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Diese 8 Dinge plant der Berliner Senat für Gründerinnen und Gründer

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 02.12.2021 Lisa Ksienrzyk

Für die kommende Legislaturperiode hat sich die rot-grün-rote Regierung in Berlin große Ziele gesetzt. In dem 150-seitigen Koalitionsvertrag, den die Parteispitzen und Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) am Montag veröffentlicht haben, verkünden sie, Berlin zu „einem der bedeutendsten Wirtschafts- und Technologiestandorte Europas“ zu machen. Konkret bedeutet das: besseres Internet verlegen, mehr innovative Ideen zulassen, Diversität und Internationalität in die Hauptstadt bringen – am besten, indem die Region Berlin Brandenburg für Startups und Fintechs noch attraktiver wird. Konzentriert auf wenige Seiten, zeigt die Koalition auf, wie sie eine bessere Gründerkultur erreichen will. Wir haben für euch die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

Senat treibt Internetausbau voran

„Digitalisierung ist Schwerpunkt dieser Legislatur”, heißt es im Koalitionsvertrag. Dafür wurde sogar der Posten für einen Chief Digital Officer geschaffen. Im Mai hat das Land Berlin eine Gigabitstrategie beschlossen, die bleibt auch weiterhin bestehen. Kurzfristig sollen alle Unternehmen einen Glasfaseranschluss erhalten, bis 2025 ist in der Hauptstadt flächendeckend 5G verfügbar. Der Strategie wird laut Koalitionsvertrag eine „hohe Priorität eingeräumt”. Dazu gehört auch, kostenloses WLAN in Berlin auszubauen. Aktuell gibt es 10.000 Hotspots in Berlin, darunter an Sehenswürdigkeiten und in Bahnhöfen. Dieser Punkt ist Teil der „Digital- und Smart City-Strategie”, der sich Berlin vor zwei Jahren verpflichtet hat.

Startups mit Investoren zusammenbringen

Zusammen mit dem Bundesverband Deutscher Startups e.V. will die Koalition die sogenannte „Start-up-Agenda“ weiter ausbauen. Diese zielt darauf ab, das Berliner Startup-Ökosystem zu stärken, Frauen und Migranten beim Gründen zu unterstützen, bürokratische Hürden abzubauen und für Nachwuchs in der Branche zu sorgen.

Die Forderungen umfassen zudem, dass Berlin mehr Investitions-Anreize für Business Angels schafft und Kapitalsammelstellen für Risikokapitalfonds einrichtet ­ – gerade Venture Capital ist in Berlin nämlich hart umkämpft. Knapp die Hälfte aller Berliner Startups strebt Wagniskapital an, weniger als 30 Prozent können es aber tatsächlich realisieren. Um überhaupt einen Überblick zu bekommen, an welchen Stellen in Berlin Startups sitzen, will die Koalition das Projekt „Startup-Map“ fortführen, das 2019 ins Leben gerufen wurde. Die Idee ist, verfügbare Daten wie Bewertungen, Wachstumszahlen und Finanzierungsrunden von Startups zu sammeln und Kunden sowie Investoren mit Gründern zu vernetzen. Über 4.000 Startups haben sich bei der Landkarte bereits registriert.

Vergabeverfahren für innovative Ideen

Suchen öffentliche Auftraggeber Unternehmen für ein Projekt, müssen sie dies immer erst ausschreiben lassen, damit mehrere Firmen sich bewerben können. Startups sind dabei meist durchs Raster gefallen, weil sie für ihre Anwendungen nicht genügend Referenzen vorweisen konnten. Obendrein ist der bürokratische Aufwand hoch und die Kapazitäten für all die Formulare eher gering. Dieses Vergabeverfahren solle nun gerechter ablaufen, heißt es im Koalitionsvertrag. Mitarbeiter werden darauf geschult, ebenfalls auf „innovative, nachhaltige, faire und an den Kriterien der guten Arbeit” ausgerichtete Bewerber zu achten sowie Stichproben durchzuführen. Zudem schreibt sich die Koalition auf die Fahne, mehr Ideen und Produkte zu nutzen, die auch tatsächlich in Berlin entwickelt und gegründet wurden. Somit wolle der Senat die lokale Wirtschaft fördern.

