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Schnäppchenjäger ade – Nachfrage nach Sonderangeboten sinkt!

bbx.de-Logobbx.de 28.10.2019 Laura Hoffmann
Insbesondere Discounter spüren das sinkende Interesse an Sonderangeboten © NikolayFrolochkin / Pixabay Insbesondere Discounter spüren das sinkende Interesse an Sonderangeboten

Wen interessieren Sonderangebote? Marktforschung liefert Zahlen

Sonderangebote finden bei Verbrauchern in Deutschland im Gegensatz zu früher immer weniger Beachtung. Zu dieser Erkenntnis kam die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in ihrer Marktstudie, die im Juli dieses Jahres veröffentlicht wurde.

Die Bürger der Republik seien zwar nach wie vor an Schnäppchen und Preisknüllern interessiert, aber die tendenzielle Entwicklung in diesem Bereich weise eine rückläufige Entwicklung auf.

Von 2011 bis 2019 sei die Zahl der Verbraucher von 73 auf 65 Prozent zurückgegangen, die vor dem Einkaufen in aller Regelmäßigkeit Prospekte, Anzeigen oder Handzettel der unterschiedlichen Geschäfte überprüfen. Zudem zeigt der untersuchte Zeitrahmen ein Rückgang der Kunden auf, die für günstige Angebote ihre Einkaufsgewohnheiten ändern und ihr Lieblingsgeschäft untreu werden – von 57 auf 50 Prozent.

Ein Grund für die Lockerung der Preisfixierung der Verbraucher in den vergangenen Jahren ist der Wertewandel in der Gesellschaft. In Zeiten der Globalisierung, des Konsumwahns und vor allem des Klimawandels priorisieren die Menschen zuweilen mehr die Qualität, und sie schenken der Preisstruktur weniger Beachtung.

Während im Jahr 2009 noch 53 Prozent der befragten Konsumenten angaben, beim Einkauf vor allem auf den Preis zu achten, und lediglich 47 Prozent großen Wert auf die Qualität legten, zeigten die Zahlen 2017 ein gänzlich anderes Bild. Für rund 53 Prozent spielte die Qualität die wichtigste Rolle, 47 Prozent schauten mehr auf den Preis.

Verbraucher sind werberesistent

Schnäppchen und Sonderangebote leben über werbetreibende Maßnahmen, die Konsumenten in Form von Prospekten, Flyern oder Außenwerbung auf die Deals aufmerksam machen sollen. Allerdings zeigt dieses Vorgehen nicht immer den erhofften Effekt, da rund ein Viertel der Verbraucher von den Marktforschern als promotionsresistent eingestuft wurde.

Weder informieren sie sich selbstständig vor dem Einkauf über Sonderangebote, noch sind diese bereit, für ein Schnäppchen das Geschäft zu wechseln. Daher helfen auch die unterschiedlichen Werbemittel nicht, diesen Schlag von Verbrauchern zu überzeugen.

Doch wenn es gerade ein gewünschtes Produkt zum Niedrigpreis zu kaufen gibt, können auch sie nicht der Verlockung widerstehen. Die Gruppe kauft besonders oft in Supermärkten und Fachgeschäften ein.

Qualität wichtiger als Preis

Die fortschreitende Sensibilisierung gesellschaftlicher Werte wird in den nächsten Jahren weitere Entwicklungsschritte tätigen und vor allem den Konsum sowie den Aspekt der Nachhaltigkeit betreffen.

Dadurch spielt der Preis bei vielen Waren und Produkten zunehmend eine untergeordnete Rolle. Umweltfreundliche und biologische Bedingungen werden genauso an Wichtigkeit gewinnen wie ein bewusstes Konsumverhalten.

Durch diese Entwicklung werden Verbraucher resistenter gegen Sonderangebote. Die Nachfrage nach Preisnachlässen wird besonders bei Lebensmitteln herbe Dämpfer hinnehmen müssen, da speziell in diesem Bereich auf Qualität geachtet wird.

Auch die Lokalität bestimmt das Einkaufsverhalten. Zum Teil achten Konsumenten heute schon explizit darauf, ob Produkte aus der näheren Umgebung kommen und unnötige Transportwege vermieden wurden.

