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Swatch-Chef Nick Hayek: Das U(h)rvieh und seine Vernetzung

Börse Online-Logo Börse Online 12.10.2020
Swatch Modelle © Ruben Sprich/Reuters Swatch Modelle

Trotz Corona war Nick Hayek auch in den zurückliegenden Wochen im Büro. "Ich lass’ mich nicht einsperren", sagt er. "Ich bin ein Bauchmensch, ich brauche die emotionale Nähe zu den Leuten." Und in diesem Sinne schmeißt er denn auch die Swatch Group, den weltgrößten Uhrenkonzern. Seit 1994 ist er mit an Bord des Unternehmens, das einst sein Vater groß machte. Seit 2003 ist der "ewige Junior" Chef der Konzernleitung. Dabei war das nicht abzusehen, sein Herz gehörte dem Film. Fünf Jahre war er in Paris an der Filmakademie, gründete eine Produktionsgesellschaft, arbeitete als Regisseur, drehte 1992 den Film "Family Express" mit Peter Fonda.

Swatch Modelle © Ruben Sprich/Reuters Swatch Modelle

Doch Swatch ist ein Familienunternehmen. Und so kam er eben zurück und trat in Vaters allzu große Fußstapfen. Vorgehalten wird ihm gern, er habe sowohl das Onlinegeschäft als auch den Trend zur Smartwatch verschlafen, obwohl der Konzern mit 18 Uhrenmarken dafür prädestiniert gewesen wäre. Immerhin: Die neue Tissot T-Touch Connect soll nun als Smartwatch durchstarten.

Unbestritten ist aber die Macht des Konzerns im Bereich Uhrwerke. Viele andere Hersteller kommen ohne Teile der Swatch-Tochter ETA nicht aus. Und so kommt es, dass die Swatch Group mit einem Umsatz von 8,2 Milliarden Franken, 36000 Mitarbeitern und einer schuldenfreien Bilanz - trotz schwächerer Uhrenverkäufe - immer noch gut dasteht.

Sein Übervater

In den 80ern revolutionierte Nicks Vater, der in Beirut geborene Nicolas Hayek, die Fertigung elektronischer Uhren. Er reduzierte die Komponenten von 151 auf 51 Teile, presste das Ganze in ein Plastikgehäuse und nannte es Swatch. Weil er dazu noch schwächelnde Nobelmarken wie Tissot, Blancpain, Omega und Longines aufpäppelte, rettete er so nebenbei noch die Schweizer Uhrenindustrie. Hayek verstarb 2010 im Alter von 82 Jahren.

Seine Unterstützerin

Esther Grether ist vor allem bekannt als Sammlerin moderner Kunst. 600 Werke hat sie beisammen, der Wert wird auf über 700 Millionen Franken geschätzt. Sie gehörte von Anfang an zu den Unterstützern der Hayeks, als es darum ging, die Uhrenindustrie in der Schweiz neu aufzustellen. Kein Wunder also, dass die Familie Grether mit einem Aktienpaket von gut vier Prozent Anteilseigner von Swatch ist.

Seine Schwester

Familiensache: Während ihr Bruder Nick als Präsident der Konzernleitung fungiert, hat Schwester Nayla Hayek seit 2010 den Posten als Chefin des Verwaltungsrats der Swatch Group inne. Gleichzeitig sitzt sie in 30 weiteren Verwaltungsräten des Konzerns. Sie ist die einzige Frau an der Spitze eines Großunternehmens, das an der Schweizer Börse notiert ist. Zudem züchtet sie Araberpferde und führt ein Gestüt mit rund 50 Tieren.

Seine neuen Macher

Bei Swatch treten gerade viele alte Recken ab. Eine Verjüngungskur sozusagen. Allerdings mit bekannten Gesichtern. Matthias Breschan (links im Bild) von der Swatch-Tochter Rado wird Chef der Nobelmarke Longines. Und Sylvain Dolla, der zuletzt für die Swatch-Tochter Hamilton verantwortlich war, leitet ab sofort Tissot.

Sein Zögling

Er wird als der kommende Mann bei Swatch gehandelt: Marc Hayek, Sohn von Nayla und Neffe von Nick Hayek. Den Chefposten traut ihm der Onkel zu: "Er hat das Potenzial." Seit 2005 sitzt der 49-Jährige in der Leitung des Konzerns und trat vor drei Jahren als neuer Chef bei der Swatch-Tochter Blancpain an, der ältesten Uhrenmanufaktur der Welt. Der Zögling gibt gern Vollgas, war BMX-Meister in der Schweiz und gewann mit seinem Lamborghini die GT-Masters-Amateur-Rennserie.

Sein Werbeträger

Als James Bond trägt Daniel Craig Omega. Im neuen Film "Keine Zeit zu sterben" eine Seamaster Diver 300M 007 Edition. Gut für Hayek, gehört Omega doch zum Konzern. Die Marke Swatch liefert indes auch sechs 007-Modelle, im Film hat der geniale Entwickler Q eine am Handgelenk.

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