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Der große Ölpreis-Poker - verzockt sich Trump?

WELT-Logo WELT 07.12.2018
(FILES) In this file photo taken on February 18, 2015 Picture taken on February 18, 2015 shows facilities of Novoprtovskoye oil and gas condensates oilfield of Russian gas and oil giant Gazprom at Cape Kamenny in the Gulf of Ob shore line in the south-east of a peninsular in the Yamalo-Nenets Autonomous District, 250 km north of the town of Nadym, northern Russia. For the first time "Gazprom Neft" company implemented winter shipment of oil by sea from Novoportovskoye deposit located on the Yamal Peninsula. The first batch of raw materials in the amount of 16 thousand tons was sent to European consumers by two tankers accompanied by an icebreaker. AFP PHOTO / ANDREY GOLOVANOV - OPEC members and other oil-producing countries convene in Vienna this week December 2018 to discuss cutting their output targets, torn between plunging oil prices and pressure from the United States to keep prices low. Under the watchful eye of major producers such as Saudia Arabia and Russia, delegates from both the Organization of Petroleum Exporting Countries and around 10 other non-OPEC members -- which together account for more than half of total global output -- will first hold preparatory meetings earlier in the week and then full plenary sessions on Thursday and Friday. (Photo by Andrey GOLOVANOV / AFP) © AFP (FILES) In this file photo taken on February 18, 2015 Picture taken on February 18, 2015 shows facilities of Novoprtovskoye oil and gas condensates oilfield of Russian gas and oil giant Gazprom at Cape Kamenny in the Gulf of Ob shore line in the south-east of a peninsular in the Yamalo-Nenets Autonomous District, 250 km north of the town of Nadym, northern Russia. For the first time "Gazprom Neft" company implemented winter shipment of oil by sea from Novoportovskoye deposit located on the Yamal Peninsula. The first batch of raw materials in the amount of 16 thousand tons was sent to European consumers by two tankers accompanied by an icebreaker. AFP PHOTO / ANDREY GOLOVANOV - OPEC members and other oil-producing countries convene in Vienna this week December 2018 to discuss cutting their output targets, torn between plunging oil prices and pressure from the United States to keep prices low. Under the watchful eye of major producers such as Saudia Arabia and Russia, delegates from both the Organization of Petroleum Exporting Countries and around 10 other non-OPEC members -- which together account for more than half of total global output -- will first hold preparatory meetings earlier in the week and then full plenary sessions on Thursday and Friday. (Photo by Andrey GOLOVANOV / AFP)

In Wien tagen die Ölförderländer und Russland. Sie wollen die Produktion kürzen, um die Preise wieder nach oben zu treiben. Einer, der gar nicht dabei ist, versucht das zu verhindern – und könnte sich dabei verkalkulieren.

Der Kronprinz erhob seine Hand und streckte sie in die Höhe, sein Gegenüber tat es ihm gleich und sie schlugen kraftvoll ein. "High Five" nennen das die Amerikaner. Praktiziert haben es beim zurückliegenden G-20-Treffen in Buenos Aires jedoch der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman und der russische Präsident Wladimir Putin, die fortan grinsend und schäkernd nebeneinander saßen. Wüsste man es nicht besser, hätte man sie für ein Liebespaar halten können.

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Doch hier fanden nicht nur zwei Parias zusammen, die in der Weltöffentlichkeit unter dem Verdacht der Anstiftung zum Mord einerseits und der Kriegstreiberei andererseits stehen. Hier trafen sich zwei kühl kalkulierende Spieler, die um Macht und Einfluss pokern und wissen, dass sie zusammen mehr erreichen. Und jetzt, beim Opec-Gipfel in Wien am Donnerstag und Freitag, können ihre Hilfstruppen dabei die nächsten Schachzüge machen. Von außen spielt jedoch noch ein Dritter mit: Donald Trump. Auch er hat diverse Druckmittel, könnte sich am Ende jedoch verzocken.

Am Donnerstag wurden in Wien noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen, doch die Opec-Staaten sollen sich prinzipiell darauf geeinigt haben, die Förderung zu drosseln. Allerdings will vor allem Saudi-Arabien erreichen, dass auch Russland etwas dazu beizusteuert. Ob Moskau dazu bereit ist, wird erst am Freitag geklärt.

ARCHIV - 23.09.2018, Algerien, Algier: Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo (l) und der Khalid al-Falih (M), Energieminister von Saudi-Arabien, sprechen bei einer Pressekonferenz. (zu dpa «Ölkartell Opec verhandelt in Wien - Kommt ein neues Förderlimit?» vom 06.12.2018) Foto: yk/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © dpa ARCHIV - 23.09.2018, Algerien, Algier: Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo (l) und der Khalid al-Falih (M), Energieminister von Saudi-Arabien, sprechen bei einer Pressekonferenz. (zu dpa «Ölkartell Opec verhandelt in Wien - Kommt ein neues Förderlimit?» vom 06.12.2018) Foto: yk/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Schon seit Ende 2016 hat sich Russland mit der Opec informell verbündet – Opec+ nennt sich dieses Bündnis. Und es war seither recht erfolgreich. Ende 2016 beschloss man gemeinsam, die Förderung deutlich zu kürzen und – das war das eigentlich Neue für die Opec – sich auch daran zu halten. Die Folge: Die Preise für Rohöl stiegen tatsächlich deutlich. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 60 Dollar, 70 Dollar, 80 Dollar, Anfang Oktober sogar fast 85 Dollar.

