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Late Night Berlin: Zeit für die Sommerpause

GQ-Logo GQ 26.05.2020 Christian Vock
klaas_latenightbberlin.jpg © YouTube / Late Night Berlin klaas_latenightbberlin.jpg

Es fing in der vergangenen Woche an. Da war bei „Late Night Berlin“ ein gewisser Philipp Plein zu Gast. Philipp Plein ist Modedesigner, laut Klaas Heufer-Umlauf sogar „der erfolgreichste deutsche Designer der Welt“. Aber deswegen war Philipp Plein nicht da, denn sonst hätten die beiden wenigstens ein bisschen über Design geredet. Ist zumindest recht naheliegend bei einem Designer. Nein, Philipp Plein war aus zwei ganz anderen Gründen bei „Late Night Berlin“.

Bei Late Night Berlin letzte Woche: Philipp Plein

Zum einen natürlich, weil wenige Tage später das Finale von „Germany's next Topmodel“ steigen sollte, bei dem ein ganz besonderer Stargast erwartet wurde: Philipp Plein. Guck mal an. Und damit wären wir auch schon beim zweiten Gesprächsthema des Abends. Sie erraten es: Philipp Plein. Der Designer redete über sich, über Geld im Allgemeinen und über sein Geld im Speziellen und es war nicht schön anzusehen, wie viel Präsentationsfläche ihm der sonst so schlagfertige Heufer-Umlauf dafür gab.

Nun kann man sagen, dass es eben dazugehört, dass man als ProSieben-Unterhalter ein bisschen Reklame für den eigenen Sender und dessen Werbepartner machen muss. Man kann aber auch feststellen, dass das für den Zuschauer einen Nullwert an Unterhaltung hatte, denn auch der Rest der Show war nicht gerade ein Höhepunkt des TV-Entertainments. Vor allem nicht, wenn man noch einmal Revue passieren lässt, was Heufer-Umlauf selbst in der Corona-Zeit mit den eingeschränkten Mitteln so alles geleistet hat.

Schwacher Start in die letzte Show vor der Sommerpause

Auch wenn vielleicht nicht alles in den vergangenen Wochen nach Grimme-Preis aussah, war es doch beeindruckend, was sich Heufer-Umlauf und sein Team so haben einfallen lassen. Und vielleicht ist es daher ein wenig nachvollziehbar, dass in der jüngsten Ausgabe „Late Night Berlin“ ein bisschen die Luft raus war und das von Anfang an. Denn irgendwann ist auch der letzte Corona-Gag gemacht und so startete Heufer-Umlauf eher lau in den späten Montagabend.

„Eindeutig aus Berlin. Käme diese Show aus Thüringen, würde das ganz anders abgehen. Dann käme ich direkt nackt raus und hätte euch mit Zungenkuss begrüßt. Das ist das neue Ding in Thüringen, da darf man jetzt alles“, witzelt Heufer-Umlauf etwas halbgar über die neuen Lockerungen in Thüringen in seinem Stand-up-Part, wo er sonst eher mit feiner Klinge ficht.

Jakob macht sich zum Horst

Auch der Rest seiner Gags will nicht so recht zünden: „Ich will auch mal endlich Corona privat genießen. Ich will auch mal die Vorteile von Corona haben und mit Jogginghose zu Hause sitzen auf der Couch, den ganzen Berufsstress mal hinter mir lassen. Mal nicht den Kollegen sehen aus dem Büro, mehr Zeit für die Kinder.“ Mit diesem Humor-Defizit geht Heufer-Umlauf in den vorbereiteten Einspieler, doch auch hier kann er das Niveau nicht nennenswert heben.

Sidekick Jakob Lundt soll sich als Jugendlicher verkleiden und „Teenager dazu bringen, dass sie die Corona-Regeln einhalten.“ Der erste Humorversuch besteht darin, dass Lundt, der optisch eher den Charme eines Deutsch-Referendars versprüht, in Teenagerklamotten zuerst lächerlich und dann eher furchteinflößend aussieht. Oder wie es Heufer-Umlauf formuliert: „Du siehst aus wie ein Idiot.“ Was dann kommt, ist eher unter der Rubrik Fremdscham, als unter Humor abzuheften, doch im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte, fast schon kreativ.

Baklava, ein Hund und Bob Ross

Statt Philipp Plein ist diesmal nämlich Edin Hasanovic zu Gast. Der Schauspieler ist vor kurzem dadurch aufgefallen, dass er beim deutschen Filmpreis eine der besten Moderationen der jüngeren TV-Geschichte abgeliefert hat, weil er fast im Alleingang durch die zuschauerfreie Show führte und für ein paar Stunden Corona vergessen machte. 

Bei Heufer-Umlauf hingegen passierte das genaue Gegenteil von Unterhaltung. Hasanovic kommt mit selbstgemachtem Baklava ins Studio, später trollt sich noch sein Hund dazu und der Schauspieler erzählt, dass er nun angefangen hat, nach Youtube-Tutorials wie Bob Ross zu malen.

Wenig Magie: Timon Krause

Und als durch die Hunde-Intervention noch nicht mal ein richtiges Gespräch zustande kommt, schiebt Heufer-Umlauf auch schon den nächsten Gast hinein und zeigt, dass er diesmal so gar keine Lust auf Kreativität hatte. Der Gast ist nämlich Timon Krause. Der war bereits in der vergangenen Woche bei „Joko und Klaas gegen ProSieben“ als Showact und Herausforderer gebucht und „es ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen, was der gemacht hat“, erklärt Heufer-Umlauf, dass Krause nun auch bei „Late Night Berlin“ zu Gast ist.

Heufer-Umlauf versucht noch, Krause ein bisschen hoch zu jazzen: „Du bist nicht so ein schrottiger Zauberer, du bist Mentalist“, aber das ändert nichts daran, dass Krause das macht, was ein Zauberer eben so macht: Tricks mit Karten, Zettelchen und Boxen. Nicht, dass das nicht beeindruckend wäre, aber es ist eben auch ein bisschen Show-Untervermietung von Heufer-Umlauf. Wenn die Luft raus ist, ist die Luft eben raus. Und so lau die Sendung anfing, so lau leitet Heufer-Umlauf bereits am Anfang seine Rückkehr nach der Sommerpause ein, mit einem letzten schlechten Corona-Gag: „Keine Panik für alle Zuschauer, im Herbst sind wir wieder da. Pünktlich zur zweiten Infektionswelle sind wir zurück.“

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