und die geniale Filmmusik erhält die "Story of Fire Saga" die ersehnten "Douze Points" und ist für jeden ESC-Fan ein Muss. 

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