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Real vor dem Aus: Jetzt steigt Rewe in den Poker um die Filialen ein

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 05.06.2020 Solveig Gode
© Bereitgestellt von Business Insider Deutschland Getty Images

Update 5. Juni 2020: Rewe will 18 Real-Filialen übernehmen

Trotz Problemen in der Corona-Krise zeigt nun auch Rewe Interesse an den verbleibenden Real-Standorten. Wie die „Lebensmittelzeitung“ berichtet, hat der Vorstand dem Aufsichtsrat Pläne präsentiert, 18 Real-Filialen von Investor SCP zu übernehmen. Im Gespräch sei allerdings, dass Rewe die Standorte nicht als Eigentümer und auch nicht komplett bekommen soll, sondern Teilflächen als Mieter bekommt. Auch gebe es Überlegungen, nicht alle Mitarbeiter zu übernehmen. Sowohl Rewe als auch SCP haben die Gerüchte bisher nicht kommentiert.

Update 14. Mai 2020: Aldi und Kaufland haben Interesse an Real.de

Nicht nur die Real-Filialen, sondern auch das Digitalgeschäft Real.de soll verkauft werden. Mit dem Onlinehandel machte die Metro zuletzt einen jährlichen Umsatz von knapp 600 Millionen Euro, für das laufende Geschäftsjahr werde sogar ein Marktplatz-Volumen von 1 Milliarde Euro erwartet. Besonders während der Corona-Krise boomt das Geschäft, dessen Großteil das Marktplatzgeschäft ausmache. Den Aufwind will der neue Eigentümer SCP nutzen, um den Online-Shop möglichst zügig zu verkaufen, wie die „Lebensmittelzeitung“ berichtet. Der russische Investor strebt dabei offenbar einen Verkaufserlös im dreistelligen Millionen-Bereich an.

Erste Interessenten soll es bereits geben: Neben Aldi soll auch die Schwarz-Gruppe (Kaufland, Lidl) Interesse signalisiert haben. Sowohl der Discounter als auch Kaufland sind bis auf ein paar Experimente im Ausland oder mit gefloppten Lebensmittel-Lieferdiensten bisher nicht groß in das Online-Geschäft eingestiegen. Neben den beiden deutschen Handels-Schwergewichten soll auch der chinesische Handelskonzern Alibaba interessiert sein. Egal, wer am Ende den Zuschlag bekommt: Die Marke Real.de wird wohl nicht bestehen bleiben, viel interessanter wird für den Käufer die Übernahme der Logistik, der Verwaltung und des Know-hows der Mitarbeiter sein.

Die Schwarz-Gruppe könnte mit der Übernahme von Real.de den schwächelnden Online-Shop von Kaufland anschubsen. Amazon-Rivale Alibaba hingegen will mit seinem Online-Shop AliExpress stärker in Europa wachsen. Derzeit bauen die Chinesen in der belgischen Stadt Lüttich ein riesiges Logistikzentrum, das 2021 fertig werden soll. Die Übernahme von Real.de könnte einen schnellen und einfachen Einstieg in den deutschen Markt ermöglichen

Update 3. Mai 2020: Wirtschaftsministerium sieht keine Chance für kleine Händler

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht in dem Übernahme-Drama um die Real-Filialen kaum eine Chance für kleine Einzelhändler. Das geht aus einem Antwort Brief des Bundeswirtschaftsministeriums an die Grünen-Politikerinnen Renate Künast und Katharina Dröge hervor. “Aus wettbewerblicher und wettbewerbspolitischer Sicht mag es wünschenswert erscheinen, dass kleinere Wettbewerber eine möglichst große Anzahl von Filialen erwerben”, heißt es in dem Schreiben, das Business Insider vorliegt. Die Gesetzeslage sehe aber vor, dass der Staat nur dann eingreifen könne, wenn der Wettbewerb durch die Fusion erheblich beeinträchtigt wird. Das Kartellamt dürfe den Erwerb von Real-Filialen durch die Handelsriesen Edeka oder Kaufland nicht mit der Begründung ablehnen, dass ein Kauf durch kleinere Rivalen besser für den Wettbewerb, Lieferanten oder Arbeitnehmer wäre. Dies sei "ordnungspoltitisch auch nicht erwünscht". Bislang seien die geplanten Übernahmen durch Edeka und Kaufland noch nicht beim Bundeskartellamt angemeldet.

