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Eigene Lieferketten, radikaler Kurswechsel: Warum der „chinesische Tesla“ Byd deutschen Autobauern das Fürchten lehrt

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 21.10.2020 Paol Hergert

Lange Zeit galt Tesla als Hirngespinst eines damals jungen, wohlhabenden und exzentrischen Firmenchefs, der zu viel auf nur eine Karte setzte. Mittlerweile hat Elon Musk viel von seiner Jugend eingebüßt, hat dank seines guten Riechers von damals jedoch seinen Reichtum ins schier unermessliche gesteigert. Denn er ist genau zum richtigen Zeitpunkt voll in die Elektromobilität eingestiegen, ist dadurch zum Firmenchef des mittlerweile wertvollsten Autobauers weltweit aufgestiegen. Wenngleich die etablierte Konkurrenz, die nach wie vor auf Verbrennungsmotoren setzt, noch deutlich mehr Fahrzeuge verkauft, können ihm in Sachen E-Autos auch VW, Ford und Toyota nichts vormachen.

Doch während die Autobauer ihre Unternehmen langsam in Richtung Elektromobilität wuchten, um den Anschluss auf Musk und Tesla nicht zu verlieren, tun sich am anderen Ende der Welt Unternehmen auf, die in Sachen Agilität und Geschwindigkeit Tesla in nichts nachstehen – Byd ist eines von ihnen.

Byd – die Tesla-Konkurrenz aus Fernost

Der chinesische Autobauer ist noch keine 20 Jahre alt, könnte den etablierten Fahrzeugherstellern aber jetzt schon in vielen Punkten als Vorbild dienen. Denn Byd hat die 180-Grad-Kehrtwende vom Hersteller regulärer Verbrenner zum Vorreiter der Elektromobilität bereits hinter sich gebracht, anders als Tesla, das mit Verbrennern noch nie etwas zu tun hatte. Mittlerweile sind fast alle Fahrzeuge, die Byd herstellt, elektrisch angetrieben – sowohl PKW als auch Busse, LKW und sonstige Nutzfahrzeuge. Das Alleinstellungsmerkmal des Herstellers: Byd produziert fast vollständig betriebsintern – von den Autos über die Batterie hin zu Computerchips – , und verfügt so über eine extrem kostengünstige und effiziente Wertschöpfungskette.

So kann das Unternehmen etwa seine neue Elektro-Sportlimousine Byd Han, die in 3,9 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigt und bis zu 605 Kilometer weit fährt, für günstige 33.000 Euro anbieten. Stimmen die Werte, kann das Fahrzeug es so auch mit den Premiummodellen von Tesla aufnehmen, etwa dem Model S. Denn das fährt rund 650 Kilometer weit und beschleunigt in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde – kostet dabei jedoch knapp 77.000 Euro.

Auch Volkswagens ID.4 kann nicht mithalten, kostet in den noch in diesem Jahr erscheinenden Sondereditionen rund 50.000 Euro und schafft lediglich 400 Kilometer und braucht 8,5 Sekunden für 100 km/h. Die günstigsten PKW der Chinesen gehen bereits zu Preisen ab umgerechnet 6.300 Euro los, können es so auch mit dem Renault Zoe aufnehmen, der als das derzeit beliebteste Elektroauto gilt.

Doch nicht nur die Preise kann das Unternehmen dank Batterie- und Chip-Eigenproduktionen niedrig halten, auch ist Byd sehr viel unabhängiger von etwaigen Lieferschwierigkeiten von Zulieferern.

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Chip-Zulieferer Huawei bereitet den Autobauern Probleme

Genau diese Abhängigkeit bereitete zuletzt den deutschen Autobauern Kopfschmerzen: Um die einzelnen Modelle mit intelligenten Funktionen und schnellen 5G-Verbindungen auszustatten, braucht es Chips, die die meisten etablierten Hersteller nicht selbst herstellen. So bestätigte William Tian aus der deutschen Chefetage Huaweis, dass Mercedes, Audi und BMW auf die Chips des Herstellers zugreifen würden, wie die "Wirtschaftswoche" schreibt. Weltweit hat Huawei einen Anteil von 50 Prozent an den verbauten Kommunikationschips in Autos.

Das Problem: Huawei kämpft weltweit gegen seinen Ruf als chinesischer Spionage-Helfer und den Bann des US-Präsidenten Trump. Zuletzt wurden die Sanktionen im August verschärft, Herstellern ist es nun untersagt, Chips mit US-Technologie an Huawei zu verkaufen – was die Produktion stark einschränkt. Derzeit herrscht in der Autobranche Unsicherheit darüber, ob Huawei durch den US-Bann überhaupt weiter liefern kann. Der Vorrat an Chips aus Taiwan und den USA soll bis Februar 2021 ausreichen, berichtet die „Wirtschaftswoche“. Bis dahin muss Huawei neue Wege finden, die Chips herzustellen.

Sollte die Produktion stocken, hätten die obengenannten deutschen Autobauern ein großes Problem und würden es Konkurrenten wie Byd leichter machen, an die E-Auto-Spitze zu gelangen. Denn genau wie Tesla setzt Byd auf Bordcomputer aus Eigenproduktion und ist gegen die politischen Zerwürfnisse, die Huawei zu schaffen machen, weitgehend gefeit.

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CHINA-AUTO-BYD-TRANSPORT © STR/AFP via Getty Images CHINA-AUTO-BYD-TRANSPORT
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