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Apple kauft Disney und Tesla tut sich mit Hyundai zusammen: Was die Finanzmärkte 2020 durcheinander wirbeln könnte

Finanzen.net-Logo Finanzen.net 08.01.2020

2020 dürfte ein spannendes Jahr an den Finanzmärkten werden. Neben absehbaren Faktoren, die für Bewegung sorgen werden, gibt es weitere Szenarien, mit denen kaum jemand rechnet, die aber nachhaltige Erschütterungen am Markt mit sich bringen könnten.

Raymond Boyd/Getty Images © Bereitgestellt von Finanzen.net GmbH Raymond Boyd/Getty Images

• Marktteilnehmer sollten auch wenig wahrscheinliche Ereignisse im Blick haben

• Mögliche Großfusion bei Apple und Disney

• Zahlreiche Konfliktherde politischer und wirtschaftlicher Natur

Beim Start eines neuen Börsenjahres stellen sich viele Anleger die Frage, ob sie sich neu positionieren sollten. Dabei ziehen sie unter anderem Ereignisse in Betracht, die im fraglichen Investitionszeitraum absehbar sind und die Märkte bewegen könnten - etwa Wahlen oder andauernde politische oder wirtschaftliche Konfliktherde. Doch es gibt eine Reihe wenig erwartbarer Ereignisse, auf die sich Anleger nur bedingt vorbereiten können - die so genannten grauen Schwäne. Diese Ereignisse sind nicht völlig ausgeschlossen, allerdings wenig wahrscheinlich. Treten sie aber doch ein, werden sie voraussichtlich massive Marktbewegungen nach sich ziehen.

Bilal Hafeez, der CEO des Finanzstrategieunternehmens Macro Hive, hat zehn Szenarien vorgestellt, die diesen Kriterien entsprechen und die Finanzmärkte deutlich durcheinander wirbeln könnten. Gänzlich auszuschließen ist dabei keins von ihnen.

Kapitalverkehrskontrollen in den USA

Die Vereinigten Staaten haben es in die Top 10 der grauen Schwäne von Macro Hive geschafft. Demnach sei es denkbar, dass die USA im Streit mit China schärfere Geschütze auffahren, um zu verhindern, dass chinesisches Kapital in den USA investiert wird. "Was wir in den letzten Jahren gesehen haben, ist, dass erhebliche chinesische Investitionen in das Silicon Valley getätigt wurden. Chinesische Unternehmen kaufen US-Unternehmen. Die USA könnten also sagen: 'Moment, das werden wir nicht mehr akzeptieren'."

Kapitalverkehrskontrollen, die den freien Kapitalverkehr beschränken würden, könnten die Folge sein und den "Kalten Krieg im Techbereich" absolut eskalieren lassen, glaubt Bilal Hafeez. Ganz unmöglich ist ein solches Szenario nicht - schließlich haben die Vereinigten Staaten entsprechende Maßnahmen bis in die frühen 70er Jahre tatsächlich vorgenommen. Die Folgen wären insbesondere bei chinesischen Aktien spürbar, die dann wohl underperfomen dürften. Auch der Venture Capital-Markt in den USA wird im Falle von Kapitalverkehrskontrollen wohl empfindlich leiden.

Keine Banküberweisungen für einen Monat?

Ein zweiter von Macro Hive formulierter grauer Schwan ist eine längere Schließung der Banken. Auch dieses Szenario ist nicht unwahrscheinlich, wie Hafeez mit Blick auf die Vergangenheit zeigt: Bereits 1933 stand das Bankwesen in den USA für eine Woche still, nachdem US-Präsident Roosevelt eine entsprechende Proklamation herausgegeben hatte. Alle Bankgeschäfte wurden für eine Woche ausgesetzt, um das Versagen der Finanzhäuser einzudämmen und das Vertrauen in das Finanzsystem wiederherzustellen. US-Amerikaner konnten kein Geld abheben, keine Überweisungen tätigen und keine Einzahlungen tätigen.

"Versuchen Sie, sich nicht allzu viele Sorgen zu machen aber fragen Sie sich: Wenn es eine Woche dauern kann, warum nicht einen Monat?", begründet der Macro Hive-Chef die Aufnahme dieses Szenario als grauen Schwan. Ausgelöst werden könnte eine solche Zwangspause unter anderem durch chinesische Schattenbankgeschäfte, steigende Kreditausfälle oder andere Ereignisse, so der Experte weiter.

