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Deutscher Milliardärs-Clan: Wer sind die Reimanns?

Finanzen.net-Logo Finanzen.net 03.02.2018 finanzen.net
© KAZUHIRO NOGI/AFP/GettyImages

Das Reimann-Imperium

Kaffee, Parfum oder Reinigungsmittel - all das gehört zur Palette der reichsten Familie Deutschlands. Und hier ist auch schon das Erfolgsgeheimnis der Milliardärsfamilie: Sie investieren in Marken, die fast jeder kennt. Doch wer sind die Reimanns eigentlich? Kaum einer kennt sie. Die Reimanns sind Deutschlands reichste und zugleich unbekannteste Milliardärsfamilie. Zu ihr gehören vier Familien - die Geschwister Renate Reimann-Haas und Wolfgang Reimann sowie deren Halbbrüder Stefan und Matthias Reimann-Andersen - mit insgesamt zehn Kindern. Zusammen verfügen sie über ein Vermögen von rund 33 Milliarden Euro. Im Oktober vergangenen Jahres wurde die Familie, die ursprünglich aus der Gegend rund um Mannheim und Heidelberg stammt, damit zur reichsten Familie des Landes erklärt. Das ergab eine Vermögensaufstellung der 1.001 reichsten Deutschen, die das "Manager Magazin" veröffentlichte. Damit verdrängten sie die BMW-Erben Stefan Quandt und Susanne Klatten von Platz eins. Viel ist über diese geheimnisvolle Familie aber nicht bekannt. Sie geben keine Interviews und ziehen sich auch generell sehr aus der Öffentlichkeit zurück. Alle vier Geschwister sollen wohl eine naturwissenschaftliche Ausbildung haben. Insidern zufolge leben sie gut, aber nicht luxuriös. Darüber hinaus sind wenige Informationen bekannt.

Wie wurden die Reimanns superreich?

Alles begann Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals gründete Johann Adam Benckiser zusammen mit dem Chemiker Karl Ludwig Reimann einen Chemiekonzern in Pforzheim. Zu ihren Produkten zählten Reinigungsmittel auf Basis von Zitronensäure. Der beispiellose Aufstieg begann. Als Benckiser stirbt, wird Reimann Alleininhaber des Konzerns und bringt diesen nach Ludwigshafen. 1923 kommt Ur-Ur-Enkel Albert Reimann in das Unternehmen und erfindet Produkte wie den Wasserenthärter Calgon. Damit legt er den Grundstein für den Familienreichtum. Nachdem Albert Reimann alleiniger Inhaber des Unternehmens wird, erfindet er die heute bekannten Marken Kukident oder auch Calgonit. 1981 kommt schließlich der promovierte Ökonom Peter Harf in das Unternehmen, das später als Johann Adam Benckiser (JAB) Holding bekannt wird. Er stellt die Rettung für den Reimann-Konzern dar, der durch die schwächelnde Wirtschaft sehr angeschlagen ist. Harf kauft einige Marken auf, erschließt neue Unternehmensbereiche und erreicht die kritische Masse. Auch heute noch agiert er als Manager der Reimanns und leitet die Geschäfte der Familien-Holding. 1984 stirbt Albert Reimann und hinterlässt seinen fünf Adoptivkindern sowie den vier Kindern seiner Schwester Else Dubbers jeweils ein Neuntel des Konzerns. 1992 kauft das Reimann-Unternehmen den Parfümhesteller Coty von Pfizer für etwa 400 Millionen US-Dollar auf. Vier Jahre später zahlen Alberts Adoptivkinder die Kinder Dubbers aus. 1997 wird das Unternehmen schließlich in Benckiser und Coty aufgespaltet, Benckiser wagt den Börsengang in Amsterdam. Nur zwei Jahre später fusioniert Benckiser mit Reckitt & Colman und wird zu Reckitt Benckiser. Dieses Unternehmen entwickelt sich anschließend zum wachstumsstärksten und profitabelsten Konzern der Branche. Er stellt heute die weltweite Nummer eins mit Putz-, Reinigungs- und Waschmitteln dar. Marken wie Clearasil, Vanish oder Sagrotan gingen daraus hervor. Harf wird Teil des Verwaltungsrats, Bart Becht, der zuvor bei Procter & Gamble tätig war, wird CEO bei Reckitt Benckiser. 2007 gründet die JAB Holding, die aus den Beteiligungen an Coty und Reckitt Benckiser hervorging, die Labelux Holding, ein Unternehmen für Luxusmarken wie Bally und Belstaff. Drei Jahre später kauft die Reimann-Dynastie die Nagelpflege-Marke Opi sowie TJoy in China. 2011 wird die Luxusmarke Jimmy Choo durch Labelux aufgekauft. Ein Jahr später scheitert die Übernahme von Avion. Dafür kauft der Konzern Peet's Coffee & Tea sowie Caribou Coffee. Wiederum ein Jahr später folgt der Kauf von DE Master Blender, bekannt für Marken wie Senseo, für fast acht Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2014 übernimmt der heute weltweit agierende Hersteller für Reinigungsmittel die Kaffeesparte von Mondelez, dazu zählen Jacobs oder auch Tassimo, und schafft damit einen der größten Kaffeekonzerne der Welt. Außerdem gelingt ihnen kurz darauf ein großer Coup - die Reimanns übernehmen den Kaffeekapsel-Hersteller Keurig Green Mountain. Auch die US-Donutkette Krispy Kreme sowie die Bäckereikette Panera Bread ergänzen inzwischen ihr Portfolio. Vor wenigen Tagen schließlich kündigte der Familienclan den Kauf des Limonadenhersteller Dr. Pepper Snapple, zu dem auch 7UP und Sunkist gehören, an. Der Deal solle mit neun Milliarden US-Dollar finanziert werden. Dr. Pepper solle anschließend mit Keurig fusioniert werden. Damit wolle die Milliardärsfamilie einen großen Getränkekonzern schaffen, der durchaus mit Branchenführern wie Coca-Cola oder auch Pepsi mithalten könne. Die Transaktion soll im zweiten Quartal abgeschlossen sein, Aktionäre und Aufseher müssten aber zunächst noch zustimmen. Inzwischen verwaltet die JAB Holding mehr als 70 Milliarden Dollar. Redaktion finanzen.net

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