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Trump stürzt sich auf Huawei — und übersieht, wie ein anderer chinesischer Konzern immer mächtiger wird

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 18.09.2020 Business Insider Deutschland

Wer dachte, dass Donald Trump in Zeiten der Corona-Krise und des aufziehenden Wahlkampfs zu Hause genug zu tun hätte, der sah sich spätestens Mitte August getäuscht. Da holte der US-Präsident zum nächsten großen Schlag gegen den chinesischen Tech-Konzern Huawei aus. Da wurde der zwischenzeitlich größte Smartphone-Hersteller der Welt kurzerhand auf eine schwarze Liste gesetzt, um den Zugang der Chinesen zu US-Technologie abzuschneiden.

Der Grund war der gleiche wie schon im Frühjahr 2019, als Trump die ersten Sanktionen gegen Huawei verhängte. Der Konzern spioniere für die chinesische Regierung und habe eine unangemessene Nähe zur Kommunistischen Partei Chinas, behauptet die US-Regierung. Huawei weist das zurück.

Huawei treffen die neuen Sanktionen hart. Von den Exportbeschränkungen sind nämlich auch Unternehmen außerhalb der USA betroffen, sobald sie selbst US-Technologie einsetzen. Dazu gehören etwa Chiphersteller rund um den Globus. So berichteten Medien in Südkorea, dass die koreanischen Tech-Riesen Samsung und SK Hynic keine Chips mehr an Huawei liefern möchten.

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Huawei-Rivale Xiaomi ist in China längst etabliert

Vielleicht hofft Trump insgeheim, nicht nur Huawei zu bestrafen, sondern auch den US-Rivalen Apple zu stärken. Tatsächlich trauen Analysten aber einem ganz anderen Smartphone-Konzern zu, die Lücke zu füllen, die Huawei hinterlassen könnte. Dabei handelt es sich mit Xiaomi (gesprochen Schjaomi) wieder um einen chinesischen Hersteller.

Marktanalystin Annette Zimmermann glaubt, dass gerade die jüngere Generation der 14- bis 25-Jährigen und Kunden mit einem knappen Budget auf Xiaomi-Smartphones umschwenken könnte, wie sie der "Tagesschau" erläuterte. Heißt "vor allem die, die experimentierfreudig sind und gerne neue Marken ausprobieren."

Auf dem chinesischen Heimatmarkt ist Xiaomi längst etabliert, war früher sogar Marktführer. Doch auch in Europa läuft es für die Chinesen zunehmend besser. Laut den Analysten von Counterpoint Research steigerte Xiaomi seinen Marktanteil im zweiten Quartal von sechs auf 13 Prozent. Damit musste sich der Konzern nur Samsung, Apple und Huawei geschlagen geben. In Spanien, wo Xiaomi seine Produkte früh vertrieb, reichte es sogar noch vor Apple für Platz zwei. (Hier erfahrt ihr noch mehr zur Geschichte von Xiaomi.)

Offen ist, wie hart Trumps Maßnahmen Huawei wirklich treffen. Schon die Sanktionen vom Frühjahr 2019 steckte der Tech-Konzern erstaunlich gut weg. Und auch jetzt dürfte Huawei keineswegs klein beigeben, wie er auf der Entwicklerkonferenz Anfang September zeigte.

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Trotz Trump-Sanktionen: Huawei geht in die Offensive

Da stellte der Konzern eine komplett überarbeitete Version seines Betriebssystems Harmony OS vor. Sie soll im kommenden Jahr für Smartphones verfügbar sein. Huaweis neue Geräte haben seit Frühjahr 2019 keinen Zugriff mehr auf das lizenzierte Android-Betriebssystem mit Google-Diensten. Die Chinesen wichen daraufhin zunächst auf die Open-Source-Version von Android aus und entwickelten parallel dazu HarmonyOS.

Wie Richard Yu, der Chef der Consumer Business Group von Huawei, sagte, werde HarmonyOS 2.0 künftig auch für Smartwatches und Fernseher zu Verfügung stehen. Der Konzern tritt damit direkt gegen Google und Apple an und versucht, sich auch außerhalb Chinas mit selbst entwickelter Technik als dritte Kraft am Markt zu etablieren.

Zudem stellte Huawei seine neue Benutzungsoberfläche EMUI 11 für Smartphones und Tablet Computer vor. Sie basiert noch auf Android 10, während die Google-Version für bestimmte Smartphone-Modelle in dieser Woche auf Android 11 aktualisiert wurde.

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Auf der Konferenz im südchinesischen Dongguan präsentierte der Konzern auch neue Hardware, darunter zwei Notebook-Modelle, zwei Smartwatches sowie eine Neuauflage seiner drahtlosen Ohrhörer Freebuds. Gleichzeitig kündigte Huawei eine chinesische App-Allianz an, mit der die Vermarktung von Anwendungen aus China im Ausland jenseits der App-Stores von Apple und Google gefördert werden soll. Kurzum: Huawei greift an. Und das weit über den heimischen Markt hinaus. Schwarze Liste hin oder her.

ab/dpa

Xiaomi Launches New Product In Shanghai © Visual China Group via Getty Images Xiaomi Launches New Product In Shanghai
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