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Die Autobauer leiten jetzt das Ende des Diesel ein

WELT-Logo WELT 28.02.2020 Philipp Vetter
Autohersteller streichen ihre Angebote an Dieselvarianten radikal zusammen. So werden in Deutschland immer weniger Dieselmodelle angeboten. Das geht aus einer Auswertung des Center Automotive Research hervor. Quelle: WELT/ Gerrit Seebald © Bereitgestellt von WELT Autohersteller streichen ihre Angebote an Dieselvarianten radikal zusammen. So werden in Deutschland immer weniger Dieselmodelle angeboten. Das geht aus einer Auswertung des Center Automotive Research hervor. Quelle: WELT/ Gerrit Seebald

Es ist still geworden, um die noch vor wenigen Monaten so hitzig geführte Diesel-Diskussion: Die Luftqualität hat sich verbessert, in vielen Städten wird man wohl auch ohne Fahrverbote die Stickoxid-Grenzwerte einhalten können und der freie Fall der Verkaufszahlen der Selbstzünder schien zumindest gebremst.

Doch nun schlagen ausgerechnet die deutschen Autohäuser Alarm: In vielen Fahrzeugsegmenten gebe es gar keine Diesel-Modelle mehr im Angebot, die man den Kunden verkaufen könne. Ist das Ende des Dieselantriebs also gar nicht abgeblasen, sondern findet einfach nur still im Verborgenen statt?

Vor allem wer einen Kleinwagen kaufen will, findet laut Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) oft überhaupt keine bezahlbaren Modelle mit Dieselmotor mehr. Doch auch in anderen Segmenten steht der Selbstzünder offenbar kurz vor dem Aus. ZDK-Vorstand Dirk Weddingen von Knapp zählt neben den kleinen Modellen auch Sportwagen, Mini- und Großraumvans auf. Auch hier gebe es kaum noch Selbstzünder.

Nur wenige Hersteller haben sich bereits offiziell vom Dieselmotor als Antrieb verabschiedet. Porsche hat angekündigt, dass man in Zukunft keine Dieselmodelle mehr anbieten will, auch Volvo sieht keine Zukunft für die Selbstzünder. Doch die übrigen Autobauer betonen stets, dass man selbstverständlich an der Dieseltechnologie festhalten wolle.

Bei Volkswagen heißt es beispielsweise, man reduziere zwar grundsätzlich die Zahl der Motorvarianten und werde sich in Zukunft auch verstärkt auf Elektroantriebe konzentrieren, doch fast alle Modelle seien auch heute noch mit Dieselmotor bestellbar. Auch bei Renault heißt es: Die Dieselmodelle sind erhältlich.

„Rechnet sich nicht mehr, diesen Antrieb im Programm zu haben“

Das ist aber nur die halbe Wahrheit, wie eine Auswertung des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen zeigt, die WELT vorliegt. Denn bei vielen Modellen, die es zwar formal noch mit Dieselmotoren gibt, sinken die Zulassungszahlen inzwischen in Richtung Null. Laut CAR wurden herstellerübergreifend bei 24 Modellreihen seit 2015 die Dieselvarianten komplett gestrichen, bei 40 weiteren sank der Dieselanteil bei den Neuzulassungen so stark, dass in den kommenden Jahren mit der Streichung zu rechnen sei.

So wurde beispielsweise bei VW noch im ersten Halbjahr 2015, also vor Bekanntwerden des Abgasbetrugs, fast jeder fünfte Polo mit einem Dieselmotor verkauft, damals lag der Anteil bei knapp 18 Prozent. Im zweiten Halbjahr 2019 waren es hingegen nur noch 7,5 Prozent.

„Bei allen Modellen mit einer Dieselquote unter zehn Prozent rechnet es sich eigentlich nicht mehr, diesen Antrieb im Programm zu haben“, sagt CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer. Er geht davon aus, dass diese Dieselvarianten in den nächsten Jahren ganz vom Markt verschwinden werden. „Der Diesel stirbt langsam, aber er stirbt“, legt sich Dudenhöffer fest.

Tatsächlich gibt es noch viele andere Modelle neben dem Polo, bei denen es ähnlich oder sogar noch drastischer aussieht. So sank der Dieselanteil beim Fiat 500L laut den CAR-Zahlen von mehr als 49 Prozent in 2015 auf nun nur noch 7,6 Prozent.

Bei Audis kleinstem Modell, dem A1, von dem Anfang 2015 noch rund ein Drittel aller ausgelieferten Exemplare mit Dieselmotor ausgerüstet waren, wurden im vergangenen Jahr gar keine Zulassungen mit Dieselmotor mehr verzeichnet. Auch beim Audi TT liegt die Quote inzwischen bei 0,0 Prozent, vor fünf Jahren waren es noch 17,9 Prozent.

Quelle: Infografik WELT © Infografik WELT Quelle: Infografik WELT

Doch es sind keineswegs nur Sportwagen und ganz kleine Modelle betroffen. Auch bei größeren Fahrzeugen geht der Anteil von reinen Diesel-Modellen teils drastisch zurück. Lag die Quote beim Audi A8 und beim SUV Q7 2015 noch bei über 90 Prozent, sank sie im zweiten Halbjahr 2019 auf 0,2 Prozent beim A8 und beim Q7 auf 10,8 Prozent. Auch beim Mercedes GLA wurden im zweiten Halbjahr 2019 laut CAR-Institut nur noch 3,7 Prozent mit Dieselmotoren ausgeliefert, während es 2015 noch 45,9 Prozent waren.

Die Ursachen sind laut Dudenhöffer unterschiedlich: Während bei den Kleinwagen die immer aufwendigere Abgasreinigung angesichts der relativ niedrigen Kaufpreise dieser Modelle schlicht zu teuer werde, ersetzten bei den größeren Fahrzeugen vor allem Hybrid-Varianten mit Benzinmotor und Elektrounterstützung den Selbstzünder.

Bei den Kompaktfahrzeugen könnten sogenannte Mildhybride Marktanteile gewinnen, bei denen man das Auto zwar nicht an der Steckdose auflädt, ein Elektromotor aber unterstützt. Er wird beim Bremsen mit Energie geladen. Bei großen Limousinen wie dem A8 setzten sich demnach vor allem Plug-in-Hybride durch, mit denen man kürzere Strecken vollelektrisch fahren kann.

Dieser Text ist aus der WELT AM SONNTAG. Wir liefern Sie ihnen gerne regelmäßig nach Hause

Quelle: WELT AM SONNTAG © WELT AM SONNTAG Quelle: WELT AM SONNTAG

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