Besonders Discounter bekommen diesen Wandel bereits jetzt zu spüren. Während die Supermärkte mit ihrem Lebensmittel-Vollsortimenter ein Umsatzplus von 2,9 Prozent erzielten, haben die Discounter mit einem schrumpfenden Wachstum von 0,8 Prozent das Nachsehen. So besagen es die Zahlen der Marktstudie.

Schnäppchen weiterhin gefragt

Trotz gesellschaftlichem Wertewandel bleiben Schnäppchen und Sonderangebote weiterhin relevant. Das Verhalten der Konsumenten mag zwar eine langfristig anhaltende Tendenz verzeichnen, kann aber keineswegs pauschalisiert werden. Auch die Erkenntnisse der Marktforscher der GfK kamen zu diesem Schluss. Rund 40 Prozent der Konsumenten seien nach wie vor höchst interessiert an Sonderangeboten.

Die anhaltende Nachfrage nach Sonderangeboten lässt sich auch im Netz beobachten. Viele Webseiten und Unternehmen haben sich über den Lauf der Zeit den Drang nach günstigen Deals angenommen und diesen in Geschäftsmodelle implementiert. „In unserer Schnäppchen-Community Mein Deal tummeln sich seit 2009 begeisterte Schnäppchenjäger, die immer auf gute Deals aus sind“, erklärt Ralph Schomaeker-Möller, Geschäftsführer der Plattform. „Wir haben über 70.000 Angebote und Schnäppchen auf unserer Seite sowie eine Million App-Downloads. Von mangelnder Nachfrage kann keine Rede sein.“

Diese Annahme bestätigen indes nicht nur Deal-Plattformen im Internet, sondern auch Aktionstage wie der Black Friday oder Cyber Monday, die im Weihnachtsgeschäfts für gigantische Umsätze in vielen Branchen sorgen. Mit hohen Rabatten und einzigartigen Sonderangeboten verlocken diese Feiertage des Sparens Konsumenten zum Geldausgeben.

Der Onlineriese Amazon hat vor einigen Jahren den Cyber Monday sogar zur Cyber Week erweitert und bietet auf der Plattform in aller Regelmäßigkeit immer neue Angebote an, die zum Teil nach wenigen Minuten ausverkauft sind.

Gehirn macht Schnäppchen belohnend

Obwohl die Marktstudie der Gesellschaft für Konsumforschung den Sonderangeboten ein Verlust des Interesses attestiert, werden Schnäppchen immer einen relevanten Status im Konsumverhalten von Menschen innehaben. Verantwortlich dafür ist die Beschaffenheit des menschlichen Gehirns. Dieses besitzt Nervenzellen, die miteinander verschaltet sind und bei Aktivierung wohltuende Stoffe ausschütten. Schnäppchenpreise und Rabatte aktiveren dieses System.

Laut Neurowissenschaftler Christian Elger handelt es dabei um das gleiche Zentrum, das bei Suchtverhalten und Befriedigung zum Tragen kommt. „Dieses Belohnungssystem dient als Hochmotivator unseres Gehirns und kann durch nichts überboten werden“, erklärt der Wissenschaftler.

Die Relevanz der Nervenzellen lässt sich auf die Entwicklungsgeschichte des Menschen zurückführen, in der zu Urzeiten das Jagen und Ergreifen von Beute ein überlebenswichtiger Faktor war. Die Gier war in dieser Epoche der menschlichen Historie signifikant, um den Stamm oder die Sippe ernähren zu können. Dieses Belohnungszentrum ist im Gehirn bis in die heutige Zeit aktiv.

Ist das Belohnungssystem in Betrieb, verlieren alle anderen Zentren in der Kommandozentrale an Relevanz und werden abgeschaltet. Dazu zählen auch Regionen, die normalerweise für vernünftige und logische Entscheidungen verantwortlich sind. Ob beim Einkaufen das Objekt der Begierde wirklich gebraucht wird oder nicht, wird bei einem aktivierten Belohnungssystem nicht abgewogen.

Erst wenn es eine unmittelbare Befriedigung erfährt, beruhigt sich das System. „Wenn wir allerdings Zeit in eine Entscheidung bringen, etwas zu kaufen oder auch nicht, relativiert sich der Fall und wir kommen meistens darüber hinweg.“

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