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Digitalisierung: Mehr als die Hälfte der Lehrer bemängelt Computerkenntnisse an ihren Schulen

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 04.12.2020 Armin Himmelrath

Viele Lehrerinnen und Lehrer hadern mit den digitalen Fähigkeiten in ihren Schulen. Eltern kritisieren laut einer neuen Bildungsstudie das didaktische Niveau der Pädagogen.

© imago images / Westend61

Nicht einmal die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland ist mit der Ausstattung ihrer Schulen zufrieden. Nur 46 Prozent bescheinigen der eigenen Schule eine gute technische und räumliche Ausstattung. Das geht aus der repräsentativen, bisher noch unveröffentlichten Umfrage »Lernen bewegt« hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

Das Bielefelder Institut Mentefactum hat dafür 1255 Eltern, mehr als 300 Lehrerinnen und Lehrer sowie über 300 Kita-Fachkräfte befragt. Auftraggeber waren das Kindermode- und Spielzeugunternehmen Jako-o und der Schul- und Kita-Ausstatter Wehrfritz.

Danach erklärten 53 Prozent der Lehrkräfte, dass an ihren Schulen Computer- und Internetkenntnisse zu kurz kommen – und das sei bereits vor der Corona-Pandemie so gewesen. Die Einschätzung der Lehrkräfte fällt damit deutlich pessimistischer aus als die der befragten Eltern: 71 Prozent der Väter und Mütter fanden die technische und räumliche Ausstattung gut – dagegen bemängelten 63 Prozent der Eltern, dass wirtschaftliches Denken und Handeln im Unterricht eine zu geringe Rolle spiele. 51 Prozent empfinden das Thema Ernährung und Gesundheit als zu wenig abgedeckt.

Zufrieden mit der Qualifikation

Die große Mehrheit der Eltern ist mit der fachlichen Qualifikation der Lehrerinnen und Lehrer zufrieden, das didaktische Niveau des Unterrichts dagegen wird von großen Teilen kritisiert: Während 87 Prozent der Väter und Mütter den Lehrkräften fachliche Kompetenz bescheinigen, sagt jeweils nur etwas mehr als die Hälfte, dass die Lehrerinnen und Lehrer sich gut miteinander absprechen, neue Unterrichtsmethoden einsetzen und gut mit unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder umgehen können.

Ähnlich fällt auch die Einschätzung der Eltern im Hinblick auf die Kompetenz der Kita-Fachkräfte aus: Während fachliches Können und Engagement als sehr hoch eingeschätzt werden, gibt es verbreitete Kritik an den Absprachen untereinander und am Umgang mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen.

Die Selbsteinschätzung der Kita-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter fällt dagegen deutlich positiver aus: Fast ausnahmslos halten sie sich für gut geeignet, das Interesse der Kinder zu wecken (100 Prozent) und mit hoher fachlicher Kompetenz zu arbeiten (98 Prozent). Immerhin 96 Prozent bescheinigen sich selbst gute Absprachen untereinander – und 79 Prozent sagen, sie könnten gut mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen bei den Kindern umgehen.

Deutschland hinkt hinterher

Mehrsprachigkeit und Interkulturalität seien in Kita und Schule prägende Faktoren für heutige Kinder und Jugendliche, sagt Myrle Dziak-Mahler vom Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln: »Es braucht einen individuellen Blick auf jeden einzelnen Schüler, jede einzelne Schülerin. Das System Schule in Deutschland ist darauf jedoch nicht ausgelegt, genauso wenig wie die Bereitschaft der Lehrkräfte, auf jeden einzelnen einzugehen.«

Insbesondere der Schulunterricht in Deutschland, so Dziak-Mahler, »hinkt bei moderner – digitaler – Didaktik und Methodik hinterher«. Länder wie Dänemark seien der Beweis, dass es sehr wohl Lösungen in der Schule gebe, die den gesellschaftlichen Veränderungen gerecht werden. Wenn Deutschland bei der Ausstattung der Schulen und der Qualifikation der Lehrkräfte nicht bald einen großen Sprung nach vorne mache, »verlieren wir nicht nur den ökonomischen Anschluss – auch ganze Schülergenerationen werden im Nirwana des Gestern aufwachsen«.

Kein wirklicher Trost: 93 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer sagen in der aktuellen Bildungsstudie, dass sie mit Hilfe einer Suchmaschine online nach Informationen suchen können.

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