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Geht das BER-Bodenpersonal leer aus? Interne Papiere zeigen, dass Swissport bereits beschlossene Gehaltserhöhung aufschieben will

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 21.09.2021 Christian Mayer

Droht den Angestellten der Bodenverkehrsdienstleister am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) ein Rückzieher der ab dem 1. Januar 2022 geplanten Tariferhöhung? Nach Informationen von Business Insider wolle einer der drei Dienstleister, das in Zürich ansässige Unternehmen Swissport, die Erhöhung der Gehälter ihres Personals auf den Prüfstand stellen.

Zu den Mitarbeitern von Bodenverkehrsdienstleistern gehören diejenigen, die Fracht und Passagiere eines Flugzeugs abfertigen: Vom Check-in über die Gepäckabgabe bis zum Beladen des Flugzeugs. Im Frühjahr 2020 hatten sich die drei Bodenverkehrsdienstleister am Flughafen BER – Swissport, Wisag und Aeroground – zusammen mit der Gewerkschaft Verdi auf einen Vergütungstarifvertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren geeinigt.

Dieser Tarifvertrag sieht drei Gehaltserhöhungen vor: die erste zum 1. März 2020, die zweite zum 1. Januar 2021 und die letzte und kleinste Erhöhung ab dem kommenden Januar. Für Angestellte der niedrigsten Gehaltsstufe geht es in dieser Runde um rund neun Prozent mehr Geld; für Angestellte der höchsten Stufe um rund 4,8 Prozent mehr Geld. Im Gegenzug hatte die Gewerkschaft damals versprochen, rund um die Eröffnung des Flughafens BER nicht zu streiken.

Swissport: Aufschiebung der Gehaltserhöhung "unumgänglich"

Nach Informationen von Business Insider hat ein Swissport-Manager den für die Verhandlungen zuständigen Allgemeinen Verband der Wirtschaft schriftlich gebeten, alle Partner einzuladen, um über "die tariflichen Erhöhungen im Januar 2022 zu diskutieren". Swissport halte es "aufgrund der derzeitigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage sowohl in der Bundesrepublik als auch in Europa" für "unumgänglich, die tariflichen Erhöhungen im Januar aufzuschieben". Die wirtschaftliche Lage von Unternehmen der Luftfahrt ("Fluggesellschaften wie auch Dienstleister") erlaube es nicht, die Erhöhung aufrechtzuerhalten.

In einem weiteren Schreiben, das Business Insider vorliegt, konkretisiert der Bodenverkehrsdienstleister Swissport die Gründe: Man brauche die Neuverhandlungen des Tarifvertrags einerseits aufgrund des "erneuten Anstiegs der Fallzahlen" in Deutschland und Europa. Andererseits sorge der "Preisdruck der Fluggesellschaften auf die Dienstleistungsbranche am Flughafen" für weniger Umsatz. Zusammen mit der geplanten Erhöhung der Personalkosten ab dem 1. Januar 2022 führe das nicht zu einer "nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung", heißt es in dem Schreiben.

Business Insider hat Swissport nach den Gründen gefragt, warum der Dienstleister die dritte Erhöhung gerne aussetzen würde. Ein Swissport-Sprecher sagte uns daraufhin: "Swissport steht zum aktuell gültigen Tarifvertrag für ihre Beschäftigten am Standort Berlin. Über die genaue Ausgestaltung entscheiden die Tarifpartner gemeinsam im engen Dialog."

Wisag und Aeroground bleiben dabei: Gehaltserhöhung sei angemessen

Swissport stehe nach der Refinanzierung und dem Eigentümerwechsel Ende vergangenen Jahres wirtschaftlich stabil da, sei aber wie alle Luftfahrtunternehmen mit großen Herausforderungen konfrontiert. Deshalb könne sich Swissport Standorte, die strukturell defizitär sind, nicht leisten. "Auf dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr 2020 sahen wir Märkte mit 95 Prozent weniger Volumen. Weltweit sank der Umsatz um 70 bis 80 Prozent; im Frachtbereich um 28,5 Prozent", sagte der Swissport-Sprecher. Verglichen mit Vor-Corona habe das Unternehmen mehr als 20.000 Arbeitsplätze abbauen müssen. Aus Swissport-Sicht werde die Erholung langsamer verlaufen als ursprünglich erwartet.

Würde ein neuer Tarifvertrag verhandelt werden, wären die Mitarbeiter aller drei Bodenverkehrsdienstleister am BER betroffen. Der Dienstleister Wisag betonte auf Nachfrage von Business Insider, man halte die Gehaltserhöhung zum 1. Januar 2022 für angemessen. "Die tariflich vereinbarten Lohnerhöhungen zum 1. März 2020 wurden bereits coronabedingt ausgesetzt und auf den 1. Januar 2021 verschoben. Die Corona-Lasten müssen auf allen Schultern gleichmäßig verteilt werden und dürfen nicht auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen", sagte uns eine Wisag-Sprecherin. Auch der Dritte im Bunde, der Dienstleister Aeroground, ließ durch einen Sprecher mitteilen, es gebe "keinerlei Überlegungen", die geplante Tariferhöhung auszusetzen.

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