Inflation im Euroraum steigt an

Ein weiteres möglicherweise marktbewegendes Ereignis, dessen Wahrscheinlichkeit 2020 gering ist, ist ein Inflationsanstieg in der Eurozone. Dieses Szenario könnte laut Hafeez infolge politischer Entwicklungen in Deutschland auftreten. Dann nämlich, wenn die SPD ihre Koalition mit der CDU aufkündigt, was eine Bundestagswahl im Jahr 2020 zur Folge haben könnte. Mainstream-Parteien verlieren dabei an Zustimmung, die extremen Rechten könnten davon aber nur in den Gebieten der ehemaligen DDR profitieren, während deutschlandweit die Grünen als Gewinner aus den Wahlen hervorgehen und eine Koalition mit der CDU eingehen.

In Folge würden die Grünen in Deutschland ein umfangreiches Investitionsprogramm auflegen, der deutsche Haushaltssaldo könnte dann statt eines Überschusses ein Defizit von einem Prozent aufweisen, mittelfristig sei dann mit weiteren Defiziten zu rechnen. Andere Länder würden dem Beispiel Deutschlands folgen und ihrerseits Steuererweiterungen einleiten, das durchschnittliche Haushaltsdefizit des Euroraums könnte dann auf drei Prozent steigen.

Zeitgleich würden in diesem Szenario Gewerkschaften europaweit an Macht gewinnen, was schnelleres Lohnwachstum nach sich ziehe und eine Rückkehr der Inflation bedinge. Als Folge dessen würden europäische Aktien besser performen als ihre US-Pendants, der Euro werde steigen, so Hafeez weiter.

Japan mischt auf dem Devisenmarkt mit

Angesichts eines weiter gebremsten Wachstums der japanischen Wirtschaft könnte die Bank of Japan an ihre geldpolitischen Grenzen stoßen. Nach Minuszinsen und dem Versprechen, die Rendite der Staatsanleihen niedrig zu halten, dem Kauf von Anleihen und der Anpassung des Inflationsziels bleibt den Währungshütern nun noch eine Option: Die Intervention an den Devisenmärkten. Auch dieses Szenario ist nicht ausgeschlossen, greift die BoJ doch regelmäßig zu solchen Maßnahmen.

Die Folge des Eingriffs in den Markt: Der Yen würde schwächer, die japanischen Exporte zeitgleich angekurbelt.

Apple kauft Disney

Immer wieder wird Apple angesichts einer prall gefüllten Kriegskasse Interesse an großen Marktplayern nachgesagt. So wurde lange Tesla als möglicher Kaufkandidat für den iKonzern gehandelt, Macro Hive bringt aber einen anderen Unternehmensriesen als potenziellen Apple-Übernahmekandidaten ins Spiel: Den Entertainment-Konzern Disney. Der Coup würde dem Apple-Konzern, der durchaus große Ambitionen im Streaming-Bereich zeigt, auf einen Schlag mit zahlreichen qualitativ hochwertigen Inhalten versorgen und zudem dem Weg in den chinesischen Markt ebnen, glaubt Hafeez. 200 Milliarden US-Dollar hat Apple theoretisch an liquiden Mitteln verfügbar - Disneys Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 265 Milliarden US-Dollar - eine Finanzierung des Mega-Deals wäre also denkbar. Ein solcher Zusammenschluss ist zwar nicht wahrscheinlich, aber dennoch nicht ausgeschlossen: Erst kürzlich hatte Disney-Chef Bob Iger in seiner Autobiographie enthüllt, dass eine Fusion mit Apple in der Vergangenheit durchaus im Bereich des Möglichen gelegen hatte.

Banken nur noch als Versorger

Ein weiterer von Macro Hive kommunizierter grauer Schwan betrifft die Bankenbranche, die möglicherweise vor extremen Umwälzungen steht. Insbesondere die Kernkompetenz der Finanzhäuser, die Kreditvergabe, könnte bald nicht mehr in den Händen der Banken liegen, beschreibt Hafeez das Problem. Dabei verweist der Experte darauf, dass der Finanzsektor bereits seit geraumer Zeit starkes Wachstum zeigt und die traditionelle Bankfinanzierung durch außerbilanzielle Finanzierung überholt wurde.

