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Jetzt auch Amazon: Bei diesen Händlern spart ihr ab sofort die Mehrwertsteuer

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 02.07.2020 Lena Anzenhofer
Die Mehrwertsteuer-Senkung wird sich für viele Kunden nicht auszahlen © Bereitgestellt von Business Insider Deutschland Die Mehrwertsteuer-Senkung wird sich für viele Kunden nicht auszahlen Getty Images

Mehr als 167 Milliarden Euro lässt sich der deutsche Staat das Ankurbeln der Konjunktur kosten. Konkret sollen 57 Einzelmaßnahmen die deutsche Wirtschaft mit "Wumms", wie es Finanzminister Olaf Scholz (SPD) formulierte, wieder aus dem Corona-Schockzustand herausführen.

Einer der Punkte: die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 bzw. 7 auf 5 Prozent. Alleine das kostet 20 Milliarden Euro. Doch aus dem damit erhofften "Wumms" könnte möglicherweise nur ein Poltern werden: Denn schon jetzt ist klar, dass Verbraucher von der Senkung wenig mitbekommen wird.

Drei Gründe, warum die Preise nur teilweise sinken

Das hat drei Gründe: Erstens ist die Senkung um drei beziehungsweise zwei Prozent vergleichsweise gering. Eine Tafel Milka-Schokolade, für die bisher ein Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent gilt, würde dann beispielsweise statt 1,09 Euro bald 1,07 Euro kosten – also gerade mal zwei Cent weniger. Eine Bahnfahrt von München nach Hamburg am kommenden Montag ohne Bahncard kostet einen Euro weniger.

Der zweite Grund: Der Verwaltungsaufwand für Unternehmen, die Mehrwertsteuer jetzt für einige Monate zu senken, ist laut Ökonomen hoch. Und drittens geht es einigen Branchen derart schlecht, dass Firmen den Mehrwertsteuer-Vorteil bewusst nicht weitergeben. Beispiel: Hotels und Gaststätten.

"Die Mehrwertsteuer, die schon allein vom Volumen und von der Dauer nur einen marginalen Beitrag erbringen jetzt auch noch weitergeben zu sollen, fördert weder den Umsatz noch wäre es für die Hotellerie eine Entlastung", kritisiert etwa Dirk Iserlohe, Aufsichtsratschef der Hotel-Gruppe Dorint.

Ohnehin würde die Weitergabe an die Kunden in seinem Metier kaum etwas bewirken, sagt Iserlohe: "Glauben Sie, dass die Menschen von Köln nach Rügen fahren, nur weil die Nacht um 3 bis 6 Euro günstiger geworden ist?"

Die Erfahrung im Ausland mit einer zeitlich befristeten Mehrwertsteuersenkung lassen auch keine große Hoffnung auf einen "Wumms" aufkommen: In Großbritannien etwa senkte die Regierung von Anfang Dezember 2008 bis Ende Dezember 2009 die Mehrwertsteuer von 17,5 auf 15 Prozent. Höchstens drei Viertel der Unternehmen gaben den Preisvorteil weiter. Die gesamten Konsumausgaben stiegen in der Zeit lediglich um 0,4 Prozent – und fielen dann wieder runter, weil viele Verbraucher ihre Ausgaben nur vorzogen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch andere Studien, etwa in Frankreich oder in Skandinavien. Die Mehrwertsteuer-Senkungen nahm beispielsweise die Hälfte auch der Restaurant-Betreiber einfach mit.

Diese Unternehmen haben Preissenkungen angekündigt

Und wie schaut es hierzulande aus? Business Insider hat für verschiedene Branchen den Check gemacht:

Supermärkte und Drogerien

Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Penny und Kaufland haben bereits angekündigt, den Preisvorteil an die Kunden weiterzugeben. "Wir werden alle Produkte des täglichen Bedarfs mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz von 16 anstatt 19 Prozent und dem ermäßigten Satz von 5 anstatt 7 Prozent anbieten", sagt etwa Matthias Oppitz, Deutschlandchef von Lidl.

