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Coronavirus: Die Gewinner und Verlierer der Coronakrise

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 12.03.2020 Katharina Koerth

Die Corona-Pandemie hat für viele Wirtschaftsbereiche verheerende Folgen. Doch nicht alle Unternehmen leiden unter der Krise - es gibt auch Gewinner. Der Überblick.


Seit Wochen spüren deutsche Unternehmen zunehmend die Folgen des Coronavirus - für die meisten sind sie negativ: Die Nachfrage sinkt, Lieferketten reißen und einige müssen wegen fehlender Aufträge sogar bereits Kurzarbeit anmelden. Doch es gibt auch wirtschaftliche Profiteure der Krise, die ihre Produktion gerade jetzt kräftig hochfahren. Ein Überblick über die Gewinner und Verlierer der Coronakrise.

Die Verlierer

1. Luftfahrt: Flugzeuge am Boden

113 Milliarden Dollar: So hoch könnte der Verlust sein, den die Fluggesellschaften 2020 weltweit im Passagiergeschäft erwarten. 63 Milliarden werden es Prognosen des internationalen Luftfahrtverband IATA zufolge mindestens.

Viele Bürger fliegen aus Angst vor dem Coronavirus nicht mehr in den Urlaub oder können nicht einreisen: Italien hat sich komplett abgeriegelt, Israel weist Touristen aus. Immer mehr Unternehmen streichen Dienstreisen ihrer Mitarbeiter, weltweit werden Messen und andere Großveranstaltungen abgesagt.

Sollten die Airlines insgesamt tatsächlich 113 Milliarden Euro weniger verdienen, würden ihnen 19 Prozent ihres Umsatzes fehlen. In dem vorsichtigeren Szenario von 63 Milliarden Euro würden die Passagierzahlen nur um zehn Prozent zurückgehen und der deutschen Luftfahrt 2,9 Milliarden Euro fehlen. Zahlreiche Airlines haben bereits reagiert, die Lufthansa etwa lässt die Hälfte ihrer Flotte am Boden.

2. Tourismus: Angst vorm Reisen

Weltweit kämpfen derzeit Reisebüros, Hotels, Gaststätten und Sehenswürdigkeiten um Besucher. Viele Menschen bleiben sicherheitshalber zuhause, Sehenswürdigkeiten wie der Petersplatz und der Petersdom werden vorsorglich geschlossen. Experten befürchten, dass die Krise für die Tourismusindustrie so stark werden könnte wie nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Das würde auch die Weltwirtschaft hart treffen, denn der Tourismus ist eine der größten Branchen. Das Volumen des globalen Reise- und Transportgeschäfts wird auf 6,6 Billionen Euro geschätzt, das sind zehn Prozent der Weltwirtschaftsleistung.

In Europa sind besonders Chinesen für ihre Reisefreude bekannt. Das Analyseunternehmen Tourism Economics rechnet jedoch damit, dass sieben bis 25 Millionen Menschen aus China dieses Jahr auf eine Reise verzichten. Darauf aufbauend schätzt die Deutsche Zentrale für Tourismus (DTZ), die im Auftrag der Bundesregierung Deutschland als Reiseziel bewirbt, dass Chinesen in diesem Jahr 17 bis 25 Prozent weniger Übernachtungen hierzulande buchen.

Auffällig ist dabei: Obwohl China bei den Übernachtungen in Deutschland nur auf Platz 12 liegt, geben die Chinesen von allen ausländischen Touristen in Deutschland am zweitmeisten Geld aus. Dieses Geld fehlt dann Restaurants, Souvenir-Shops und Museen. Und die Gäste aus China werden nicht die einzigen sein, die ausbleiben.

Viele Unternehmen stehen damit vor einer existenziellen Bedrohung. Die Bundesregierung hat bereits reagiert und das Kurzarbeitergeld ausgeweitet, um Entlassungen vorzubeugen. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, die Maßnahmen sollten vor allem der besonders betroffenen Tourismus- und Kongressbranche helfen.

Dazu zählen auch Anbieter von Kreuzfahrten. Die "Diamond Princess" von Princess Cruises in Japan traf die Lungenkrankheit Covid-19 besonders hart: Mehr als 700 der rund 3700 Passagiere infizierten sich, sieben starben. Einige Länder in Asien und der Karibik lassen Kreuzfahrtschiffe nicht mehr anlegen, das US-Außenministerium empfiehlt seinen Bürgern sogar, Kreuzfahrten zu stornieren. Der japanische Kreuzfahrtanbieter Luminous Cruise, der Restaurant- und Aussichtstouren anbietet, musste bereits Insolvenz anmelden, weitere könnten folgen. Einige große Reedereien wie TUI Cruises und Costa betonen jedoch, dass es bei ihnen bislang kaum Absagen gebe.

