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Infineon-Aktie legt zu: Infineon verbessert Marge in Q4 um 410 Basispunkte zu Q3

Finanzen.net-Logo Finanzen.net 09.11.2020

Infineon hat im vierten Geschäftsquartal (per Ende September) bei deutlichem Wachstum operativ erheblich mehr verdient als im Vorjahreszeitraum.

Ralph Orlowski/Getty Images © Bereitgestellt von Finanzen.net Ralph Orlowski/Getty Images

Das sogenannte Segmentergebnis stieg um 22 Prozent auf 379 Millionen Euro, wie der Chiphersteller aus der Nähe von München mitteilte. Unterstützend wirkte das im April übernommene US-Unternehmen Cypress. Die viel beachtete Segmentergebnis-Marge stieg gegenüber dem von Lockdowns geprägtem Frühjahr um 410 Basispunkte auf 15,2 Prozent. Der Umsatz stieg im Quartalsvergleich um 15 Prozent auf 2,49 Milliarden Euro.

"Einige unserer Zielmärkte, insbesondere der Automarkt, haben sich seit Sommer besser als erwartet erholt", sagte Vorstandschef Reinhard Ploss. "Noch ein gutes Stück weit von einer Erholung entfernt" sieht er dagegen das Geschäft mit der Fabrikautomatisierung. Bei Leistungshalbleitern für die Industrie sanken die Umsätze.

Angesichts der gravierenden Corona-Risiken und mit Blick auf die erhöhte Zahl von Aktien will Infineon die Dividende um 5 Euro-Cent auf 22 Cent je Aktie senken.

Analysten hatten nach einem von Infineon selbst zusammengestellten Konsens im abgelaufenen Quartal mit fast 2,5 Milliarden Euro Umsatz, einem Segmentergebnis von 363 Millionen Euro und einem Nettoergebnis von 154 Millionen Euro gerechnet.

Ein Händler sprach in einer ersten Einschätzung von "guten Quartalszahlen", zudem liege der Ausblick auf das laufende erste Geschäftsquartal leicht über den Markterwartungen. Allerdings enttäusche die Gewinnmarge in der Automotive-Sparte ein wenig. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass die Erwartungen angesichts guter Resultate von Wettbewerbern schon recht hoch gewesen sein dürften, sagte er. Daher seien Gewinnmitnahmen im Tagesverlauf denkbar, auch weil die Aktien zuletzt gut gelaufen seien.

Konzernchef Reinhard Ploss sprach von einem "sehr ordentlichen vierten Quartal" in einem außergewöhnlichen und schwierigen Geschäftsjahr. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/2020 konnte Infineon die Erlöse im kombinierten Unternehmen mit Cypress im Vergleich zum Vorjahr um rund 7 Prozent auf 8,57 Milliarden Euro steigern. Das operative Ergebnis nahm dagegen um rund 11 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro ab.

Für das neue und seit Anfang Oktober laufende Geschäftsjahr 2020/2021 kündigte der Manager weiteres deutliches Wachstum an. Infineon peilt bei einem Umsatz von 10,5 Milliarden Euro eine Segmentergebnismarge von 16,5 Prozent an. Den Free Cashflow erwartet Infineon bei mehr als 700 Millionen Euro. Allerdings wird Cypress Semiconductor dann erstmals für ein gesamtes Geschäftsjahr konsolidiert. Die Zahlen sind daher nur bedingt mit dem Vorjahr vergleichbar.

Trotzdem gibt sich der Manager "verhalten optimistisch". So soll der Umsatz deutlich um rund 2 Milliarden Euro auf 10,5 Milliarden Euro, plus oder minus 5 Prozent, steigen und auch die Segementergebnis-Marge mit 16,5 in der Mitte der Umsatzspanne klar über dem Vorjahreswert liegen. Der Konzernchef verdeutlichte aber auch, dass nicht nur das Infektionsgeschehen eine Herausforderung bleibe, sondern auch die geopolitische Lage.

Positiv sei dagegen, dass Infineon durch die Verstärkung des Cypress-Zukaufs nun über ein breiteres Technologie- und Produktportfolio verfüge. Damit könnte der Chiphersteller noch mehr Märkte erreichen, unterstrich Ploss, der das Unternehmen für die Zukunft "bestens aufgestellt" sieht. Im neuen Geschäftsjahr soll das für Infineon besonders wichtige Autogeschäft etwas mehr als die Hälfte zum erwarteten Umsatzanstieg beitragen.


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Für das typischerweise schwächere erste Geschäftsquartal geht der Chiphersteller von einem Umsatz zwischen 2,4 und 2,7 Milliarden Euro aus. Damit würden die Erlöse am unteren Rand der Spanne im Vergleich zum Vorquartal leicht zurückgehen, sie könnten bei einem positiven Verlauf aber auch steigen. Wegen der Schwankungen in der konjunkturanfälligen Chipbranche werden Geschäftszahlen üblicherweise mit dem Vorquartal verglichen.

Infineon habe bewiesen, dass das Unternehmen ein robustes Geschäftsmodell habe und sich auch in unsicheren Zeiten stetig weiterentwickle, befand Ploss. Vor allem der Automarkt habe sich seit dem Sommer besser als erwartet erholt. Hinzu komme der beschleunigte Wandel hin zur Elektromobiliät, insbesondere in Europa. Ploss verwies aber auch darauf, dass andere Märkte Schwäche gezeigt hätten. So sei etwa das Geschäft mit hoheitlichen Dokumenten oder der Markt für Zugantriebe von einer Erholung "noch ein gutes Stück weit" entfernt.

