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Katastrophenfall wegen Corona: Wie sieht es jetzt in Halles Innenstadt aus?

Mitteldeutsche Zeitung-Logo Mitteldeutsche Zeitung 19.03.2020 Katja Pausch
Auch der Kaufhof schließt bis auf weiteres seine Türen. © Silvio Kison Auch der Kaufhof schließt bis auf weiteres seine Türen.

Krise im Anzug. Retter im T-Shirt. Der Spruch, Teil einer Imagekampagne für das deutsche Handwerk, prangt auf einem blauen Pulli im Schaufenster des Herrenmodengeschäfts Seelig am Hansering - und passt nirgendwann besser als in diesen Tagen.

Halle hat den Katastrophenfall ausgerufen, und das bedeutet für den Handel: Alle Läden und Geschäfte, die nicht der Existenzsicherung dienen, müssen auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben. Ob Kaufhof oder Deichmann, Tchibo oder New Yorker - überall künden an den Eingangstüren und Schaufenstern Zettel davon, dass die betreffenden Geschäfte bis auf weiteres nicht öffnen werden. „Bleiben Sie gesund“ wünscht das Galeria-Kaufhof-Team allen Kunden, die nun auf den Online-Handel verwiesen werden.

Auf dem halleschen Markt herrscht eine seltsame Ruhe

Auf dem halleschen Markt indes herrscht eine seltsame Ruhe. Merklich weniger Passanten sind unterwegs, einige mit Atemschutzmaske, viele mit Tuch vor dem Mund - einige kombinieren beides. Am Bäckerstand Griebel auf dem Wochenmarkt hat nicht nur die Verkäuferin weiße Gummihandschuhe übergezogen. Auch das Ehepaar aus Bayern, das sich einige süße Teilchen zum Kaffee kauft, schützt sich auf diese Weise vor der Übertragung des Corona-Virus’ - sicher ist sicher.

Am Gemüsestand um die Ecke läuft alles noch wie immer. Fast jedenfalls. Denn deutlich weniger Kunden kämen, und das schon seit Tagen, sagt Bettina Schmidt. Die Hallenserin ist seit einem halben Jahrhundert im Handel beschäftigt, aber so etwas habe sie noch nie erlebt. „Wenn noch weniger Kunden kommen, müssen wir überlegen, ob wir den Aufwand noch betreiben und unseren Stand aufbauen“, so die Verkäuferin, die längst in Rente ist und sich nur noch etwas hinzuverdienen will.

Kein Kundenmangel im Drogeriemarkt Rossmann

Von Kundenmangel kann im Drogeriemarkt Rossmann auf der Leipziger Straße dagegen absolut keine Rede sein - im Gegenteil. Denn dort ist eine neue Lieferung des derzeit wohl gefragtesten Produkts eingetroffen: Toilettenpapier. Vor den Paletten mit der begehrten Ware spielen sich teilweise spektakuläre Szenen ab: Verkäuferinnen, die langsam an ihre Belastungsgrenzen kommen, packen in Windeseile die Ware aus, rabiate Kunden reißen den Verkäuferinnen die Packungen förmlich aus den Händen.

Rossmann © Silvio Kison Rossmann

An den Regalen wird darauf verwiesen, dass jeder Kunde nur zwei Pakete bekommt, gleiches gilt für Küchenrollen. „Ich finde das in Ordnung, da hört endlich die sinnlose Hamsterei auf“, meint eine 80-Jährige, bei der angesichts der Tumulte Erinnerungen an die Nachkriegszeit aufkommen.

Reger Kundenbetrieb in Thalia-Buchhandlung am Markt

Auch in der Thalia-Buchhandlung am Markt ist noch reger Kundenbetrieb - von Aggressionen ist hier natürlich keine Spur. Vielmehr kommen die Leute, um sich mit „Futter für die Seele“ einzudecken. Vor allem Eltern, so ist zu beobachten, kaufen Lehrmaterial für ihre Kinder, die nun zu Hause lernen müssen. „Ich habe noch nie so viele Duden verkauft wie in den vergangenen Tagen“, so eine junge Buchhändlerin.

Sylke Seelig-Hinsche © Silvio Kison Sylke Seelig-Hinsche

Und auch im Herrenmodegeschäft am Hansering dürfen an diesem Tag noch Kunden ein- und ausgehen - ohne dort etwas kaufen zu können. „Mein Geschäft zählt auch zum Handwerk“, erklärt Inhaberin Sylke Seelig-Hinsche, die neben dem Verkauf von Fest-, Freizeit- und Businessmode einen Änderungsservice betreibt.

„Derzeit kommen viele, deren Hochzeiten abgesagt sind oder auf der Kippe stehen“, so die Unternehmerin, die in diesen Zeiten einen Wunsch an andere Unternehmer hat: Vielleicht könne man angesichts der schwierigen Lage Zahlungsfristen aussetzen. „Das würde vielen kleineren Unternehmen wirklich helfen.“ (mz)

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