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Katastrophenhilfe: Wer steckt eigentlich hinter den Spendenkonten von ARD und ZDF?

stern-Logo stern 13.11.2018
Bei der Berichterstattung über Katastrophen rufen Tagesschau (hier Sprecherin Linda Zervakis) und Heute-Nachrichten regelmäßig zum Spenden auf © Picture Alliance/DPA Bei der Berichterstattung über Katastrophen rufen Tagesschau (hier Sprecherin Linda Zervakis) und Heute-Nachrichten regelmäßig zum Spenden auf

Nach Katastrophen blenden ARD und ZDF in den Nachrichten häufig Spendenaufrufe für die Opfer ein. "Finanztest" hat untersucht, welche Organisationen das Geld bekommen und wie seriös diese sind.

Ob Erdbeben, Überschwemmung oder Tsunami - wenn ARD und ZDF in ihren Nachrichtensendungen über verheerende Katastrophen in armen Regionen der Welt berichten, blenden sie häufig Spendenkonten ein, über die man den Opfern helfen kann. Aber welche Organisationen bekommen das Geld der TV-Zuschauer eigentlich - und wie seriös sind sie? Dieser Frage ist die Stiftung Warentest für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest" nachgegangen.

Das Ergebnis: Wird in Tagesschau und Tagesthemen beziehungsweise in Heute-Nachrichten und Heute-Journal ein Nothilfekonto eingeblendet, so geht das Geld an drei Spendenbündnisse, in denen sich wiederum eine Vielzahl von Mitgliedern zusammengeschlossen haben.

ZDF-Zuschauer spenden vor allem an vier Organisationen

Vergleichsweise übersichtlich ist das bei den ZDF-Nachrichten geregelt: Alle Zuschauer-Spenden gehen hier an das "Aktionsbündnis Katastrophenhilfe". Die vier Vollmitglieder

  • Caritas International,
  • Deutsches Rotes Kreuz,
  • Diakonie Katastrophenhilfe
  • und Unicef Deutschland

teilen sich das Spendenaufkommen zu gleichen Teilen. Daneben gibt es noch eine Handvoll eingetragene Partner (Cap Anamur, Child Fund Deutschland, Don Bosco Mondo, Ora Kinderhilfe, Uno Flüchtlingshilfe), die auf Antrag ebenfalls Gelder bekommen können, wodurch sich der Anteil der Vollmitglieder verringert. Alle Organisationen, mit denen das ZDF kooperiert, haben das DZI-Spendensiegel, das für eine transparente und effiziente Verwendung der Gelder erteilt wird.

ARD verteilt das Geld breiter

Etwas komplizierter ist die Struktur bei der ARD. Hier gehen 60 Prozent der Spenden aus Tagesschau-Sendungen an das "Bündnis Entwicklung hilft" und 40 Prozent an die "Aktion Deutschland hilft". Das "Bündnis Entwicklung hilft" hat acht Vollmitglieder, die je elf Prozent der Spenden bekommen sowie drei eingeschränkte Mitglieder, die sich die restlichen elf Prozent teilen. Dies sind:

  • Bischöfliches Hilfswerk Misereor
  • Brot für die Welt
  • Christoffel-Blindenmission Deutschland
  • DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe
  • Deutsche Welthungerhilfe
  • Kindernothilfe
  • Medico International
  • Terre des Hommes
  • German Doctors (eingeschränktes Mitglied)
  • Oxfam Deutschland (eingeschränktes Mitglied)
  • Plan International Deutschland (eingeschränktes Mitglied)

Alle Mitglieder des Bündnisses haben das DZI-Spendensiegel.

Auch Organisationen ohne Spendensiegel dabei

Die "Aktion Deutschland hilft", an die das restliche Geld der ARD-Zuschauer geht, verteilt die Spenden an insgesamt 13 Vollmitglieder:

  • Action Medeor
  • Adra Deutschland
  • Arbeiter-Samariter-Bund
  • Arbeiterwohlfahrt International
  • Care Deutschland-Luxemburg
  • Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband
  • Habitat for Humanity Deutschland
  • Help - Hilfe zur Selbsthilfe
  • Islamic Relief Deutschland
  • Johanniter-Unfall-Hilfe
  • Malteser Hilfsdienst
  • World Vision Deutschland
  • Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland

Kritikpunkt von "Finanztest": Zwar hat die "Aktion Deutschland hilft" als Dachorganisation das DZI-Spendensiegel, doch für die meisten ihrer Mitglieder gilt das nicht. Nur vier der 13 Vollmitglieder lassen sich vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen prüfen. Das DZI-Siegel erhält nur, wer alle Einnahmen und Ausgaben transparent macht und genau nachweist, wofür die Spenden verwendet werden.

Ein fehlendes Siegel heißt allerdings nicht automatisch, dass die Organisation unseriös ist. Manche Organisationen entscheiden sich bewusst gegen das Siegel, da sie die Prüfung selbst bezahlen müssen. Auf der Webseite des DZI findet sich auch eine Liste von Spenderorganisationen, vor denen das Institut warnt und die sie für nicht förderungswürdig hält. Von den von der ARD unterstützten Organisationen ohne Siegel ist keines auf der Negativliste.

Weitere Informationen zum Thema richtig spenden, hat "Finanztest" hier zusammengestellt.

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