Auch die Drogeriemarkt-Kette Rossmann sagte auf Anfrage von Business Insider: "Wir geben die Mehrwertsteuersenkung an unsere Kunden weiter."

Onlinehandel

Auch Branchenprimus Amazon will die Steuersenkung an seine Kunden weitergeben. Bei den Eigenprodukten des Händlers werde der Preis direkt gesenkt, dies gelte "nahezu auf das gesamte Sortiment, wie eine Sprecherin der "Lebensmittelzeitung" sagte. Andere Händler, die auf dem Amazon-Marktplatz verkaufen, blieben diesbezüglich weiterhin frei in ihrer Entscheidung. Über einen eigenen Reiter auf der Startseite informiert der Onlineversandhändler seine Kunden über die Neuerung.

Elektronik-Fachhandel

Auch MediaMarkt und Saturn wollen etwas tun, ohne aber konkret zu werden, kündigte der Mutterkonzern Ceconomy an. Gravis und Cyberport planen laut einem Bericht des Tech-Portals GIGA ebenfalls eine Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an die Kunden.

Modeketten

Der britische Fast-Fashion-Händler Primark kündigte am Dienstagmorgen an, in seinen 32 deutschen Stores die geplante Mehrwertsteuersenkung vollständig an seine Kunden weitergeben zu wollen. Hinweisschilder in den Primark-Stores sollen vom 1. Juli an auf den Rabatt hinweisen. Der rabattierte Artikelpreis werde dann direkt auf dem Kassenbon ersichtlich sein, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Rabattierung gelte auch für bereits reduzierte Artikel.

In der Modebranche fallen die Reaktionen sehr unterschiedlich aus. Die Kette C&A teilt auf Anfrage mit: "Wir werden die Mehrwertsteuersenkung in vollem Umfang an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben, damit sie von dieser Initiative profitieren können." Ein anderer Händler, der namentlich nicht genannt werden will, äußerte sich gegenüber dem Magazin "Spiegel" eher skeptisch: Die Preise seien schon jetzt so stark gesenkt worden und die Rabatte beim Neustart der Läden so hoch gewesen, dass sie nicht weiter sinken könnten.

Der schwedische Modehändler H&M wollte sich auf Nachfrage nicht äußern.

Sonstige

Auf der Liste der Geschäfte, bei denen die Kunden direkt von der Mehrwertsteuersenkung profitieren, stehen zudem der Hamburger Onlinehändler Otto und die Baumärkte Hornbach, Obi und Bauhaus.

McDonald's erklärte hingegen: "Die Mehrwertsteuersenkung schafft einen flexiblen Handlungsspielraum, für den wir als Unternehmen dankbar sind." Zum einen will es an dem im März vereinbarten Tarifvertragsabschluss festhalten und die Löhne seiner Mitarbeiter um durchschnittlich fünf Prozent im Jahr anheben, sowie seine Angestellten wieder aus der Kurzarbeit zurückholen.

Zum anderen gebe es dem Unternehmen die Möglichkeit, auf Preiserhöhungen für das restliche Jahr zu verzichten. Die wären aufgrund der Corona-bedingten Umsatzeinbuße wahrscheinlich gewesen. Stattdessen könnten sich Kunden nun auf in der App ausgewiesene Rabattaktionen ab der zweiten Jahreshälfte freuen.

Diskussion um längere Senkung der Mehrwertsteuer

Die Sorge davor, dass mit der Mehrwertsteuer-Senkung der erhoffte Wumms ausbleibt, treibt auch die Berliner Politik. So hatte SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich vor ein paar Tagen im Deutschlandfunk gesagt, eine Senkung der Mehrwertsteuer über das Ende dieses Jahres hinaus halte er für möglich. "Man kann in der jetzigen Situation gar nichts ausschließen. Wir werden auch nachsteuern müssen." Das lehnen Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) jedoch ab.

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