Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

"Dr. Doom" Nouriel Roubini: USA stehen "schwere Rezession" und "schwere Schulden- und Finanzkrise" bevor

Finanzen.net-Logo Finanzen.net 06.08.2022

Erst kürzlich hat die US-Notenbank den Leitzins wie erwartet erneut um 0,75 Prozentpunkte angehoben und angekündigt, ihren Straffungskurs fortzusetzen, was die Wirtschaft weiter ausbremsen könnte. US-Ökonom Nouriel Roubini glaubt, dass der US-Wirtschaft eine schwere Rezession bevorsteht.

PHILIPPE HUGUEN/AFP/Getty Images © Bereitgestellt von Finanzen.net PHILIPPE HUGUEN/AFP/Getty Images

• Fed hebt Leitzins erneut deutlich an

• Sorgen vor wirtschaftlichem Abschwung nehmen zu

• Roubini erwartet schwere Rezession

US-Notenbank hebt Leitzins wie erwartet um 0,75 Prozentpunkte an

Die US-Notenbank setzt ihren Kampf gegen die hohe Inflation fort. Vergangene Woche hat die Fed den Leitzins erneut stark um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Damit liegt der Leitzins nun in einer Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Insgesamt war es die vierte Leitzinserhöhung in diesem Jahr. Erst im Juni hatte die US-Notenbank eine Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte vorgenommen.

Auch in Zukunft will die Fed ihren Straffungskurs fortsetzen und den Leitzins weiter anheben. In der Stellungnahme zum Zinsentscheid hieß es, dass zusätzliche Zinsanhebungen angebracht seien. US-Notenbankchef Jerome Powell zeigte sich entschlossen und erklärte, dass der Leitzins auch ein drittes Mal um 0,75 Prozentpunkte oder falls nötig auch noch deutlicher steigen könnte. Ein solcher Schritt sei bereits zum nächsten regulären Zeitpunkt im September möglich. Die Entscheidung darüber hänge jedoch von der wirtschaftlichen Entwicklung bis dahin ab.


Video: ifo Institut warnt vor Rezession (glomex)

Video wiedergeben

Sorgen um bevorstehende Rezession

Mit den Zinsanhebungen wächst auch die Sorge am Markt vor einer bevorstehenden Rezession, denn die Leitzinserhöhungen verteuern Kredite und bremsen die Nachfrage, was zwar dabei hilft, die Inflationsrate zu senken, aber auch das Wirtschaftswachstum schwächt. Auch Fed-Chef Powell räumte ein, dass das hohe Tempo der geldpolitischen Straffung Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben werde, daher dürfte es mit der Zeit erforderlich werden, dieses zu reduzieren. In der Mitteilung der Fed hieß es laut der Deutschen Presse-Agentur, dass man bereits jetzt Anzeichen konjunktureller Bremsspuren sehe. So hätten sich die gesamtwirtschaftlichen Ausgaben und die Produktion zuletzt etwas abgeschwächt, die Lage am Arbeitsmarkt sei aber weiterhin robust.

Am Tag nach dem Fed-Zinsentscheid wurde bekannt, dass die US-Wirtschaft bereits in eine technische Rezession abgerutscht ist - die Wirtschaftstätigkeit ist also zwei Quartale in Folge geschrumpft. So war das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 1,6 Prozent gesunken, während es sich, wie das Handelsministerium im Rahmen einer ersten Veröffentlichung mitteilte, von April bis Juni gegenüber dem Vorquartal und auf das Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent verringerte.

Nouriel Roubini erwartet eine schwere Rezession

Einer der Experten, die laut TheStreet eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Rezession sehen, ist Ex-Finanzminister Larry Summers. Er habe festgestellt, dass die Inflation in den letzten 65 Jahren zu keinem Zeitpunkt über vier Prozent und die Arbeitslosigkeit unter fünf Prozent gelegen habe und die Wirtschaft dann nicht innerhalb der nächsten zwei Jahre in eine Rezession eingetreten sei.

Doch während Summers und die meisten anderen Ökonomen, die eine Rezession erwarten, mit einer milden Rezession rechnen, erwartet "Dr. Doom" Nouriel Roubini eine schwere Rezession. "Es gibt viele Gründe, warum wir eine schwere Rezession und eine schwere Schulden- und Finanzkrise haben werden", so Roubini kürzlich gegenüber Bloomberg. "Die Vorstellung, dass dies kurz und oberflächlich sein wird, ist völlig wahnhaft."

Bereits in einem Ende Juni über Project Syndicate erschienenen Artikel verglich der Ökonom die derzeitige Lage mit den Crashs in den 1970ern und dem Jahr 2008 und erklärte, dass die nächste Krise nicht wie ihre Vorgänger sein werde. "In den 1970er Jahren hatten wir eine Stagflation, aber keine massiven Schuldenkrisen, weil die Verschuldung niedrig war. Nach 2008 hatten wir eine Schuldenkrise, gefolgt von niedriger Inflation oder Deflation, weil die Kreditkrise einen negativen Nachfrageschock ausgelöst hatte. Heute sehen wir uns Angebotsschocks in einem Kontext viel höherer Schuldenstände gegenüber, was bedeutet, dass wir auf eine Kombination aus einer Stagflation im Stil der 1970er-Jahre und einer Schuldenkrise im Stil von 2008 zusteuern - d.h. auf eine stagflationäre Schuldenkrise", schrieb Roubini.

Der Ökonom erwartet daher, dass sich die US-Aktien vom aktuellen Bärenmarkt nicht erholen, sondern "höchstwahrscheinlich tiefer fallen" werden. "Schließlich neigen US- und globale Aktien in typischen 08/15-Rezessionen dazu, um etwa 35 Prozent zu fallen", so Roubini. "Aber da die nächste Rezession sowohl stagflationär als auch von einer Finanzkrise begleitet sein wird, könnte der Absturz an den Aktienmärkten näher bei 50 Prozent liegen."

Nun bleibt abzuwarten, ob die US-Notenbank ihr Tempo der geldpolitischen Straffung beibehält, wie sich infolgedessen die Wirtschaft in den kommenden Monaten entwickelt und ob sich Roubinis Befürchtung tatsächlich bewahrheitet.Redaktion finanzen.net

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Finanzen.net

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon