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FOKUS 2-Lufthansa - Verhandlungen über 9-Mrd-Paket des Bundes gehen weiter

Reuters-Logo Reuters 07.05.2020

* Lufthansa - Verhandlungen dauern an

* Lufthansa - Geht um 9 Milliarden Euro

* Prozess der politischen Willensbildung dauert noch an (Neu: Details zum Einstieg des Bundes)

Berlin/Frankfurt, 07. Mai (Reuters) - Die Lufthansa verhandelt mit dem Bund über ein Hilfspaket von neun Milliarden Euro. "Die Verhandlungen und der Prozess der politischen Willensbildung dauern an", teilte der Konzern am Donnerstag mit und räumte damit erstmals Details aus den Gesprächen ein. Der Konzern signalisierte zudem, dass sich Bundesregierung und große Koalition über das genaue Vorgehen offenbar noch nicht einig sind. Während sich SPD-Politiker für Staatseinfluss bei der Lufthansa aussprechen, wollen Vertreter der Union, dass sich die Politik aus dem operativen Geschäft der Airline weitgehend heraushält. Laut Lufthansa geht es in den Verhandlungen mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes (WSF) neben einer stillen Beteiligung um einen besicherten Kredit. "Die Konditionen sind Gegenstand dieser Gespräche."

Es gehe zudem um eine staatliche Beteiligung am Grundkapital der Lufthansa. "In diesem Kontext wird auch über verschiedene Varianten von Kapitalerhöhungen gesprochen, unter anderem auch zum Nennbetrag der Aktie, gegebenenfalls nach Kapitalschnitt, um einen Anteilsbesitz von bis zu 25 Prozent plus einer Aktie zu schaffen." Insidern zufolge will der Bund Aktien so günstig wie möglich bekommen, um später schnell wieder mit Gewinn aussteigen zu können. Demnach könnte der Bund die Anteilscheine zum Nennbetrag von 2,56 Euro bekommen, oder bei einer Kapitalherabsetzung zu einem noch niedrigeren Preis. Der Lufthansa Aktienkurs lag am Donnerstagnachmittag bei rund 7,86 Euro. Bei einem Preis von 2,56 Euro würde ein 25-Prozent-Anteil rund 500 Millionen Euro kosten.

Mit der Sache vertraute Personen sagten, geplant sei eine Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht - also unter Ausschluss der Lufthansa-Altaktionäre. Deren Anteil würde verwässert. Einer der Insider sagte, die Stille Beteiligung könnte sich auf rund fünf Milliarden Euro belaufen, staatliche gesicherte Kredite der Förderbank KfW auf etwa 3,5 Milliarden Euro. Die EU-Kommission, die den Deal genehmigen muss, dürfte eine Frist von einigen Jahren vorgeben, bis wann der Bund wieder aussteigen müsse.

Nach Angaben der Lufthansa sind als Auflagen für die Hilfen auch ein Verzicht auf künftige Dividendenzahlungen vorgesehen. "Außerdem wird eine Vertretung im Aufsichtsrat seitens des WSF angestrebt." Der Lufthansa-Vorstand setze die Verhandlungen mit dem Ziel fort, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen. Konzern-Chef Carsten Spohr hatte am Dienstag auf der Hauptversammlung betont, er sei zuversichtlich, die Gespräche mit der Bundesregierung in Kürze abschließen zu können. Ein Befreiungsschlag über eine Insolvenz, den das Management Insidern zufolge für den Fall zu strikter Auflagen des Staates prüfte, soll nicht notwendig sein. "Wir sind überzeugt, dass wir angesichts der Gespräche mit der Bundesregierung nicht auf diese Alternative zurückgreifen müssen", hatte Spohr zu den Aktionären gesagt.

Zuletzt hieß es in der Branche, die Politik könne sich womöglich noch in dieser Woche oder am Wochenende einigen. In der nächsten Woche könnte es dann einen Deal mit der Lufthansa geben. An anderer Stelle verlautete, das Bundeskanzleramt bringe sich nun verstärkt in die Debatte ein. Unklar war zunächst, ob dies für eine Verzögerung sorgen könnte.

CORONA-KRISE BRINGT AIRLINES AN RAND DER EXISTENZ

Die Lufthansa ist wie viele andere Airlines vom weltweiten Einbruch des Reisens durch die Corona-Pandemie so hart getroffen, dass sie um ihre finanzielle Existenz kämpft. Alle vier Heimatländer der Airline-Gruppe - neben Deutschland auch die Schweiz, Österreich und Belgien - wollen der Lufthansa und ihren Töchtern Swiss, Austrian und Brussels Airlines unter die Arme greifen. Doch sie stellen Bedingungen zur Standortsicherung oder verlangen Mitsprache wegen der erheblichen Steuergelder.

Spohr hat bereits angekündigt, etwa 100 der zuletzt 760 Flugzeuge für immer am Boden zu lassen. Für rund 10.000 überzählige Mitarbeiter müssten neue Jobs gefunden werden. (Reporter: Klaus Lauer, Arno Schütze und Alexander Hübner; redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1236 oder 030-2888 5168)

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