Dann intervenierte jedoch Donald Trump bei seinen Freunden in Riad, denn er fürchtete negative Auswirkungen auf das Wachstum. Folglich weiteten die Öl-Förderländer die Produktion erneut aus und der Preis fiel wieder, allein in den vergangenen zwei Monaten um ein Drittel auf unter 60 Dollar.

© Infografik WELT

Trump droht der Opec

Doch das bringt inzwischen nicht nur viele Ölförderländer wirtschaftlich in Bedrängnis. Gleichzeitig hat sich zuletzt die politische Großwetterlage deutlich verändert. Seit der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi gehen große Teile der Öffentlichkeit und auch der Politik in Washington auf Distanz zu Saudi-Arabien. Zwar hält Trump noch zu seinen Freunden in Riads Palästen, doch der Druck auf ihn wird größer. In dieser Situation war der demonstrativ freundliche Handschlag zwischen dem Kronprinzen und Putin natürlich eine politische Demonstration, nach dem Motto: Ich habe Alternativen.

Diese liegt beispielsweise darin, zusammen mit Putin eine deutliche Einschränkung der Förderung zu beschließen und so die Preise wieder in die Höhe zu treiben. Das deutete vor einigen Tagen auch schon Russlands Energieminister Alexander Nowak an, als er davon sprach, man werde koordinierte Entscheidungen fällen, "die dem Ölmarkt nutzen." Und sein saudi-arabischer Kollege erklärte, dass man "Stabilität in den Markt zurückbringen" werde.

Trump reagierte prompt und forderte die Opec und Russland per Twitter auf, nichts dergleichen zu tun. Und er hat dabei noch einen Trumpf in der Hand: Seit dem Sommer wird in den USA die Reaktivierung eines Gesetzes erwogen, das den US-Behörden erlauben würde, Opec-Staaten zu verklagen. Denn Kartelle sind in den USA – und nicht nur dort – eigentlich verboten, und die Opec ist ein Kartell. Für die Opec hatte man nur bislang eine Ausnahme gemacht.

Fiele diese weg, dann könnten US-Richter gegen die Opec-Mitglieder und ihre Firmen vorgehen. Wie das funktioniert, zeigten die US-Behörden zufälligerweise wenige Stunden vor Beginn des Opec-Treffens am Beispiel des chinesischen Huawei-Konzerns. Dessen Finanzchefin wurde in Kanada auf US-Betreiben verhaftet, offenbar wegen Verstoßes gegen die amerikanischen Iran-Sanktionen. Ähnliches könnte bald Opec-Vertretern blühen.

Es sei denn die Opec und Russland spuren und lassen von Förderkürzungen doch ab. Und manches spricht dafür. Das sähe dann zwar auf den ersten Blick wie ein Nachgeben gegenüber Trump aus, würde diesem aber letztendlich doch eher schaden. Denn der US-Präsident hat offenbar eine Tatsache vergessen: Die USA ist inzwischen selbst der zweitgrößte Ölproduzent der Welt, knapp hinter Russland und vor Saudi-Arabien. Ein tiefer Ölpreis mag daher zwar einigen US-Sektoren helfen, der Ölindustrie würde er jedoch schaden.

Und nicht nur ihr, glaubt Jan Edelmann, Rohstoffexperte bei der HSH Nordbank. "Die Investitionstätigkeit des US-Schieferölsektors steht für gut fünf Prozent des BIP-Wachstums in den vergangenen drei Quartalen", sagt er. Betrachtet man die Investitionstätigkeit privater Unternehmen, steht diese Branche sogar für 15 Prozent des Zuwachses. Ein Abbremsen dieser Investitionen hätte also unmittelbare negative Folgen für das US-Wirtschaftswachstum.

Doch damit nicht genug. Der US-Energiesektor steht für gut 17 Prozent sogenannten High-Yield-Anleihen in den USA, also Anleihen mit schlechter Bonität, die dafür aber relativ hohe Zinsen abwerfen. "Ab 2019 steht hier eine Welle der Refinanzierung an", sagt Edelmann. Diese dürfte angesichts der deutlich gestiegenen Zinsen ohnehin schon teuer werden, bei einem niedrigen Ölpreis wird es jedoch umso schwieriger für die Firmen, noch Geldgeber zu finden. "Diese möglichen Refinanzierungsherausforderungen dürften sich allerdings nicht nur auf den Energiesektor beschränken, sondern könnten auch leicht auf den Nicht-Energiesektor überschwappen, mit negativen Folgen für die US-Wirtschaft insgesamt", warnt Edelmann.

Am Ende könnte Trump daher zwar vielleicht gewinnen und Förderkürzungen verhindern. Doch mittelfristig dürfte dies der US-Wirtschaft auf die Füße fallen. Und seine beiden Kontrahenten in Riad und Moskau dürfen sich in die Hände klatschen.

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