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Jetzt kann Trump sein V-Versprechen kaum noch halten

WELT-Logo WELT 30.04.2020 Stefan Beutelsbacher
Donald Trump knüpft sein Schicksal an die Wirtschaft Quelle: dpa/Patrick Semansky © dpa/Patrick Semansky Donald Trump knüpft sein Schicksal an die Wirtschaft Quelle: dpa/Patrick Semansky

Die US-Wirtschaft bricht im ersten Quartal um fast fünf Prozent ein. Donald Trump verspricht eine schnelle Erholung – auch weil er sie selbst dringend benötigt. Tatsächlich dürften die Zahlen jetzt, Ende April, noch gruseliger aussehen – und das Schlimmste steht noch bevor.

Amerikas Präsident verspricht den Bürgern das V. Die Wirtschaft, sagt Donald Trump immer wieder, breche nun zunächst ein. Aber schon bald, meint er, werde sie sich wieder erholen.

In seiner jüngsten Pressekonferenz zur Corona-Pandemie träumte Trump von einem „raketenschnellen“ Comeback der Ökonomie. Erst runter, dann wieder hoch, beides in rasantem Tempo – so stellt er sich das vor. Aber die neuesten Daten aus den USA deuten darauf hin, dass es anders kommt.

Die US-Wirtschaft schrumpfte in den vergangenen drei Monaten dramatisch. Von Januar bis März betrug das Minus 4,8 Prozent, wie das Handelsministerium mitteilte.

Es ist der erste Rückgang seit 2014. Und der schlimmste seit der Finanzkrise von 2008. Vor dem Ausbruch des Virus war die Wirtschaft noch mit 2,1 Prozent gewachsen. Der erste Teil von Trumps Prognose erfüllt sich also: Es geht tatsächlich schnell abwärts. Die Frage lautet nun: Ist der Boden erreicht und wird sich – der V-Kurve folgend – die Lage schnell bessern?

Es sieht nicht so aus. Denn die Zahlen beziehen lediglich auf den äußersten Anfang der Pandemie. Sie beschreiben die US-Wirtschaft, wie sie Ende März aussah.

Im Januar und Februar war Corona für viele Amerikaner noch weit weg, bloß ein weiterer Erreger, der in einem fernen Teil der Welt vom Tier auf den Menschen übersprang. Restaurants, Friseure, Autohäuser, alles war geöffnet. Erst in den letzten Märzwochen, also am Ende des Quartals, kam das öffentliche Leben in den USA zum Erliegen.

Trump braucht schnellen Aufschwung

Erst im laufenden zweiten Quartal erlebt das Land nun die volle Wucht der Virus-Folgen. Mehr als eine Million Bürger haben sich infiziert, fast 60.000 sind an Covid-19 gestorben. Die größte Volkswirtschaft der Erde befindet sich im Lockdown.

Ökonomen warnen davor, dass Amerika der stärkste Wachstumseinbruch seit der Großen Depression vor fast 100 Jahren droht. Ein Minus von 30 Prozent halten viele für realistisch, vielleicht mehr. Das Schlimmste steht den USA also noch bevor. Die aktuellen Zahlen bieten nur eine Ahnung der Katastrophe, die noch kommt. Die Talsohle des V scheint fern.

Aber was geschieht, wenn es eines Tages erreicht wird? Die US-Politik kämpft um eine schnelle Erholung. Texas zum Beispiel will ab Freitag wieder die Wirtschaft hochfahren. Restaurants und Kinos sollen wieder öffnen, obwohl die Zahl der Infektionen bisher nicht sinkt.

Und das Weiße Haus verabschiedete das größte Hilfspaket der amerikanischen Geschichte. 2,7 Billionen Dollar fließen an die Bundesstaaten, an kleine Firmen und auf die Konten der Bürger, als Helikoptergeld. Aber wird das für den „raketenschnellen“ Aufschwung sorgen, auf den Trump hofft?

Trump braucht ihn. Denn wie kaum ein Präsident vor ihm knüpfte er sein Schicksal an die Wirtschaft. Trump rühmte sich für die geringe Arbeitslosigkeit, die vor der Pandemie in den USA herrschte. Er lobte sich für die steigenden Löhne. Er feierte sich für die Rallyes an der Wall Street.

Konsum abgewürgt

Und nun muss Trump erleben, wie alles kollabiert. Ausgerechnet jetzt, 2020, im Jahr der Wahl. Trump wird im November – voraussichtlich – gegen den Demokraten Joe Biden antreten. In vielen Bundesstaaten liegt Trump in den Umfragen zurück. Schlägt nun die Rezession zu, könnten ihm noch mehr Wähler den Rücken kehren.

Deshalb ist das V für Trump so wichtig. Aber wahrscheinlich wird die Kurve anders aussehen. Die Wirtschaft, prognostiziert die Budget-Behörde des US-Kongresses, wird sich erst in der zweiten Hälfte des Jahres erholen.

Und das auch nur sehr langsam. Frühestens in zwei Jahren, meinen die Experten, könnte sie wieder ähnlich stark sein wie vor der Pandemie. Ein „raketenschnelles“ Comeback wäre das nicht.

Aber warum dauert es so lange? Ein Grund ist laut Ökonomen, dass die Corona-Krise den Konsum abwürgt. Die Kauflust der Amerikaner war die treibende Kraft des Aufschwungs. Nun aber halten die Bürger ihr Geld zusammen. Die Ausgaben für Waren sanken im ersten Quartal um 1,3 Prozent. Bei den Dienstleistungen betrug das Minus sogar mehr als zehn Prozent. Und vor allem dieser Bereich dürfte sich nicht schnell erholen.

Wer jetzt den Autokauf verschiebt, holt ihn später vielleicht nach. Aber wer drei Gänge zum Friseur verpasst und seine Haare wachsen lässt, wird nach dem Lockdown trotzdem nur einen Schnitt benötigen.

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