Mehr Frauen zum Gründen bewegen

„Berlin ist Stadt der Frauen,“ schreibt die neue Landesregierung im Koalitionsvertrag. Deswegen hat sich die Politik vorgenommen, Frauen bei ihren unternehmerischen Ambitionen zu helfen. Zwar ist der Anteil von Gründerinnen in Berlin laut dem Berliner Startup Monitor über dem Bundesdurchschnitt, fällt aber mit rund 16 Prozent weit hinter den Männern (über 80 Prozent) ab. Berlin plant deswegen Netzwerkveranstaltungen mitzufinanzieren und Frauen mehr Coachingprogramme und Beratungsstellen anzubieten. Ein Problem ist auch der Zugang zu Fremdkapital: Da Frauen meist ein geringeres Vermögen als Männer aufgebaut haben, Startups eher als Nebenbeschäftigung aufziehen und niedrigere Kreditbeiträge unter 20.000 Euro einfordern, lehnen Banken wie die KfW Unternehmerinnen häufig ab. Damit soll jetzt Schluss sein: Berlin verspricht, „bestehende Hemmnisse in den existierenden Programmen“ abzuschaffen und sogar einen eigenen Fonds nur für Frauen aufzubauen.

Einwanderern das Gründen erleichtern

Die Berliner Koalition möchte den Innovationsgeist von Menschen mit Migrationshintergrund stärken und ihnen den Weg in die Selbstständigkeit durch Finanzierungshilfen erleichtern. Als Beispiel soll der Wettbewerb „Vielfalt unternimmt“, der vor zwei Jahren erstmalig initiiert wurde, dauerhaft stattfinden. Unternehmer mit ausländischen Wurzeln können sich dort für verschiedene Kategorien, je nach Anzahl der Beschäftigten, bewerben und ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro gewinnen. Auch Startups, die weniger als fünf Jahre am Markt bestehen und von Einwanderern geführt werden, können teilnehmen.

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Im Vertrag kündigt die Koalition an, zu prüfen, wie Bewerbungsprozesse auf Förderprogramme diskriminierungsfrei gestaltet werden können. Zudem sollen Auswahlgremien divers besetzt sein. In Deutschland entscheiden sich immer mehr Einwanderer dazu, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Rund 17 Prozent aller Gründerinnen und Gründer in Deutschland besitzen laut einer Erhebung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einen Migrationshintergrund – Tendenz steigend. Dabei ist der Anteil von Notgründungen, etwa, weil die Jobaussichten schlecht sind, bei Einwanderern mit 32 Prozent überdurchschnittlich hoch – gleichzeitig sind sie eher bereit, Risiken einzugehen. 

Senat will Tech-Produkte in Berlin testen

Wenn über den Treptower Park bald Drohnen fliegen oder autonome Fahrzeuge über den Kurfürstendamm rollen, dann hat das sicher mit dem Vorhaben zu tun, Testräume für technische Innovationen in der Stadt einzurichten. Im Koalitionsvertrag kündigt die Rot-Rot-Grün-Regierung an, Ideen und Produkte, die in Berlin konzipiert wurden, auch vor Ort erproben zu wollen – das könnte für viele Tech-Startups interessant sein. Für die Genehmigung von Reallaboren will die Politik rechtliche Grundlagen schaffen und ein standardisiertes Verfahren entwickeln, das Entrepreneure über eine Website beantragen können.

Unterstützung für die Fintech-Szene

Von wegen Frankfurt: Mehr als ein Drittel der deutschen Fintechs sitzt in der Hauptstadt – und hat im ersten Halbjahr 2021 bereits Geldbeträge in Milliardenhöhe eingesammelt. Das stärkt die lokale Wirtschaft und den Arbeitsmarkt und bietet somit einen Anreiz für die Berliner Koalition, enger mit der jungen Finanzbranche zusammenzuarbeiten. So plant die Landesregierung, mit der Gruppe „Berlin Finance Initiative“ zu kooperieren, die die Entwicklung von Fintechs gemeinsam mit Stakeholdern aus Politik und Wirtschaft vorantreiben will. Besonders nachhaltige, soziale Finanzierungen und die Förderung von Frauen im Finanzsektor will die Koalition dabei unterstützen. Jüngst hatte die Initiative in einer Kurzstudie veröffentlicht, dass der Anteil von FinTech-Gründerinnen gerade mal vier Prozent beträgt und Frauen in Führungspositionen noch seltener vertreten sind.

Engere Zusammenarbeit mit Brandenburg geplant

Schon im Vorfeld hatten die Länder Berlin und Brandenburg angekündigt, besser und enger zusammenzuarbeiten, wenn es darum geht, die Region als Standort für innovative Unternehmen aufzuziehen, digitaler aufzustellen und hiesige Forschung und Wissenschaft zu stärken. Dafür haben sie eine eigene Innovationsstrategie (innoBB) entwickelt, die bis 2025 umgesetzt werden soll. Ziel ist es, durch Zusammenarbeit von Unternehmen aus verschiedenen Kompetenzfeldern wie Gesundheitswirtschaft, Energietechnik und Verkehr und Mobilität, Fachkräfte anzulocken, Know-How für technische Lösungen und im Bereich KI zu gewinnen sowie die Zahl von Startup-Gründungen zu erhöhen und sie langfristig an die Region zu binden.

Franziska Giffey © picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka Franziska Giffey

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