Alles wichtige zum Stand bei Kreuzfahrten lesen Sie hier.

3. Messebetreiber: Nichts geht mehr

Eigentlich wollte Berlin Anfang März auf der internationalen Tourismusmesse ITB 10.000 Aussteller und etwa 160.000 Besucher begrüßen – doch die Veranstalter sagten die Messe wegen des Coronavirus ab. Bis Ende Februar wurden laut einer Datensammlung der Frankfurter m+a Messemedien weltweit bereits 230 Messeveranstaltungen abgesagt oder verschoben. (Hier gibt es einen Überblick über die in Deutschland betroffenen Messen und ihre neuen Termine.)

Der Verband der Deutschen Messewirtschaft (Auma) geht davon aus, dass Messebetreiber und -baufirmen allein durch die bisherigen Absagen und Verschiebungen fast drei Milliarden Euro einbüßen, international sollen es laut dem Weltverband Messewirtschaft mindestens 14 Milliarden Euro sein. In Deutschland sind Auma zufolge mehr als 24.000 Arbeitsplätze betroffen. Nicht eingerechnet sind die Umsätze, die Aussteller sonst auf den Messen umgesetzt hätten – oder die Aufträge, die sie sich gesichert hätten.

4. Konzerte, Theater, Kinos: Pause auf den Bühnen

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Veranstaltern empfohlen, Events mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Während andere Länder wie Italien oder die Schweiz das längst umgesetzt haben, liegt die Entscheidung dazu in Deutschland bei den lokalen Gesundheitsbehörden. Viele Bundesländer haben bereits angekündigt, Spahns Empfehlung umzusetzen.

Theater, Konzertsäle und Opernhäuser bleiben in Teilen des Landes vorerst geschlossen. Das Kölner Gürtzenich-Orchester spielte am Dienstag ein "Geisterkonzert" ohne Zuschauer, das live im Internet übertragen wurde, ebenso Popsänger James Blunt am Mittwochabend in der Hamburger Elbphilharmonie. Konzertveranstalter wie CTS Eventim und Deutsche Entertainment (DEAG) halten jedoch bislang an ihren Großveranstaltungen fest.

Auch Kinos gehören zu den Verlierern der Coronakrise. Ihnen fehlen nicht nur die Besucher, sondern mittlerweile auch Filme: Der neue James Bond soll statt Anfang April erst im November zu sehen sein, über einen Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus wird gemunkelt. Der Kartenvorverkauf für den Agententhriller hatte auch in Deutschland bereits begonnen.

Der Deutsche Kulturrat, ein Zusammenschluss der Bundeskulturverbände, warnt, dass insbesondere kleine Unternehmen und Freiberufler von den Corona-Auswirkungen betroffen seien – sie "verlieren Kunden und können in existentielle Not geraten", heißt es in einer Mitteilung. In Künstlerverträgen sei häufig geregelt, dass Honorare nur gezahlt werden, wenn die Veranstaltung stattfindet. Öffentlich geförderte Kultureinrichtungen fürchten, dass Bund, Länder und Kommunen Gelder zurückfordern könnten. Es bestehe zudem Angst vor Einnahmeausfällen, wenn Besucher wegbleiben.

5. Restaurants und Caterer: Genuss ist erst mal aufgeschoben

Nicht nur viele Touristen meiden derzeit Restaurants, Cafés und Kneipen, sondern auch Einheimische und Geschäftsreisende. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat fast 10.000 Hotels, Eventcaterer und Restaurants zu den Auswirkungen der Coronakrise befragt. Von den teilnehmenden Restaurants meldeten knapp 73 Prozent Umsatzverluste, bei den Caterern waren es fast 85 Prozent, bei den Hotels rund 83 Prozent. Etwa die Hälfte aller befragten Betriebe sprach von Einbußen in Höhe von bis zu 50.000 Euro, die andere Hälfte nannte noch höhere Zahlen.

Etwa 90 Prozent der Betriebe nehmen demnach außerdem einen Rückgang der Neubuchungen um durchschnittlich 38 Prozent wahr. Derzeit würden vor allem Firmen absagen, aber auch die private Nachfrage gehe zurück.

