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Häuslebauer springen ab - Eigenheimbauplätze bleiben leer

SZ - Sächsische Zeitung-Logo SZ - Sächsische Zeitung 07.12.2022

In Ottendorf-Okrilla und Medingen sollten eigentlich Familien ihr neues Zuhause im Eigenheim finden. Doch hohe Bauzinsen, Inflation, Krieg und Energiekosten machen den Traum zunichte.

Henryk Borchers will in Medingen einen neuen Wohnpark errichten. Das Interesse ist allerdings verhalten. © Marion Doering © Marion Doering Henryk Borchers will in Medingen einen neuen Wohnpark errichten. Das Interesse ist allerdings verhalten. © Marion Doering

Ottendorf-Okrilla/Medingen. Henryk Borchers hatte eigentlich geplant, in Medingen einen neuen Wohnpark für Eigenheimbauer vorzubereiten. Auch eine Seniorenresidenz ist am Eichelberg geplant - doch bislang ohne Nachfrage. "Unsere Branche trifft es hier besonders hart. Es hat sich in der Welt leider viel verändert", sagt der Bauherr von der Viva Massivhaus GmbH.

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Ähnlich sieht es bei Felix Nieder von der FN Grundstücksentwicklungs-GmbH & Co. KG aus. Am Farrenberg in Ottendorf-Okrilla hatte seine Firma Baugrundstücke für Eigenheime vorbereitet.

"Wohnbauförderung für Familien durch den Bund"

Felix Nieder sagt, die steigenden Energiekosten, die Inflation, die steigenden Zinsen und auch der Krieg hätten dazu beigetragen, dass das Kaufinteresse vor allem bei Familien zurückgegangen ist. "Erst wenn die Zinsen wieder sinken und die Bundesregierung vielleicht ein Wohnbauförderprogramm für Familien anbietet, wird die Nachfrage wieder steigen", vermutet der Bauherr. Denn seiner Erfahrung nach sei das Interesse von Vätern und Müttern weiterhin da. "Langfristig rechne ich mit einer Entspannung am Immobilienmarkt, denn die Menschen wollen im Eigenheim wohnen, doch derzeit können es sich die wenigsten leisten", so Nieder.

Mit der Erschließung des Wohngebietes am Farrenberg in Ottendorf-Okrilla sei seine Firma soweit fertig. Die Straßen sind gebaut, die Lampen installiert. Jetzt können die Häuslebauer kommen. Neben 27 Einfamilienhäusern sollen auf dem ehemaligen LPG-Gelände auch mehrere Familienwohnungen entstehen. Fünf Grundstücke für Eigenheimbauer seien immer noch frei - das war bereits im Spätsommer so.

Der Kaufpreis lag damals bei 340 Euro pro Quadratmeter. Wie hoch er heute ist, könne Nieder nicht sagen, dies sei durch den beauftragten Makler zu erfragen.

Das Gelände Am Farrenberg wird seit Ende April dieses Jahres erschlossen.

"So traurig es ist, kann ich die Menschen auch verstehen"

Am Eichelberg in Medingen sollten ebenfalls elf kleine Einfamilienhäuser entstehen. Die Grundstücke dafür werden von der Viva Massivhaus GmbH vorbereitet.

Geschäftsführer Henryk Borchers hat aber noch keines der Grundstücker verkaufen können. Sechs Kettenhäuser links neben den Bestandswohnhäusern waren geplant. Die Grundstücke haben alle eine Größe von rund 220 Quadratmetern, die jeweiligen Häuser sind mit etwa 130 Quadratmeter Wohnfläche und damit vier Zimmer geplant.

Für die Häuser, inklusive Garage, Garten und Anschluss an ein Nahwärmenetz der Drewag wurden im Sommer Preise zwischen 450.000 und 460.000 Euro aufgerufen.

Doch nun übt sich auch Henryk Borchers in Geduld. Zum einen seien die Förderprogramme für private Häuslebauer ausgelaufen, dazu kämen die extrem gestiegenen Zinsen sowie die immer höheren Baukosten. Das schrecke Käufer zusehends ab.

"Der normale Bürger kann sich in dieser Zeit vom Traum der eigenen vier Wände vorerst verabschieden. So traurig es ist, kann ich die Menschen auch verstehen", sagt Borchers. "In dieser ungewissen Zeit sich finanziell so zu verausgaben, ist schon ein immenses Risiko." Dabei handle es sich "aber nicht nur um ein Phänomen in unserer Region".

"Auch in unserem zweiten Hauptbaugebiet Baden-Württemberg ist die Nachfrage seit Mai auf Null gesunken", erzählt der Bauherr. "Dort hatten wir in 2021 innerhalb von 14 Tagen das gesamte Baufeld veräußert. Der zweite Teil in der Stadt Öhringen wurde daraufhin von uns optioniert und dann am Tag des Kriegsausbruches beurkundet. Bis zum heutigen Tag ist seitdem kein Bauplatz mehr verkauft worden."

Kein Investor für geplante Seniorenresidenz

Ähnlich verhalte es sich mit dem geplanten Neubau für das betreute Wohnen in Medingen. "Hier kann momentan leider kein verlässlicher Preis dem möglichen Investor genannt werden", sagt Borchers. "Fast alle Gewerke geben momentan nur tagesaktuelle Preise ab. Eine Preisbindung bis zur Fertigstellung ist somit aussichtslos, da keiner in die Glaskugel schauen kann, wie es hier weitergeht", erklärt der Bauherr die Situation am Markt.

"Gern hätten wir auch nur das Grundstück mit der fertigen Projektierung veräußert. Aber auch da gibt es momentan keine Interessenten. Somit bleibt uns nur die Hoffnung auf bessere Zeiten. Doch Förderprogramme für den kleingliedrigen Wohnungsbau sind meines Erachtens nach nicht in Sicht", bedauert Borchers.

Das Baukonzept für das rund 5.000 Quadratmeter große Areal in Medingen sieht eine Symbiose zwischen älteren und jüngeren Menschen vor, sagt Investor Henryk Borchers. "Wir planen hier eine Seniorenresidenz mit 16 rollatorgerechten Wohnungen und zwei rollstuhlgerechten Wohnungen. Das Haus soll eine Tiefgarage mit 16 Stellplätzen bekommen. Wann dieser Traum nun Wirklichkeit wird, bleibt abzuwarten."

"Jeder Cent wird umgedreht"

"Nun, wie gehen wir damit um?", fragt der Geschäftsführer des Bauunternehmens und erklärt, dass "nicht zwingend notwendige Stellen abgebaut wurden". Jeder Cent werde umgedreht und bestehende Verträge auf ihre Notwendigkeit und Einsparpotenzial geprüft.

Dieser Konsolidierungsprozess nage auch an der Stimmung im Unternehmen. Aber das ginge "momentan fast allen, die ich kenne, so", sagt Borchers. Auch die neue Bestimmung des so genannten "Z"-Wertes beim Baugrubenaushub verursache neue Zusatzkosten.

"Früher konnte jede Deponie selber entscheiden, welcher Boden angenommen wird. Heute muss beim Aushub jeweils eine Analyse vom Labor gemacht werden. Anhand dieses Wertes wird dann die Deponie rausgesucht." Dadurch komme es zu Verzögerungen im Bauablauf, um auf die Laborergebnisse zu warten, und zu längeren und teilweise verschiedenen Transportwegen. Der Bauherr wird dadurch wieder zusätzlich zur Kasse gebeten", erklärt Borchers weiter.

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