Das Schreiben des Bundeswirtschaftsministeriums war eine Antwort auf eine Anfrage von Renate Künast und Katharina Dröge. Die Grünen-Politikerinnen hatten zuvor in einem Brief an den Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor einer weiteren Marktmachtkonzentration im Handel gewarnt, wie Business Insider berichtete.

Edeka und Kaufland übernehmen 141 Filialen

Das Investorenkonsortium SCP und die Immobilieninvestoren X-Bricks haben die 276 Real-Märkte sowie deren rund 34.000 Mitarbeiter komplett übernommen, wollen die Kette nun aber zerschlagen. 

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, ist sich Investor SCP nun mit den Mitbewerbern Kaufland und Edeka einig: Kaufland will demnach 88 Märkte übernehmen, Edeka 53 Filialen. Im vierten Quartal 2020 sollen die Filialen an die neuen Eigentümer übergehen, über finanzielle Details wurde Stillschweigen vereinbart.

Laut Patrick Kaudewitz, Vorsitzende des Verwaltungsrats von SCP, sei mit der Übernahme für eine große Zahl der Märkte und ihrer Mitarbeiter Klarheit und Planbarkeit geschaffen worden. Die Verkäufe müssen allerdings noch vom Kartellamt genehmigt werden. Dieses hatte bereits angekündigt, die Übernahmen genau zu prüfen. Die vier großen Anbieter Aldi, Lidl, Edeka und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) kontrollieren rund 85 Prozent des gesamten Lebensmittel-Einzelhandels.

Neben den Verkäufen stellte Real bereits die Weichen für die Schließung von 7 Filialen, wie die „Deutsche Presseagentur“ berichtet. Zum Jahresende sollen die Geschäfte in Bamberg und Deggendorf, im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim und im niedersächsischen Papenburg geschlossen werden. Ende März 2021 sollen die Geschäfte in Augsburg und in Wildau bei Berlin folgen, zum Ende Juni 2021 auch die Filiale im nordrhein-westfälischen Rheine. Insgesamt sind davon 650 Mitarbeiter betroffen. Die Schließungen seien mit dem künftigen Real-Eigentümer besprochen. 

Insgesamt sollen bis zu 30 besonders schlecht laufende Filialen ganz geschlossen werden, ein Kern aus 50 Real-Filialen soll mindestens 24 Monate weiter bestehen bleiben. Ein Teil davon soll zu Malls ausgebaut werden, in denen zusätzlich Fastfood-Resaturants, Bäckereien oder Filialen etwa von Aldi einziehen.

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Wirtschafts-Drama um Real: Russischer Investor übernimmt Filialen, Schließungen und Kündigungen drohen

Das Wirtschaftsdrama rund um die Übernahme der angeschlagenen Supermarktkette Real glich einer Vorabend-Soap: ein ständiges Hin und Her und immer neue, urplötzliche Wendepunkte in den Verhandlungen. Jetzt ist der Deal besiegelt: Das Investorenkonsortium SCP und X-Bricks und der Mutterkonzern Metro haben sich auf eine 100-prozentige Übernahme geeinigt, wie beide vor wenigen Wochen bekannt gaben. Der Supermarktkette droht die Zerschlagung.

Wie die Deutsche Presse Agentur berichtet, sehe die Vereinbarung eine Veräußerung von Real als Ganzes zu einem Unternehmenswert von etwa einer Milliarde Euro vor, wie es in einer Mitteilung heißt. Metro spricht von einem Nettomittelzufluss von etwa 300 Millionen Euro — und damit rund 200 Millionen Euro weniger als ursprünglich erhofft — und weiterhin mehr als 1,5 Milliarden Euro Nettomittelzuflüsse nach sämtlichen Transaktionskosten aus dem Verkauf von Real und der Veräußerung eines Mehrheitsanteils am chinesischen Geschäft. Inzwischen hat die Europäische Kommission den Deal wie erwartet genehmigt, es gebe keine Wettbewerbsbedenken, wie es aus Brüssel heißt.

Der russische Finanzinvestor will laut „Dpa“ sofort nach Vollzug der Übernahme die Führung der Supermarktkette austauschen. Nach dem im Mai oder Juni erwarteten Abschluss des Kaufprozesses werde eine neue Geschäftsführung unter dem früheren Lidl-Manager Bojan Luncer die Leitung übernehmen, teilte SCP am Montag mit. Neben Luncer sollen dem neuen Führungstrio der Transformationsexperte Michael Dorn und der ehemalige Rewe-Manager Oliver Mans angehören.

