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Ärger über Impfstoff-Lieferung: EU-Kommission zitiert Hersteller zu Krisengipfel und droht mit Exportverbot

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 17.03.2021 Josh Groeneveld

Die EU-Kommission hat die führenden Hersteller von Corona-Impfstoffen zu Krisengesprächen in der kommenden Woche eingeladen. Das erfuhr Business Insider aus EU-Kreisen. Bei den Gesprächen soll es darum gehen, wie die Impfstoffproduktion in Europa beschleunigt werden kann.

Eine Sprecherin der EU-Kommission bestätigte auf Anfrage, dass in der kommenden Woche gleich zwei Treffen der Kommission mit Impfstoff-Herstellern und Firmen stattfinden sollen. Dabei geht es um den kompletten Impfstoffprozess, also auch um Zulieferer. Organisiert werden die Gipfeltreffen von Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton, der auch die EU-Taskforce für Impfstoffproduktion leitet.

Feste Termine und eine Teilnehmerliste für die Treffen konnte die Sprecherin noch nicht nennen. "Unsere Idee ist es, diese Konzerne und Firmen zusammenzubringen, um die Prozesse in der Impfstoffproduktion entlang der kompletten Warenkette zu beschleunigen", sagte die Kommissionssprecherin, "von den Rohmaterialien bis zur Abfüllung."

Lieferprobleme und Exportstreit belasten Zusammenarbeit der EU-Kommission mit den Impfstoffherstellern

Hintergrund der EU-Einladung zu den Krisengipfeln kommende Woche ist der anhaltende Mangel an Corona-Impfstoff in Europa.

Erst am Samstag hatte AstraZeneca verkündet, seine versprochenen Liefermengen an die EU in den kommenden Wochen nicht einhalten zu können. Bis Ende März will der Hersteller 30,1 Millionen Impfstoffdosen an die EU ausliefern — 60 Millionen weniger, als für das erste Quartal 2021 vereinbart waren. Nach Informationen von Business Insider entschuldigt der Konzern seine Lieferprobleme in Gesprächen mit EU-Vertretern unter anderem damit, dass seine Produktionsstätten in der EU – anders als jene in Großbritannien – noch nicht bei "voller Kapazität" arbeiten würden. Zudem sperren sich die USA, dort gelagerte AstraZeneca-Impfstoffdosen an die EU zu liefern, obwohl das Mittel in den Vereinigten Staaten noch gar nicht zugelassen ist.

Auch beim US-Hersteller Johnson&Johnson kommt es zu Lieferproblemen in die EU. Für das zweite Quartal erwartet die EU-Kommission die Lieferung von 55 Millionen Dosen Corona-Impfstoff. Zuletzt war unklar, ob Johnson&Johnson dieses Lieferversprechen einhalten kann — auch, weil die USA den Export von dort abgefüllten Impfstoffdosen in die EU verweigern.

Nach Informationen von Business Insider gestalten zudem mögliche Lieferprobleme des US-Herstellers Novavax die laufenden Vertragsgespräche zwischen diesem und der EU-Kommission als schwierig. Novavax könne womöglich erst ab 2022 liefern, hieß es aus EU-Kreisen — für die EU-Kommission sei das nicht hinnehmbar. Ein Sprecher der Kommission wollte das auf Anfrage von Business Insider nicht kommentieren und verwies auf die laufenden Verhandlungen.

Von der Leyen droht mit Exportverbot für Corona-Impfstoffe

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Mittwoch die Liefererwartungen der EU für das zweite Quartal klar formuliert: Bis Ende Juni sollen zusätzlich zu den 55 Millionen versprochenen Johnson&Johnson-Impfdosen weitere 25 Millionen des Herstellers Moderna, 70 Millionen des Herstellers AstraZeneca und 200 Millionen des Herstellers Biontechh/Pfizer geliefert werden.

Von der Leyen drohte bei anhaltenden Lieferengpässen und Exportbeschränkungen durch die USA sowie Großbritannien mit einem Exportverbot für Corona-Impfstoffe durch die EU. Europa erwarte ihren fairen Anteil an produzierten und bestellten Impfstoffen. "Wir sind bereit, jedes Instrument einzusetzen, um dafür zu sorgen", sagte von der Leyen. Seit Anfang Februar hat die EU mindestens 41 Millionen Dosen Corona-Impfstoff verschiedener Hersteller ins Ausland exportiert — darunter über 9 Millionen nach Großbritannien und etwa 1 Million in die USA.

© Bereitgestellt von Business Insider Deutschland
BELGIUM-EU-HEALTH-VIRUS © John Thys/AFP via Getty Images BELGIUM-EU-HEALTH-VIRUS
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