Besonders hart trifft es die Gastronomie in Italien: Die Regierung teilte am Mittwochabend mit, alle Restaurants und Bars für vorerst zwei Wochen zu schließen. Das betrifft auch den gesamten Einzelhandel bis auf Supermärkte und Apotheken.

6. Sportveranstalter: Leere Ränge, abgesagte Spiele

Zum ersten Mal in der Geschichte der 1. Bundesliga wird es am kommenden Spieltag ausschließlich Spiele ohne Zuschauer geben: Auch das Revierderby Borussia Dortmund gegen Schalke 04 wird vor leeren Rängen stattfinden. Dasselbe gilt für das Länderspiel Deutschland gegen Italien am 31. März.

Auch das umstrittene Spiel 1. FC Union Berlin gegen Bayern München soll nun doch ein "Geisterspiel" werden . Zuvor hatte der Berliner Vereinspräsident Dirk Zingler an Zuschauern festgehalten und das mit Geldsorgen begründet: "Uns wird die Unternehmensgrundlage entzogen", sagte Zingler. "Herr Spahn hat ja auch nicht empfohlen, dass BMW in Marienfelde die Produktion einstellt, deshalb kann er uns auch nicht empfehlen, dass wir unseren Betrieb einstellen." Ein Heimspiel in der ersten Bundesliga bringt einem Verein allein durch die Zuschauer locker Einnahmen in Höhe von einer Million Euro.

Auch abseits vom Fußball müssen sich deutsche Sportvereine auf geringere Einnahmen einstellen: In der Deutschen Eishockey Liga wurde die Saison vor den Playoffs beendet, es wird keinen deutschen Meister 2020 geben. Der Weltcup der Säbelfechter in Tauberbischofsheim wurde gestrichen, ebenso die German Open im Badminton in Mülheim.

Sportler sorgen sich nun, dass auch die Olymischen Sommerspiele in Tokio abgesagt werden könnten – für den dortigen Tourismus und die öffentliche Hand, die mehr als 20 Milliarden Dollar für den Bau von Stadien und das Drumherum ausgibt, wäre das ein Fiasko.

7. Banken: Die Welle der faulen Kredite

Als an diesem Montag der Dax crashte, verlor die Aktie der Deutschen Bank in den ersten Handelsminuten rund 17 Prozent an Wert. Zum Handelsschluss betrug das Minus noch immer fast 14 Prozent. Der Wert der Commerzbank-Aktie im MDax sank um knapp 15 Prozent. Anleger stoßen Bank-Aktien derzeit ab, weil sie die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus fürchten. Sollte Deutschland in eine Rezession rutschen, könnten deutlich mehr Unternehmen pleitegehen – Kreditausfälle wären die Folge.

Nun schauen Banken und Investoren gespannt auf die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Der Leitzins in der Eurozone liegt bereits bei null. Beobachter rechnen deshalb damit, dass die Notenbank ihre Anleihekäufe ausweitet und eventuell den Strafzins erhöht, den Geschäftsbanken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Das soll ein Anreiz für Unternehmen sein, mehr Kredite an Unternehmen auszugeben und so die Konjunktur zu stärken.

8. Unternehmen mit globalen Lieferketten: Es hakt

Ob Textilwirtschaft oder Autoindustrie: Unternehmen, die ihre Produkte in Asien herstellen lassen oder von dort Vorprodukte beziehen, haben derzeit ein Problem. Denn die Lieferketten stocken. Rund 90 Prozent des Welthandels werden über den Seeweg abgewickelt, doch die Container stauen sich derzeit in China – dort liegen sieben der zehn größten Containerhäfen der Erde und es fehlen Arbeiter für den Transport von Waren. Nikon musste wegen fehlender Teile die Markteinführung seiner nächsten Profikamera Modell D6 verschieben, in Deutschland und weltweit klagen Textilhändler über Umsatzeinbußen. Für die Autobranche ist China der wichtigste Absatzmarkt, im Februar brach er nahezu zusammen. Immerhin: In Wuhan, Ursprung der globalen Krise und Standort vieler Zulieferer, dürfen wichtige Unternehmen wieder produzieren. Bis die Lieferketten wieder reibungslos laufen, dürfte es noch Monate dauern.

9. Ölkonzerne: So billig wie lange nicht mehr

Immer stärker kürzen Luft- und Schifffahrt ihr Angebot, Fabriken stehen still. In der Folge ist die globale Nachfrage nach Erdöl gesunken. Um die Preise dennoch hochzuhalten, wollten die Organisation ölexportierender Länder (Opec) und Russland wie bereits in den vergangenen Jahren die Fördermengen gemeinsam kürzen - doch die angestrebte Einigung scheiterte. Russland weigerte sich, seine Förderung drastisch zurückzufahren.

