Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Facebook ändert Digitalwährung Libra nach massiver Kritik

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 17.04.2020 Katharina Koerth

Politik und Zentralbanken fürchten, dass die geplante Kryptowährung Libra das globale Finanzsystem gefährdet. Nun reagiert Facebook mit einem neuen Konzept.

© Kay Nietfeld/ dpa

Die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung könnten erschwert werden, das globale Finanzsystem würde destabilisiert: Die Bedenken von Politik und Zentralbanken gegen Facebooks geplante Digitalwährung Libra sind groß. Nun versucht der Konzern, mit Änderungen die Zweifel zu zertreuen.

So war ursprünglich geplant, dass Libra mit einem Korb aus verschiedenen Währungen und Staatsanleihen abgesichert wird. Jetzt soll es auch Libra-Einheiten geben, die fest an einzelne nationale Währungen gekoppelt sind. Zudem seien die Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung verbessert worden, teilte die Libra Association mit. So solle der Kreis der Teilnehmer am Libra-System strikter eingeschränkt werden.

Nach dem ursprünglichen Konzept sollten Libra-Coins mit diversen Währungen gekauft werden können. Die gezahlten Beträge sollten dann in den Sicherungskorb wandern. Nach den neuen Plänen soll es in der Zukunft zwar auch eine universelle Libra-Währung geben - sie wäre aber lediglich von den an einzelne Währungen gebundenen Coins abgeleitet.

Libra beantragt Lizenz

Die Libra Association beantragte nun offiziell eine Lizenz bei der Schweizer Finanzaufsicht Finma. An die Organisation mit Sitz in Genf hatte Facebook im Herbst die Kontrolle über das Projekt abgegeben. Davor waren globale Finanzdienstleister wie Mastercard, Visa und Paypal sowie die Handelsplattform Ebay und die Online-Reisefirma Booking Holdings aus dem Kreis der Partner ausgestiegen.

Facebook geht davon aus, dass die Digitalwährung zunächst vor allem für grenzübergreifende Überweisungen genutzt wird und erst später auch zum Einkaufen im Netz. Notenbanker und Politiker befürchteten jedoch eine Destabilisierung des globalen Finanzsystems durch diesen zusätzlichen Geldkreislauf. Facebook hat rund zweieinhalb Milliarden Nutzer weltweit, von denen viele Libra verwenden könnten.

Bankenverband: Würden "an digitaler Souveränität verlieren"

Facebook hatte stets betont, dass man nicht mit Libra starten werde, solange es Widerstand der Regulierer gebe. Es ist noch unklar, ob die Änderungen die Einwände ausräumen können.

Von den klassischen Banken kündigte sich Widerstand an: "Würden die neuen Vorschläge in die Tat umgesetzt, könnten sich die Kräfteverhältnisse unter den Zahlungsdienstleistern in Europa massiv verschieben", sagte Andreas Krautscheid vom Bundesverband deutscher Banken (BdB). "Das ist ein erneuter Weckruf für Politik und Zentralbanken: Europa und Deutschland dürfen bei digitalen Zahlungssystemen für ihre Wirtschaft nicht noch weiter in Abhängigkeit von amerikanischen oder chinesischen Anbietern geraten und weiter an digitaler Souveränität verlieren."

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von DER SPIEGEL

DER SPIEGEL
DER SPIEGEL
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon