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Autonomes Fahren war erst der Anfang: Das steckt hinter X, dem mysteriösesten Google-Unternehmen

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 14.03.2019 Kim Richters
© Bereitgestellt von Business Insider Inc


Mehr als neun Jahre ist es her, dass sich eine kleine Abteilung im Suchmaschinen-Konzern Google an eine außergewöhnliche Idee wagte. Das Team wollte herausfinden, ob Autos auch ohne Fahrer fahren konnten — und wenn ja, wie. Forschungen wie diese wurden intern „Google X“ genannt, der Buchstabe war ein Lückenfüller für einen zukünftigen Namen, den man sich später ausdenken wollte. 

Heute ist aus dem gewagten Experiment ein eigenständiges Unternehmen geworden. Doch nicht nur das: Das Projekt Waymo wird langfristig mit 250 Milliarden US-Dollar bewertet und als Marktführer im Bereich selbstfahrende Autos gesehen. Damit ist die Ausgründung das Vorzeige-Produkt des Tech-Labors schlechthin, dessen Name nun offiziell „X“ ist und das sich Versuchen mit Technologien aus verschiedensten Industrien verschrieben hat. Das Ziel: Unternehmen zu gründen, die die Welt verändern und das nächste Google werden, wie das US-amerikanische Nachrichtenmagazin „The Atlantic“ 2017 schrieb. Damit wird wohl nur auf den Erfolg des Suchmaschinen-Riesens angespielt, denn mit dem Geschäftsmodell oder der Arbeit von Google selbst haben die vom Labor entwickelten Ideen nichts zu tun.

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Riesig, gewagt, machbar

„Wir sind gut darin, Dinge bis zu realisierbaren Prototypen voranzutreiben, die die Leute eigentlich für verrückt halten“, beschreibt Labor-Chef Astro Teller die Idelogie des Labors in einem Blogpost. Diesem Credo folgend beschäftigt sich das X-Team mit Hunderten verschiedenen Ideen, doch nur ein Bruchteil davon wird weiterverfolgt. Die Kriterien: es muss ein Problem sein, das Millionen oder Milliarden Menschen betrifft, die technische Lösung soll nach Science-Fiction klingen, gewagt und trotzdem in fünf bis zehn Jahren umsetzbar sein.

Während über die Strategie des immer noch als geheimnisvoll geltenden Labors mittlerweile einiges bekannt ist, hält sich X bei konkreten neuen Projekten bedeckt. Viel ist über mögliche neue Projekte nicht bekannt, Nachfragen kommentiert das Unternehmen nicht. Dennoch sind einige Industrien bekannt, in denen X unter anderem derzeit forscht.

Lebensmittel und Roboter

Zum einen ist da die Lebensmittelindustrie. Zwar hatte sich X einem Medienbericht zufolge bereits vor einigen Jahren an Vertical Farming versucht, einem Konzept, bei dem Pflanzen wie Getreide in Regalen und Schränken angepflanzt und gezüchtet werden. Das Projekt scheiterte jedoch. Nun arbeitet das Labor daran, die Produktion von Lebensmitteln mit Künstlicher Intelligenz zu verbessern. Konkret geht es darum, diese Technologie mit anderen wie Drohnen oder Robotik zu verbinden und so die Landwirtschaft weiterzuentwickeln, wie aus einem Bericht des Uni-Wissenschaftsmagazins „MIT Technology Review“ hervorgeht.

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Auch in anderen Feldern forscht das Tech-Labor mit Robotik und den Einsatzmöglichkeiten, gleich mehrere Ideen werden geprüft. Zum Beispiel untersucht das Robotik-Team, ob und wie man Robotern neue Dinge beibringen kann, etwa wenn Menschen diese vormachen oder die Maschinen Informationen untereinander teilen. Des Weiteren beschäftigt sich das Versuchslabor mit Ideen aus dem Feld der Bioinformatik.

Forschung kostet Geld

X forscht nicht, um ohne Gegenleistung die Welt zu verbessern. Während Kritiker dem Unternehmen vorwerfen, viel Geld zu verbrennen, ist es doch erklärtes Ziel des Unternehmens, mit den Ideen auch irgendwann Geld zu verdienen.

Aus diesem Grund gliederte das Labor im vergangenen Jahr etwa Loon aus, ein Projekt, das Internetverbindungen an entlegene Orte bringen soll. Seit 2012 arbeitet ein Team daran, Ballons zu entwickeln, die auch in einer gewissen Höhe überleben und an die richtige Stelle fliegen können. Auch das Projekt Wing hat im vergangenen Jahr das schützende Dach des Labors verlassen. Hier hatte ein Team Lieferungen mit Drohnen getestet. 2014 gelang ein erster Flug, bei dem Süßigkeiten an australische Farmer verteilt wurden.

Neben Projekten wie Wing und Loon hat sich X in den vergangenen Jahren auch verstärkt mit Energie-Themen beschäftigt, gleich drei Ausgründungen arbeiten in dem Bereich. So hat Malta einen Weg gefunden, Energie mithilfe von Salz zu speichern, Dandelion will Häuser mit Erdwärme heizen und Makani schickt Drohnen in die Luft, um Energie zu erzeugen.

Google will in den Bereich Medizin

Und auch in der Medizin wird geforscht. Die Ausgründung Verily begann unter dem X-Dach, ist aber nun so etwas wie ein eigenständiges Labor für Health-Tech, dessen Teams an unterschiedlichsten Projekten wie intelligenten Kontaktlinsen oder Moskitos, die keine Krankheiten übertragen, arbeiten.

Während aus einigen Ideen tatsächlich Ausgründungen mit einem Geschäftsmodell werden, werden andere irgendwann eingestellt. Das Scheitern einer Idee oder sogar eines fortgeschrittenen Produktes ist Teil der Arbeitskultur bei X. Eine Zeit lang arbeitete ein Team des Labor an dem Projekt Foghorn, das versuchte, günstiges Benzin aus Meereswasser herzustellen. Nach einigen Jahren wurde das Projekt auf Raten des Teams eingestellt, die Erfolgschancen waren zu gering. Für diese Entscheidung bekam das gesamte Team dem „Atlantic“-Bericht zufolge einen Bonus ausgezahlt.

Was für manche eine seltsame Form von Mitarbeitermotivation ist, ist für andere ein geniales Konzept, das das Verschwenden von Geld und Zeit vermeidet. Nicht nur die Ideen, auch die Ideologie des Alphabet-Labors ist eben ein bisschen verrückt. Journalist Derek Thompson urteilte deshalb nicht zu unrecht: „Die methodische Herangehensweise an Erfindungen von X, die zwar Kritiker und gewinnhungrige Investoren zum Spott einlädt, ist eine der bewundernswertesten Eigenschaften [des Unternehmens].“

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