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Bergneustädter Firma: Gizeh liefert Becher für Wacken und den Vatikan

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 06.07.2018 ksta
Schweizer_Garde_A: Die für die Veranstaltung in Bergneustadt produzierten Becher wurde mit einem Motiv bedruckt, das die Garde dem Unternehmen zur Verfügung gestellt hatte. © Firma Gizeh Die für die Veranstaltung in Bergneustadt produzierten Becher wurde mit einem Motiv bedruckt, das die Garde dem Unternehmen zur Verfügung gestellt hatte.

Das Dankesschreiben, das Ralf Jung, Geschäftsführer der Bergneustädter Firma Gizeh Verpackungen, von der Päpstlichen Schweizergarde bekommen hat, zeugt von einer hohen Wertschätzung. Nachdem sein Unternehmen für die diesjährige Vereidigungszeremonie im Vatikan die eigens in Bergneustadt gefertigten Gardebecher hatte liefern dürfen, bekam Jung dieser Tage noch einmal Post aus Italien. „Wie sie selber feststellen konnten, war Ihre Initiative ein großer Erfolg und die Becher fanden große Anerkennung“, heißt es in dem Schreiben von Oberst Christoph Graf, dem Kommandanten der Päpstlichen Schweizergarde.

Gizeh-Geschäftsführer Ralf Jung (M.) war zu der Vereidigungszeremonie der Päpstlichen Schweizergarde in den Vatikan eingeladen. © Krempin Gizeh-Geschäftsführer Ralf Jung (M.) war zu der Vereidigungszeremonie der Päpstlichen Schweizergarde in den Vatikan eingeladen.

Bei den Bechern made in Bergneustadt handelt es sich um ein noch junges Produkt der Gizeh Verpackungen. Die Idee dahinter ist rasch erklärt. Zum einen wird durch den Einsatz dieser als Mehrwegbecher ausgelegten Trinkgefäße der Abfall bei großen Veranstaltungen merklich reduziert. Und zum anderen hat der Kunde die Möglichkeit, die Becher individuell bedrucken zu lassen. Das ist erst einmal nichts Besonderes, doch bei Gizeh sind auch Bestellungen bereits für kleinere Feiern möglich. „Und wer will, bekommt nur einen einzigen Becher“, sagt Jung. Das neue Produkt aus dem Oberbergischen überzeugte auch die Schweizergarde. Durch den Ausschank von offenen Getränken mit den Bechern aus Bergneustadt konnte das Gardekommando seine Ziele umsetzen und den großen Abfallberg massiv reduzieren, führt der Kommandant weiter aus.

Durch diese Maßnahme habe die Garde ein Zeichen setzen können „ganz im Sinne der von Papst Franziskus erfassten Enzyklika ,Laudati si’, in welcher der Heilige Vater über die Sorge um die Schöpfung schreibt“, so Kommandant Graf.

Als Erinnerung an seine Romreise bekam Jung noch ein Exemplar dieses päpstlichen Schreibens, in der Hoffnung, dass er darin Inspiration finden möge, sich mit seinen Produkten noch mehr für Nachhaltigkeit einzusetzen, wie der Chef der Schweizergarde schreibt.

Den Kontakt dorthin bekam Jung über die Weltenburger-Kloster-Brauerei. Sie gehört zu den ältesten Brauereien der Welt und ist der Haus- und Hoflieferant des Vatikans. Bei der Anfrage aus Bayern habe er nicht lange überlegen müssen, sagt Jung. So eine Chance sei einfach nur „sensationell“.

Aber nicht nur in Rom sind die sogenannten Eventbecher inzwischen ein Begriff und sogar schon zu begehrten Sammelobjekten geworden, wie der Geschäftsführer erläutert. „Wir haben uns mit diesem innovativen Produkt schnell einen Namen gemacht und durften in den letzten beiden Jahren neun der zehn großen Rock-Openairs mit individuell gestalteten Trinkbechern beliefern“, berichtet Jung. Darunter auch Rock am Ring, Rock am Park oder Wacken. Auch bei den Tourneen von Herbert Grönemeyer, Depeche Mode oder Fury in the Slaughterhouse kamen die Gizeh-Becher mit jeweiligem Sonderdruck zum Einsatz.

Vor drei Jahren wurde die erste Maschine gekauft, mit der man Trinkbecher ganz nach den Wünschen der Kunden bedrucken kann. Der entscheidende Vorteil: Bei diesem digitalen Verfahren entfallen die hohen Reprokosten für die Druckvorlagen, wie sie zum Beispiel bei Joghurtbechern entstehen. Diese Gefäße werden in Bergneustadt täglich in großen Auflagen gefertigt.