Wie geht es nun weiter? 

Was genau mit den übrigen Filialen passiert und ob die anderen Real-Mitarbeiter ihre Jobs behalten dürfen, wird wohl noch einige Zeit unklar bleiben. „Die neuen Betreiber werden verpflichtet, die Real-Mitarbeiter auf der jeweiligen Fläche zu übernehmen“, versprach Koch in seinem Brief. Der Betriebsrat von Real ist jedoch besorgt, dass viele Stellen abgebaut werden. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Werner Klockhaus sagte der "Süddeutschen Zeitung" jüngst, er rechne mit einem Verlust von 10.000 Stellen. Metro-Chef Olaf Koch hatte diese Zahl bislang zurückgewiesen. Wo es betriebsbedingte Kündigungen geben wird, soll Koch zufolge eine bereits abgeschlossene Betriebsvereinbarung soziale Härtefälle mildern. Sie sieht Abfindungen von 12 bis 14 Monatsgehältern vor.

Real belastet Metro schon lange 

Real geht es schon lange nicht mehr gut. Bereits seit September 2018 sucht der Mutterkonzern Metro einen Käufer für die Düsseldorfer Supermarktkette.  

Denn der Lebensmittelhandel auf der Großfläche wird zum Auslaufmodell. Der Abwärtstrend wird von schlechten Zahlen untermauert: Ende 2019 war der Umsatz von Real erneut gesunken - um 1,6 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Vor zehn Jahren hatte Real in Deutschland noch knapp 8,8 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Das Geschäft rechnet sich für Metro kaum: Real belastet den Konzern mit einem operativen Verlust (Ebitda) von 154 Millionen Euro. 

Der Lebensmittelhandel auf großer Fläche lohnt sich kaum noch 

Reals Entwicklung ist exemplarisch für alle Großflächenhändler in Deutschland. Experten der Unternehmensberatung Oliver Wyman haben für das "Handelsblatt" den Markt analysiert. Das Fazit ist ernüchternd: Filialschließungen, Umsatzverluste, Umstrukturierungen. Gerade die großflächigen Lebensmittelhändler wie Real werden es sehr schwer haben. Die Berater prognostizieren, dass die Zahl der SB-Warenhäuser bis zum Jahr 2025 um fünfzehn Prozent von aktuell noch 1.300 auf 1.100 zurückgehen wird.

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Dabei scheint die Branche lange die Augen vor dieser Entwicklung verschlossen zu haben. Rainer Münch, Handelsexperte bei Oliver Wyman, sagte dem "Handelsblatt": „Das, was früher den Erfolg der Großfläche ausmachte, bieten heute auch die Supermärkte: Ein breites Sortiment mit einem großen Angebot an Frischwaren und spannende Preisaktionen." Deshalb verlieren die Großflächenbetreiber im Lebensmittelhandel seit Jahren immer mehr Marktanteile an Supermarktbetreiber wie Rewe und Edeka, aber auch an Discounter wie Aldi und Lidl.  

Auch Kaufland hat es schwer  

Wie sehr das Geschäftsmodell der SB-Warenhäuser unter Druck steht, zeigt auch, dass des selbst den Marktführern nicht gut geht. Kaufland ist dieses Jahr etwa nur um 1,2 Prozent gewachsen. Das "Handelsblatt" schreibt, es sei ein offenes Geheimnis, dass das Unternehmen 2019 Verlust gemacht habe. Zum Vergleich: Rewes Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um neun Prozent.  

Das Geschäftsmodell der Großflächenbetreiber lasse sich aber nicht allein durch Standortreduzierung retten, so der Berater Münch gegenüber dem "Handelsblatt". Denn die Schließung einer Filiale sei oft teurer, als diese jahrelang weiterzuführen. Stattdessen sei die Inszenierung der Fläche und des Angebots wichtiger. Die Oliver-Wyman-Studie empfiehlt unter anderem, mit moderner Datenanalyse die Märkte effizienter zu steuern und dadurch die Märkte auf die Nachfrage vor Ort anzupassen. 

sg

Supermarket chain Real © Getty Images Supermarket chain Real
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