Setzt sich diese Tendenz weiter fort, sei die Fed gezwungen, ihre Bilanz für die gesamte Wirtschaft zu öffnen und unter Umständen sogar eine eigene zentralbankgestütze Kryptowährung an den Start zu bringen. "Der Verlust ihrer Geldschöpfungskraft ist vielleicht nicht die Todesursache für die Bankenbranche, aber es wäre ein derart massiver Schlag für ihr Modell, dass sie möglicherweise nur noch als 'Versorger' existieren", heißt es.

Tesla tut sich mit Hyundai zusammen

Auch Tesla hat es in die Liste der grauen Schwäne geschafft - der Elektroautobauer könnte sich einen überraschenden Partner suchen: Den koreanischen Autobauer Hyundai. Die Koreaner sind in Turbulenzen geraten, angesichts der Elektro-Offensive großer Autobauer haben die Asiaten Nachholbedarf. Tesla wäre in diesem Fall ein idealer Partner für eine Zusammenarbeit: Hyundai bringe langjährige Erfahrungen in der Fahrzeugfertigung mit sich und verfüge zudem über einen gesunden Cashflow. Tesla sei unterdessen ein Spiegel der Probleme von Hyundai: Der Musk-Konzern habe eine Vision und eine starke Marktkapitalisierung, tue sich aber in Sachen Produktion und Cashflow ungleich schwerer. Die Folgen einer solchen Partnerschaft würden sich laut Hafeez am Aktienmarkt widerspiegeln: Tesla- und Hyundai-Titel würden voraussichtlich steigen.

Drohnenangriffe auf US-Einrichtungen im Nahen Osten

Angriffe mit unbemannten Drohnen hatten zuletzt zugenommen, 2020 könnten US-Einrichtungen ins Visier genommen werden. Dabei gehe es insbesondere um Ziele mit hoher Sichtbarkeit im Nahen Osten, glaubt der Macro Hive-CEO. Angriffe - etwa auf von Zivilisten besetzte Versorgungsschiffe der US-Marine, die die in der Region stationierten Streitkräfte der US-Flugzeugträger mit Versorgungsgütern versorgen, könnten den Ölpreis entscheidend beeinflussen. Angesichts voraussichtlicher Sorgen um die Versorgung mit dem schwarzen Gold könnte der Ölpreis infolge genannter Attacken steigen. Und auch die Militärausgaben könnten überdacht werden.

Menschen bewegen sich nur noch virtuell

Der Vormarsch der Virtuellen Realität wird das Mobilitätsverhalten der Menschen deutlich verändern, glaubt Macro Hive. Grundsätzlich reisen Menschen aus drei Gründen: Um sich mit Waren einzudecken, für die Arbeit und zur Unterhaltung. Mit den zunehmenden Fortschritten im Technologiebereich sinke die Notwendigkeit, für jede dieser Aktivitäten zu reisen, glaubt der Experte. "Wenn VR kurz vor der Massenakzeptanz steht, ist es möglicherweise nicht die klügste Idee, auf das autonome Auto zu setzen - egal ob auf Elektrofahrzeuge oder solarbetriebene Fahrzeuge".

Seiner Ansicht nach könnte Virtual Reality der Sargnagel für die Mobilität der Menschen sein. Einzelhandelsriesen wie Amazon liefern alle Waren direkt ins Haus, immer mehr Menschen sparen sich den Weg zur Arbeit und können dank verbesserter Internetverbindungen von überall arbeiten. Und auch im Unterhaltungsbereich werde es immer weniger notwendig, das Haus zu verlassen, um ein Konzert zu besuchen oder einen Film zu schauen.

England wird Fußball-Europameister

Der letzte graue Schwan, den Macro Hive formuliert, betrifft ein sportliches Großereignis 2020: Die Fußball-Europameisterschaft. Demnach sei es möglich, dass Großbritannien den Wettbewerb in diesem Jahr für sich entscheiden könnte. Immerhin habe das Land in der Rugby-Weltmeisterschaft 2019 das Finale erreicht, und den World Cup im Cricket 2019 sogar gewonnen.

Dem Brexit-gebeutelten Land könnte ein sportlicher Erfolg in einer der höchst angesehenen Sportarten der Welt tatsächlich gut tun. Bislang ist der Gewinn der Europameisterschaft für die Briten aber weiter ein grauer Schwan - ein mögliches, aber wenig wahrscheinliches Ereignis.

Redaktion finanzen.net

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