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Der Netzausbau nimmt Fahrt auf

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 11.05.2021 RP ONLINE

Düsseldorf/Duisburg. In den vergangenen Monaten erhielten 1,4 Millionen Haushalte einen Gigabit-Anschluss, Ende des Jahrzehnts könnten fast alle Bürger superschnell im Internet surfen. Die Branche fordert Gutscheine für Bürger, um weitere Investitionen anzuregen. Das von der Berliner Politik beschlossene Recht auf schnelles Internet sei Unsinn.

Von Reinhard Kowalewsky Düsseldorf/Duisburg Bis Ende dieses Jahres haben mehr als zwei Drittel der Haushalte in Deutschland die Möglichkeit, einen superschnellen Onlinezugang mit einem Tempo von bis zu einem Gigabit/Sekunde (1000 Megabit) zu buchen. Aktuell liegt der Anteil mit 29,3 Millionen Anschlüssen bei 62 Prozent der 41,9 Millionen Haushalte. Ende 2020 lag der Wert noch bei 1,4 Millionen weniger. Dies sind Ergebnisse einer Studie des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), die am Dienstag vorgestellt wurde. „Der Ausbau der Gigabit-Netze kommt schneller voran als viele denken“, sagt Studienautor Torsten Gerpott, Wirtschaftsprofessor an der Uni Duisburg-Essen. VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner rechnet mit Zunahme des Tempos: „Die Telekom-Wettbewerber wollen in den nächsten Jahren rund 20 Milliarden Euro in neue Netze stecken. Die Telekom selbst will jedes Jahr zwei Millionen neue Glasfaseranschlüsse legen. Bis 2030 rechne ich mit einer Versorgung von rund 97 Prozent mit Gigabit-Anschlüssen.“ Sowohl bei Kabelangeboten wie bei der überlegenen Glasfasertechnik ist das Wachstum sichtbar: So gab es Ende 2020 in Deutschland 5,1 Millionen Glasfaseranschlüsse direkt ins Haus, aktuell sind es bereits knapp sechs Millionen. Das bedeutet ein Plus um fast 16 Prozent– nicht zuletzt durch viele Bauprojekte der auch am Niederrhein tätigen Deutsche Glasfaser. Bei den Kabelanschlüssen legte die Zahl der Gigabit-Anschlüsse in sechs Monaten um rund 600.000 auf 23,3 Millionen zu. Hauptanbieter Vodafone hat seine Aufrüstungsoffensive der Kabelnetze auf die Technik Docsis 3.1. praktisch abgeschlossen. „Mit fast 23 Millionen Gigabit-Anschlüssen sind wir der größte Gigabit-Baumeister in Deutschland“, so Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter. „Wir machen das Gigabit vom Luxus- zum Massenprodukt.“ Ganz so reibungslos läuft die Offensive der Netzbetreiber aber nicht. Denn obwohl fast zwei Drittel der Bürger einen superschnellen Online-Zugang buchen könnten, liegt die tatsächliche Nutzung viel niedriger. Von allen 29,3 Millionen Gigabit-Anschlüssen sind erst 37,1 Prozent vermarket, bei den Kabelanschlüssen sind es immerhin 37,5 Prozent, bei steigender Tendenz. „Der Hunger nach Bandbreite ist groß“ ,sagte Ametsreiter. „Wenn Mutter, Vater und Kind gleichzeitig per Videokonferenz kommunizieren, buchen die Bürger schnellere Verträge.“ Zweischneidig ist die Lage bei den reinen Glasfaseranschlüssen. Die Telekom-Wettbewerber wie Deutsche Glasfaser haben von ihren 3,7 Millionen Anschlüssen knapp 40 Prozent vermarktet, weil sie bevorzugt in Regionen abseits der Städte investieren. Dort sind Bürger froh über Alternativen zum dort manchmal noch sehr lahmen DSL der Telekom. Der Ex-Monopolist hat seine 2,3 Millionen Glasfaseranschlüsse dagegen eher in Gebieten gelegt, die bereits gut mit DSL oder per Kabel versorgt sind. Er hat darum nur für 29 Prozent der Anschlüsse (700.000) einen Vertrag abgeschlossen; rund 1,6 Millionen Glasfaseranschlüsse der Telekom werden trotz Investitionskosten von oft rund 1500 Euro pro Anschluss nicht genutzt. Die Vermarktungsschwäche ist angesichts der Preisstruktur kein Wunder: Ein Glasfaservertrag der Telekom wird mit mindestens 59,95 Euro im Monat berechnet bei 500 Megabit. Ein Gigabit-Anschluss verschlingt 79,95 Euro im Monat. Bei Vodafone kostet ein Gigabit aber nur 49,99 Euro bei allerdings weniger guter Qualität, weil sich bei Kabelnetzen mehrere Familien die Zugangs-Leitungen teilweise teilen. Wie geht es weiter? Vodafone beklagt, dass die Telekom ihre neuen Glasfasernetze in Konkurrenz zum Kabelnetz legt, Ökonom Gerpott sieht das locker: „Wettbewerb hat nie geschadet“, sagt er. Die Branche inklusive Telekom drängt darauf, dass der Staat es durch einfachere Bauvorschriften erleichtert, Glasfasernetze zu legen, aber hier hat die Bundestagsmehrheit von CDU/CSU und SPD mit einem neuen Gesetz enttäuscht. Wenig hält die Branche von immer komplizierteren Förderprogrammen des Bundes. Um den Ausbau voranzutreiben, sollten Bürger Gutscheine erhalten, mit denen diese das Legen eines neuen Glasfaseranschlusses mitfinanzieren. Der Bund hat jüngst einen Rechtsanspruch auf schnelles Internet beschlossen, Grützner spottet: „Das bringt niemandem etwas, das ist politisches Geklapper. Kein Bagger legt eine Glasfaserleitung schneller wegen dieses Gesetzes.“

Video: München bleibt EM-Austragungsort (glomex)

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