Neben der Automotive-Sparte lief es im vierten Geschäftsquartal auch in der PSS-Sparte (Power & Sensor Systems) positiv für Infineon, Umsatz und operatives Ergebnis konnten jeweils klar zulegen. In der PSS-Sparte ist unter anderem das Geschäft mit Chips für die Stromversorgung sowie für mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets gebündelt.

Ungeachtet dessen reduzierte Infineon den Dividendenvorschlag für das abgelaufene Jahr auf 0,22 Euro je Aktie nach 0,27 Euro je Anteilsschein ein Jahr zuvor. Das Unternehmen begründete dies mit der Corona-Krise und anhaltenden Risiken. Die Investitionen für das laufende Jahre sollen zwischen 1,4 und 1,5 Milliarden Euro liegen.

Infineon schließt Liefervertrag für Siliziumkarbid mit US-Konzern GTAT

Der Halbleiterkonzern Infineon hat mit dem US-Unternehmen GT Advanced Technologies (GTAT) einen Liefervertrag für Siliziumkarbid geschlossen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von zunächst fünf Jahren, wie der DAX-Konzern mitteilte. Finanzielle Details wurden nicht genannt. Siliziumkarbid ermöglicht den Angaben zufolge besonders effiziente, robuste und auf Systemebene kostengünstige Leistungshalbleiter und wird unter anderem bei Fotovoltaikumrichtern, in Industrie-Stromversorgungen sowie der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge eingesetzt.

"Der jetzt geschlossene Liefervertrag stellt sicher, dass wir die schnell wachsende Nachfrage unserer Kunden mit einer diversifizierten Zuliefererbasis bedienen können", Peter Wawer, President der Industrial Power Control Division von Infineon, laut der Mitteilung. Ein Auftragsvolumen wurde nicht genannt.

Infineon nach Zahlen und Ausblick so stark wie der DAX

Besser als erwartet ausgefallene Ergebnisse und ein optimistischer Ausblick auf das erste Geschäftsquartal haben am Montag die Erholungsrally der Infineon-Aktie weiter vorangetrieben. Letztendlich notierte die Aktie via XETRA noch 3,56 Prozent im Plus bei 27,35 Euro. Das jüngste Zwischentief bei 23,375 Euro ist fast schon vergessen gemacht und die Aktie ist zurück auf dem Niveau von vor zweieinhalb Wochen.

Bereits am vergangenen Donnerstag war es ihr gelungen, wieder über der 21-Tage-Linie zu schließen, die aktuell bei 26,31 Euro verläuft. Von dieser Durchschnittslinie, die für charttechnisch interessierte Anleger ein wichtiger Indikator für den kurzfristigen Trend der Aktie ist, setzt sich das Papier nun zunehmend deutlicher nach oben hin ab. Mit plus 32 Prozent im bisherigen Jahresverlauf liegt das Papier aktuell auf dem zweiten Platz im DAX nach Delivery Hero. Der Leitindex selbst hat im bisherigen Jahresverlauf dagegen etwas mehr als vier Prozent eingebüßt.

Analysten lobten vor allem die Ergebnisse des vierten Geschäftsquartals, auch wenn ein Händler anmerkte, dass die Gewinnmarge in der Automotive-Sparte ein wenig enttäuscht habe.

Die Umsätze seien zugleich wie vom Markt erwartet ausgefallen, hieß es allgemein. Dennoch seien auch sie im Quartalsvergleich stark gewesen, "vor allem dank der Geschäftsentwicklung der Autosparte (ATV) und sowie der Power & Sensor-Sparte (PSS)", wie Goldman-Analyst Alexander Duval schrieb.

JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande beurteilte den Geschäftsbericht der Münchener ebenfalls "alles in allem positiv". Trotz eines beträchtlichen Gegenwinds von der Währungsseite habe Infineon mit seinem Segmentergebnis positiv überrascht, während die Segmenterlöse wie erwartet ausgefallen seien, konstatierte er. Zudem habe Infineon trotz des Gegenwinds Umsätze für das neue Geschäftsjahr in Aussicht gestellt, die seinen langfristigen Wachstumszielen entsprächen. "Sollte der Wandel in der Autoindustrie in Richtung Elektrifizierung schneller als erwartet vonstatten gehen, sehen wir Aufwärtspotenzial für die Geschäftsjahresziele", schrieb Deshpande.

Credit-Suisse-Experte Achal Sultania indes äußerte sich weniger positiv. Seine Umsatzschätzung für das Schlussquartal wurde verfehlt. Zudem verwies er darauf, dass auch die Unternehmensprognosen zum Umsatz sowie Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) unter seinen Schätzungen lägen. Er vermutet: "Das mittelfristige Ziel einer Ebit-Marge von 19 Prozent könnte sich als zu optimistisch erweisen", obwohl auch Sultania von einer sich weiter verbessernden Ertragskraft ausgeht.

Der Händler meinte ferner, dass angesichts guter Resultate von Wettbewerbern die Erwartungen insgesamt bereits recht hoch gewesen seien. Er hält daher Gewinnmitnahmen für denkbar. (Dow Jones / dpa-AFX)

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