Nicht so der Eventbecher. Und obwohl die Stückzahlen des jungen Produkts noch nicht durch die Decke gehen, will Jung in weitere Maschinen investieren. „Wir haben gerade erst angefangen, den Markt zu bearbeiten. Ich sehe für Gizeh Verpackungen noch ganz viele Möglichkeiten, weitere Kunden für den Eventbecher zu gewinnen.“ Eine davon ist der Kölner Karneval, wo das Thema Glasverbot immer mehr an Bedeutung gewinne.

Unternehmen möchte gerne erweitern

Und wenn der Markt für Eventbecher so reagiert, wie Jung es erhofft, soll auch die Produktion erweitert werden. Bis zu 15 dieser digitalen Druckmaschinen könnten dann in Bergneustadt laufen – und die Zahl der Beschäftigten um 70 bis 100 wachsen. Allerdings müsste Gizeh dafür auch weitere Produktionsstätten schaffen. Entsprechende Pläne, Teile des ehemaligen Areal der Friedrich-Ebert-Stiftung dafür zu nutzen, gibt es bereits. „Zur Zeit klemmt es aber noch am Genehmigungsverfahren“, sagt der Geschäftsführer und betont, dass die Stadt gemeinsam mit Gizeh bemüht sei, die Erweiterungspläne Realität werden zu lassen.

Die Geschichte von Gizeh Verpackungen

Im Jahr 1997 wurde die Firma Gizeh rechtlich in die Sparten Verpackungen und Raucherbedarf getrennt. Ralf Jung, Geschäftsführer der Gizeh Verpackungen, leitete 18 Monate lang noch beide Unternehmen, ehe er sich komplett auf den Aufbau seines Verpackungsunternehmens konzentrierte.

Das machte anfangs einen Umsatz von 30 Millionen Euro und dabei einen Verlust von vier Millionen. „Seit dem Jahr 2010 machen wir keinen Verlust mehr und investieren jedes Jahr zehn Millionen ins Unternehmen“, sagt Jung nicht ohne Stolz. Zu den Kunden gehören alle großen Unternehmen, die Milchwaren, Feinkost, Convenience-Produkte oder Wurstwaren produzieren und mit Gizeh-Produkten verpacken.

Inzwischen beträgt der Jahresumsatz 120 Millionen Euro und die Zahl der Mitarbeiter benennt der Geschäftsführer mit weltweit 750. Diese verteilen sich auf die beiden deutschen Standorte Bergneustadt (350) und Elsterwerda (130), Polen (170), Frankreich (50) und Kanada (50). In der Zentrale in Bergneustadt befinden sich neben der Geschäftsführung auch der Einkauf, die Entwicklungsabteilung, Buchhaltung und Finanzen sowie weite Teile des Vertriebes. Um an allen Standorten den Überblick zu behalten, sitzt Ralf Jung viel im Flugzeug. In der Nähe von Toronto hat Gizeh seit dem Jahr 2013 einen Firmensitz. Zunächst in angemieteten Räumen, ehe im Jahr 2015 ein Neubau bezogen wurde. Die Vorteile, vor Ort zu produzieren, liegen für Jung auf der Hand. „Nicht nur die Frachtkosten wären zu hoch, um von Bergneustadt aus in die ganze Welt zu liefern“, sagt Jung. Auch die Wartezeiten auf eine Lieferung würde von den Kunden nicht akzeptiert. Zwölf Millionen Euro hat Gizeh im kanadischen Brantford investiert, allein 4,5 Millionen für die Firmengebäude. Einer der großen Kunden dort ist Ferrero, die von den Bergneustädtern die Verpackungen für die Rocher-Pralinen bekommen. Weitere Kunden sind Ehrmann USA oder Müller-Milch. In Kanada dauerte es allerdings auch erst einmal fünf Jahre, ehe die Oberberger dort stabil liefen. „In diesem Jahr schreiben wir dort erstmals schwarze Zahlen. Unser Vorteil ist, dass wir in Deutschland und Europa hinsichtlich unserer technischen Möglichkeiten in Sachen Ökologie viel weiter sind als Amerika oder Kanada“; sagt Jung. Nach dessen Aussage ist die Firma Gizeh Verpackungen inzwischen das viertgrößte europäische Unternehmen dieser Branche. Gizeh-Produkte werden in 35 Länder der Erde geliefert. (ar)

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