Seitdem tobt ein Machtkampf zwischen dem Land und Opec-Anführer Saudi-Arabien. Das Königreich hat seine Produktion zuletzt sogar erhöht und den Ölpreis damit weiter gedrückt. Dadurch geraten auch kleine und mittlere Ölförderer in den USA in Bedrängnis, die oft hoch verschuldet sind. Einige könnten insolvent gehen.

Die Gewinner

1. Desinfektionsmittelhersteller: Sprühen und Reiben ist angesagt

Sie sind einer der wohl offensichtlichsten Profiteure der Coronakrise: Hersteller von Desinfektionsmitteln. Sei es Flächendesinfektion in Büros oder Handdesinfektion: Die Mittel sind so stark nachgefragt, dass sie vielerorts ausverkauft sind. Viele Fabriken haben weltweit ihre Produktion erhöht. Angestellte machen Überstunden und arbeiten am Wochenende.

Wie stark das Umsatzplus der Desinfektionsmittelhersteller sein wird, ist noch nicht klar. Aber die Aktienkurse einiger Hersteller, darunter Reckitt Benckiser (Sagrotan), Paul Hartmann (Sterilium) und Clorox (das US-Pendant zu Sagrotan), zogen stark an, bevor sie in den Abwärtsstrudel des Börsencrashs gerieten.

2. Hersteller von Schutzkleidung: Sicherheit hat ihren Preis

Neben Desinfektionsmitteln sind Atemmasken und Schutzanzüge derzeit stark gefragt. Auch hier kommt es zu Lieferengpässen. Das liegt nicht nur an der starken Nachfrage, sondern auch daran, dass viele der Produkte in China gefertigt werden. Viele Unternehmen fahren deshalb ihre Produktion außerhalb Chinas hoch: Die Fabriken in Schweden und Südafrika seien voll ausgelastet, teilt der deutsche Medizintechnikhersteller Drägerwerk mit. Auch der weltweit führende Hersteller von Schutzanzügen, Dupont, spricht von einer erhöhten Nachfrage. Der Aktienwert des kleinen kanadischen Schutzkleidungsherstellers Alpha Pro Tech vervierfachte sich innerhalb kurzer Zeit, bevor er am Crash-Montag wieder sank.

3. Apotheken und Drogeriemärkte: Her mit dem Zeug

Nicht nur die Produzenten, auch die Händler von Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung profitieren von der Coronakrise. Dazu gehören Apotheken, aber auch Drogeriemärkte wie dm und Rossmann. Details wollen die Drogeriemärkte nicht nennen, sie sprechen Zeitungen gegenüber aber von einer erhöhten Nachfrage in bestimmten Produktbereichen.

Apotheken dürfen in Deutschland wegen der Lieferengpässe inzwischen selbst Handdesinfektionsmittel auf Basis von Industriealkohol herstellen. Das sei aber auch ein "zusätzlicher Belastungsfaktor", schreibt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), denn die Desinfektionsmittelherstellung sei ein "enormer Mehraufwand, der in den Apotheken viel Zeit kostet und Personal bindet".

4. Pharma und Biotech: Der Wettlauf um den Impfstoff

Wie stark sich das Coronavirus ausbreitet, hängt auch davon ab, ob schnell ein wirksamer Impfstoff gefunden werden kann. Weltweit arbeiten Wissenschaftler in Unternehmen und Forschungsinstituten daran. Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) spricht auf seiner Website von 16 Projekten und neun Unternehmen, die an einem Impfstoff forschen. Drei der Unternehmen – CureVac aus Deutschland sowie Moderna und Inovio aus den USA, würden finanziell durch die Allianz CEPI unterstützt, der neben der WHO und der EU-Kommission auch private Geldgeber angehören.

Weil die Entwicklung eines Impfstoffs jedoch wohl noch dauert, werden auch Medikamente gegen Covid-19 erprobt. Insgesamt kennt der vfa mehr als ein Dutzend Projekte zur Medikamentenentwicklung gegen Covid-19. Das US-Pharma- und Biotechunternehmen Gilead Sciences testet gerade den Wirkstoff Remdesivir. Das japanische Unternehmen Takeda will aus dem Blut von Menschen, die das Virus überstanden haben, ein ganz neues Medikament entwickeln. Die Aktien beider Unternehmen zogen vor dem Börsencrash stark an – am Ende profitieren aber wahrscheinlich vor allem die Unternehmen, die ihr Produkt schnell auf den Markt bringen. Bei Pharma- und Biotechfirmen, die solche Forschungsrennen verlieren, fallen die Aktienkurse im Nachhinein oft stark.

