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Herz der Klinik schwächelt: Asklepios-Betriebsrätin: „Pflegenotstand wurde ignoriert!“

Hamburger Morgenpost-Logo Hamburger Morgenpost 02.08.2018
Krankenschwester Symbol: Krankenschwester (Symbol) © hfrbnf Krankenschwester (Symbol)

Wegen Personalmangels mussten in den letzten Tagen mehrere Zentrale Notaufnahmen in Hamburg über einen Zeitraum einer ganzen Schicht schließen. Betroffen waren das AK St. Georg und das AK Wandsbek. Das ist der absolute Worst Case für Patienten, leider aber keine Ausnahme. Nicht nur Notaufnahmen, auch andere Abteilungen werden geschlossen oder Betten gesperrt, weil nicht genug Personal vorhanden ist.

Der Personalmangel in den Krankenhäusern ist inzwischen endlich auch in der Öffentlichkeit und in der Politik wahrgenommen worden und hat im Bundestagswahlkampf durch lautes Auftreten der Pflegekräfte eine Rolle gespielt …

Viel zu lange haben alle weggeschaut, insbesondere die Krankenhausbetreiber. Sie haben den seit vielen Jahren auf uns zurollenden Pflegenotstand einfach ignoriert. Viel zu lange haben alle weggehört, wenn Betriebsräte und Gewerkschaften über vollkommen mangelhafte Schichtbesetzungen geklagt haben. Gesundheitskonzerne und Politik haben katastrophale Schichtbesetzungen auf den Stationen hingenommen. Dass nachts auf einer Station mit 30 oder 40 Patienten nur eine einzige Pflegekraft Dienst tut, dass es am Morgen zwei bis drei sind (inklusive eines Auszubildenden) und am Nachmittag ein bis zwei, ist leider Realität. Die Folgen einer solchen Mangelverwaltung sind für die Patienten grauenhaft: Schmerzmittel können oft nicht rechtzeitig verabreicht werden. Sterbende können nicht begleitet werden, für die Angehörigen ist schon gar keine Zeit da.

193.000 ausgebildete Pflegekräfte werden 2025 in Deutschland fehlen

Nicht selten wird routinemäßig nach einer sogenannten Prioritätenliste gearbeitet, die eigentlich für den absoluten Notfall gedacht ist. Heißt: Entscheidende Arbeiten und Leistungen werden unterlassen. Prioritätenliste bedeutet: die allernotwendigsten Arbeiten zu erledigen – mehr nicht!

Patienten sind in ihrer abhängigen Situation auf gut ausgebildetes, ausreichend vorhandenes und motiviertes Pflegepersonal angewiesen, sie brauchen und haben ein Recht auf eine gute Qualität in der Pflege! Stattdessen bekommen sie nur das Nötigste von einem Personal, das abgehetzt ist, häufig genervt und nicht mehr wirklich motiviert. Trotzdem versuchen die immer pflichtbewussten Pflegekräfte alles aus sich herauszuholen, um die Patienten wenigstens einigermaßen gut zu versorgen. Aber der Dauerstress und das permanent schlechte Gewissen, weil sie nicht so arbeiten können, wie sie es gelernt haben, macht die Kollegen krank – körperlich und psychisch.

Das ist in den Asklepios-Häusern so, betroffen sind aber genauso das UKE und die kirchlichen Häuser. Die Zahl der sogenannten Gefährdungsanzeigen, die das Pflegepersonal wegen totaler Überforderung schreibt, steigt in allen Krankenhäusern enorm an. Nicht umsonst befinden sich die Kollegen der Unikliniken Düsseldorf und Essen gerade in einem unbefristeten Streik, fordern Entlastung und mehr Personal.

„Kranke Menschen sind keine kaputten Maschinen, Krankenhäuser sind keine Fabriken.“ Katharina Ries-Heidtke

Die Misere haben nicht nur die Krankenhäuser zu verantworten, auch die Bundespolitik hat dazu beigetragen. Gesetzlich vorgegeben ist bis jetzt die Vergütung für die Krankenhäuser durch Fallpauschalen – das ist die pauschale Vergütung medizinischer Leistungen pro Krankheitsfall. Kurz: Je mehr Patienten ein Krankenhaus behandelt, desto mehr Geld bekommt es.

Aber dieses Geld wird nicht zwingend für Personal verwendet – was der Krankenhausbetreiber damit macht, ist ihm überlassen. Am Personal ist viele Jahre gespart worden. An dieser Stelle bewahrheitet sich, dass Markt und Wettbewerb in der Gesundheitsbranche gar nichts richten: Kranke Menschen sind keine kaputten Maschinen, und Krankenhäuser sind keine Fabriken!

Die Politik hat endlich reagiert. Es soll in diesen Tagen ein Gesetz zu „Personaluntergrenzen“ verabschiedet werden. Außerdem soll dann die Herausnahme der Personalkosten aus den Fallpauschalen kommen, ein Selbstkostenprinzip ist angedacht. Das sind erst einmal gute Schritte in die richtige Richtung.

Krankenhausbetreiber verweisen gerne darauf, dass die Zahl der verfügbaren Pflegekräfte auf dem Arbeitsmarkt begrenzt ist. Ich sage: Dieses Problem ist hausgemacht. Viele junge Kollegen verlassen nach der Ausbildung das Krankenhaus wieder, weil sie sich den Stress nicht dauerhaft antun wollen. Wenn es also zu wenige neue Pflegekräfte gibt, dann sollten die Arbeitgeber damit anfangen, die Pflegekräfte, die sie haben, besser zu behandeln. Leider hat sich diese Erkenntnis noch nicht bei allen durchgesetzt.

Zu guter Letzt: Eine ordentliche Bezahlung für diesen schweren Job sollte eine Selbstverständlichkeit sein – ist es aber nicht: In vielen Krankenhäusern und Reha-Kliniken, so auch in fast allen Asklepios-Kliniken außerhalb Hamburgs, gibt es keinen Tarifvertrag. Die Kolleginnen und Kollegen dort bekommen sehr viel weniger Gehalt als wir hier in Hamburg. Das ist skandalös, abwertend, lässt sich aber schnell ändern.

Bernard große Broermann, der Alleingesellschafter der Asklepios-Kliniken, hat am 15. April in einem Interview mit der „FAZ“ gesagt: „Im Krankenhaus sind die Gehälter, gemessen an der Arbeitsbelastung, zu niedrig, keine Frage! Aber überall in Deutschland, nicht nur bei Asklepios! Die Schwestern können davon vor allem in den Ballungsräumen nicht mehr anständig leben, da gebe ich allen recht, die darüber klagen, auch Verdi.“ Deshalb, mein Appell an Herrn Broermann: Handeln Sie, und zwar jetzt!

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