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Das Schattenreich des Nutella-Milliardärs: Wie Giovanni Ferrero mit Steuertricks zu einem der reichsten Menschen der Welt wurde

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 10.08.2021 Business Insider Deutschland

Nach dem Tod des Ferrero-Patriarchen Michele Ferrero im Jahr 2015 trauten wenige seinem Sohn Giovanni die Führung des Konzerns zu. Sein Bruder Pietro galt als designierter Nachfolger, erlitt jedoch 2011 bei einem Fahrradausflug in Südafrika einen Herzinfarkt und starb. Giovanni, der in den USA Marketing studiert hat und sich nebenbei auch als Schriftsteller versucht, hat den Süßwarenkonzern in eine neue Ära geführt. Ab 2015 tätigte er eine Reihe von Übernahmen, angefangen mit dem britischen Süßwarenhersteller Thorntons bis hin zur Süßwarensparte von Nestlé für knapp 2,3 Milliarden Euro oder dem Keksgeschäft von Kellogg's für 1,2 Milliarden. Wie das „Manager Magazin“ berichtet, treibt das die Umsätze an – bei rückläufigem Nettogewinn und steigenden Schulden.

Dass sich der Konzern die Expansionsstrategie trotzdem leisten kann, liegt dem Wirtschaftsmagazin zufolge auch an geschickten Steuertricks und Gewinnverschiebungen innerhalb der verschachtelten Konzernstruktur. Zum einen habe Ferrero selbst ein verborgenes zweites Imperium aufgebaut. Ein Teil der zugekauften Unternehmen sei nämlich nicht direkt beim Süßwarenhersteller gelandet, sondern in einer zweiten privaten Gesellschaft Giovanni Ferreros, der CTH Invest. Zum anderen sei auch die Unternehmensstruktur im Hauptarm verschachtelt: Über mehrere Holdings mit Kreditforderungen an die Tochterfirmen würde das Geld geschickt hin- und hergeschoben.

Einige Zukäufe landen in Zweitkonzern

Bei der CTH Invest landeten laut „Manager Magazin“ vor allem die Gebäck- und Fruchtgummihersteller Ferrera, Delacre und Kelsen. Gegründet wurde die Holding offiziell im August 2016 in Belgien. Aber schon vorher firmierte sie auf Tortola, der größten Britischen Jungferninsel, unter dem Namen CDM International Holding. Später wurde sie nach Luxemburg verlegt und dann mit der CTH verschmolzen, die laut „Manager Magazin“ mittlerweile über ein Anlagevolumen von rund drei Milliarden Euro verfügt. Geschäftsführerin ist offiziell die Frau von Giovanni Ferrero, Paola Rossi, die hauptberuflich für die EU-Kommission arbeitet.

Um das ganze noch komplizierter zu machen: Ferrera, Delacre und Co. gehören der CTH Invest nicht direkt an, sondern über zwischengeschaltete Tochterfirmen. Ferrera beispielsweise untersteht laut „Manager Magazin“ der Pontiac Holdco Inc., die in der US-amerikanischen Steueroase Delaware sitzt. Bisher sei das Zweitimperium jedoch nicht profitabel: Im Jahr 2019 habe es einen Verlust in Höhe von 22 Millionen Euro verzeichnet.

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Verschachtelte Konzernstruktur und dubiose Zinszahlungen in die Karibik

Ähnlich funktioniert der Unternehmensaufbau im Hauptarm des Konzerns. Die Zentrale des Süßwarenriesen liegt in Luxemburg. Dort firmiert nämlich die Ferrero International S.A., die Holding des Imperiums, in einem beeindruckenden Gebäudekomplex. Laut „Manager Magazin“ ist aber die Schenkenberg S.A. die eigentliche Dachgesellschaft. Sie sei ebenfalls in Luxemburg ansässig – operiere aber eher im Verborgenen und unterhalte Verbindungen zu Briefkastenfirmen auf der anderen Seite des Atlantiks.

Auch in diesem Fall trifft es die Britischen Jungferninseln. Die „Lebensmittelzeitung“ (LZ) hatte im letzten Jahr aufgedeckt, dass dort die Holding-Back Ltd. ihren Sitz hatte, eine Firma mit engen Beziehungen zum Ferrero-Konzern. Zu den Geschäftsführern des Unternehmens in der Karibik hätten nämlich mehrere Manager des Family Offices Fedesa gehört, das von Monaco aus das Vermögen der Familie Ferrero verwaltet. Die Holding-Back saß der Zeitung zufolge „in einem unscheinbaren Büro“ des Finanzdienstleisters Citco und hielt offene Forderungen in Höhe von etwa 5,64 Milliarden Euro gegenüber der Schenkenberg S.A. – fast die Hälfte der Bilanzsumme des Ferrero-Konzerns im Geschäftsjahr 2018/19. Dem „Manager Magazin“ zufolge zahlte Ferrero Zinsbeträge in Millionenhöhe auf die Jungferninseln – bis die Holding-Back nach den Enthüllungen kommentarlos mit der Schenkenberg S.A. verschmolz.

Interne Kreditvergabe als Erfolgsmodell

Dieses Kreditvergabemodell macht immer noch maßgeblich den Erfolg des Unternehmens aus, so das „Manager Magazin“ weiter. So gebe die Schenkenberg S.A. der Ferrero International S.A. Milliardenkredite und die verfahre mit ihren Tochterfirmen genauso. So würden letztlich Gewinne hin und her geschoben. Bei Ferrero sei das Verfahren so beliebt, dass selbst wichtige Zweige wie die Ferrero Middle and Eastern Europe GmbH „aussehen wie Pleitebuden“, so das Wirtschaftsmagazin.

Auch die Zahlen dürften verwundern: Während der Umsatz bei 5,1 Milliarden Euro steht, habe das Unternehmen 3,2 Milliarden Euro Schulden, so das „Manager Magazin“. Und trotz eines Jahresüberschusses von nur 121 Millionen Euro schütte die Gesellschaft Vorabdividenden in Höhe von 340 Millionen Euro aus. Die Ferrero-Familie selbst habe sich 2020 eine Dividende von 642 Millionen Euro ausgezahlt – und auf dieselbe Weise über die Jahre mehrere Milliarden gesammelt.

Ob sich die Zukaufstrategie auszahlt, wird sich zeigen. Als Geldquelle für die Familie scheint der Konzern aber fröhlich vor sich hin zu sprudeln.

sb

Italy, Alba: Giovanni Ferrero © Picture Alliance Italy, Alba: Giovanni Ferrero
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