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Fünf Ideen für den Corona-Lockdown: Mensch langweile dich nicht

dw.com-Logo dw.com 30.01.2021 David Ehl

Nach fast einem Jahr Corona-Pandemie kommt der eine oder die andere an die Belastungsgrenze. Wir haben fünf Ideen für mehr Abwechslung gesammelt.

Rebecca, Lara, Stella und Sarah Schwaderlapp haben sogar ein eigenes Corona-Brettspiel erfunden © Annkathrin Weiss/REUTERS Rebecca, Lara, Stella und Sarah Schwaderlapp haben sogar ein eigenes Corona-Brettspiel erfunden

Weltweit weisen die aktuellen Corona-Statistiken zwar in eine gute Richtung: Die täglichen Neuinfektionen gehen in den meisten Weltregionen seit Mitte Januar kontinuierlich zurück. Allerdings sind sie noch auf hohem Niveau, und mutierte Varianten machen neue Sorgen. Deshalb ist davon auszugehen, dass wir noch eine ganze Zeit lang mit Kontaktbeschränkungen leben müssen. Hier sind ein paar Ideen, wie man diese Zeit ausfüllen und vielleicht sogar genießen kann.

Brettspiele: Mensch langweile dich nicht

Zugegeben, Gesellschaftsspiele sind alles andere als ein Geheimtipp. Der Branchenverband DVSI vermeldete gerade, dass im "Rekordjahr" 2020 in Deutschland rund 21 Prozent mehr Umsatz mit Spielen und Puzzles erzielt wurde. Der Verband beauftragte eine Umfrage beim Meinungsforschungsinstitut YouGov, in der immerhin 27 Prozent der Teilnehmenden angaben, während Corona mehr zu spielen als zuvor. Ob auch das Spiel des Jahres 2009 zu den Publikumslieblingen zählte, ist nicht bekannt: In "Pandemie" übernehmen die Spielenden die Rolle von Spezialisten in der Seuchenbekämpfung.

Anders als die meisten Brettspiele haben Puzzles noch den großen Vorteil, dass man sich auch ohne Gleichgesinnte damit stundenlang beschäftigen kann - und wenn man gerade schon nicht selbst reisen sollte, kann man sich die Sehnsuchtsorte zusammenpuzzlen. Darüber hinaus zählen auch die Hersteller von Modelleisenbahnen zu den Pandemiegewinnern - sie rechnen auch für 2021 mit weiterem Wachstum.

Online-Spiele: Rommé Hand auf dem Handy

"Ich liebe Rommé. Guter Ersatz für Spieleabende" - Rezensionen wie diese von Silke9112 findet man in den AppStores auf dem Smartphone zuhauf. Für an verschiedenen Orten wohnende Familien und Freundeskreise, die sich zur Zeit nicht treffen können, gibt es inzwischen zahlreiche Apps mit Multiplayer-Funktion. Zwar liegt ein Smartphone anders in der Hand als Spielkarten, aber zumindest temporär bietet es vielen einen guten Ausweichort für Poker, Rommé, Schach und zahlreiche andere klassische Spiele. Im Google Play Store, der anders als sein Apple-Pendant auch Downloadzahlen angibt, finden sich für jedes dieser Spiele Varianten, die mit Freunden nutzbar sind und bereits millionenfach heruntergeladen wurden.

Für Pandemie-kompatibles Fußballspielen braucht man gar keine Stollenschuhe © Britta Pedersen/dpa/picture alliance Für Pandemie-kompatibles Fußballspielen braucht man gar keine Stollenschuhe

Auch Games und E-Sports, die von Anfang an für digitale Oberflächen entwickelt wurden, boomen. In Deutschland zocken laut einer im November veröffentlichten YouGov-Umfrage fast zwei Drittel der Befragten an Smartphone, Computer oder Konsole. Auch das hilft vielen, den Lockdown durchzustehen: In dieser Gruppe gaben 31 Prozent an, seit Corona mehr Zeit damit zu verbringen.