5. Lebensmittelhersteller und -händler: Hamstern belebt das Geschäft

Seit Wochen häufen sich Berichte über leere Regale in Supermärkten. Die Angst vor dem Coronavirus treibt viele Deutsche zu Hamsterkäufen. Besonders Hersteller von Konserven und haltbaren Lebensmitteln dürften davon profitieren: Im Lebensmitteleinzelhandel sind die Verkaufsumsätze mit Fertigsuppen dem Forschungsinstitut GfK zufolge um 112 Prozent im Vergleich zur Vorwoche gestiegen. "Solche Ausschläge haben wir sonst nirgends", sagte GfK-Experte Robert Kecskes.

Bei Fisch- und Obstkonserven habe der Anstieg jeweils 70 Prozent betragen, bei Teigwaren wie Nudeln 73 Prozent. Gemüsekonserven gingen um 80 Prozent in die Höhe. Der gesamte Lebensmitteleinzelhandel habe damit in der vorigen Woche über alle Waren ein Plus von 14 Prozent verzeichnet.

Ob sich das Plus auch langfristig hält oder die Nachfrage nach diesen Produkten nur vorgezogen wurde, muss sich noch zeigen. In einigen Bundesländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen dürfen Lkw, die Lebensmittel oder Hygieneprodukte transportieren, jetzt auch sonntags fahren, um den Nachschub zu sichern. Einige Tafeln beklagen bereits, dass für bedürftige Menschen weniger Lebensmittel übrig blieben.

Neben den Supermarktfilialen freuen sich Online-Lieferdienste für Lebensmittel über die hohe Nachfrage. Bislang werden sie in Deutschland noch nicht von der breiten Masse genutzt. In Berlin berichten Kunden nun, dass die Termine der Lieferservices von Rewe und Edeka über Tage ausgebucht sind. Die Aktie des Berliner Essenslieferanten Delivery Hero legte zwischen Mitte Dezember und Mitte Februar rund 64 Prozent zu.

6. "Stay at home"-Anbieter: Netflix und Co. verdienen an der Quarantäne

Wenn es um Gewinner der Coronakrise geht, macht derzeit eine Wortneuschöpfung von Börsenanalysten die Runde: "Stay at home stocks", zu Deutsch in etwa: Zuhausebleiben-Aktien. Damit sind die Aktien von Unternehmen gemeint, die die Corona-Quarantäne zu Hause oder das vorsorgliche Homeoffice angenehmer machen. Der Streaminganbieter Netflix gehört ebenso dazu wie Videokonferenzanbieter Zoom, die Teamkommunikations-App Slack oder der deutsche Screen-Sharing-Dienst Teamviewer. Zoom soll in diesem Jahr bereits jetzt mehr neue Nutzer gewonnen haben als im gesamten Jahr 2019. Insbesondere in den USA könnten Unternehmen im "Stay at home"-Bereich profitieren.

Unklar ist, wie sich das Coronavirus auf Onlinehändler auswirkt. Über Amazon dürften viel Desinfektionsmittel und Atemmasken verkauft worden sein – teils zu horrenden Preisen. Ob Menschen in Quarantäne aber auch zu mehr Onlineshopping abseits von Corona-Prävention neigen, muss sich noch zeigen. Der Onlineversandhandel Otto teilt dazu mit, man könne noch keine verbindliche Auskunft geben, weil es parallel auch Sonderaktionen oder explizite Bewerbungen für bestimmte Produktgruppen gebe. Anders sieht es in Italien aus: Wenn in den kommenden zwei Wochen alle Geschäfte bis auf Supermärkte und Apotheken schließen, könnte das dem Onlinehandel zugutekommen.

7. Finanzhäuser: Verkaufen! Kaufen! Verkaufen!

Wenn die Aktienkurse stark schwanken, wickeln Broker mehr Transaktionen ab – dementsprechend steigen die Umsätze. In den vergangenen Wochen bewegten sich weltweit die großen Indizes wie der Dax, der Dow Jones, der NASDAQ oder der FTSE stark – davon dürften auch die Handelshäuser profitiert haben.

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