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China startet seine Anleihen-Attacken gegen Amerika

WELT-Logo WELT 20.06.2019 Holger Zschäpitz
Im Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China ist kein Ende in Sicht. China ist weltweit der größte Gläubiger der USA und dieser Hebel könnte für Trumps Politik gefährlich werden. Quelle: WELT/Sebastian Struwe © WELT/Sebastian Struwe Im Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China ist kein Ende in Sicht. China ist weltweit der größte Gläubiger der USA und dieser Hebel könnte für Trumps Politik gefährlich werden. Quelle: WELT/Sebastian Struwe

Die Chinesen zücken im Handelskrieg mit den USA gerade eine scheinbar stumpfe Waffe. Sie trennen sich im großen Stil von amerikanischen Staatsanleihen. Das jedoch hat in der jetzigen Situation nahezu keine Wirkung. Denn es gibt gerade genügend Käufer für die auf den Markt kommenden Staatspapiere.

Doch das Gefährliche an stumpfen Waffen ist, dass sie in Wahrheit eine fatalere Wirkung haben können als scharfe, weil sie größere Wunden reißen. Und so könnte sich das Blatt ganz schnell wenden, sollte etwa die Kauflaune der globalen Investoren schwinden.

Weltweit strömen Anleger gerade in Staatsanleihen, angefeuert von den Notenbanken, die niedrigere Zinsen und groß angelegte Kaufprogramme versprechen. Und das lässt vergessen, dass zwischen den USA und China ein Handelskonflikt tobt und Peking durchaus spürbare Vergeltungsmaßnahmen ergreifen könnte.

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Allein im April hat Peking US-Treasuries, wie amerikanische Schuldtitel im Jargon heißen, im Wert von 7,5 Milliarden Dollar abgestoßen. Auf 1,11 Billionen Dollar ist der Bestand gesunken, ein Zwei-Jahrestief. In der Spitze hatten die Chinesen Papiere im Volumen von gut 1,3 Billionen Dollar gehalten.

Für Trump kämen hohe Zinsen zur Unzeit

Die aktuellen Zahlen des amerikanischen Schatzamtes in Washington kommen zu einem kritischen Zeitpunkt. Schließlich ist der Handelskonflikt erst Anfang Mai eskaliert, nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump die Chinesen öffentlich des Vertragsbruchs beschuldigte und neue Zölle auf Produkte aus dem Reich der Mitte verhängte. Etwaige Vergeltungsmaßnahmen sind in den April-Zahlen damit noch nicht enthalten.

TOPSHOT - The Chinese flag flies on the Yalu River Broken Bridge, with the Sino-Korean Friendship Bridge, and the North Korean city of Sinuiju behind, in the border city of Dandong, in China's northeast Liaoning province on February 23, 2019. - North Korean leader Kim Jong Un's train is expected to cross the Friendship Bridge on a journey across China before Kim's summit meeting with US President Donald Trump in Vietnam on February 27. (Photo by GREG BAKER / AFP) (Photo credit should read GREG BAKER/AFP/Getty Images) Getty ImagesGetty Images © AFP/Getty Images TOPSHOT - The Chinese flag flies on the Yalu River Broken Bridge, with the Sino-Korean Friendship Bridge, and the North Korean city of Sinuiju behind, in the border city of Dandong, in China's northeast Liaoning province on February 23, 2019. - North Korean leader Kim Jong Un's train is expected to cross the Friendship Bridge on a journey across China before Kim's summit meeting with US President Donald Trump in Vietnam on February 27. (Photo by GREG BAKER / AFP) (Photo credit should read GREG BAKER/AFP/Getty Images) Getty ImagesGetty Images

Da die Chinesen mit den Amerikanern einen großen Handelsüberschuss erwirtschaften, kann Peking nicht im gleichen Ausmaß Zölle auf US-Produkte erheben. Nicht wenige Experten rechnen daher damit, dass die Kommunistische Partei im Zweifel amerikanische Staatsanleihen verkauft und damit die Zinsen und damit die Finanzierungskosten für Washington in die Höhe treibt.

Für Trump käme das zur Unzeit. Seine Politik aus niedrigeren Steuern und höheren Ausgaben ist auf wohlwollende Investoren angewiesen. Allein in diesem Jahr dürfte das Haushaltsdefizit auf 80 Milliarden Dollar und damit weit über vier Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigen.

China ist der größte Banker Amerikas

Das Geld muss er über neue Anleihen am Markt einsammeln. Dabei läuft die Konjunktur derzeit noch einigermaßen rund. Sollte Amerika aber in die Rezession rutschen, womit viele Experten rechnen, könnte sich die Neuverschuldung durchaus verdoppeln.

Und da kann Trump einen Störenfried China nicht gebrauchen. Denn das Reich der Mitte bleibt trotz der jüngsten Verkäufe noch der größte Banker Amerikas. Japan ist der zweitgrößte ausländische Gläubiger mit US-Schuldtiteln im Wert von 1,06 Billionen Dollar. Auch Tokio hat zuletzt US-Titel verkauft.

Trump hat mit seiner unilateralen Politik viele ausländische Investoren in die Flucht geschlagen. Inzwischen sind die Amerikaner wieder die wichtigsten Halter der eigenen Schulden. Ausländer stellen insgesamt nur noch ein Drittel der Gläubiger.

Sollte die Entwicklung so weitergehen, könnte sich die amerikanische Notenbank gezwungen sehen, das im Jahr 2014 beendete Anleihekaufprogramm wieder aufzunehmen. Die Fed ist noch mit 2,1 Billionen Dollar in amerikanischen Staatsanleihen investiert. In den vergangenen Monaten hat sie sukzessive ihre Positionen abgebaut.

Bislang hat der Konflikt mit China am Anleihemarkt keine Spuren hinterlassen. Im Gegenteil: Aus Angst vor einer Rezession haben vor allem US-Anleger ihr Geld in sichere US-Treasuries gesteckt. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind zuletzt auf 2,04 Prozent und damit den tiefsten Stand seit September 2017 gefallen.

Und noch rechnet niemand ernsthaft damit, dass Peking wirklich die „nukleare Option“ zieht und seine Papiere im ganz großen Stil auf den Markt wirft. Schließlich würde sich das Land selbst schaden, weil der eigene Bestand an Wert verlieren würde.

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