Bewegung: Mit allen Muskeln gegen den Blues

Nun sind E-Sports definitiv nicht dazu geeignet, den körperlichen Bewegungsdrang zu stillen. Dafür boomen während der Pandemie andere Disziplinen: Über das Fahrrad als wiederentdecktes Sportgerät wurde bereits nach der ersten Welle im Frühjahr 2020 ausgiebig berichtet. Manche Städte, darunter Berlin und London, schlugen frei gewordene Verkehrsflächen als sogenannte Pop-Up-Radwege kurzfristig den Radlern zu. Im Windschatten des Drahtesels hat noch ein weiteres rollendes Fortbewegungsmittel Konjunktur: Rollschuhe und Inline-Skates. Ein Londoner Händler berichtete in der britischen Zeitung "i news", er habe 2020 unglaubliche 1017 Prozent mehr Nachfrage auf seiner Webseite registriert als im Vorjahr. Die Berliner Jamskaterin Oumi Janta ging im Juni 2020 mit einem Rollschuh-Video vom Tempelhofer Feld viral - inzwischen hat sie das Hobby zum Beruf gemacht.

Geschlossene Fitnesstudios und nicht immer einladendes Wetter haben aber auch einen regelrechten Run auf Heimtrainer ausgelöst, sodass die steigende Nachfrage sich in den Preisen niederschlug: Trotz gesenkter Mehrwertsteuer kosteten Fitnessgeräte im Dezember 2020 laut Statistischem Bundesamt ganze 13,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Im Jahresdurchschnitt 2020 lagen die Preise immerhin noch 7,9 Prozent höher als 2019. Viele Menschen in Deutschland kommen also auf Crosstrainern, Laufbändern und Rudergeräten durch die Pandemie.

Handarbeit: Maschen statt Masken

Eine andere Beschäftigung hat während des Lockdowns endgültig ihren etwas altbackenen Ruf abgeschüttelt: Inzwischen haben auch junge Menschen Stricken, Häkeln und Nähen für sich entdeckt. Vor einem Monat zitierte die Nachrichtenagentur dpa eine Verbandssprecherin mit der Aussage, 2020 sei ein "Ausnahmejahr" gewesen, die Umsätze seien extrem nach oben gegangen.

Für diesen Pullover hat sich Textildesignerin Anne-Susanne Gueler von der Normandie inspirieren lassen © Ole Spata/dpa/picture alliance Für diesen Pullover hat sich Textildesignerin Anne-Susanne Gueler von der Normandie inspirieren lassen

Bei Google Trends lässt sich ablesen, wie die Suchanfragen ab Oktober wieder anstiegen - also so rechtzeitig, dass im "Lockdown Light" noch gestrickte Weihnachtsgeschenke fertig werden konnten. Zum Erfolg trägt sicherlich auch bei, dass es inzwischen unzählige Video-Tutorials für Anfänger gibt, Anbieter wie die Initiative Handarbeit stellen kostenlose Anleitungen und Strickmuster bereit.

Kreatives: Lockdown im Atelier

Während des ersten Lockdowns streamte der Pianist Igor Levit regelmäßig Hauskonzerte © twitter.com/igorpianist Während des ersten Lockdowns streamte der Pianist Igor Levit regelmäßig Hauskonzerte

Wer eine künstlerische Ader hat, kann sich die Zeit im Lockdown auch mit neuen Projekten vertreiben: Paul McCartney hat ein Soloalbum ganz ohne Gastmusiker eingespielt, Taylor Swift hat in der Selbstisolation sogar schon zwei Alben veröffentlicht. Wem das zu viel der Herausforderung ist, dem bietet der Lockdown auch Zeit für kleinere Schritte, zum Beispiel das verstaubte Instrument wieder häufiger in die Hand zu nehmen. Der Schriftsteller Ian McEwan riet im "Guardian" dazu, einfach mal für eine Stunde offline zu gehen und mit Stift und Notizbuch zu schreiben, zum Beispiel drei Erinnerungen oder Gedanken ausführlich aufzuschreiben. Und wer weiß, vielleicht wird bis zum Ende der Pandemie ja vielleicht sogar mehr daraus?

Eine andere Idee bietet der niederländische Instagram-Account Tussen Kunst en Quarantaine ("Zwischen Kunst und Quarantäne"): Hier werden von Nutzern eingesandte Fotos eingesandt, auf denen sie bekannte Gemälde nachstellen und sich dabei fotografieren. Für Foto-Affine hat der Guardian-Filmkritiker Peter Bradshaw noch eine besondere Idee, die nur in dieser Jahreszeit funktioniert: Er schlägt vor, den Baum vor dem Fenster jeden Tag zu fotografieren und die Bilder später zu einem Zeitraffer-Video zusammenzufügen. Darauf wird dann zu sehen sein, wie der Frühling den Lockdown-Winter austreibt.

Autor: David Ehl

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