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Börse nach der US-Wahl: Die beängstigende Ruhe am Morgen danach

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 04.11.2020 Thorsten Mumme

In den ersten Stunden nach der Wahl gibt es keinen Kurseinbruch. Doch Ökonomen warnen vor den wirtschaftlichen Folgen einer langen Hängepartie.

An der Wall Street hofft man möglichst bald auf klare Verhältnisse. © Foto: imago images/ZUMA Wire An der Wall Street hofft man möglichst bald auf klare Verhältnisse.

Das ganz große Beben am Tag danach ist ausgeblieben. Auch wenn Börsen für gewöhnlich kaum etwas weniger mögen als Unsicherheit, haben Aktienanleger besonnen auf den unklaren Wahlausgang in den USA reagiert. Der Dax sackte am Vormittag zwar um bis zu zwei Prozent ab, lag aber am Mittag schon wieder um 0,2 Prozent im grünen Bereich.

In den USA war zum Handelsstart ebenfalls keine klare Tendenz zu spüren. Zwar gingen vor allem Aktienfutures sowie der Dollar-Kurs auf Berg- und Talfahrt. Doch ein Einbruch oder rasanter Anstieg war nicht zu erkennen. Der Nasdaq stieg gut zwei Prozent an, der Dow Jones notierte direkt zum Start ebenfalls leicht im Plus.

Nicolas Janvier, der für US-Aktien zuständige Leiter bei der Investmentgesellschaft Columbia Threadneedle brachte es nüchtern auf den Punkt: „Die Richtungslosigkeit ist nicht überraschend, da wir noch kein klares Ergebnis haben.“

Auf dem Parkett bleibt man skeptisch

Das heißt allerdings nicht, dass es so bleibt; Börsianer richten sich auf unruhige Zeiten ein. „Wir erleben, wie eine Alptraum-Situation wahr wird, denn jetzt geht es um juristische Kämpfe“, sagte Analyst Naeem Aslam vom Brokerhaus Avatrade. „Jetzt ist genau das passiert, was im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl so ganz und gar nicht das Wunsch-Szenario der Börsen war“, fügte Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets an. Und der Chefökonom der AXA-Gruppe, Gilles Moec, meint: „Die Märkte werden auf jede noch so kleine Nachricht überreagieren.“

Hatten die Anleger im Vorfeld der US-Wahlen noch überwiegend auf einen Sieg des demokratischen Herausforderers Joe Biden gesetzt, wetteten Börsianer im Laufe der Auszählung verstärkt auf eine zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Die Stimmung kippte in der vergangenen Nach vor allem, als Trump den Sieg in Florida für sich verbuchte. Auch deshalb zogen am Morgen die Papiere von US-Tech-Konzernen an. Sie erwarten unter den Demokraten tendenziell härtere Regulierung.

Auf dem Parkett bleibt man skeptisch

Börsianer richten sich dennoch auf unruhige Zeiten ein. "Wir erleben, wie eine Alptraum-Situation wahr wird, denn jetzt geht es um juristische Kämpfe", sagte Analyst Naeem Aslam vom Brokerhaus Avatrade. "Jetzt ist genau das passiert, was im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl so ganz und gar nicht das Wunsch-Szenario der Börsen war", fügte Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets an. Und der Chefökonom der AXA-Gruppe, Gilles Moec, meint: "Die Märkte werden auf jede noch so kleine Nachricht überreagieren."

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Hatten die Anleger im Vorfeld der US-Wahlen noch überwiegend auf einen Sieg des demokratischen Herausforderers Joe Biden gesetzt, wetteten Börsianer nun zunehmend auf eine zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Die Stimmung kippte in der vergangenen Nach vor allem, als Trump den Sieg in Florida für sich verbuchte. Auch in anderen wichtigen Swing States, die mal republikanisch, mal demokratisch wählen, fiel das Kopf-an-Kopf-Rennen viel enger aus als in Umfragen vorhergesagt.

Ökonomen warnen vor Unsicherheit in den USA

Auch Ökonomen warnen vor einer Phase der Unsicherheit. So sagte Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, eine Hängepartie sei Gift für die konjunkturelle Erholung der US-Wirtschaft nach der Corona-Krise.

"So werden Unternehmen in Wirtschaftssektoren, die von Kursänderungen in zentralen Politikfeldern wie der Handels- oder der Klimapolitik betroffen sind, ihre Investitionsentscheidungen bis zu einer abschließenden Klärung des Wahlergebnisses aufschieben", meint Dullien. "Auch das dringend benötigte zweite Stimulus-Paket zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ist vorerst nicht in Sicht.". Es drohe "anhaltender Schaden".

Für Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) ist die US-Wahl ein Signal, dass sich Deutschland und Europa auf die eigenen Stärken konzentrieren müssen und sich nicht von Amerika abhängig machen sollten. "Wesentlicher Baustein dafür ist der europäische Binnenmarkt, der möglichst groß und integriert sein sollte", so Felbermayr. "Außerdem gilt es, die internationale Rolle des Euro zu stärken und eine eigene außenpolitische Strategie zu definieren."

Industrie hofft, dass alle Stimmen ausgezählt werden

In der deutschen Industrie hofft man ebenfalls auf schnelle Klarheit. "Eine längere Phase der Unsicherheit würde das Vertrauen der Wirtschaft in die Zukunft beschädigen", sagte Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI). Oberste Priorität sei allerdings, dass alle Stimmen ausgezählt werden und der rechtmäßige Sieger gekürt wird.

Kempf sprach sich einmal mehr für die Erneuerung der transatlantischen Beziehungen aus. "Unsere Partnerschaft ist in den vergangenen vier Jahren in schwieriges Fahrwasser geraten", so der BDI-Präsident Es müsse so schnell wie nur möglich auch darum gehen, unsere Beziehungen wiederzubeleben und zu stärken. "Unabhängig davon, wer zukünftiger US-Präsident wird."

EU- und US-Unternehmen handeln Tag für Tag miteinander Waren im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro. Kempf warb daher für einen Abbau von Zöllen. Hier dürfte ihm Zustimmung von Anton F. Börner sicher sein. Der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen gab sich allerdings keinen Illusionen hin. "Eine Kursänderung in Handelsfragen ist nicht zu erwarten. Jeder Präsident wird die Interessen der Vereinigten Staaten voranstellen", so Börner. Entscheidend sei, dass Europa seine wirtschaftlichen und politischen Interessen klar formuliert und auch durchsetzen will. "Wir müssen mit jedem Präsidenten auskommen." (mit rtr, dpa)

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