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Mögliche Folge des Mercusor-Abkommens: „Pestizide kommen zurück nach Europa“

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 30.06.2019 Sandra Weiss
Eine Beregnungsanlage auf einer Bohnenplantage in Brasilien. © Foto: Werner Rudhart/dpa Eine Beregnungsanlage auf einer Bohnenplantage in Brasilien.

Welche Folgen hat das Freihandelsabkommen Mercusor für die EU? Die Geografin Bombardi warnt vor einem Vergiftungs-Kreislauf. Ein Interview.

Larissa Mies Bombardi ist Geografin an der Uni von Sao Paolo. Sie hat kürzlich einen ausführlichen Atlas über den Einsatz von Agrargiften in Brasilien veröffentlicht.

Die Agrarpolitik war eine große für das Freihandelsabkommen. Vor allem Brasilien erhofft sich einen neuen Markt für Soja, Orangen und Rindfleisch. Brasilien und die USA sind die größten Anwender von Pestiziden weltweit. Wie wird dort mit Pestiziden umgegangen, Frau Bombardi?

Brasilien konsumiert etwa eine Million Tonnen jährlich. Über 500 Pestizide sind hier genehmigt, davon 150, die in der EU verboten sind. Glyphosat ist das mit Abstand am meisten verkaufte Pestizid.

Wegen der Ausweitung der Anbaufläche oder wegen zunehmender Resistenzen?

Vor allem wegen der Ausweitung. Die Flächen dringen von der Zentralsavanne immer weiter in den Amazonas vor – für Soja zum Beispiel haben sie sich von 18 Millionen Hektar im Jahr 2002 auf 33 Millionen Hektar 2015 fast verdoppelt.

Wieviel Pestizide werden versprüht?

Ich habe dokumentiert, dass im Süden, wo die großen landwirtschaftlichen Flächen sind, zwischen 12 und 16 Kilo Pestizide pro Hektar versprüht werden. In Europa sind es ein, in Belgien bis zu zwei Kilo.

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Woher kommt dieser enorme Unterschied?

Das offizielle Argument lautet, dass es in den Tropen mehr Schädlinge gibt. Aber es liegt auch am Modell der industriellen Landwirtschaft, die auf Gentechnik basiert, deren Saatgut glyphosatresistent ist. 70 Prozent der Pestizide werden für genetisch veränderten Soja, Mais und Zucker aufgewendet. Das sind riesige Monokulturen. Alleine die Fläche, auf der Soja angebaut wird, ist vier mal so groß wie Portugal. Außerdem sind die Behörden sehr großzügig, was Grenzwerte betrifft.

Haben Sie ein Beispiel?

Bei Soja sind in der EU Rückstände von Glyphosat von 0,05 Milligramm pro Kilo erlaubt. In Brasilien 10 pro Kilo, also 200 mal mehr. Im Trinkwasser erlaubt Brasilien 5000 mal mehr Glyphosat als Europa.

Zersetzen sich die Pestizide nicht in Berührung mit Wasser?

Nein, sie verschwinden nicht, sie werden im Boden und im Grundwasser eingelagert und töten dort die vorhandenen Mikroorganismen ab. Der Boden wird unfruchtbar, das haben wir in Studien an der Universität herausgefunden. Die Bodenfruchtbarkeit hat nicht nur mit Mineralien zu tun, sondern auch mit biologischen Mikroorganismen, die durch Insektizide und Fungizide getötet werden.

In 20 Jahren sind die Sojaäcker Wüsten?

Mittelfristig deuten Studien darauf hin.

Und was hat das mit Europa zu tun?

Es gibt einen Vergiftungs-Kreislauf. Der Großteil der Pestizide kommt aus den USA und der EU. Chemiekonzerne wie Monsanto, Bayer oder Syngenta exportieren in Drittländer auch Pestizide, die in Europa verboten sind. Ein Teil kommt über Exporte in Form von Nahrungsmitteln wieder zurück nach Europa.

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